Vielleicht bist du erstaunt verblieben, vielleicht hast du geschmunzelt – oder aber ein Fragezeichen trägst du nun in der Gedankenwelt mit dir davon. Was immer die Gnubbel in dir ausgelöst haben: Sie haben etwas in Bewegung gesetzt, das vorher nicht da war.
Die Formen ruhen in sich und sind doch unruhig: Sie erinnern daran, daß nicht alles eine feste Bedeutung haben muß. Manches will einfach stehen, schwingen, wirken. Die Welt ist voll von Dingen, die kein Name faßt, und dennoch haben sie ihren Ort. Viele und vieles paßt nicht ins stereotype Bild eines schlichten Gemütes, bereichert uns vielmehr und ermöglicht uns, unseren gedanklichen Horizont zu erweitern, wenn wir es zulassen und nicht verbockt darauf beharren, unsere Umgebung unseren Vereinfachungen, Irrungen anpassen zu wollen. Manch simplen Verstand mag die Komplexität der Realität und Kreativität, das Gewimmel der Vielfalt überfordern, weil er sich weigert, sich darauf einzulassen, sich davon bereichern zu lassen. Daraus entsteht die Armut im Geiste, welcher auch mit dieser Ausstellung entgegengewirkt werden soll.
So wie ein Stein am Wegesrand, dessen Glanz erst im Sonnenlicht zum Vorschein tritt, so braucht auch die Phantasie manchmal nur einen Anstoß — sei es ein Farbklecks, eine rundliche Linie, ein seltsames Gebilde aus Material, das niemand kennt. Vielleicht trägt genau dies dazu bei, die Welt ein wenig offener, bunter, wunderlicher zu sehen und auch zuzulassen, statt sich in Kontrollzwängen eigener Versimpelung zu verlieren.
Wenn Du nun die Räume verlassen willst, halten dich vielleicht noch die Farben zurück, das ungeformte Spiel der Linien, das seltsame Nebeneinander von Material und Traum. Hast du nicht an der einen Ecke etwas Unerwartetes entdeckt — ein Leuchten, dem der Name fehlt, eine Form, die Dir zuwinkt wie ein alter Bekannter, dessen Gesicht du nicht erinnern kannst?
So sind die Gnubbel wie Metaphers des Alltags: Sie treten unvermittelt in dein Blickfeld, irritieren, fordern dich heraus, schenken dir aber gerade darin die Freiheit, sie mit Sinn zu erfüllen oder einfach stehenzulassen. Formen, die sich nicht erklären, sondern dir die Möglichkeit eröffnen, das Rätselhafte zu lieben, das Unfertige zu begrüßen, das dir noch Fremde zu erfahren.
Vielleicht ist es das Kostbarste, was sich aus dieser Ausstellung mitnehmen läßt: Daß das Unerwartete, Unvertraute offen daliegt, überall, und daß es Mut braucht, es zu erkennen — den Mut, Fragen stehenzulassen und Freude zu empfinden an dem, was nicht auf Antwort gewartet hat.
Versäume nicht, dieses kleine Spielerische in Deinen Alltag mitzunehmen: einen Gnubbel im Denken, ein Lächeln in den Augen, ein wenig Offenheit für das, was sich eben nicht festlegen läßt, nicht so ganz ins eigene, oft doch zu stark vereinfachte Weltbild paßt. Dann war der Weg durch die Ausstellung nicht umsonst, und jeder weitere Schritt bleibt offen für das, was kommen mag.
Und vielleicht regt Dich gerade ein solcher Gnubbel dazu an, im eigenen Leben nachzuspüren: Was ist es, das für dich derzeit bunt, eigenwillig, unfertig oder einfach ein wenig rätselhaft dasteht? Was in deinem Alltag verdient eine gnubbelige Skulptur, ein farbenfrohes Bild – nicht zum Deuten, sondern zum Anschauen, Annehmen, Schmunzeln?
Nimm also mit, was dir begegnet ist. Vielleicht nimmst du auch nur das Lächeln über einen kleinen, widerspenstigen Gnubbel mit hinaus ins Offene.