Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Abstraktiones

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 2014-10-20/11-25

Nachwort

Für Interpretationen und philosophische Reflexionen bietet die Erzählung einige Anknüpfungspunkte. Als Anregungen seien einige kurz angeschnitten, ohne damit allerdings den Lesern den Spaß nehmen zu wollen, eigene Ideen, Assoziationen zu haben. Literatur ist immer eine Verknüpfung der Ideen und Vorstellungen des Autors mit denen des Lesers. Von daher ist die Rezeption eines Werkes nie eindeutig. Wie es wohl nicht die Wahrheit über die Welt gibt, so gibt es auch keine alleinige über ein literarisches Werk.

Obgleich die Rohfassung des Textes letztlich in ungefähr vier Wochen geschrieben wurde, hat es ungefähr ein Jahr gedauert, bis der Text überhaupt begonnen wurde. Ausgangspunkt war in etwa die Anfangsszene, die einem Traum entsprungen ist, der in Erinnerung geblieben ist, weil dabei der Schlaf langsam in einen Halbschlaf übergegangen ist. Auch ein paar andere Szenen entspringen demselben Traum, sind allerdings deutlich umgestaltet worden, etwa die Szene mit der 'Schußfahrt' auf dem Rad in die Unendlichkeit, allerdings ohne dramatisches Ende.
Ob man etwas in Träume hineininterpretieren sollte? Keine Ahnung, allerdings interpretiert die Erzählung ganz sicher etwas in die Traumszenen hinein, was vorher nicht drin war. Von daher sind die Traumszenen nicht einfach nur nacherzählt. Sie Szenen sind massiv bewußt verändert und an ein Konzept angepaßt, welches sich allerdings wiederum teilweise aus den Szenen entwickelt haben mag.
Die Erzählung hat sich, wie bereits andeutet, erst nach gut einem Jahr ergeben, in welchem sich das Konzept erst langsam und mit längeren Unterbrechungen im Wachzustand entwickelt hat. Daß ein paar Szenen ihren Ursprung in einem Traum hatten, paßt natürlich auch gut zum dann herausgearbeiteten Thema, einschließlich der Verknüpfung mit dem Projekt DasSpiel und der Idee, die Erzählung nicht linear umzusetzen, und der Idee, statt einer eindeutigen Aufklärung der Situation mehrere zu bieten, die letztlich nichts aufklären.
Denn welcher Traum hätte schon ein gut durchdachtes Konzept, welcher Traum ist schon in der Lage, eine schlüssige, klassische Geschichte zu erzählen, ohne absurde Sprünge und skurrile Details?
Zum Glück erinnert man sich ja an die allermeisten Träume gar nicht - und was bleibt, ist oft beunruhigend - so gesehen, ist es mit diesem Traumüberbleibseln eigentlich recht gut gelaufen, es ließ sie etwas daraus machen, jedenfalls etwas deutlich Spannenderes als eine Aufarbeitung mit einem Psychotherapeuten, was vielleicht noch Alpträume auslösen könnte oder Phobien vor dem Liegen auf einer Couch...

Natürlich, weil es ja nun einmal eine nicht lineare Erzählung ist, ist auch das Nachwort in scheinbare Alternativen unterteilt - scheinbar in dem Sinne, daß es ziemlich egal ist, in welcher Reihenfolge man die folgenden Dokumente liest, also der Inhalt unterscheidet sich dann schon. Empfehlenswert ist auf jeden Fall auch die erste Variante, erst selbst jene Aspekte formulieren und notieren, die man selbst in die Erzählung interpretiert hat und dann bei Bedarf noch die anderen Dokumente als Anregung lesen - und nicht zu ernst nehmen - und vor allem nicht daran glauben, daß der Autor dies von vorne herein in die Erzählung hineingesteckt hat. Ja, es bleibt sogar ungewiß, ob das überhaupt in der Erzählung drinsteckt, vielleicht sind da einfach ganz dreist Überlegungen notiert, die nur ganz peripher mit der Geschichte zu tun haben und dieser nun nur als Nachwort einfach so untergeschoben werden.
Das Unterschieben ist auch schon deshalb recht plausibel, weil im vorherigen Absatz ja bereits erläutert wurde, daß alles mit Traumüberbleibseln seinen Anfang nahm, welche über längere Zeit auf ein Konzept gewartet haben, welches dann nur langsam umgesetzt wurde.
Nun gut, vielleicht ist natürlich auch die Sache mit dem Traum wieder nur eine Geschichte, eine Möglichkeit, eine Illusion, eine Täuschung, eine halbwegs plausible Interpretationsvariante, die mit zum Konzept dieses Textes paßt, Alternativen bereitzustellen, die sich vielleicht nicht einmal alle gegenseitig ausschließen. Vielleicht hat es sich aber auch wirklich so zugetragen und alles entspringt wirklich einem Traum, der irgendwelche Abgründe des Unbewußten verarbeitet und sich nun bedrohlich als Erzählung in den Vordergrund drängt, um irgendwie relevant zu erscheinen. Wenn dem so ist, welche Ängste könnte das Unterbewußtsein verarbeitet haben? Und hat das noch etwas mit dem zu tun, was dann später bewußt als Konzept des Textes ausgearbeitet wurde?

Gelingt es aber nun einem Leser mit all dem und den folgenden Anknüpfungspunkten, die Versatzstücke des Textes zu einem Ganzen zusammenzufügen? Und wäre das überhaupt erstrebenswert? Der Reiz des Spiels liegt ja eigentlich in der fehlenden Eindeutigkeit, die den Lesern Freiräume zubilligt.

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