Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Phönix

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-10-17/11-05, 2015-02-03/10

(8) Samstag Abend

Pünktlich stehe ich vor der Haustür und läute, außer den besprochenen habe ich auch meine Sachen für die Vorlesungen am Montag gleich mitgebracht. Sie öffnet über die Gegensprechanlage. Als ich oben angekommen bin, macht sie die Wohnungstür auf, als ich gerade davor stehe.

Ich stelle meine Sachen in ihrem Zimmer ab, sie begleitet mich ins Wohnzimmer, schlägt einen Videofilm vor, ich stimme zu. Sie sitzt in einem Sessel und ich auf dem Sofa.

Als der Film zu Ende ist, setzt sie sich neben mich und meint, es sei eine weitere Annäherung möglich, sie möchte, daß wir zusammen in einem Bett schlafen, mehr dürfe aber auf keinen Fall passieren. Sie wolle einfach nur, daß ich in ihrer Nähe sei, vielleicht noch mit mir reden, mich neben sich akzeptieren. Nachdem ich im Bad fertig bin, solle ich mich in ihrem Zimmer umziehen, ins Bett gehen, sie werde dann folgen.

Ich tue, was sie möchte, dann tritt sie im Schlafanzug ins Zimmer, wirkt etwas unsicher, schaut mich einen Augenblick an, schüttelt dann langsam den Kopf, das gehe noch nicht, ihr Bett sei zu eng; was aber gehe: wir könnten in J.s Bett schlafen, ich solle bitte mitkommen.

So stehe ich wieder auf, folge ihr in das andere Zimmer. Mit einer Geste weist sie auf das Bett. Während ich mich hinlege, läßt sie die Jalousie herunter, die kein Licht von draußen mehr durchläßt. Dann löscht sie das Licht, schließt die Tür. Es ist nun absolut dunkel. Ich höre ihre Schritte, sie steigt neben mir ins Bett, legt sich hin, zieht offenbar die Bettdecke bis unter das Kinn hoch.

Sie meint, es werde so gehen, doch müsse es auch möglich sein, daß sie mich an ihrem eigenen Platz, in ihrem Bett akzeptiere, das müßten wir morgen wagen. Jetzt sei sie etwas unruhig, sie zittere sogar etwas.

Sie dreht sich zu mir, ich höre, wie sie atmet, ich glaube, ich spüre ihre schnellen Atemzüge, sie muß mir ganz nah sein, ich wage nicht, mich zu bewegen.

Sie erläutert, sie sei zwar etwas nervös und aufgeregt, sie sei nicht sicher, ob sie einschlafen könne, trotzdem sei es schon ein kleiner Erfolg. Sie fragt noch nach meinen Vorbereitungen, ob ich die habe abschließen können? Ich stimme zu und wir plaudern noch ein wenig, erst über mein Studium, dann schweift das Thema etwas ab, die Plauderei gerät aber nicht ins Stocken und entwickelt sich recht entspannt und locker und setzt sich bis spät in die Nacht fort, bis wir uns entschließen, zu versuchen einzuschlafen.

Ich liege noch eine Weile wach, glaube nicht, daß sie schläft, dafür schlafe ich irgendwann ein.

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