Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Phönix

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-10-17/11-05, 2015-02-03/10

(21) Montag Morgen

Das Uhrenradio weckt uns, sie gibt mir einen Guten-Morgen-Kuß. Ich bin noch etwas träge, sie wirkt bereits recht munter. I. plant für den Tag: Sie glaube, es wäre gut, wenn wir uns heute nicht mehr sähen, den Tag ohne den anderen verbrächten, das steigere ihr Verlangen, sie müsse sagen, das ganze Wochenende, vor allem das nächtliche Liebesspiel hätten sie schon in eine so große innere Unruhe versetzt, diese ganze Anspannung müsse sich einfach bei unserem nächsten Versuch entladen, doch das Warten werde ihre Erregung noch weiter steigern, beinahe bis ins Unerträgliche, um die Erfüllung unserer Wünsche zu gewährleisten.

Sie werde mich am Dienstag Abend aber ganz bestimmt anrufen, ob ich Zeit haben werde?

Ich sage, daß ich für sie beinahe immer da sein würde.

So stehen wir also auf machen uns fertig, frühstücken und brechen in die neue Woche auf.

I. bleibt eine Überraschung, ein Rätsel. Einerseits war sie gestern so zutraulich und anschmiegsam, konnte sich aber doch ihrer Lust nicht ganz hingeben. Heute vertröstet sie mich mit sichtlich guter Laune auf den nächsten Abend. Nun, im Grunde hat sie recht, es ist aufregend, bei ihr weiß ich nie genau, was mich im nächsten Augenblick erwartet, unglaubliche intime Nähe und dann wieder Aufschub und Distanz mit dem gleichzeitigen Versprechen samt Termin für die nächste Annäherung. Es ist ein wohliger Wahnsinn, in welchen sie mich treibt. Aber ich wehre mich nicht, ergreife nicht zu sehr die Initiative, lasse den Dingen ihren Lauf. Sie scheint offenbar in ihrem schlauen, hübschen Kopf ihren Weg zu verfolgen und dem bin ich bereit zu folgen oder vielmehr sie zu begleiten.

Und sonst, was soll ich sagen, das Wochenende mit den Kindern ist prima gelaufen, auch für mich, diese kindliche Begeisterung, die Gespräche, all das hat auch mich wacher gemacht. Es hat einfach Spaß gemacht, mitzuerleben, wie die beiden Gedanken entwickelt haben, wie sie sich bei den Spielen verhalten haben. Ihr Vertrauen, ihre spontane Anhänglichkeit hat mich auch überrascht, vielleicht auch etwas verunsichert, weil ich ja auch komplett umschalten mußte. Den einen Augenblick habe ich noch I. im Arm, um intime Zärtlichkeiten auszutauschen und dann stehen auch schon die Kinder in der Tür und bringen insbesondere I. damit für einem Moment ganz aus dem Konzept. Aber es ist uns gut gelungen, gleich umzuschalten und auf die Kinder einzugehen. Ich meine, das Wochenende haben wir gemeinsam gut gemeistert und ich habe mich nicht einmal bei den Kindern unbeliebt gemacht. Das ist insgesamt ein guter Erfolg.

Vermutlich, so kann ich wohl annehmen, ist das so gut gelaufen, daß I. gleich noch mehr Lust bekommen hat, eigene Kinder zu bekommen. Nun, ich sollte mich darauf einstellen und sie nicht durch intensive Abwehr frustrieren. Stattdessen scheint es mir besser zu sein, mich langsam drauf einzulassen und wenn das Thema wieder aufkommt, nicht in Opposition zu gehen, sondern eher auf einen plausiblen Zeitplan hinzusteuern. Aber sollten wir uns da wirklich mit einem Plan unter Streß setzen? Vielleicht ergibt sich das im Laufe der nächsten Monate auch von selbst, wenn wir ganz vertraut miteinander sind und irgendwann einfach die Stimmung richtig ist.

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