Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Phönix

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-10-17/11-05, 2015-02-03/10

(16) Samstag Morgen

I. weckt mich mit einem Kuß auf die Wange und einem zärtlichen Knabbern an meinem Ohrläppchen, ich packe sie, wir drehen uns, pressen unsere Lippen aufeinander, das Spiel unserer Zungen währt eine ganze Zeit.

I. meint dann, ich solle Brötchen holen, während sie sich um das Frühstück kümmern wolle, denn wir hätten heute ja viel vor. So stehe ich auf, wasche mich, ziehe mich an. I., inzwischen auch aufgestanden, gibt mir Wohnungs- und Haustürschlüssel, sagt mir, was genau ich besorgen soll und wo, dann gehe ich.

Als ich wiederkomme, ist I. angezogen, hat den Frühstückstisch schon gedeckt, die Kinder ziehen sich auch gerade an. Während des Frühstücks erklärt I. ihnen, was sie zu tun hätten, wenn wir uns in der Stadt verlieren sollten.

Dann geht es los mit der Straßenbahn in die Stadt. Dort gibt es auch noch einmal eine Orientierungshilfe für die Kinder im Notfall, dann kann es losgehen. Da sich M. natürlich für andere Sachen interessiert als L., bleibe ich bei M., und so geht es durch mehrere Kaufhäuser, bis die beiden offenbar alles gesehen und einiges (zum größten Teil von I.s Geld) gekauft haben.

Zuletzt möchte I. noch etwas besorgen, meint, dabei brauchten wir nicht mitkommen, so verabreden wir uns am Kröpcke, und ich spaziere mit den Kindern an der Hand durch die Innenstadt.

Da L. noch etwas einfällt, was sie doch noch unbedingt haben möchte, gehen wir in das auf dem Weg liegende Kaufhaus. Ich frage L., ob I. auch damit einverstanden sei, daß sie das kaufe, sie hätte es doch gleich nehmen können, als sie hier gewesen sei. L. meint aber, sie sei sich da noch nicht sicher gewesen. Meine Bedenken, ob der Kram das Geld überhaupt Wert sei, den sie da haben wolle, zählt natürlich nicht, wichtig ist lediglich, daß ich so nett bin, ein paar Mark dazuzulegen, da L. nicht so viel Geld mitgenommen hat. Natürlich fällt auch M. noch etwas ein, was er gebrauchen kann. Nachdem auch das noch besorgt ist, erkläre ich, daß jetzt endgültig Schluß mit dem Kaufrausch sei. Als wir wieder draußen sind, meint L. schmunzelnd, ich müsse I. ja nicht unbedingt davon erzählen. Ich erwidere lächelnd, daß ich geahnt hätte, daß es nicht daran gelegen habe, daß sie sich nicht hätten entscheiden können.

Am Kröpcke angekommen, treffe ich zufällig eine Bekannte, mit der ich mich kurz unterhalte, und der ich natürlich erklären muß, wie ich zu den Kindern komme.

Kurz nachdem wir uns verabschieden, trifft I. wieder auf uns, und es geht zurück zu ihrer Wohnung.

Während die Kinder sich erst einmal mit dem neuen Spielzeug beschäftigen, schauen wir bei leiser Musik erst noch ein bißchen zu, bis I. meint, es werde Zeit, das Mittagessen vorzubereiten.

Wir gehen in die Küche. Dort möchte sie von mir wissen, wer die Frau gewesen sei, mit der ich mich am Kröpcke unterhalten hätte.

Meine Antwort, daß es eine Bekannte sei, reicht ihr offenbar nicht, wie gut ich sie kenne, wir hätten uns so vertraut unterhalten, hätten uns angelacht. Ob ich eine Beziehung mit ihr gehabt hätte?

Das verneine ich, frage sie, ob sie etwa eifersüchtig sei? Dazu bestehe kein Anlaß.

Sie senkt verlegen den Blick, tatsächlich habe sie das etwas beunruhigt, sie hätte ihren Schritt extra verlangsamt, um uns zu beobachten. Das Gefühl und was sie gehabt habe, als wir uns so angelacht hätten, sei wirklich unangenehm gewesen. Das sei wohl Eifersucht gewesen. Sie hätte nicht gedacht, daß sie so empfinden könne, ich hätte wirklich nichts mit ihr gehabt? Wie die Frau insbesondere mich angesehen habe, dazu mit den Kindern, ein wenig bedenklich sei ihr das schon vorgekommen. Sie meint, Frauen würden zur geeigneten Zeit ganz sicher auf fürsorgliche Männer anspringen und es sei ihr so erschienen, als hätte jene Dame unwillkürlich oder absichtlich ihre Körpersprache geändert, um sich in ein möglichst gutes, verlockendes Licht zu stellen.

Ich schmunzele, Streuselchen sei wirklich eifersüchtig, doch entweder sie vertraue mir, wenn ich ihr sagte, es bestehe kein Anlaß zur Eifersucht, oder es sei sinnlos, mich überhaupt zu fragen, da so dem Wahrheitsgehalt meiner Aussagen keine Bedeutung zukomme. Wenn sie mir nicht vertraue, könne sie auch meiner Versicherung, daß ich nur sie liebe, kein Vertrauen schenken. Da sie mir von ihren für uns ihrer Meinung nach als unwichtig einzustufenden intimen Kontakten zu J. erzählt habe, warum sollte ich ihr da derartiges verschweigen, selbst wenn ich es nicht für wichtig hielte, oder sie sogar belügen?

Sie umarmt mich, es tue ihr leid. Natürlich sei es Unsinn, was sie da gefühlt habe, ich hätte Recht, ihre Fragen, hätte sie sie ernst gemeint, wären von mir nicht beantwortbar. Sie werde mir vertrauen, also auch davon ausgehen, daß ich ihr das nicht verschweigen könnte. Außerdem hätte sie ja auch kein Recht, mir irgendetwas zu verbieten, da sie nun aber wisse, wie sich das anfühle, auch wenn es unberechtigt gewesen sei, stehe ihr Entschluß fest, daß sie von nun an keine intimen Kontakte mehr mit J. haben werde, um meine Leidensfähigkeit diesbezüglich nicht überzustrapazieren. Sie drückt ihren Mund auf den meinen, wir halten uns eine Weile fest, wonach I. mit der Vorbereitung des Mittagessens beginnt, wobei sie meint, es lohne sich nicht, daß ich ihr dabei helfe.

Es gibt Kartoffelpuffer mit Blaubeeren, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen.

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