Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Phönix

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-10-17/11-05, 2015-02-03/10

(13) Donnerstag Abend

Ich habe nichts mehr von I. gehört, seit wir uns am Mittwoch Morgen verabschiedet haben, ich hatte gedacht, sie werde spätestens heute Nachmittag anrufen, dann habe ich es nicht mehr ausgehalten, mich nach ihr gesehnt, nun bin ich auf dem Weg zu ihr, will sie überraschen. Ich hoffe, daß sie sich freut, hoffe, daß der bisher nicht erfolgte Anruf nichts damit zu tun hat, daß es am Dienstag doch zu viel für sie gewesen ist, was mir allerdings unwahrscheinlich erscheint, weil sie am Mittwoch Morgen relativ gut gelaunt zu sein schien.

Die Haustür ist nicht ins Schloß gefallen, so entschließe ich mich, gleich hochzugehen, ohne vorher unten zu läuten. Mache ich vielleicht einen Fehler, wenn ich hier ohne ihre vorherige Zustimmung erscheine?

Oben stehe ich vor der Tür und klingele. Ist sie vielleicht gar nicht da? Das Warten gestern Abend und heute Nachmittag auf einen möglichen Anruf von ihr war mir schier unerträglich geworden. Doch ich höre sie schon rufen, ich solle mich bitte einen Moment gedulden.

Sie öffnet, ist nur provisorisch mit einem umgelegten Handtuch bekleidet, ihre Haare trägt sie offen, sie sind naß, ebenso ihre schönen Arme, an ihren bezaubernden Beinen rinnen Wassertropfen herab, bis zu ihren schlanken Fußgelenken, denn sie steht barfuß im Flur, schaut mich erstaunt an: "Du?" Sie habe gedacht, J. sei noch einmal zurückgekommen, habe mal wieder ihren Schlüssel vergessen. Nach einem Moment läßt sie mich herein, schließt die Tür.

Ich muß sie einfach anschauen, was ich von ihr sehe, in mich aufnehmen, frage sie, ob ihr unangenehm sei, daß ich unangemeldet gekommen sei, nicht auf einen Anruf von ihr gewartet hätte, ich hätte es einfach nicht mehr ohne sie ausgehalten, aber sie könne mich sofort wieder wegschicken, wenn sie nicht wolle, daß ich jetzt hier sei.

Sie schaut mich verlegen an, schüttelt den Kopf, meine Anwesenheit sei ihr nicht unangenehm, eigentlich hätte sie mich schon am Nachmittag anrufen sollen und fragen, ob ich Zeit hätte, sie lächelt, nun hätte ich ihr den Anruf erspart und sei etwas früher als von ihr erhofft da, nicht so schlimm, im Gegenteil, ich sei sehr willkommen.

Ich halte ihr die Rose hin, die ich für sie besorgt habe. Sie lächelt mich an, nimmt sie schnell mit beiden Händen, wobei sie flüchtig meine Hände streift, mit den Worten, daß die Rose wunderschön sei. Dabei rutscht das Handtuch, auf das sie in dem Moment nicht aufgepaßt hat, hinunter, und sie steht nackt vor mir. Sie senkt verlegen den Blick, legt die Rose schnell auf ein Schränkchen. Ich schaue sie an, sie ist schön, Sommersprossen hat sie wirklich nicht nur im Gesicht, und wie am Dienstag schon gespürt und mir früher erzählt, fehlen die Schamhaare. Ich kann nicht anders, als sie die Rose gerade hingelegt hat und sich schon bücken will, um das Handtuch wieder aufzuheben, trete ich entschlossen auf sie zu, fasse sie an den Schultern und ziehe sie zu mir heran. Vorsichtig, sie zunächst kaum berührend, tasten meine Lippen nach den ihren. Zunächst hat sie einen Moment lang noch ihre Unterarme in einer Abwehrhaltung gegen meinen Brustkorb gestemmt, ihre Arme gleiten jetzt jedoch unter meinen hindurch, umarmen mich, drücken mich an sie. Ich küsse ihre Wange kräftiger, gleite mit meinen Lippen zurück zu den ihren, finde sie, sie pressen sich aufeinander, meine Zunge drängt sich durch meinen Mund gegen ihre Lippen, die sie nach kurzem weiterem Drängen zögernd öffnet. Meine Zunge betastet ihre Zähne, verlangen weiteren Einlaß, der gewährt wird. Ihre Zunge begrüßt die meine mit einer sanften Berührung, zieht sich sofort wieder zurück, um gleich darauf wieder die meine zu suchen, zu einem vergnüglichen Spiel in ihrem und in meinem Mund, dann trennen sich unsere Lippen, die Zungen spielen weiter miteinander vor unseren Mündern, wir schauen uns jetzt in die Augen, dann streichen unsere Wangen aneinander vorbei. Sie lockert ihre Umarmung, eine Hand zieht den Reißverschluß meiner Jacke auf, also löse auch ich meine Arme, deren Hände zuvor ihren herrlichen Rücken erforscht hatten. Sie lacht mich erleichtert an, meine Hände und Sachen seien ganz kalt, ich solle Jacke und Schuhe ausziehen, was ich tue.

Sie zieht mich an der Hand hinter sich her in ihr Zimmer, wir fallen aufs Bett, ich küsse sie wieder auf ihre köstlichen Lippen, die Nasenspitze, ihre Wangen, ihren Mund, während eine Hand mit ihren Locken spielt, die andere sich langsam von ihrer Schulter über ihren Busen zu ihren Brüsten vortastet, jederzeit zum Rückzug bereit, wenn sie das nicht mögen sollte, sie vorsichtig und sanft streichelnd, während ihre Hände unter mein Sweat-Shirt gleiten und an meinem Rücken hoch, mich dort zu massieren beginnen.

Unsere Liebkosungen dauern eine wundervolle, viel zu kurze Ewigkeit, dann liegen wir nebeneinander, I. hat die Decke hochgezogen, meint, sie habe sich ein bißchen vor ihrer Reaktion gefürchtet, wenn ich das erste Mal etwas täte, was sie nicht zuvor geplant und einkalkuliert habe, doch nun, als es passiert sei, sei es gut gewesen, sehr schön. Sie habe geglaubt, daß es für sie schwieriger sein würde, wenn wir uns küßten, sie ganz nackt in meinen Armen liege, ich sie so berühre, doch nun sei es so leicht und schön gewesen, dabei schiebt sie mein Sweat-Shirt hoch, zieht es mir über den Kopf. Ich solle auch die Hose und die Socken ausziehen, meint sie. Ich stehe auf, tue das, sie lacht mich vergnügt an: "Komm her zu mir und halt' mich fest, halt' mich ganz fest!" Ich krieche wieder zu ihr unter die Decke, wir umarmen uns wieder, wilde Küsse überall über unsere Gesichter verteilt, wir drehen uns, jetzt liege ich unten, sie auf mir, sie zieht ihre Beine an meinem Körper entlang an, hält ihren Oberkörper noch zu mir niedergebeugt, preßt ihre Beine dicht gegen meinen Körper. Sie hebt ihren Oberkörper, schaut mich strahlend, glücklich an, wie ich sie vorher nie gesehen habe. Tatsächlich ist sie so noch viel schöner.

Ihre Hände streichen zärtlich über meinen Oberkörper, meine fahren ihre Oberschenkel hoch, umfassen ihre Taille, streichen an ihren Seiten hoch bis zu ihren schönen Brüsten, die ich sanft liebkose.

Sie meint, sie habe gestern eine kleine Pause von mir gebraucht, ihre innere Anspannung sei doch zu groß gewesen. Die Nacht habe sie mit J. verbracht, deren Zärtlichkeiten ihre Anspannung zu lösen vermocht hätten. Wenn sie mir jetzt davon erzähle, wolle sie mich nicht absichtlich leiden lassen, aber verschweigen wolle sie das auch nicht. Jetzt sei ich ja bei ihr, und sie fühle sich wohl, das sei alles, was ihr jetzt wichtig sei.

Ich umfasse ihre Schultern, ziehe ihren Oberkörper wieder zu mir herunter, wir küssen uns wieder, umarmen uns, halten uns fest. Dann flüstert sie mir ins Ohr, wenn ich jetzt das Erlebnis von Dienstag wiederholen wolle, sei sie einverstanden, sie spüre ja, daß ich erregt sei, ihr sei es recht, wenn ich es wolle.

Ich frage sie, ob sie heute bereit sei, ihre Gefühle auszuleben, ihre Reaktionen zuzulassen, sie meint aber, dafür sei es noch zu früh, doch sei es möglich, für die Befriedigung meines Verlangens zu sorgen, meine Lust zu spüren. Ich meine jedoch, wenn sie nicht glaube, daß sie dabei ebenso empfinden könne, sei es mir lieber, daß wir lediglich weiter Liebkosungen und Zärtlichkeiten austauschten, denn da sei deutlich wahrzunehmen, daß sie das genieße. Ich möchte jeden Quadratzentimeter ihres wunderbaren Körpers erforschen und bewundern. Sie strahlt mich stolz und glücklich an, ich küsse ihre Schultern, streichele ihre Arme. Sie meint, ich hätte heute die Initiative ergriffen, also sei sie einverstanden, wenigstens solange sie nicht protestiere, außerdem sei es herrlich, meine Nähe, meine Zärtlichkeiten zu spüren, es tue so gut, meine Haut auf der ihren zu spüren, jetzt sei alles gut, was ich tue, sie fühle sich wohl und erleichtert, wo sie in meinen Armen liege, meine Zuneigung und angenehmen Liebkosungen genieße, mir vertraue.

Meine Hände fahren über ihre Oberschenkel zu ihrem Po, ihrer Taille, ich fasse sie, drehe sie um, so daß sie wieder auf dem Rücken liegt. Von ihrer Schulter wandern meine Küsse über ihren Hals und ihren Busen zu ihren Brüsten, die ich mit der Zunge umspiele, sie mit den Lippen umkreise allmählich in enger werdenden Zirkeln, bis ich die Brustwarze erreiche, sanft daran sauge, was ihr gut zu gefallen scheint, mit einer Hand fährt sie sanft durch mein Haar, hebt den Oberkörper meinen Liebkosungen leicht entgegen. Mit einer Hand streiche ich über ihre Seite, ihren Bauch, spiele mit ihrem Bauchnabel, auch meine Lippen wandern nun langsam in diese Richtung, ich verteile sanfte Bisse über ihren Bauch, umspiele mit der Zunge ihren Bauchnabel, beim Ausatmen kitzelt der Luftstrom aus meiner Nase ihre Haut. Meine Hand wandert weiter über die Außenseite ihres Oberschenkels bis zu den Knien, ihn dabei gleichzeitig massierend. Ich wechsele auf die Innenseite, schiebe die flache Hand dabei zwischen ihre Knie und hebe ein Bein an, bereitwillig folgt sie, winkelt es an, ich massiere ihre Wade, streichele Fußgelenk und Fuß. Meine Küsse wandern noch tiefer, langsam, zwei Zentimeter vor und einen zurück, ich spüre, wie sie langsam unruhiger wird, frage mich, ob Erregung oder Aufregung. Da sie jedoch gesagt hat, wenn es zu viel werde, werde sie protestieren, mache ich weiter, meine Hand faßt ihre Kniekehle, drückt das Bein langsam weiter nach außen, je tiefer ich mit dem Mund gelange. Nunmehr krault sie zwar mit beiden Händen meinen Kopf, macht aber keine Anstalten, mich aufzuhalten, nur ihr Körper bewegt sich leicht und zeigt damit ihre wachsende Unruhe. Meine Lippen erreichen ihren Schamberg, meine Zunge setzt das Spiel mit wechselndem Druck und kreisenden Bewegungen fort. Mit der Hand, die nicht ihr Bein hält, taste ich nun einen ihrer Arme hoch bis zu ihrer Hand, meine Finger fahren über ihre Handfläche und zwischen ihre Finger, sie faßt kraftvoll zu, unsere Finger umklammern sich, die Hände sinken auf das Laken, halten sich. Ihr Atem geht schneller, durch den Mund atmet sie aus. Mit meiner Zunge erreiche ich ihre Schamlippen, die kreisenden Bewegungen fortsetzend. Ich rieche ihren Duft, spüre wie erregt sie ist, der Druck ihrer Hand wird fester, der Atem noch schneller. Der Druck meiner Lippen, meiner Zunge wird stärker, ihr Griff wird jetzt sehr fest, beinahe schmerzhaft für mich. Als meine Zunge vorsichtig aber entschlossen versucht, sich zwischen ihre Schamlippen zu drängen, schiebt sie mit der anderen Hand ganz sanft und ohne Eile meinen Kopf zur Seite, dem ich ohne Zögern folge, ihr Griff um meine Hand entspannt sich wieder, meine Küsse wandern die Innenseite ihres angewinkelten Oberschenkels hinunter in Richtung meiner Hand, die ihr Bein nun nicht mehr so stark nach außen drückt, sondern langsam weiter über ihre Wade gleitet, sie kräftig massiert. Als mein Kopf ihre Kniekehle erreicht, lecke ich etwas Schweiß von ihrem Schenkel, schmecke das Salzige, während meine Hand zu ihren Zehen hinabwandert und mit ihnen spielt, sie lacht leise auf, zieht ihr Bein etwas an.

Mit einem Kuß auf den Bauchnabel und ihren Busen nähere ich meine Lippen wieder den ihren, wir küssen und umarmen und drehen uns wieder, so daß sie wieder oben liegt, meine Zunge spielt mit ihrem Ohrläppchen. Noch immer geht ihr Atem sehr schnell, als sie in mein Ohr flüstert, das sei sehr schön gewesen, jetzt sei ich aber dran.

Sie küßt meine Stirn, eine Hand fährt durch meine Haare, ein Fuß gleitet an meinem Bein hoch, dann reibt sie ihren Oberkörper und Bauch mit langsamen, kreisenden Bewegungen und stark durchgebogenem Rückgrat mit unterschiedlich starkem Druck an meinen Körper, mit einer besonders weiten Bewegung nach unten zieht sie beide Beine an, so daß sie wie zuvor, nur etwas tiefer auf mir sitzt, dabei hat sie ihre Haare über meinen Kopf geworfen und in der Abwärtsbewegung über mein Gesicht streifen lassen, dabei ziehe ich den Duft ihrer Haare mit einem tiefen Atemzug durch die Nase ein. Mit der Zunge malt sie Muster auf meinen Brustkorb, ihre Hände massieren meine Schultern, streicheln meine Arme. Ich spüre ihren Atem auf meiner Haut, mit der Nase streicht sie weiter hinunterrutschend über meinen Bauch, dann arbeiten sich ihre Lippen wieder hoch, ihre Zunge umspielt nun meine Brustwarzen, sie schaut mir kurz und lächelnd in die Augen, zarte Bisse verteilen ihre Zähne auf meinem Bauch. Meine Hände fahren durch ihre lockigen, feurigen Haare, die sie nur flüchtig nach dem Duschen abgetrocknet hat.

Ihre Hände spielen am Gummiband meines Slips, ich genieße alle ihre Berührungen, schließe die Augen. Sie legt sich seitlich neben mich, mit einem Fingernagel streicht sie vorsichtig an meinem Bein hinunter bis zum Knie, zupft verspielt an den Härchen auf meinen Beinen, kitzelt meine Fußsohlen, daß ich lachen muß, ihre Hände wandern daraufhin wieder meine Beine hinauf, ihre Zunge umkreist meinen Bauchnabel, ihre Hände greifen seitlich in meinen Slip und gleiten über meine Haut weiter nach hinten, ihre Finger malen Muster auf meinen Po. Dann zieht sie vorsichtig den Slip hinunter und ganz aus, ich spüre ihren Atem auf der Haut, kurz streichelt ihre Hand meine Genitalien, meine Erregung steigernd, dann spüre ich, wie ihre Zunge an meinem erigierten Penis hinaufstreicht. Ihre Lippen berühren die Eichel, ihr Mund umschließt sie, ihre Lippen verstärken den Druck. Es fällt mir schwer, aber ich hebe langsam ihren Kopf mit meinen Händen, sie legt ihren Kopf seitlich auf meinen Bauch, streichelt sanft meinen Oberschenkel, gleitet dann an mir hoch, bis sich unsere Lippen wieder finden und wir uns umarmen.

Sie liegt neben mir, mit einem Finger malt sie Muster auf meinen Oberkörper, während sie zu sprechen beginnt, ob ich Lust hätte, das Wochenende mit ihr zu verbringen?

Ich antworte, daß ich selbstverständlich Lust dazu hätte.

Sie lächelt mich an, das habe allerdings einen kleinen Haken, über das Wochenende seien die Kinder ihrer Schwester bei ihr, mit denen sie etwas unternehmen wolle, dabei könne ich natürlich mitkommen. Daß sie kommen, hätte sie gestern mit ihrer Schwester K. abgemacht. Es habe wohl eine kleine Krise mit ihrem Mann gegeben, die sie allerdings inzwischen überstanden hätten, aber sie wollten wohl zur Versöhnung gerne einmal ein Wochenende allein verbringen, ein Liebeswochenende sozusagen. Da sie die beiden Kinder sehr gern habe, habe sie den Vorschlag gemacht, daß diese das Wochenende bei ihr verbringen, sie komme ja auch gut mit ihnen aus, so daß das sicher zwei schöne Tage würden, sie würden am Freitag Nachmittag gebracht. J. sei dann noch da, verschwinde aber wie meistens am Wochenende zu ihrem Freund, so daß die beiden bequem in ihrem großen Bett schlafen können. Es müsse nur noch überlegt werden, was unternommen werden könne. Sie fragt, ob ich immer noch das Wochenende mit ihr verbringen wolle.

Ich gestehe, daß ich es nicht gewohnt sei, auf kleine Kinder aufzupassen, doch wenn sie gut mit ihnen zurecht komme, hätte ich keine Bedenken.

Sie meint, dann solle ich Freitag rechtzeitig kommen, dann könne ich gleich auch noch J. und K. kennenlernen. Sie nennt mir die Uhrzeit, sie werde Freitag eher Schluß machen, sie habe sowieso immer viel zu viele Überstunden, sie werde früh genug Zuhause sein und vorher noch Zeit zum Einkaufen haben.

Sie sei begeistert, daß ich kommen wolle, daß sei lieb von mir. Sie küßt mich wieder, auf die Wange, die Stirn, dann auf den Mund, unsere Zungen finden sich wieder zu einem langen, aufregenden Spiel, während ihre Hände meine neben dem Kopf festhalten und ihre Haare, über das Kopfkissen verteilt, einen feucht-frischen Duft verströmen.

Später meint sie, sie verstehe nicht wieso, aber durch mich sei sie aus diesem Alptraum erwacht, der in den letzten neun Jahren ihr Leben gewesen sei. Sie sei ins Leben zurückgekehrt, meine Nähe, meine Berührungen, meine Küsse hauchten ihr neues Leben, Glück ein, sie fühle sich so gut, so wohl und sicher, sie hätte nicht geglaubt, daß sie das jemals und so intensiv würde erleben können. Damals habe der Täter mit der versuchten Vergewaltigung ihre Kindheit, ihre Erinnerung an die ersten vierzehn glücklichen Jahre gewissermaßen ausgelöscht, und die folgenden neun Jahre habe sie deswegen beinahe durchgehend nur noch vor sich hin vegetiert, habe nur bei K. und den Kindern oder bei J. so etwas wie Leben in sich gespürt, sonst sei alles in ihr kalt und leer gewesen, ausgelöscht.

Aber sie schaue nicht mehr zurück und hadere mit ihrem Schicksal um Dinge und Zeit, die sie verloren habe. Lieber schaue sie in die Zukunft und auf die Gegenwart, das Jetzt werde ihr niemand mehr nehmen können, das werde sie sich nicht mehr entreißen lassen. Wenn wir uns in den Armen hielten, wisse sie, daß eine Stunde mit mir das ganze Leiden aufwiege. Jetzt, mit mir habe sie es geschafft, endlich sei es ihr gelungen, wieder aufzustehen und mit dem Leben zu beginnen, raus aus dem Grab und hinein in meine Arme, ich hätte sie gepackt und herausgezogen und festgehalten, das alles sei so gut.

Ich meine, obwohl ich nicht so Schreckliches wie sie erlebt hätte, sondern eher weil ich überhaupt nichts erlebt hätte, sei in mir ebenfalls eine große Leere gewesen, bevor ich sie kennenlernte, und die Sinnlosigkeit der Welt habe mich belastet. Jetzt sei die Leere mit meiner Liebe zu ihr gefüllt, jetzt, wo sie sie erwidere und weil sie sie erwidere, sei mir die Sinnlosigkeit der Welt völlig egal. Die Liebe zu ihr scheine mir so unermeßlich tief wie zuvor die Leere, je mehr Liebe und Zuneigung ich ihr gäbe, desto gewaltiger werde dieses Gefühl, dieses phantastische, unbeschreibliche Gefühl ihrer Nähe und Zuneigung.

Sie lächelt, strahlt mich an, schaut mir verträumt in die Augen, mit zwei Fingern streicht sie sanft über meine Stirn, obwohl es ihr schwerfalle, so etwas auszusprechen, überhaupt ihre Gefühle in Worte zu fassen, wolle und müsse sie es versuchen, sie wisse jetzt genau, sie brauche mich, sie brauche mich so sehr, je mehr sie sich mir öffne, desto mehr spüre sie, daß sie wieder leben und lieben könne! Sie fordert mich auf, sie festzuhalten, sie nie mehr loszulassen, seit wir uns das erste Mal umarmt hätten, habe sie gewußt, daß sie durch mich wieder zu sich selbst finden könne und sich der Welt wieder bedingungslos werde stellen können. Der Haß auf alle Männer sei wie eine Krankheit gewesen, die ihre Gedanken in Dunkelheit gestürzt hätten, durch ihre Liebe zu mir und meine Liebe zu ihr sei es wieder hell in ihr geworden. Sie brauche mich! Sie brauche mich, weil sie mich liebe!

Wir umarmen uns wieder, sie reibt sanft ihren Körper an meinem, umklammert mich, preßt sich an mich, als wolle sie mich wirklich nicht mehr loslassen.

Plötzlich ist ein Schlüssel im Schloß der Wohnungstür zu hören, die kurz darauf geöffnet wird. Durch die offene Tür von I.s Zimmer können wir auf den noch immer beleuchteten Flur schauen. Es ist eine Frau zu sehen, sie schaut erst erstaunt auf die Sachen, die noch im Flur auf dem Boden liegen, dann schaut sie zu uns in das ebenfalls erleuchtete Zimmer, sie hebt die Sachen nach kurzem Zögern auf und bringt sie herein.

I. stellt uns vor, es handelt sich um J., die sagt, sie wolle uns nicht stören, wirkt dabei ganz abwesend, will schon die Tür schließen. I. stellt jedoch fest, daß etwas nicht mit ihr in Ordnung sei, will von ihr wissen, was los sei, sie solle herkommen und sich zu uns auf die Bettkante setzen. Gleichzeitig setzt I. sich aufrecht ins Bett, zieht die Bettdecke über die angezogenen Beine und klemmt sie zwischen Kinn und Knie. Ich richte mich ebenso auf.

J. setzt sich tatsächlich, fährt mit den Händen durch ihr Gesicht, meint, es habe Streit mit ihrem Freund B. gegeben, dann sei sie einfach von ihm abgehauen.

I. will wissen, worum es gegangen sei, doch J. winkt ab, unwichtige Kleinigkeiten, aber ein schlimmer Streit.

I. fragt, ob sie es für möglich halte, daß B. es auch unwichtige Kleinigkeiten nennen würde?

J. meint, das sei wohl so, doch wie sie sich angeschrien hätten, das sei keine Kleinigkeit gewesen. Sie habe ihn doch so gemocht, tue das im Grunde immer noch, doch so, wie sie sich gestritten hätten, sei es wohl vorbei. Ein Wort habe das andere gegeben, wie das eben so laufe, längst erledigte Dinge würde wieder aufgekocht. So wie sie ihn aber zum Schluß angeschrien habe, wie er sich dann in sein Schneckenhaus zurückgezogen habe, da sei sie eindeutig zu weit gegangen. Zwar habe er ja mitgestritten, aber sie habe eindeutig übertrieben.

I. meint, wenn sie um unwichtige Kleinigkeiten gestritten hätten und ihr noch etwas an ihm liege, solle sie nicht so schnell aufgeben, ihn am besten gleich anrufen. Sie umarmt dabei J., wenn sie sowieso schon meine, daß sie zu weit gegangen sei, solle sie auch den ersten Schritt tun. Sie müßten sich aber beide dazu entschließen, sachlich über ihre Probleme zu reden, statt sie als im Grunde unwichtig abzutun und sich trotzdem gegenseitig mit Worten fertigzumachen.

J. fragt, sofort solle sie anrufen?

I. antwortet, das sei das Beste.

J. löst sich wieder von ihr, sie brauche noch einen Moment, meint sie, schaut mich an, das also sei ihr Märchenprinz und edle Retter.

I. lacht, kein Märchenprinz, kein wundersamer Retter, sondern der ganz reale Geliebte, da sei sie nun ziemlich sicher.

J. fragt, ob ich auch gleichzeitig der Liebende sei? Ob es mir wirklich Ernst mit I. sei; wenn mir I. von sich erzählt habe, könne ich mir sicher denken, daß I. einen Liebenden brauche, keinen Ausbeuter.

Ich erwidere, soweit man das überhaupt sagen könne, sei ich sicher der Liebende, nicht der Ausbeuter, also würde ich es auch Ernst mit ihr meinen.

Sie möchte von mir wissen, ob ich ebenfalls meinte, daß sie ihren Freund B. gleich anrufen solle?

Ich antworte, weder kenne ich sie ausreichend, noch B. überhaupt, könne also schlecht beurteilen, ob und wie sie das am Besten wieder hinbiege, vielleicht sie es aber auch falsch, sich gleich für alles verantwortlich zu halten oder für alles die Verantwortung zu übernehmen, nur um die Versöhnung nicht zu gefährden, einen Dauerzustand könne man daraus ohnehin nicht machen.

J. nickt überlegend, es gehe auch nicht darum, daß sie die Schuld für den Streit allein bei sich selbst sehe, vielmehr sei sie nur der Meinung, daß sie für ihren Abgang die falschen Worte benutzt habe. Sie müßten tatsächlich beginnen, sachlich über ihre unwichtigen Probleme zu reden, damit sie nicht wichtig würden, sondern es doch noch weitergehen könne.

Ich füge noch ironisch lächelnd hinzu, es tue eine schnelle Versöhnung schon deshalb Not, weil I. ihr Bett für das Wochenende schon für die Kinder ihrer Schwester verplant habe.

Beide lachen, J. nickt, das sei allerdings ein schlagendes Argument, sie werde gar nicht anders können, als sich mit B. zu versöhnen, sie könne den Kindern schließlich nicht den Schlafplatz wegnehmen, also müßte sie ohne Versöhnung im Wohnzimmer schlafen.

Daraufhin steht sie entschlossen auf, dankt für unsere Ermutigungen und die moralische Unterstützung, damit sie B. nun nach dem Streit nicht im Ungewissen hängenlasse und will schon hinaus und zum Telephon gehen, als I. meint, sie solle vorher hier eine CD einlegen und dann die Tür schließen, schließlich bräuchten wir nicht mitzuhören, was sie mit B. im Detail zu besprechen habe.

Als J. die CD eingelegt hat, ergänzt I., sie könne auch das Licht hier ausmachen, aber nach dem Anruf solle sie auf jeden Fall das Ergebnis des Gesprächs mitteilen. Das will sie tun, löscht das Licht, schließt die Tür.

Wir legen uns wieder hin. I. kuschelt sich an mich, J. habe sich so gut mit B. verstanden, das müsse einfach gutgehen mit den beiden, schließlich sei es bei J. nicht so, daß sie die Männer einfach so wechsele. Da sie immer noch an ihm hänge, würde sie ohne ihn eine ganze Weile leiden.

Wir hören aneinandergeschmiegt die Musik aus der Hifi-Anlage, die Minuten dehnen sich, I. ist bewegungslos vor Spannung, bis J. die Tür öffnet und mit glücklicher Stimme hereinruft, sie werde gleich wieder zu ihm fahren, sie würden das am Telephon begonnene Gespräch dort fortsetzen. Sie glaube, es werde wieder alles gut werden, sie danke uns, verabschiedet sich.

I. möchte noch, daß sie die Rose auf dem Schränkchen im Flur vorher noch in eine Vase stellt, sie solle auch erst einmal ruhig werden, da sie und J. sich ja wegen des Gespräches ohnehin einig seien, könne sie sich ja nun auch ein wenig Zeit nehmen, sich und B. etwas Zeit lassen, um sich auf das Gespräch vorzubereiten. J. nickt und sucht wirklich in aller Ruhe eine Vase, füllt Wasser ein, steckt die Rose hinein und bringt uns beides ins Zimmer. Dann verabschiedet sie sich.

Als die CD zuende ist, steht I. noch einmal auf, stellt die Anlage aus, kommt wieder zu mir, ein Kuß auf die Stirn, mein Kuß auf ihre Wange, dann legt sie ihren Kopf auf meine Schulter und wir liegen noch eine Weile, ihre Hand auf meinem Bauch, meine Finger streichen über ihren Handrücken, bis wir einschlafen.

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