Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Entscheidung

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-07-27/08-06, 2015-01-09/18

(9) Dienstag Abend

Ich läute an der Haustür um 22:03, A. meldet sich an der Gegensprechanlage, ich nenne meinen Namen, offenbar schon von M. informiert öffnet sie sofort, ich gehe hoch, M. begrüßt mich an der Tür, sie seien noch nicht ganz fertig, ich müsse noch etwas auf sie warten. Ich überreiche ihr die Rose, sie zieht mit geschlossenen Augen ihren Duft ein, gibt mir dankend einen Kuß auf die Wange, streicht mit den Fingerspitzen über die Rosenblätter, sie sei wunderschön. Im Wohnzimmerschrank oben fände ich eine geeignete Vase, ich könne in ihrem Zimmer auf sie warten, leise Musik hören zum Beispiel, es werde wohl nicht mehr lange dauern.

Sie geht zurück in die Küche, schließt die Tür, ich begebe mich ins Wohnzimmer, finde in dem bezeichneten Schrankfach eine schöne Vase, fülle sie im Bad mit Wasser, nehme sie mit in ihr Zimmer, stelle sie mit der Rose auf das Tischchen neben dem Bett, auf dem noch von gestern die Karten liegen.

Ich stöbere wie vorgeschlagen in ihrer CD-Sammlung, finde ein A-cappella-Album von den Prinzen, welches ich leise abspielen lasse, während ich mit geschlossenen Augen auf dem Bett liege und an sie denke. Als die Musik zuende ist, bleibe ich liegen, nicke ein.

Ich erwache, als etwas auf mein Gesicht tropft, ich schrecke irritiert auf, besinne mich erst einmal, wo ich bin, als M. darüber laut auflacht, sich amüsiert, bin ich wieder im Bilde, sie steht vor dem Bett, leicht über mich gebeugt, die Rose hoch über mein Gesicht haltend, von deren Stiel ein paar Tropfen Wasser heruntergefallen sind. Sie hätte mich ja gerne schlafen lassen, doch läge ich so schräg auf dem Bett, daß für sie kein Platz mehr sei.

Tatsächlich hat sie schon ihr Nachthemd an, genießt jetzt wieder mit geschlossenen Augen den Duft der Rose vor ihrer Nase, dreht sich dabei verträumt einmal um sich selbst. Ich schaue auf meine Armbanduhr, schon 23:31, ich frage, wie lange ihre Kommilitonen schon weg seien, sie erwidert, noch nicht lange, sie habe hereingeschaut, habe es nicht lassen können, A. den schlafenden Geliebten zu zeigen. Diese sei als letzte gegangen, sie hätten vorher noch in der Küche den Tisch abgeräumt. Dabei reicht sie mir eine angebrochene Packung mit Süßigkeiten, ich solle ihr helfen, die alle zu machen, wenn mir etwas an ihrer guten Figur liege, denn wenn soetwas erst einmal in der Wohnung sei, werde das bei ihr und N. nicht alt. Dies habe A. mitgebracht, habe es aber nicht wieder mitgenommen. Ich nehme also davon. Ich hätte dann allerdings verpaßt, wie sie sich ausgezogen habe und das Nachthemd an, was ich vielleicht ganz gerne gesehen hätte. Gegessen habe sie schon mit den anderen, jetzt gehe sie nur noch ins Bad, um sich die Zähne zu putzen.

Nach ihr gehe ich ins Bad, als ich in M.s Zimmer zurückkomme, liegt sie schon im Bett und hält die Rose in der Hand, schaut sie an, riecht daran, stellt sie aber dann zurück in die Vase. Sie schaut mir zu, wie ich mich ausziehe, ich posiere etwas und sie lacht, dann komme ich zu ihr unter die Bettdecke, ich erinnere sie daran, wir hätten uns noch gar nicht richtig begrüßt, umarme sie daraufhin, ziehe sie an mich, sie winkelt ein Bein an, mit ihrer Wade auf meinem Po drückt sie mich an sich. Ich rieche ihr duftendes Haar, ihre Wange streicht an der meinen vorbei, ihre Nähe tut so gut. Sie fragt, ob ich müde sei oder heute noch Karten ziehen wolle, ich erwidere, auf ein spannendes Spiel hätte ich immer Lust, zumal ich erst ab 10:30 eine Vorlesung hätte. Sie erklärt, sie müsse zwar um 9 ct da sein, doch wir könnten es trotzdem tun. M. nimmt die Karten vom Nachttisch, ich erinnere sie daran, daß ich das letzte Mal gezogen hätte, daß sie jetzt also wieder ziehen könne, so gibt sie mir die Karten, die ich mische, ihr hinhalte. Sie lacht mich an, zeigt mir ihre entzückenden Grübchen, an denen ich mich nicht sattsehen kann, mit leicht zitternder Hand zieht sie eine Karte. Ohne sie zu betrachten, drückt sie sie an ihren Busen, sie schaut mich an, ich fahre, sie kaum berührend, mit dem Zeigefinger über die die Karte haltende Hand, ihre Finger, schließlich schaut sie sie an, zeigt sie mir, es ist wieder kein Joker. Sie nimmt mir die Karten aus der Hand, mischt, jetzt sei sie wieder dran, so oder so sollten wir das jetzt für heute zuende bringen, sie hält mir die Karten hin, ich ziehe gleich eine, auch diesmal nicht der Joker, ich zeige es ihr, sie atmet tief durch, noch ein Mal, gibt mir die Karten, ich mische wieder, bemerke, wie sie schneller atmet, unruhig im Bett hin und her rutscht. Ich sage, für jeden Einzelversuch betrage die Erfolgswahrscheinlichkeit nur 1/14, da die Versuche unabhängig voneinander seien, sei es für jeden einzelnen Versuch egal, wie viele bereits vorangegangen seien. Sie runzelt die Stirn, sie wolle jetzt endlich ziehen und keinen Unterricht in Statistik von mir, ich solle also nicht ablenken, lächelt dabei aber gleich wieder etwas verlegen. So halte ich ihr die Karten hin, sie zögert wieder einen Moment, greift eine Karte, schaut sie sich gleich an, zeigt sie mir: Auch diesmal kein Joker, sie nimmt die Karten, beugt sich aus dem Bett, legt sie wieder auf den Nachttisch.

Ich packe sie mit beiden Händen an ihrer Taille und ziehe sie wieder ins Bett zu mir heran, hebe ihre lockige Haarpracht zur Seite und küsse ihren Nacken. Meine Zunge fährt über ihre nackte, zarte Haut des Halses, meine Lippen saugen sich an einem Halswirbel fest, meine Hand fährt an ihrer Seite entlang über ihr Nachthemd bis zu ihrem Oberschenkel. Ich ziehe das Nachthemd herauf, sie hat offenbar nichts dagegen, denn sie hebt ihre Beine etwas an, so daß es leichter geht. Als das Nachthemd über ihrem Po aufgerafft ist, schiebe ich es mit beiden Händen höher, bis zu ihren Brüsten, die ich kaum berührend liebkose. Ich lasse von ihrem Halswirbel ab, sie richtet sich etwas auf, hebt ihre Arme, und ich ziehe ihr das Nachthemd ganz aus, lasse es vor dem Bett zu Boden fallen.

Mir den Rücken zugewendet sitzt sie halb, halb liegt sie mit etwas angezogenen Beinen, sich mit der Linken abstützend. Auch ich habe mich etwas erhoben, um sie zu entkleiden, mit der linken fasse ich die ihre, mit der rechten streichele ich vorsichtig ihren Arm, mit der Zunge spiele ich auf ihrem Schulterblatt, gehe dann an der Wirbelsäule entlang tiefer, mit der Zungenspitze Muster auf ihren Rücken malend. Ich küsse ein kleines Muttermal auf ihrem Po, sie dreht sich auf den Bauch, ihre Unterarme in das Kissen gestemmt atmet sie schneller, aufgeregter. Ich sitze am Fußende des Bettes, über sie gebeugt, umspiele mit der Zungenspitze noch immer das kleine Muttermal, während meine Hand schon einen Oberschenkel abwärts strebt. Ich wende mich etwas, erforsche auch mit meinen Küssen ihre Beine, verweile einen Augenblick bei ihren Kniekehlen, lecke dort etwas von ihrem salzigen Schweiß der Haut, schlage meine Zähne zärtlich in ihre Waden, gleichzeitig massiere ich mit den Händen ihren Po, ihre Oberschenkel. Mit dem Mund geht es weiter bis zu ihren Fußgelenken, ich kitzele ihre Fußsohlen, so daß sich mit ihrem erregten Atmen Lachen mischt, sie die Beine etwas anzieht und sich dann auf den Rücken dreht, sie strahlt mich abwartend an, ich nehme ihren rechten Fuß in meine Hände, hebe ihn hoch, küsse ihren Fußrücken, ihre Zehen. Sie wirft ihren Kopf zurück, ich wiederhole die Liebkosungen an ihrem linken Fuß, dann wandern meine Hände, meine Lippen ihre Beine wieder hinauf, zu den Waden, verweile bei ihren Knien, meine Wange streicht ihre Oberschenkel hinauf. Wie zufällig streift eine meiner Hände ihre Schamhaare, ich küsse ihren Bauch, jetzt ganz zwischen ihren Beinen liegend, gleite an ihr weiter hinauf. Meine Zungenspitze umspielt ihre Brustwarzen, ich spüre, wie sie schnell mit kurzen Atemzügen Luft holt, ihre Hände vergraben sich im Laken, sie läßt sich ins Bett zurücksinken, ihre Hände lassen das Laken wieder los, klammern sich an meine Schultern. Ich arbeite mich über ihren Bauch wieder tiefer, spiele mit ihrem Bauchnabel und tiefer, meine Nase wühlt ganz vorsichtig in den lockigen dunklen Haaren, ich rieche sie, doch sie zieht mich schnell wieder höher, wobei sich ihre Finger tief in meine Haut graben, daß mich ein ordentlicher Schmerz durchfährt, aber nicht so tief, daß meine Haut verletzt würde. Mein Kuß auf ihren Busen, auf ihrem Hals, sie preßt sich an mich, ihre Beine umklammern die meinen. Ich spüre, wie heftig unsere beiden Herzen schlagen, wie sich ihr Brustkorb unter ihren schnellen, kurzen Atemzügen hebt und senkt, sie atmet mit offenem Mund deutlich hörbar, ihre Augen sind noch immer geschlossen. Meine Zunge spielt mit dem Rand ihres Ohres, dann sauge ich an ihrem Ohrläppchen, höre sie aber hervorstoßen: "Bitte, genug jetzt!" Ich gehorche, doch sie hält mich weiterhin an sich gedrückt, so verharren wir eine ganze Zeit wort- und bewegungslos.

Nachdem sie wieder etwas ruhiger geworden ist, beginnt sie, sie habe sich kaum mehr unter Kontrolle halten können, wenn ich weitergemacht hätte, wäre es passiert, doch das wolle sie vor dem ersten Mal nicht, es sei aber wunderschön gewesen, doch müßten wir noch Geduld haben, bis es soweit sei. Zwar könne sie sich unter Kontrolle halten, aber sie spüre natürlich jede Nacht, wie erregt ich sei, ob ich das solange aushalten könne? Eigentlich wolle sie mit mir vorher nur Zärtlichkeiten haben, wolle nicht, was sie bei den anderen getan habe, doch wenn es nicht anders gehe, werde sie das tun, wenn ich es nicht mehr aushielte.

Ich erwidere: Es werde ihr auf keinen Fall etwas passieren, was sie nicht wolle, wenn sie sage: "Schluß!" werde ich mit allem sofort aufhören. Es bestehe natürlich die Möglichkeit, daß es bei einer starken Stimulation durch unsere Zärtlichkeiten und meine Gedanken zu einer ungeplanten Ejakulation komme, das könne ich unter Umständen nicht gänzlich ausschließen.

Sie meint amüsiert, das sei nicht schlimm, das könne sie verstehen, doch wolle sie da nicht allzu sehr nachhelfen, auch sie sei immer stark erregt, es beginne schon mit leicht erhöhtem Puls, wenn sie meine Stimme höre, unsere Blicke sich träfen. Noch heftiger werde es natürlich, wir uns berührten. Sie spüre dann deutlich die Bereitschaft ihres Körpers, auch jetzt noch.

Ich möchte von ihr wissen: Was, wenn sie mich einfach machen lasse, wenn ich einfach weitermache, wenn sie mich sie mit der Hand oder mit dem Mund befriedigen lasse, sie müsse nur sagen, ob sie das wolle, es werde klappen, soweit wie wir eben schon gekommen seien, doch sie lehnt ab, nein, das wolle sie nicht, später, nach dem ersten Mal könne ich alles ausprobieren, sie habe nach dem bis jetzt mit mir Erlebtem gar keine Zweifel, daß es mir gelingen werde, sie nur mit den Händen oder dem Mund, der Zunge, durch meine Zärtlichkeiten zum Orgasmus zu bringen, bei mir fühle sie sich sicher und wohl, bei mir könne sie ihre Gefühle zeigen, doch möchte sie das einfach noch nicht, das Verlangen sei zwar da, sei fast übermächtig, aber sie wolle das alles erst nach dem ersten Mal, nur wenn ich es nicht mehr aushielte, werde sie mir helfen, das würde sie natürlich machen.

Tatsächlich habe sie mir am Donnerstag nicht alles erzählt, doch das wolle sie nun nachholen. Sie habe an mich gedacht, nach den Duschen habe sie auf ihrem Bett gelegen, nackt. Sie habe sich vorgestellt, wie ich bei ihr sei, ich hätte sie rückwärts auf das Bett geworfen, mit einer Hand ihre beiden Hände auf ihrem Rücken festgehalten, mich dann zwischen ihre Beine gedrängt, sie habe sich erst wehren wollen, doch sie habe es nicht können, ich hätte sie völlig in meiner Gewalt gehabt. Während sie sich das vorgestellt habe, habe in Wirklichkeit eine ihrer Hände ihre Brüste stimuliert, die andere habe später das Eingebildete zwischen ihren Beinen real unterstützt. Sie habe also weiterphantasiert, ich läge auf ihr, eine Hand hätte ich zu ihrer Scheide geführt, hätte erst mit vorsichtigen Berührungen die Umgebung ihrer Clitoris stimuliert, bis ihre Vagina ganz feucht vor Erregung gewesen sei, dann hätte ich mit der Hand meinen Penis in die richtige Position gebracht, sei mit einem kräftigen Stoß in sie eingedrungen, mit sanften, beinahe harmonischen Bewegungen, dann aber immer heftiger werdenden Stößen hätte ich sie genommen. Dabei habe sie sich also mit den Fingern selbstbefriedigt. Der Orgasmus, den sie dabei erlebt habe, sei deutlich stärker gewesen, als alle ihre vorherigen, doch noch mehr, sie habe nicht aufhören können, habe weitergemacht, bis es einen zweiten, ebenso starken gegeben habe. Das sei einfach gut gewesen. Ganz zufrieden habe sie dann noch eine Weile auf ihrem Bett gelegen, doch später sei es ihr dann peinlich gewesen, es mir gegenüber zu erwähnen, obwohl ich doch dabei eine entscheidende Rolle gespielt habe, aber jetzt wolle sie mir das nicht länger verschweigen. Jedenfalls der Anfang der Phantasie sei ihr selbst auch etwas unheimlich gewesen, grenzwertig, selbst als Vorstellung schon jenseits eines harmlosen Spiels.

Ich schaue in ihr Gesicht, lächele sie an, das Lachen gibt sie mir zurück, ich meine zu ihr, es störe mich eigentlich nicht, wenn sie das tue, doch sei es mir natürlich lieber, ich würde es selber tun dürfen, statt eines Doubles von mir, der nur in ihrer Phantasie existiere. Die anfangs etwas heftige Idee sei vielleicht nur auf eine starke Anspannung zurückzuführen gewesen, wenn sie solche Bedürfnisse nach starker männlicher Dominanz nicht öfter habe. Sie stimmt zu, sonst habe sie solche Ideen eigentlich nicht gehabt und dann geborgen in meinen Armen fühle sich das viel besser und wohliger an, keine Unruhe, nur Wohlbehagen. Der Rest sei natürlich - gut! gewesen. Sie grinst, sie werde mich persönlich mit Sicherheit das nächste Mal auch vorziehen, doch das sei einfach so passiert, es sei geradezu erstaunlich gewesen, bei den vorherigen Versuchen habe sie sich beinahe zwingen müssen, ab einem bestimmten Punkt weiterzumachen, doch am Donnerstag sei es einfach nur gut gewesen.

Weil sie diesbezüglich ihre Geschichte erzählt hat, gestehe ich auch die entsprechende von mir und schildere kurz die Bedenken und Fragen, die das bei mir aufgeworfen habe. Wir müssen beide lachen und fühlen und einerseits ertappt, aber gleichzeitig auch noch ein wenig mehr miteinander verbunden. Wir einigen uns darauf, es diesbezüglich nicht zu übertreiben, es gebe aber auch keinen Grund zur kompletten Enthaltsamkeit hinsichtlich der Autoerotik.

Wir kuscheln uns nun dicht aneinander und bemühen uns darum, nicht mehr allzu sehr an Autoerotik oder gegenseitige Erotik zu denken, obgleich das so zusammen gar nicht so einfach ist. Daher löst sie zunächst die Umklammerung, meint, eigentlich müßten wir schon längst schlafen, so spät wie es sei, ich stimme zu, sie kuschelt sich wieder eng an mich, was für sie gut zu sein scheint, während ich noch eine ganze Weile mit meinem nicht allzu kleinen Problem zu kämpfen habe, bevor es auch mir gelingt, zur Ruhe zu finden.

Wissenschaft ist wie Sex. Manchmal kommt etwas Sinnvolles dabei raus, das ist aber nicht der Grund, warum wir es tun.

Richard P. Feynman

Zur Tugend, wie man zu sagen pflegt,
ist eigentlich keiner recht aufgelegt.

Wilhelm Busch

Wartest du auf eine Gelegenheit zum Philosophieren, so hast du sie schon verpaßt.

Platon

Bekommst du eine gute Frau, wirst du glücklich werden; bekommst du eine schlechte, wirst du Philosoph werden.

Sokrates

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