Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Entscheidung

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-07-27/08-06, 2015-01-09/18

(21) Sonntag Abend

Pünktlich um 20 st bin ich wieder bei M., wir umarmen uns, ich wirbele sie herum, sie drückt mich ganz fest an sich, ihre Wange gegen meine, kitzelt mich anschließend mit dem Ende ihres Zopfes an der Nase.

N. ist begeistert von meiner Pünktlichkeit, aber sie könne sich auch darauf verlassen, daß P. pünktlich um 20:15 komme, sie wollten ausgehen, um ihren Urlaub ausklingen zu lassen, wollten tanzen gehen. Immerhin, M. habe mich gut erzogen, meint sie, brav sei ich am Samstag gegangen, als M. es gesagt habe, und sei pünktlich zur verabredeten Zeit wieder zur Stelle, sie amüsiert sich, ebenso sei ich offenbar bereit, alle ihre Ideen mitzumachen, bedingungslos zu warten, bis sie so weit sei, Sex mit mir zu haben, ob mir das eigentlich gar nicht schwerfalle?

Ich gebe zurück, es müßten eben nicht alle alles und sofort haben, wie sie vielleicht denke, man müsse auch Geduld haben können, und wenn etwas nicht sofort in Erfüllung gehe, steigere das nicht noch das Verlangen, mache es dann das eigentliche Ereignis nicht noch viel intensiver, schöner? Werde es dadurch nicht noch mehr zu etwas besonderem hervorgehoben? Und es gehe ja nicht nur um Sex, sondern eben um Liebe, Geborgenheit, Zusammengehörigkeit, all das gehöre ja dazu. Da sei es doch nicht nur ganz normal, sondern auch sehr wichtig, aufeinander einzugehen, miteinander herauszufinden, wie man miteinander zurechtkomme.

Sie meint, vielleicht traute ich mich nur nicht, meine Meinung durchzusetzen? Oder sei ich bereit, M. alles entscheiden zu lassen, weil ich mich nicht traue, meine Auffassungen durchzusetzen? Würde ich alles tun, was M. von mir verlange?

Ich sage: Wenn ich alles täte, was M. möchte, wenn ich mich ganz nach ihr richten würde, um ihr möglichst gut zu entsprechen, verlöre ich da nicht meine Persönlichkeit? Aber ohne Persönlichkeit könnte ich sie nicht mehr lieben. Also nein, alles würde ich sicher nicht tun, aber es sei mir natürlich wichtig, was M. denke und wünsche.

Es sei aber auch so, daß ich oft zu speziellen, komplexen Themen keine fertige Meinung parat hätte, dann hätte ich im Bedarfsfalle meine und ihre Meinungen oder auch andere zu prüfen. Wenn eine Meinung meiner Prüfung standhielte, sei es möglich, sie zu akzeptieren oder sogar als eigene anzunehmen. Doch in Bezug auf die Beziehung mit M. sei es natürlich wichtig, daß wir beide unsere Ansichten prüften und versuchten zu verstehen, um so eine akzeptable Meinung annehmen zu können oder zumindest die des anderen tolerieren zu können.

N. bohrt nach, ich sei also auch nicht bereit, ihr blind zu vertrauen? Wenn sie sage: Vertraue mir und tue das! würde ich es tun?

Ich erwidere, solange ich keine echte Gefahr für jemanden darin sehe, würde ich es wahrscheinlich tun, sonst müßte ich auf jeden Fall nach einer Begründung fragen, wenigstens eine kurze Begründung, selbst wenn es eile und sie deswegen nicht lange diskutieren könne, doch entscheiden müsse ich auch dann immer noch selbst von Fall zu Fall. Letztlich sei ja jeder immer für das verantwortlich, was er tue, müsse also auch selbst entscheiden, ob er den Wünschen und Vorstellungen von anderen folge - oder eben auch nicht, wenn es falsch sei.

Also sei das gar kein richtiges Vertrauen, was ich zu ihr hätte? stellt N. ihre nächste Fangfrage, ich spielte ihr nur den gehorsamen Mann vor?

Ich antworte ironisch lächelnd, ich sei selbst mir gegenüber immer mißtrauisch. M.s Auffassungen gegenüber sei ich aber sicher nicht einfach so mißtrauisch, sondern weil ich wisse, wie leicht man aus einer falschen Einschätzung einer Situation heraus zweifelhafte Schlüsse ziehen könne. Wo sie nicht möglich seien, könne ich auch keine einfachen Lösungen akzeptieren. Bei vielen Dingen seien aber keine großen Komplikationen zu befürchten, so daß hier Vertrauen problemlos möglich sei.

N. meint zu uns beiden, da hätten sich ja zwei Denker gefunden, konstruktive Diskussionen statt leidenschaftlicher, rücksichtsloser Streit, immer den Konsens im Auge, ohne jedoch zu faulen Kompromissen bereit zu sein, eigentlich paßten wir sehr gut zusammen, allmählich müsse sie nun doch an ein Schicksal glauben, daß uns zusammengeführt habe, doch schon um sich nicht zu sehr ihrem Vater anzunähern und irgendetwas von einem gütigen Gott zu erzählen, ziehe sie die Bezeichnung glücklicher Zufall eindeutig vor.

Sie lächelt, M. legt den Arm um meine Hüfte, ich um ihre Schulter. N. gibt mir zwei Schlüssel, sie habe sie noch am Samstag machen lassen, nachdem sie darüber gestern noch mit M. gesprochen habe und diese einverstanden gewesen sei. Da ich ja nun quasi zur Familie gehörte, gehörten auch die beiden Hausschlüssel dazu, ebenso wie mehr Verantwortung. Ich sei damit etwas selbständiger und unabhängiger.

Tatsächlich läutet P. pünktlich, N. geht gleich zu ihm hinunter, sagt zuvor noch, sie werde diese Nacht bei P. bleiben, irgendwie hänge sie doch ziemlich an ihm, verstehen könne sie das selbst nicht, warum er sie so anziehe, daß sie sich so an ihn habe gewöhnen können, daß sie diese Nacht schon wieder mit ihm verbringen möchte. Sie verabschiedet sich und wir sind allein.

Ich frage M. nach ihrer Arbeit, die sie habe machen wollen, ob sie damit fertig geworden sei? M. erzählt eine Weile darüber, sie sei ganz zufrieden mit dem, was sie bis jetzt erreicht habe, fragt mich nach dem, was ich mir für das Wochenende vorgenommen hatte, und ich erzähle nun meinerseits darüber eine Weile.

Ich gebe M. mein Geschenk: "The lamb lies down on broadway" von Genesis. Wir hören uns die Musik an, lesen die Texte, es gefällt ihr zu meiner Freude. Wir diskutieren eine Weile über die Geschichte und M. erläutert auch etwas darüber, was sie alles in der Musik gehört habe.

Später möchte M. zu Bett gehen. Schon im Bett liegend fragt sie mich dann: Wenn N. recht habe und unsere Gespräche, das Kennenlernen durch diesen Austausch von Ansichten für uns so wesentlich seien, was sei dann, wenn uns irgendwann die Themen ausgingen? Was, wenn wir uns eines Tages nichts mehr zu sagen hätten?

Ich bin erstaunt, sie habe doch immer vom Erleben gesprochen und davon, daß es kein Zurück mehr gebe, wie könne sie da jetzt zweifeln? Und Themen werde es doch immer geben, der Alltag sei voll von Themen und Anknüpfungspunkten. Wir müßten doch nicht jeden Tag einen tiefsinnigen philosophischen Diskurs führen. Notfalls könnten wir dann Zärtlichkeiten statt Worte austauschen, außerdem gebe es Bücher, Filme und immer neue Ereignisse und Erlebnisse und Fragen, die diskutiert werden müßten. Es gebe schon mehr interessante Bücher als wir im Leben je lesen könnten, es gebe auch gute Filme, Musik, wie könnten uns da jemals die Themen zum Nachdenken, zum Reden ausgehen? So viele interessante Themen, Geschichten warteten nur darauf, von uns diskutiert zu werden, erst so würden die Geschichten zu leben beginnen, erst wenn wir uns damit beschäftigten. Ich lächele sie an, und wenn dies eine Geschichte wäre, sei sie allerdings genau dann zuende, wenn alles Wichtige gesagt sei!

Sie gibt mir die Karten zum Mischen, für gestern und für heute, erinnert sie mich, sie sei zuerst dran, ich schaue mir die Karten kurz an, mische, halte sie ihr hin, sie zieht ohne Zögern, schaut sich die gezogene Karte an und strahlt mich glücklich an, sie scheint erleichtert, ruft: "Der Joker!", zeigt mir die Karte, es ist der Joker, sie springt auf, gibt mir einen Kuß auf die Wange, flüstert in mein Ohr, jetzt sei es endlich soweit! Sie zieht sich aus, kniet sich aufs Bett, schiebt das Kissen in die richtige Position, legt dann ihre Schulter auf das Bettlaken, spreizt ihre Beine etwas, ihre Hände vergräbt sie über dem Kopf im Laken. Sie verharrt in dieser rituellen Stellung. Sie ist fest entschlossen.

Ich habe mich ebenfalls ausgezogen, streiche mit einem Zeigefinger über ihr Rückgrat, sie ist ganz ruhig und entspannt, in Anbetracht des Bevorstehenden wächst meine Erregung mit den Berührungen ihres Rückens. Ich knie mich hinter sie, fahre mit den Händen sanft über ihre Beine, bringe sie in die richtige Stellung für mich, beuge mich etwas über sie in die richtige Position, meine Hände streichen über ihren Po zu ihren Hüften und halten sich dort fest. Sie schaut zu mir auf, lacht mir zu, sie sieht glücklich aus, was mich sehr beruhigt, also alles in Ordnung mit ihr, keine Angst, alles gut. Ich stimuliere mich noch etwas mit einer Hand, beuge mich dann etwas weiter über sie, bringe meinen Penis mit der Hand an ihre Schamlippen, finde schnell die richtige Stelle und spüre mit den Fingern, der Spitze des Gliedes ihren heißen, feuchten Leib. Ich liebkose sie währenddessen noch mit der Hand, bis ich spüre, sie ist bereit. Ich Muskeln sind jetzt locker, nicht angespannt, zum Glück keinerlei Verkrampfung vor Angst oder Ungewißheit. Ich will sie nicht durch längeres Zögern unnötig quälen. Ich halte ihre Hüften mit beiden Händen, mein Penis dringt ganz vorsichtig in sie ein, bis ich den Widerstand ihres Hymens spüre, ich zögere einen Moment. Sie flüstert: "Jetzt?" Ich antworte: "Ja" ...

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