Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Entscheidung

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-07-27/08-06, 2015-01-09/18

(20) Samstag Morgen bis Sonntag Abend

Zunächst stöbere ich noch in der Stadt nach einem Geschenk für M., laufe noch eine ganze Weile durch die Stadt, was mir ganz gut tut, der Trubel und die Bewegung lenken mich ab. Dann fahre ich nach Hause. Dort angekommen, widme ich mich tatsächlich den ganzen restlichen Samstag und einen großen Teil des Sonntags der weiteren Vorbereitung meines Seminarvortrags. Gleichzeitig vermisse ich sie, denke an sie.

Aber auch N.s Angebot geht mir noch durch den Kopf, war das jetzt wirklich nur ein Witz oder hatte sie das doch ernst gemeint? Wollte sie mich damit prüfen? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß sie wirklich dermaßen auf mich abgefahren sein könnte, daß sie sich dazu hinreißen läßt. Und ich kann ja auch nicht einfach M. davon erzählen. So oder so hat N. mich damit verunsichert, das muß ich M. nicht auch noch antun. Sollte ich mich vor N. in acht nehmen? Oder war das nur ein Warnschuß vor den Bug, daß ich die Geschichte mit M. bloß nicht in den Sand setzen soll? Nach dem, was ich über sie weiß, ist ihr so oder so einiges zuzutrauen. Aber es kommt mir auch nicht allzu schlau von ihr vor, das in dieser Weise zu dem Zeitpunkt zu versuchen. Na gut, wann sonst, wenn sie ihre Schwester beschützen will? Aber um den Preis, daß ich es M. erzähle und damit alles durcheinander gerät? Das traue ich ihr dann doch nicht so recht zu. Also gehe ich von einer unüberlegten Aktion von ihr aus, um herauszufinden, wie ernst es mir mit M. ist. Ich sollte es wohl daher besser einfach vergessen. Wenn es sich nicht wiederholt, muß das wohl auch nicht mehr erwähnt werden.

Bemerkenswert und originell war natürlich auch N.s Gedichtinterpretation. Das hat mich wirklich verblüfft, ihr ist sehr viel dazu eingefallen und sie hatte Fachbegriffe präsent. Sie hatte wohl wirklich in der Schule aufgepaßt und viel mehr Interesse, als sie hat zeigen wollen. Immerhin, so wie das alles verlaufen ist und wie sie uns munter Regieanweisungen gegeben hat, glaube ich ja doch, daß sie mir zu vertrauen beginnt, daß ich mit M. keinen Unfug anstellen will. Sie ist schon sehr direkt, aber irgendwie scheint sie unter dieser offensiven Oberfläche einen sensiblen Kern zu verbergen. Vielleicht liegt das an dem gleichen Problem, welches M. mit ihren Eltern, besonders mit dem Vater hat, nur reagiert N. darauf ganz anders, ist einerseits sexuell sehr offen, verschließt aber ihre Innenwelt und läßt keine tieferen Gefühle zu oder verbirgt sie. Und das ändert sich offenbar nur sehr langsam, immerhin scheint sie mit P. eine etwas engere Verbindung einzugehen, sicher auch aufgrund des Gefühlsdefizit, was sie mit ihm halbwegs kompensieren kann.

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