Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Die Krötenprinzessin
Ein Märchen für Jugendliche und Erwachsene

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 2015-07-15/08-03

5. Aus dem Teich geholt

Nichts rührte sich und die Stille war irgendwie noch unheimlicher. Aber dann kam Gewißheit in Form eines Mannes, der über die Wiese schlenderte, wohl eigentlich eher vorbei am trostlos verwilderten Teich. 'Ein Mann!' schoß es Gundula durch den Kopf.
Sollte sie es wagen, aus dem Versteck hervorhüpfen und Hilfe einfordern?
Oder war es ein Feind?
Konnte sie überhaupt verständlich sprechen als Kröte?
Gleich wäre er vorbei! Sollte sie es riskieren?
Jetzt? Wenn nicht jetzt, so wäre es zu spät, also nahm sie allen Mut zusammen und rief zu dem Mann hinüber!
"ooooäääck!" oder so tönte ihr Ruf nur. Sie schreckte zusammen, das konnte doch nicht klappen! Was hatte sie ihm zurufen wollen? Sie wußte es gar nicht genau, wollte nur mit einem Ton auf sich aufmerksam machen. Hatte wenigstens das geklappt?

Tatsächlich, der Kerl schaute zum Teich herüber, zögerte einen Moment und kam dann heran und starrte auf den trüben Algensumpf, den nur der gestrige Reiher etwas durcheinander gebracht hatte. Er brummelte etwas von saubermachen oder so, Gundula verstand nicht genau. Jetzt mußte sie etwas sagen, aber verständlich, das war klar, aber sie hatte auch Angst. Fangwerkzeug hatte er offenbar nicht dabei, ein recht normaler Mann, ein paar Jahre älter als sie, nicht weiter auffällig, schon etwas attraktiv, jedenfalls machte er einen eher harmlosen Eindruck - und da war ihre Intuition in der Vergangenheit immer ganz gut gewesen. Zwar war sie nie sonderlich diplomatisch gewesen, Leute einschätzen konnte sie aber ganz gut. Dieser jedenfalls sah aus, als ob sie es riskieren sollte. Besser als noch einen Reiherangriff zu überstehen, besser als noch eine finstere Nacht mit unheimlichen Geräuschen, besser als noch ein Storch, der sich hinterrücks dem Teich näherte.

Sie mußte deutlich artikulieren irgendwie, also langsam und laut und das klappte, irgendwie quakte sie dabei auch ordentlich, aber es wurde besser und deutlicher und es blieb verständlich hängen: "He du! Du mußt mir helfen!"

Erstaunt schaute der Kerl über den Teich und durch das Schilf, entdeckte sie aber nicht einmal unter dem großen Drachenwurz. Zögernd fragte er nach: "Wer spricht da? Was ist hier los?"
Ihm schien es, als sei in dem verwahrlosten Teich nicht genug Platz für etwas, was sprechen konnte. Er sollte hier dringend einmal ausmisten, dann konnte sich hier am Teich auch wieder richtig was entwickeln. Immerhin, er hatte nicht gedacht, daß es hier Frösche oder Kröten oder so etwas gab, dachte, wenn es die einmal gegeben hätte, so hätten sich längst Krähen, Reiher und Störche darum gekümmert. Von weitem hatte es sich so angehört, als hätte sich irgendeine Amphibie bemerkbar gemacht. Näher herangekommen, meinte er eine Stimme gehört zu haben, aber wie sollte das möglich sein?

Gundula nahm nun all ihren Mut zusammen und hüpfte aus dem Schatten des Drachenwurzes hervor ins Licht, was für ein Auftritt: "Ich spreche! Du mußt mir helfen! Wer bist du?"
Sie schaute den Kerl streng an, wie sie Bedienstete anzuschauen pflegte, wenn sie keinen Widerspruch duldete. Sie war sich aber auch nicht so sicher, ob was wirkte, wenn sie eine so kleine Kröte war und nicht direkt als Prinzessin zu erkennen war. Ihr Selbstvertrauen war zumindest etwas angeknackst. Das mußte sie überspielen, durfte gar keine Zweifel aufkommen lassen, wer hier das Sagen hatte. Gut, seine Kleidung sah eher einfach aus, aber immerhin sauber und gepflegt war er, eher feine Hände, wohl kein einfacher Bauer. Auf einen stattlichen Prinzen hätte sie wohl auch nicht hoffen dürfen. Was hätten die an solch einem verwahrlosten Teich zu suchen gehabt? Sie mußte nehmen, was zu kriegen war und rein vom äußeren Eindruck hätte es wenigstens deutlich schlimmer kommen können, stellte sie fest. Aber vielleicht war der Typ auch schwer von Begriff oder sonstwie blöd - andererseits, wer würde nicht blöd schauen, wenn er von einer Kröte in einem Teich angesprochen wird?

Der Kerl bückte sich am Rand des Sees herunter, hockte sich hin und betrachtete die Kröte: "Ich habe gar nicht gewußt, daß es hier Kröten gibt, erst recht keine sprechenden. Aber du hast sicher recht, Hilfe kannst du gebrauchen, der Teich sieht übel aus, da müßte mal aufgeräumt werden. Ich sollte mal Gerätschaften herbeiholen!" Dabei fuhr er mit der Hand am Schilf vorbei und stocherte mit einem Stöckchen in dem verfilzten Algenbrei, wies dann auf die Schwertlilie und den Drachenwurz: "Aber das ist doch eigentlich ganz schön! Achso, ja und du kannst mich Paul nennen, da du wissen wolltest wer ich bin..."

Gundula konnte es nicht fassen, der machte sich doch über sie lustig oder wollte er jetzt wirklich den Teich saubermachen? War der Typ blöd oder stellte sich nur dumm? Oder hielt er sie für dumm? Nun gut, was konnte man einer Kröte für geistige Leistungen zutrauen? Schickte er sich gar an, jetzt wieder aufzustehen und irgendwelchen Kram zu holen? Hastig erwiderte sie "Es geht nicht um dem scheußlichen Teich, es geht allein um mich! Und nur daß du es weißt - Kröten können gar nicht sprechen. Das weiß doch jeder! Du mußt mir helfen!"

Paul nickte bedächtig, dachte sich aber nur: 'Die kleine Kröte nimmt sich ganz schön wichtig!', antwortete aber: "Schon klar, ich dachte ja auch, daß Kröten gar nicht sprechen können, aber wer wäre ich, wenn ich hier vor den einfachen Tatsachen die Augen verschließen würde. Der Teich ist definitiv versifft. Da kannst du schon Hilfe brauchen. Ist schön, daß sich hier Kröten ansiedeln, aber ich denke, du mußt dich vor den größeren Vögeln in Acht nehmen!"

Gundula dachte sich 'Schlaumeier!' und schüttelte innerlich den Kopf, daß sie auch ein wenig auf dem Blatt wippte, auf dem sie saß. 'Jetzt bloß nicht zu ungeduldig werden'. Also los, etwas Sinnvolles sagen, um den Typen zu überzeugen: "Also gut, der Teich ist eine Katastrophe. Aber erst einmal nicht mein Problem, die großen Vögel schon, darum mußt du mir helfen und zwar schnell! Und es ist kein Widerspruch, daß Kröten nicht sprechen können, denn ich bin eigentlich gar keine Kröte, sondern eine verwunschene Prinzessin!"
Jetzt war es raus, das mußte den Typen doch interessieren, jedenfalls mehr als der gammelige Teich.

Paul staunte nicht schlecht über diese Ausführungen: "Oh! Das ... konnte ich ja nicht ahnen. Eine verwunschene Prinzessin, so so, das ist ja mal ein Ding! Hier mitten auf dem Land in dem alten, verwahrlosten Teich. Handelt es sich nicht im Normalfalle um einen verwunschenen Prinzen, der zumindest als Frosch auch ein kleines goldenes Krönchen trägt? Soll ich dir wirklich glauben? Ich habe meine Zweifel. Ich glaube nicht, daß es so etwas gibt! Vielleicht setzt du als Kröte einfach nur auf Mimikry und denkst, du kommst damit durch, daß du sprichst und behauptest, eine verwunschene Prinzessin zu sein!"
Paul schüttelte dabei den Kopf und schaute die Kröte vor sich ungläubig an. Da war nicht einmal die Anmutung eines Krönchens und bei dem starken Krötendialekt konnte man natürlich auch schlecht einschätzen, ob männlich oder weiblich, so genau kannte er sich mit Kröten auch gar nicht aus, um da einen Unterschied zu erkennen, wozu er das Getier vermutlich auch noch hätte anfassen und untersuchen müssen - und da wäre vorherzusehen gewesen, daß das nicht nur in der Hand unangenehm gewesen wäre. Diese Kröte machte durchaus den Eindruck, daß sie keine Untersuchung ohne gewaltiges Gezeter über sich ergehen lassen würde. Das Tierchen schien doch recht von sich überzeugt zu sein. Eine Kröte, die sich für einen Menschen hielt. Hmmm, in den Psychiatrien hatte man wohl schon umgekehrte Fälle gehabt, das hier war bemerkenswert und versprach einiges an Unterhaltung.

Die Krötenprinzessin aber war verstimmt, daß man ihr zu widersprechen wagte und erwiderte barsch: "Wie kannst du es wagen, an meinen Worten zu zweifeln? Ich bin Prinzessin Gundula Maria Elizabetha, Prinzessin von Hohental und Tiefenkamm ..." und so weiter und sie trug wirklich die gesamte Namenslitanei vor, daß Paul ganz schwindelig wurde. Als diese geendet hatte, lachte er vergnügt, sie sollte sich doch besser Krötenprinzessin Krötina vom trüben Teiche im Algenschleim nennen. Das machte Gundula aber richtig wütend und sie vermochte sich kaum zusammenzureißen. Und wäre sie keine Kröte gewesen, so hätte sie diesen frechen Kerl in den Kerker geworfen. Und da war sie wieder am Angelpunkt ihres Problems, wäre sie keine Kröte gewesen, müßte sich nicht mit diesem Schlaumeier diskutieren. Also besser gute Mine zum bösen Spiel machen? Mühsam schluckte sie also eine weitere barsche Erwiderung herunter wie eine alte, tote, trockene Fliege, daß es sie im Halse würgte. Dann aber sprach sie: "Also hilfst du mir nun, statt mich zu verspotten? Kannst du dich nur über mein Schicksal lustigmachen oder einfach helfen, wo jemand wirklich deine Hilfe braucht?"

Paul kam sich nun etwas gemein vor, auch eine Kröte sollte man schon in gewissem Maße respektieren, zumal wenn sie sprechen konnte. Also antwortete er: "Schon gut, Kröte, kannst ja aber nicht erwarten, daß ich dir jeden Unfug glaube, selbst wenn du sprechen kannst. Das heißt ja nicht, daß wahr ist, was du sagst! Wenn ich kann, will ich dir helfen! Hinsichtlich der Krähen, Reiher und Störche bist du hier am falschen Platz, da will ich versuchen, dir ein besseres Plätzchen zu verschaffen, du bist ja ganz unterhaltsam. Ich bring dich zu meinem Haus, da bist du sicher! Und dort wird sich sicher auch diese oder jene Fliege fangen lassen und draußen vor dem Haus gibt es sicher auch Schnecken und kleineres Getier, dem du deine Aufmerksamkeit schenken kannst. So dicht am Haus trauen sich die Vögel meist keinen Angriff zu, jedenfalls so weit ich das bislang beobachtet habe. Aber du bist glitschig, stinkig und schmuddelig. Ich muß einen Behälter holen, um dich zu transportieren!"
Schon stand er auf und drehte sich um, fügte noch hinzu: "Nimm dich in Acht, daß dich nicht doch noch in letzter Minute ein Vogel erwischt!"
Und schon war er weg.

Gundula war zu überrascht gewesen, um gleich etwas zu erwidern, nun mußte sie warten und hoffen, daß er zurückkam. Was dachte der nur, was er tun sollte. Sie wollte nicht seine Hauskröte sein und ihm die Stubenfliegen wegfangen! Er glaubte ihr offenbar nicht. Was für eine Katastrophe. Aber immerhin, wenn er sie erst einmal von hier wegbrachte, war sie nicht mehr in unmittelbarer Gefahr. Und vermutlich konnte sie ihm doch auch zu anderer Kost überreden. Ein Stück Brot und sauberes Wasser hätten ihr jetzt schon gut getan. Sie hoffte wenigstens, daß Kröten mit einem Stück Brot gut zurechtkamen. Jedenfalls, da er sich entfernt hatte, sprang sie wieder schnell zurück unter den großen Drachenwurz und wartete und hoffte, daß dieser Alptraum endlich ein Ende nehmen möge.

Jedenfalls blieb es ruhig am Teich und es dauerte wirklich nicht lange, als Paul wieder erschien. Er hatte einen Zinkeimer dabei und bückte sich wieder zum Teich herunter: "Kröte, noch da?"

Gundula war noch immer sauer, als Körte tituliert zu werden, doch hüpfte sie erst einmal wieder in den Sonnenschein: "Da bin ich! Und nenn mich nicht Kröte! Meinen Namen habe ich dir genannt!"

Paul grinste vergnügt: "Den langen Namen kann sich doch niemand merken, Kröte klingt doch da viel praktischer. Spring in den Eimer mit sauberem Wasser, auf dem Rückweg zum Haus kannst du dich so vom gröbsten Schmodder reinigen. So verdreckt kommst du mir jedenfalls nicht ins Haus!"
Er senkte den Eimer in den schmuddeligen Teich und neigte ihn, daß kein Wasser hineinlief, Gundula aber hineinsehen und springen konnte.

Gundula zögerte: "Da komme ich doch nicht wieder heraus! Willst du mich damit hereinlegen und fangen?"
Sie fragte sich, ob sie Paul trauen konnte, oder wie weit, aber hatte sie eine andere Wahl? War sie erst einmal in seinem Haus, würde sie ihn schon überzeugen. Und Paul wirkte jetzt nicht so, als hätte er Appetit auf ihre Schenkel.

Paul erwiderte: "Hmm, du wolltest, daß ich dir helfe, da wirst du schon ein wenig vertrauen müssen."
Er neigte den Eimerrand noch ein wenig tiefer, dicht über das Wasser, um Gundula den Blick und den Sprung zu erleichtern, auch um zu zeigen, daß da nichts weiter drin war als ganz sauberes Wasser.

Gundula mußte einräumen, daß dies ihre derzeit beste Chance war, zögerte noch ein wenig und sprang dann in den Eimer: "Wage es bloß nicht, mich auszutricksen!"
Immerhin, das saubere Wasser tat ihr gut.

Paul zog den Eimer aus dem Wasser, stand auf und trat den Heimweg an. Um höfliche Konversation zu treiben und auf die Kröte einzugehen, fragte er nach und erhoffte sich so etwas Unterhaltung: "Wenn du wirklich verwunschen bist, wer hat das getan und warum? Das Reich, dessen Namen du in deinem Namen erwähnt hast, kenne ich, also ich war nie da, ist etwas weiter weg, dies hier ist ein anderes Land. Die genannte Prinzessin ist mir vom Namen her bekannt, soll ein ziemlich verzogenes Gör sein, gut, mittlerweile mag sie auch eine junge Dame sein, die ihren Bediensteten mit dekadenten Wünschen auf die Nerven geht! Die hat wohl wirklich eher ordentlich Haare auf den Zähnen, ob auch Warzen auf der Haut wie eine Kröte, vermag ich natürlich nicht zu beurteilen. Wenn du mit der wirklich etwas zu tun hast, sollte ich mir eigentlich noch mal überlegen, ob ich dich wirklich in mein Haus lasse. Wer will schon solch einen Drachen bei sich beherbergen und sich um ihn kümmern, der einem wohl gerade noch die Hand abbeißt, die ihm das Brot reicht und einem hinterrücks mit einem Feuerstoß den Rücken versenkt, nur weil ein Drache es kann!"

Wieder war Gundula eingeschnappt. Sie war kein verzogenes, dekadentes Gör und ihren Bediensteten ging es gut. Sie war kein Drache, der Hände abbiß oder Rücken versenkte. Gut, einige ihrer Kandidaten sahen das vielleicht etwas differenzierter, mußte sie in Gedanken einräumen. Aber auch Haare auf den Zähnen war da doch stark übertrieben, sie wußte eben ihre Worte zu gebrauchen, war das etwa verwerflich? Hätte man das einem Mann vorgeworfen? Das war ungerecht!
Sie wollte sich um ihr Land und ihre Leute kümmern und nicht als Kröte in einem Blecheimer sitzen und lächerliche Diskussionen führen. Aber was oder wie sollte sie das solch einem Schlaumeier vom Lande erklären, das wäre verschwendete Zeit, vergebliche Mühe. Sie seufzte und entschloß sich zur Kurzfassung: "Am Hof gibt es immer Intrigen. Im Rat gab es leider auch eine böse Fee oder Hexe. Als ich den Antrag ihres Sohnes zurückwies und damit ihre Pläne durchkreuzte, hat sie mich wütend verwünscht und daraufhin bin ich als Kröte in jenem trüben Teich gelandet! Statt hier sinnlos im Eimer zu hocken, würde ich doch viel lieber wieder daheim sein, im Rat und in Gremien mich um mein Land und meine Leute kümmern."

Das klang jetzt in Pauls Ohren gar nicht so schlecht. Wobei ihn die Geschichte mit einer Hexe oder Fee, die jemanden verwünschen konnte, noch immer reichlich unglaubhaft erschien. Und jene Prinzessin hatte eigentlich nicht den Ruf, sich besonders um Staatsgeschäfte zu kümmern. Aber immerhin eine Geschichte. Die Kröte war wirklich recht unterhaltsam. Eine sprechende Kröte mit Interesse an Staatsgeschäften, na sicherlich auch nicht schlechter als der Schnitt, der sich so an solchen Höfen und in der Politik herumtrieb. Bei jemandem in Krötengestalt hatte man wenigstens gleich einen Eindruck und war vorsichtig in der Auseinandersetzung mit den Vorschlägen von dieser Seite. Er wollte die Kröte jetzt nicht gleich wieder auf die Palme bringen, zumal er hier in der Gegend gar keine hatte, deswegen antwortete er nur: "Ja, so mag es wohl bei Hofe zugehen, Intrigen über Intrigen. Hier auf dem Lande ist es friedlicher, jedenfalls wenn man nicht gerade als Kröte im Teich sitzt und die Vögel aufmerksam werden."
Dann konnte er es aber doch nicht recht lassen und fügte hinzu: "Hmmm, wenn ich es genau bedenke, war es nicht ziemlich dumm von dir, den Antrag zurückzuweisen? Ich meine, da interessiert sich schon mal ein Mann für eine Kröte wie dich und dann bist du auch noch kleinlich?"

Gundula wollte explodieren, besann sich aber, in welcher Lage sie war, nicht nur in diesem Zinkeimer, sondern auch noch diesem frechen Kerl ausgeliefert. Sie war wirklich im Eimer und mußte nun auch noch ertragen, wie dieser Kerl, dieser Paul sich über sie lustig machte. So erwiderte sie nur knapp: "Ich entscheide selbst über solche Anträge - und ich kann dir versichern, da ist niemand dabei, der auch nur im Entferntesten in Frage gekommen wäre!"

Paul stichelte weiter: "Oh, kein hübsches Krötenmännchen dabei, welches dich mit seinen prächtigen Schenkeln und seinem lauten Gequake hätte für sich einnehmen können? Keiner mit eindrucksvolleren Warzen als deinen? Alles Dumpfbacken in deinem alten Teich, die dir nicht das Wasser reichen konnten? Immerhin riskant, dann in solch einen sumpfigen Teich umzuziehen, da hat sich ja nun die Auswahl auf null reduziert."
Gundula wäre ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen, nur war die Ausgangslage im Eimer ziemlich schlecht, so schwieg sie beleidigt für den Rest des Weges.

Bald schon waren sie am Haus angekommen und Paul stellte den Eimer ab: "Einen Moment, ich hole noch einen weiteren mit klarem Wasser, dann kannst du dich gut vom restlichen Schmutz befreien."
Schnell war er wieder da und neige den Eimer mit Gundula, die schnell sprang. Der andere Eimer war voll und sie konnte gut schwimmen und zweifellos im Bedarfsfalle auch gleich über den Rand springen. Da fühlte sie sich etwas besser. Er hatte nicht einmal die Tür geschlossen, keine Katze, kein Hund in Sicht, Flucht schien also notfalls gut möglich zu sein, wobei Gundula nicht so recht gewußt hätte, was sie dann hätte machen sollen. Sie war diesem frechen Burschen ausgeliefert, aber erst einmal ging es ihr hier schon einmal besser als im Teich. Sie mußte sich etwas einfallen lassen, um ihre Situation weiter zu verbessern, aber das würde sich schon finden. Dieser Paul war wohl schon frech und etwas gemein, aber nicht bösartig, eher gutmütig, das mußte sie doch zum eigenen Nutzen verwenden können. Er war frech und sie beleidigt - aber gut, es hätte schlimmer kommen können, etwa mit einem Storch oder Reiher. Erst einmal genoß sie das Bad im sauberen Wasser und Paul machte sich irgendwie an der Fensterbank zu schaffen.

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