Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Die Krötenprinzessin
Ein Märchen für Jugendliche und Erwachsene

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 2015-07-15/08-03

Epilog

Nun, die Geschichte setzte sich fort, wie sich solche Geschichten eben fortzusetzen pflegen. Paul und Gundula hatten wohl gleich einen Volltreffer gelandet und Gundula machte eine weitere dieser Erfahrungen, nicht über den Dingen zu stehen, sondern eine ganz normale Frau zu sein. Sie war schwanger und ihr Bauch wuchs über die Monate auf beachtliche Ausmaße. Aber immerhin hatte sie ja Paul an der Seite, der recht überzeugend die Meinung vertrat, daß das sowieso der tollste Bauch überhaupt sei, was ganz normal sei, denn der gehöre ja zu ihr, um so mehr, als darin nun ihr gemeinsames Kind heranwuchs.
Als es an der rechten Zeit war, oder auch einige Tage danach, brachte sie einen gesunden Prinzen zur Welt und der gefiel beiden selbstverständlich außerordentlich. Und Gundula sah dann natürlich auch wieder mit normalen Bauchumfang und an einigen Stellen etwas mütterlicher außerordentlich anziehend oder auch ausziehend aus, so oder so brachten es die beiden bereits binnen eines Jahres zu einer gesunden Prinzessin als zweitem Kind. Um uns in diesem Absatz kurzzufassen, wird hier nicht mehr auf weiteren Nachwuchs eingegangen, einerseits war das ein ganz natürlicher Vorgang, andererseits gab es ja auch Mittel und Wege, um eine längere Pause zu machen, ohne auf die fröhlichen gemeinsamen Ausflüge verzichten zu müssen.

Nach dem Ende des Hochzeitsfestes stiegen Gundula und Paul gleich voll in die Geschäfte und Projekte des Reiches ein und Paul erwies sich als sehr nützlich, er und Gundula arbeiteten sehr konstruktiv und selbständig, daß beim Königspaar und dem Reichskanzler schnell die Hoffnung keimte, ihre Pläne würden aufgehen. Der Plan war natürlich perfekt, als Gundula schwanger wurde. Kurzum, die Eltern dankten ab und ließen Gundula und Paul die Kronen und zogen sich aufs Altenteil zurück.
Der Reichskanzler kam nicht ganz so gut davon, denn aufgrund des Nachwuchses, um den sich Gundula und Paul gleichermaßen persönlich kümmerten, wovon sie sich einfach nicht abbringen ließen, blieb für ihn noch reichlich Arbeit. Immerhin setzte er erfolgreich durch, daß auch er regelmäßig auf den königlichen Nachwuchs persönlich aufpassen durfte, womit er mindestens zwei Klappen für eine Fliege in den Händen hatte - die beiden konnten sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und er entwickelte großväterliche Gefühle, die er allerdings mit dem Königspaar teilen mußte, denn auch diese pfiffen auf das Protokoll, welches nach ihrer Meinung für Königspaare im Ruhestand auch nicht mehr in dem Maße galt. So bestanden auch diese darauf, regelmäßig auf den Nachwuchs persönlich aufpassen zu dürfen, was zwei weitere Klappen für den Reichskanzler bedeutete, denn so konnten Gundula und Paul sich noch besser auf die Aufgaben konzentrieren und konnten sich bei so qualifizierter Betreuung natürlich schlecht weigern, den Nachwuchs abzugeben.
Nun jedenfalls reformierte man ordentlich und der Reichskanzler brachte dabei einige Ideen ein, um seine Arbeit stärker zu delegieren - und nicht nur an Gundula und Paul, auch wegen seiner neuen Betreuungstätigkeit brauchte er ja unbedingt Entlastung.
So ging er also nicht komplett in den Ruhestand, gab aber mehr und mehr Arbeit ab, und solch ein langsamer Rückzug bekam ihm eigentlich ganz gut, denn er hatte sonst sowieso wenig Interessen.

Der Ritter von Drachenfels verließ zügig das Land und ließ sich recht weit weg nieder, schrieb einmal im Jahr einen Brief an das neue Königspaar, um Auskunft darüber zu geben, daß er sich weit weg von Gundula befand. Nun war er der Typ, der es überall schaffte, einmal abgesehen von einem Krötenteich und der Position mit Gundulas Knie im Genick. Und so kam er ganz gut zurecht.

Bruno machte gute Fortschritte, seine Mutter blieb brav ruhige Pensionärin und er konnte auch in ein Projekt des Reiches einsteigen, fand so also eine Stellung, die er gut ausfüllte. Es fand sich dann auch wirklich eine passende Frau. Gundula hatte sich noch einmal richtig umgehört und hatte genau die richtigen Kontakte knüpfen können. Und auch hier ist nicht der rechte Platz, um über dies Glück ausführlicher zu berichten.

Für Pauls Gut fand sie ein Verwalter vor Ort. Ab und an verbrachten sie die Sommerferien auf dem Gut, zwar mit einigem Gefolge, aber doch mit viel Spaß am einfachen Leben auf dem Land. Die Region Wrec gedieh als Republik und man war recht froh, über solch prominenten Besuch aus dem Nachbarland, denn das verbesserte die Beziehungen und man setzte sich füreinander ein.

Bractland war ein schwererer Fall. Tatsächlich gelang es durch Einfluß und diplomatisches Geschick durch die Nachbarländer und deren Druck, die verschiedenen Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen, aber es gab auf allen Seiten so viele Verbrechen und Scheußlichkeiten, daß es nicht gut voranging. Irgendwie bekam man das mit der Republik sogar hin, aber die Saat des Hasses war gesät und bereits aufgegangen und es dauerte Jahrzehnte, um dieses böse Kraut in den Griff zu bekommen. Immerhin beruhigte sich die Lage mehr oder weniger und es gelang dem Volk wieder, für sich zu sorgen.

In Märchen folgt nun oft so etwas wie 'Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.' Dazu hätte Gundula zurecht angemerkt, daß das nicht natürlich wäre, nicht zu sterben, auch das gehörte dazu, nicht über den Dingen zu stehen. Aber ganz sicher hinterließen sie Spuren in ihrem Land, gute Spuren, denn ihrem Land ging es besser durch zahlreiche Projekte und langsam gelang es auch, über eine Kette von Reformen, die Menschen im Lande mitbestimmen zu lassen. Ja vielleicht ging die nächste oder übernächste Generation von Königen und Königinnen sogar dazu über, nur noch zu repräsentieren oder sich ganz ins Private zurückzuziehen und auf einem einfachen Gut auf dem Lande zu leben. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll. Zudem spielte die ganze Geschichte ja in einer ganz anderen Welt zu einer ganz anderen Zeit, wie könnten wir da unsere Maßstäbe anlegen, um zu entscheiden, was passiert ist oder passieren wird?

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