Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

Die Krötenprinzessin
Ein Märchen für Jugendliche und Erwachsene

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 2015-07-15/08-03

10. Kleinlaut

Gundula war zurück auf das Gut gehetzt, zurück zum Haus. Sie war atemlos, zitterte am ganzen Leib. Nie wieder würde sie etwas Derartiges versuchen. Sie würde von nun an auf Paul hören und auf ihn vertrauen, bis er sie Zuhause abgeliefert hätte. Sie hatte sich wie eine Idiotin benommen, vielleicht, so stellte sie sich das vor, gar wie eine kokette Kokotte oder auch eine kokotte Kokette, so genau kannte sie sich da nicht aus, aber genug, um sich zu schämen. Wie konnte sie das wieder gutmachen? Sie fürchtete sich davor, wie Paul ihr - zurecht! - ihren dummen Ausflug vorhalten würde. Aber sie hatte es nicht besser verdient. Zu gern hätte sie sich jetzt in die hinterste Ecke des Bettes verkrochen oder darunter, aber das tat sie nicht. Stattdessen band sie ihre Haar zunächst zu einem langen Zopf, den sie wieder mit den Klammern hochsteckte. Das mußte erst einmal reichen, bis Paul vielleicht wieder geneigt war, ihr Zöpfe zu flechten. Dann eilte sie in den Garten, suchte noch so atemlos und zitternd, wie sie gekommen war, Kräuter und Gemüse zusammen, eilte ins Haus und bereitete wie verabredet das Mittagessen zu.

Paul kam eine ganze Weile später ebenfalls daheim an und war erleichtert, Gundula zu sehen und staunte gar, daß sie wie verabredet das Mittagessen beinahe fertig hatte. Den Rucksack hatte er beiseite gestellt und deckte für sie beide den Tisch und bemerkte nur so nebenbei: "Hat geklappt, der Krämersohn ist wieder einer, zwar ganz schön verwirrt, aber wohlauf. Ich glaube, der wird sich eine Zeit lang nicht mehr zum Küssen berufen fühlen."
Er grinste etwas, aber Gundula hielt noch immer das Haupt gesenkt, das war ihr alles mehr als peinlich. Paul bekam das mit, schalt sie nicht und betrachtete das Thema nahezu als erledigt. Man mußte nicht noch hinterhertreten, wenn jemand schon am Boden war. So ging das Essen recht still zu, dann räumten sie ab und säuberten das Geschirr.

Dann wies er nur auf den Rucksack: "Bei der Gelegenheit habe ich gleich einige Sachen besorgt, die dir noch nützlich sein könnten, hier und für die anstehende Reise. Schau doch mal, da ist auch ein Kleid dabei, einfach, aber leicht und für diese Gegend angemessen. Ich muß demnächst noch mit etwas Geld zum Bezahlen los, hatte gerade nicht so viel dabei, aber man kennt mich, da habe ich anschreiben lassen."

Gundula verstand, er machte es ihr leicht, beinahe als sei das gar nichts passiert. Sie war ihm dankbar, daß er ihr keine Vorhaltungen machte, nicht zusätzlich zu ihren eigenen. Sie nickte nur mit gesenkten Kopf, stand auf, nahm den Rucksack und ging in den anderen Raum. Sie packte aus, probierte Unterwäsche und Kleid an und ging zurück drehte sich damit schüchtern vor Paul, der nickte nur zustimmend: "Sieht doch gut aus! Kannst du sicher auch mal unterwegs tragen. Müssen wir dann sehen, wann es günstiger mit Männerkleidern, wann mit Frauenkleidern besser ist! Wir müssen unauffällig bleiben, Aufsehen vermeiden!"

Nach der kleinen, improvisierten Modenschau schlug Paul vor, gemeinsam im Garten aufzuräumen. Und Gundula war sofort einverstanden und eilte hinaus. Das Kleid zog sie hoch, um es nicht zu beschmutzen und kniete so mit nackten Knien, Unterschenkeln und Füßen im Beet, um Unkraut zu zupfen. Paul richtete ein paar andere Sachen und so arbeiteten sie eine Weile schweigend. Dann aber fragte Paul nach, zu etwas, was Gundula gestern angemerkt hatte und so gelang es ihm, sie wieder zum Reden zu bewegen und schnell berieten sie wieder recht flüssig und das Geschehen des Vormittags war erledigt, Gundula mied es aber, die Prinzessin aufzuführen, sie hielt sich einfach zurück, provozierte nicht, entspannte sich langsam wieder, weil so auch Paul nicht stichelte. Gerade hätte er sowieso praktisch alles von ihr verlangen können, sie hätte ihm vertraut und mitgemacht. Aber weder verlangte er alles von ihr, noch schlug er alles vor. Was sie gemeinsam taten, brachte das Gut voran und nun war Gundula froh darüber, einfach helfen zu können. Ja, bei der Arbeit im Garten dachte sie eine ganze Zeit lang nicht einmal mehr an daheim. An dem warmen Tag arbeitete und schwitzte sie kräftig. Obwohl sie diese Arbeit gar nicht gewohnt war, machte es ihr Spaß, mit ihren Händen zu arbeiten, die Pflanzen und die Erde zu spüren und zu sehen, was sie geschafft hatte. Und nebenbei schaute sie auch immer wieder gerne zu Paul hinüber, was der tat und wie er sich bewegte. Plötzlich sah sie ihn als ihren stattlichen Helden und Retter. Sie lächelte. Und als sich einmal ihre Blicke trafen, lächelten sie beide.

Gundula war sich nicht so sicher, warum ihr Herz schneller pochte, aber ihr Blick auf Paul hatte sich verändert. Das war ein stattlicher Mann, freundlich, hilfsbereit und offenbar nicht nachtragend. Mit ihm konnte sie sich gut unterhalten, jedenfalls wenn sie sich nicht gerade stritten, aber selbst solch ein Streit hatte seinen Reiz, wenngleich sie nicht mehr provozieren wollte. Irgendwie stand da plötzlich mehr auf dem Spiel, als rausgeworfen zu werden, wenn sie es übertrieben hätte. Dann hätte sie Paul persönlich enttäuscht - und da hätte sie sich wirklich als Versagerin und Idiotin gefühlt. Paul war ihr Retter aus dem Teich und aus dem heutigen Schlamassel. Vor ihm wollte sie unbedingt gut dastehen, jedenfalls soweit sich das nach dem heutigen peinlichen Zwischenfall überhaupt noch machen ließ. Er war nicht weiter darauf eingegangen, so hatte sie Hoffnung, das Gras über die Sache wuchs.

Auch Paul war zufrieden, wie sich die Dinge nun entwickelten. Gundula schien voll auf ihre Arbeit und den Garten konzentriert zu sein. Und es sah auch noch sehr gut aus, wie sie kniete und zupfte, sich um die Pflanzen kümmerte, wie sich ihr Körper unter dem dünnen Kleid abzeichnete. Wenn sie beide nur wollten, konnten sie sich schon vertragen und zusammen etwas erreichen. Und wie sollten sie anders das Abenteuer der Reise bestehen, wenn sie nicht zusammenhielten? Gundula schien ihm durch das Abenteuer am Morgen verwandelt zu sein. Und das hatte schon seinen Reiz, sie so zahm zu sehen, wobei er einräumen mußte, wenn es um nichts ging, schätzte er auch ein gutes Streitgespräch mit ihr. Und da war er doch recht zuversichtlich, daß es nicht lange dauern konnte, bis ihr Selbstvertrauen wieder voll an Bord war, und keinesfalls wollte er absichtlich etwas unternehmen, um sie davon abzuhalten, souverän ihre Frau oder Prinzessin zu stehen. Was er aber noch mehr schätzte: Als sie sich gegenseitig ansahen, lächelte sie, daß ihm ganz schwindelig wurde und da mußte er natürlich auch lächeln.

So arbeiteten sie bis zum Abend und kamen gemeinsam ganz gut voran. Paul gab das Zeichen zum Feierabend und erst jetzt spürte Gundula, daß sie erschöpft und müde war und auch sehr verschwitzt. Sie meinte zu Paul, sie sollte wohl besser erst einmal in der Wanne ein Bad nehmen und sich umziehen und das Kleid waschen. Paul stimmte zu, das sei sicher erfrischend, wenn sie fertig sei, werde er das auch tun.

Gundula stürmte um die Hecke zu Pumpe und Wanne, sog zügig die Kleider aus, genoß erst die Luft auf der nackten, verschwitzten Haut und dann das kühle, frische Wasser direkt aus der Pumpe auf der Haut, dann das Bad in der Wanne. Bei dem kalten Wasser zuckte sie zusammen, als Prinzessin hätte sie das nicht als angemessen gefunden, erst recht nicht, nackt draußen ein Bad zu nehmen. Aber jetzt fühlte sich das einfach gut und richtig an.

Paul holte schon einmal Handtuch und ihre Kleider aus dem Haus und brachte sie heraus. Die Hecke war recht dicht, so konnte man nur erahnen, daß sich Gundula bereits in der Wanne erholte. Er räusperte sich kurz und sagte: "Ich lege dir Handtuch und Kleider über die Hecke."
Gundula antwortete nun ganz wie von selbst mit normaler Lautstärke: "Danke, ich beeile mich, damit du dich auch gleich erfrischen kannst."
Und das war schon neu für sie, sie hatte ganz einfach so Danke gesagt und meinte es zudem auch noch so. Paul zog sich ins Haus zurück und Gundula beeilte sich wirklich, sprang aus der Wanne, ließ das Wasser ab, spülte dann nackt und ohne sich abzutrocknen das Kleid unter der Pumpe aus, wusch es und legte es über die Hecke und pumpte sogar die Wanne wieder voll mit frischem Wasser. Ein leichter Wind kühlte das Wasser auf ihrer Haut und auch das tat ihr gut. Als sie so weit fertig war, trocknete sie sich flüchtig ab und schlüpfte hastig in die bereitgelegten Kleider.

Barfuß und fröhlich sprang sie ins Haus zurück und rief: "Fertig! Jetzt bist du dran, aber Vorsicht, ich habe frisches, sauberes Wasser für dich in die Wanne gepumpt, aber das ist nun leider kalt!"
Paul nickte: "Danke dir, nach dem heißen Tag wird ein kaltes Bad doch ganz gut tun."
So ging er mit Handtuch und frischen Kleidern zur Wanne, zog sich aus und stieg hinein. Und er mußte feststellen, daß es wirklich kalt war, aber er verkniff sich irgendeinen Kommentar und spürte nur leicht erstarrt, wie die Kälte in seinen Körper kroch. Das war gleichzeitig erfrischend wie schockierend. Gundulas Bad hatte immerhin die normale Umgebungstemperatur gehabt, denn die Wanne hatte er wie jeden Tag morgens frisch gefüllt. Aber frisch gepumpt war wirklich hart. Lange hielt er das nicht aus, wusch sich zügig ab und sprang wieder heraus, trocknete sich flüchtig ab, da ging es ihm wieder gut. Er zog die neuen Kleider an, wusch das verschwitzte Hemd und Unterzeug aus. Dann ging er ins Haus zurück, wo Gundula inzwischen das Abendessen zubereitet hatte. Und nach dem arbeitsreichen Nachmittag tat beiden das Essen sehr gut.

Gundula verhielt sich noch immer zurückhaltend, aber recht ruhig und entspannt. So brachte Paul das Gespräch auf Garten und einige Stellen auf dem Hof, auch den versumpften Teich, wo er vorhatte, etwas zu tun. Ohne zu zögern stimmte Gundula zu, sie würde helfen. Durch die Arbeit ermüdet, nahmen sie bald ihr Nachtlager ein, in dem Arrangement wie in der Nacht zuvor.

Am Morgen hielten sie sich wieder an den Ablauf der letzten Tage. Paul teilte mit, zum einem wolle er das Bewässerungssystem wohl nun komplett umstellen, zudem noch jemanden einweisen für die Zeit der Reise, dann auch noch ein Stück weit Richtung Bractland wandern, um dort bei flüchtigen Bekannten Informationen über die aktuelle Lage einzuholen, um besser einschätzen zu können, wie sicher sie inzwischen reisen könnten. Gundula wollte draußen arbeiten, sich um die Wiese am Teich kümmern und auch um den sumpfigen Teich selbst.

So packten sie sich also Essen und Trinken für den Tag ein, auch noch die Geräte, die Gundula brauchen würde. Sie wollte unbedingt mit einer Sense hantieren, obgleich sie eine solche noch nicht benutzt hatte. Paul hatte das auch erst vor kurzer Zeit von einem Bauern gelernt und hatte sie bereits ein paar Mal erfolgreich benutzt, warnte aber, das sei kein Spielzeug, auch weil Gundula offenbar nun barfuß durch das Gut und den Garten zu streifen pflegte. Dazu erklärte sie, das habe sie schon als Kind gerne im Garten getan. Und so führte sie aus, daß auch jetzt noch manches Mal getan zu haben, wobei ihr Damengefolge dann ebenfalls brav das Schuhwerk beiseite legte und barfuß folgte, wobei sie sich sicher war, daß das einigen der Damen gar nicht so sehr behagte. Und in ihrem gepflegten Garten ging das natürlich schon deshalb ziemlich gut, weil die Bediensteten davon wußten und natürlich immer bestrebt waren, daß der Rasen weich und ohne Überraschungen zu betreten war.

Gut, hier mußte sie mit einer etwas wilderen Umgebung zurechtkommen, aber sie scheute sich nicht, obgleich sie schon ein paar kleinere Überraschungen erlebt hatte, die sie aber abstreifen konnte oder später abwaschen. Sie zeigte ihre Füße her und Verletzungen waren daran nicht zu erkennen. Paul zog es trotzdem vor, mit Schuhwerk unterwegs zu sein, zudem wie er ausführte, er auch auf steinigen Wegen unterwegs sei und wie sie vielleicht flüchtig am Weg zu dem Flecken mit dem Krämerladen gesehen habe, die Wege seien hier steinig und teils auch überraschend.

Gundula wollte auf diesen Weg nicht weiter eingehen, auf den Gebrauch der Sense schon. Folglich zeigte Paul ihr, wie man mit dem Gerät vorsichtig umging, einen gleichmäßigen Schnitt hinbekam, sie ab und an schärfte und so weiter. Wie man das Gras zu Heuhaufen aufschichtete, hatte Gundula in der Heimat gesehen, wenn auch keine Details, es würde schon gehen und sie schmunzelte auch, als sie einräumen mußte, perfekt würde es nicht werden: "Auch die Bauernschaft, man weiß es - achtet nicht des Laien Fleißes!"
Auch Paul mußte da lachen, denn genau wußte er das natürlich auch nicht, vermutete nicht einmal, daß es da ein normiertes oder auch nur tradiertes eindeutiges Verfahren geben würde, wobei er Gundula die Kompetenz zutraute, davon mindestens schon einmal irgendwo gelesen zu haben, falls es das gab und irgendwie sinnvoll war. Überhaupt stellte sie sich bei diesen praktischen Sachen für eine Prinzessin überraschend geschickt an und mit ihrem einfachen Kleid und einem Sonnenhut, unter dem sie die hochgesteckten Haare verborgen hatte, wirkte sie bei der Arbeit schon beinahe wie eine der Frauen hier aus der Gegend, die auf den Feldern und Wiesen arbeiteten. Durch die Sonne hatte ihre anfangs eher blasse Haut schon etwas Bräune angenommen, auch hier schien sich nicht allzu empfindlich zu sein, denn ein Sonnenbrand war nicht auszumachen. War sie hier auch wie ein Fremdkörper aus einer anderen Welt gelandet, so hatte sie sich doch atemberaubend schnell integriert, ohne sich selbst und ihre Persönlichkeit aufzugeben. Sie traute sich zu, etwas zu tun - und sie bekam es hin.

Paul schaute noch etwas zu, als Gundula entschlossen begann, die Sense zu schwingen. Und sie fand schnell einen gemächlichen, gleichmäßigen Rhythmus, denn sie hatte sich auch seinen Hinweis verinnerlicht, sich nicht zu verausgaben, sondern ruhig und gleichmäßig zu arbeiten, es einfach fließen zu lassen, statt sich anzutreiben. Er gab ihr noch zwei kleine Tips, mit denen es noch besser funktionierte, dann wollte er aufbrechen, mehr als zuversichtlich, daß Gundula nicht versehentlich ein Blutbad mit der Sense anrichten würde. Sie bewegte sich elegant und Paul konnte den Blick gar nicht von ihr abwenden, denn ihr Körper zeichnete sich unter dem Kleid ab und ihre nackten Beine im Gras, ihre Waden, das alles sah schon sehr verlockend aus.

Dann löste er sich aber doch von dem hinreißenden Anblick und zog davon. An der Bewässerungsanlage hatte er nicht viel zu tun. Da es nicht mehr geregnet hatte, hatten sich die Bäche aus den Bergen beruhigt, die Speicher waren bereits gut gefüllt und eine gleichmäßige, sparsame Regulierung war eingestellt, da er für die nächsten Tage jedenfalls nicht mit Regen rechnete. So ging er zu einem der Bauern, der sein Land in der Nähe hatte und schon Grundkenntnisse mit der Anlage hatte und unterrichtete ihn, daß er in ein paar Tagen für eine Weile verreisen müsse. So sahen sich beide die Anlage an und Paul erklärte noch einige Details und war dann zuversichtlich, daß die Leute so ganz gut über den Sommer kommen würden, wenn es nicht eine große Dürre geben sollte oder sehr starke Regenfälle. Aber die Leute waren auch nicht dumm und würden sich etwas einfallen lassen müssen, wenn es wirklich so schlimm kommen sollte.

So zog er weiter in die Richtung auf Bractland zu, um seine flüchtigen Bekannten aufzusuchen. Das war eine der Gruppen, die die Selbstverwaltung der Region Wrec vorantrieben. Zudem waren sie recht gut informiert über die Vorgänge in Bractland, auch weil einige ebenfalls von dort geflohen waren und sich hier neu angesiedelt hatten. Was er dann hörte, sah immer noch recht trostlos für die Bürger seines Landes aus, immerhin schienen sich jetzt vorrangig die Intriganten und Putschisten gegenseitig zu bekämpfen, statt das eigentliche Volk zu tyrannisieren, doch versuchte natürlich ein jeder, Truppen zu rekrutieren, brauchte dafür auch Ressourcen, so daß es insgesamt mit der Versorgung nicht gut lief. Kurzum, die Lage hatte sich nicht beruhigt, man mußte immer noch mit Leuten rechnen, die nicht nur flüchteten, sondern auch entweder aus Not oder schon aus Verrohung und Abgestumpftheit Ärgeres im Schilde führten. Es war wohl jedenfalls in der Region Wrec etwas ruhiger geworden, aber es war noch immer recht attraktiv, über die (neue) Grenze zu kommen, die auch kaum jemand wirklich kontrollierte oder sicherte. Ins Hinterland stießen diese Banden kaum vor, sie zogen es vor, im Chaos von Bractland Unterschlupf zu suchen und dann nur die nähere Umgebung abzugrasen. Mit diesen Informationen kehrte Paul um. Sie mußten also sicher auf der Hut sein. Das war keine ganz einfache und harmlose Reise.

Gundula hingegen kam gut voran mit ihrer Arbeit, obwohl sie es nicht gewohnt war, unter der heißen Sonne über Stunden zu arbeiten. Aber sie ließ sich dabei auch Zeit und hastete nicht, machte ab und an eine Pause. Der Schweiß floß ihr in Strömen vom Leib und durchnäßte das dünne Kleid, aber das war in Ordnung, sie würde gründlich in der Wanne baden können, bevor sie wieder Pauls Haus betrat - und auch der würde durch seine Wanderschaft ordentlich durchgeschwitzt sein, also alles in allem nichts, was ihnen peinlich sein müßte. Das war der Schweiß ehrlicher, einfacher Arbeit, daran war nichts auszusetzen - und wer das getan hätte, der hatte vermutlich nie versucht dahinterzukommen, wie es zu all den Dingen kam, von denen man jeden Tag lebte. Sie versuchte nun wenigstens praktisch dahinterzukommen und ahnte bereits, daß das gar nicht so einfach war. Was sie am Hof tat, war auf andere Art nicht einfach, von daher konnte man gegenseitig wohl respektieren, was erarbeitet wurde, wenn man erst einmal erfahren hatte, wie es war, den Boden mit dem Schweiß der eigenen Arbeit zu tränken.

Um den Teich herum hatte sie ein gutes Stück der Wiese gemäht und Heuhaufen zusammengetragen. Das würde gehen. Nun sah sie nach dem Teich. Mit einigem Gerät, besonders einer Harke, Schere und einem Zinkeimer begann sie behutsam aufzuräumen und den Teich von viel zu vielen Algen und einem guten Teil Schilf zu befreien, damit er nicht weiter zuwucherte.

So war sie ganz in die Arbeit vertieft, flitzte erst immer rund um den Teich, um außen etwas zu verbessern, steckte bald mit beiden Beinen und hoch an den Oberschenkeln verknotetem Kleid im matschigen Sumpf und kümmerte sich. Ziemlich verschmutzt hockte oder kniete sie auch am Ufer und tat was sie konnte, doch die Arbeit war längst nicht fertig.

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