Der Prinz und der Gloeckner
Geschichten

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Entscheidung

Alternative Buchvariante (EPUB) mit Graphik

Geschrieben: 1993-07-27/08-06, 2015-01-09/18

Vorwort

Die in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts handelnde Geschichte, ein philosophisches Luststück rund um die Liebe, ist in Hannover angesiedelt, primär in der Studentenszene. Personen und Handlung sind nicht biographisch. Der Text ist in der dargestellten Form und Kombination der Ereignisse also rein fiktional.

In der Erzählung werden auch sexuelle Handlungen dargestellt, wer eine Konfrontation mit diesem Bestandteil des menschlichen Lebens in Erzählungen eher vermeiden möchte, dem sei eher zu einer der anderen Erzählungen ohne solche Darstellungen geraten.

Vorspann

Ich habe dich so lieb

Joachim Ringelnatz

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.
Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.
Vorbei - verjährt -
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.
Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.

Grauschleier

fehlfarben

ich habe das alles
schon tausendmal gesehen
ich kenne das leben
ich bin im kino gewesen
und doch:
jedes mal wenn ich sie seh
weiß ich nicht wie es gehn soll
ich find nicht den dreh
es liegt ein grauschleier
über der stadt
den meine mutter
noch nicht weggewaschen hat
die geschichte ist langweilig
und immer dasselbe
die bücher zu thema
sind auch nicht das gelbe
und will ich ihr dann
mal was sagen
dann fällt mir nichts ein
nur leere Phrasen
es liegt ein grauschleier
über der stadt
den meine mutter
noch nicht weggewaschen hat
die musik aus der küche
ist auch schon ziemlich zerkratzt
ich habe geweint
bei jedem zweiten satz
und wenn ich dann schon
mal was eineindeutiges tu
dann fürcht ich sogleich
sie denkt: laß mich in ruh
es liegt ein grauschleier
über der stadt
den meine mutter
noch nicht weggewaschen hat
es liegt ein grauschleier
über der stadt
den meine mutter
noch nicht weggewaschen hat

Das Kuß-Gedicht

Gerrit Engelke

Der Menschheit größter Hochgenuß
ist ohne Zweifel wohl der Kuß.
Er ist beliebt, er macht vergnügt,
ob man ihn gibt, ob man ihn kriegt.
Er kostet nichts, ist unverbindlich
und er vollzieht sich immer mündlich.
Hat man die Absicht, daß man küßt,
so muß man erst mit Macht und List
den Abstand zu verringern trachten
und dann mit Blicken zärtlich schmachten.
Die Blicke werden tief und tiefer,
es nähern sich die Unterkiefer.
man pflegt dann mit geschloß'nen Augen
sich aneinander festzusaugen.
Jedoch nicht nur der Mund allein
braucht eines Kusses Ziel zu sein.
Man küßt die Wange und die Hände
und auch noch and're Gegenstände,
die ringsherum mit Vorbedacht
sämtlich am Körper angebracht.
Auch wie man küßt, das ist verschieden
Im Norden, Osten, Westen, Süden.
So mit Bedacht und mit Gefühl,
der eine heiß, der and're kühl.
Der eine haucht, der and're schmatzt,
als ob ein alter Reifen platzt.
Hingegen wiederum der Keusche
vermeidet jegliche Geräusche.
Der eine kurz, der and're länger,
den längsten nennt man Dauerbrenner.
Ein Kuß ist, wenn zwei Lippenlappen
in Liebe aufeinanderklappen
und dabei ein Geräusch entsteht,
als wenn die Kuh durch Matsche geht.

(1) Nacht von Mittwoch auf Donnerstag

Ich stelle fest, es wird eine Stunde dauern, bis die nächste Straßenbahn an der Haltestelle hält, es sei schon zu spät in der Nacht, beziehungsweise noch zu früh am Morgen.

M. erklärt, wie ärgerlich es für sie sei, daß sie ihr Fahrrad noch reparieren müsse, so daß sie heute auf die Straßenbahn angewiesen sei, und jetzt auch noch das, mitten in der Nacht stundenlang auf die nächste Straßenbahn warten ...

Ich schlage vor, wir könnten ein Stück gehen, zitiere scherzhaft nach Goethes Faust:
Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?

Sie lacht, sie sei einverstanden, es sei sicher interessanter zu gehen und sich zu unterhalten, als sich hier zu langweilen, daher sei die Originalantwort
Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleitet nach Hause gehn.

nicht passend.

Ich erwidere, ich hätte da bezüglich der Schönheit auch energisch widersprechen müssen:
Beim Himmel, dieses Kind ist schön!
So etwas hab ich nie gesehn.

Sie alleine in der Nacht durch die Stadt gehen zu lassen, sei ebenfalls nicht nett. Sie lächelt verlegen. Ich frage, wo sie denn hin müsse; sie muß in die Südstadt. Bleibt nur noch der einzuschlagende Weg zu klären: Entlang der Straßenbahnlinie oder weiter rechts herüber direkt Richtung Maschsee. Sie hält letzteres für besser, wolle nicht unbedingt mitten in der Nacht durch die Innenstadt, also setzen wir uns in Richtung Sprengelmuseum in Bewegung.

Sie stellt fest: Es bleibe ein Konversationsthema zu wählen, das Theaterstück sei schon ausreichend bei C. diskutiert worden. Sie habe mich noch nie bei C. gesehen, was sie deshalb interessiere: Wie ich zu der Gruppe um C. gekommen sei.

Ich erkläre: Wir hätten uns einige Zeit aus den Augen verloren, Mittwoch Morgen jedoch zufällig wieder im Welfengarten getroffen und uns unterhalten. Sie habe mich dabei gefragt, ob ich Interesse an einer Karte für das Theaterstück habe, ihr Bekannter L. sei kurzfristig erkrankt, und ich würde vielleicht das Stück gerne sehen, wenn das bisher noch nicht geschehen sei. Ich bin einverstanden gewesen. Sie habe noch erzählt, es sei eine kleine Gruppe von Leuten. Anschließend wolle man bei ihr noch etwas plaudern, ich solle dann doch einfach mitkommen. So ist es dann ja auch geschehen.

M. erzählt, sie sei erst Anfang des Semesters durch ihre Kommilitonin und Freundin A. zu der Gruppe gestoßen, die ja auch dabei gewesen sei. An der späteren Diskussion habe sie es am interessantesten gefunden, als C. gegenüber F. habe einen Beweis bringen wollen, daß es keinen Gott gebe, zumal ja weder sie noch er an einen Gott glaubten. Daß ich dann den Beweis so energisch angegriffen habe, habe ihr gut gefallen, da sie an Gott glaube, aber in dem Moment nichts zu entgegnen gehabt habe.

Ich bin amüsiert, ich sei auch Atheist, jedoch habe ich es C. nicht so leicht machen wollen. Ihr Beweis sei ohnehin unhaltbar gewesen, so daß ich demgegenüber - um ein Wortspiel zu gebrauchen - den advocatus deo ruhig habe spielen können, da C. zudem wisse, daß ich Atheist sei, sei ihr auch klar gewesen, daß es nicht um die Verteidigung meiner persönlichen Meinung gegangen sei, sondern lediglich darum, ihre dargestellte Position zu prüfen, ob sie aus meiner Sicht haltbar sei oder nicht. Sie habe dann ja auch eingesehen, daß sie nur bewiesen habe, daß es diesen speziellen Gott, den sie hypothetisch vorausgesetzt habe, nicht geben könne. Damit habe sie aber noch lange nicht gezeigt, daß es überhaupt keinen Gott geben könne. Was sie vorgetragen habe und worüber sie mit F. zunächst gesprochen habe - Kann Gott einen Stein schaffen, den er nicht selbst aufheben kann - setze einen allmächtigen Gott voraus, ebenso gebe es Widerspruchsbeweise gegen Götter, die allwissend und allmächtig seien et cetera.

M. schaut mich erstaunt an: Ich akzeptiere also den Beweis?

Ich bestätige: Unter den Voraussetzungen schon, doch sei es ja leicht möglich, Götter mit irgendwelchen Eigenschaften vorauszusetzen, deren Widerlegung nicht so einfach oder gar nicht möglich sei.

So bleibe dem Atheisten also letztlich auch nichts anderes übrig, als an die Nicht-Existenz eines Gottes zu glauben, genau wie der Theist an die Existenz eines Gottes. Für letzteren bedeuteten die möglichen Gegenbeweise bezüglich gewisser Eigenschaften eines Gottes eigentlich nur, daß er seinen Gott darüber definieren müsse, welche Eigenschaften er nicht habe.

Sollte nicht der Mensch seine Ideen von Gott ebenso zweckmäßig weben können wie die Spinne ihr Netz zum Fliegenfang?

Georg Christoph Lichtenberg

Umgekehrt sei es allerdings den Gläubigen auch nicht möglich, einen positiven Beweis zu führen. Prominentes Beispiel sei Blaise Pascals Argumentation, warum es günstiger sei, an einen Gott zu glauben, als das nicht zu tun, etwa nach folgendem Muster:

Es sei nicht möglich, zu entscheiden, ob Gott existiere oder nicht.

Angenommen, man lehne den christlichen Glauben ab. Sei er tatsächlich falsch, bringe diese Annahme keinen Gewinn. Sei er wahr, komme man aber in die Hölle, oder es treffe einen zumindest Gottes Strafe, weil man Atheist sei.

Angenommen, man akzeptiere die christlichen Lehre. Sei sie falsch, bringe die Annahme keinen Verlust mit sich. Sei sie aber wahr, so komme man in den Himmel, beziehungsweise man werde von Gott belohnt.

Wenn man also an Gott glaube, habe man dadurch schlimmstenfalls keine Verluste, bestenfalls erspare man sich die Strafe Gottes und bekomme sogar noch eine Belohnung.

M. wirft ein, dann sei es doch erstaunlich, daß ich Atheist sei, ich erwidere jedoch, Pascal sei dabei von einer bestimmten Gottesdefinition ausgegangen, die für seine Argumentation günstig gewesen sei, um tatsächlich eine Beurteilung zu ermöglichen, müsse natürlich das ganze Spektrum der möglichen Götter berücksichtigt werden. Wenn man etwa von einem 'Antigott' ausgehe, der jene Strafe, die an ihn glaubten und jene belohne, die nicht an ihn glaubten, sei die Situation offenbar genau umgekehrt wie bei Pascal und letztlich sei man wieder am Ausgangspunkt angekommen. Man könne nicht beurteilen, was vorteilhafter sei, da ja die Hypothese der Existenz eines Gottes gleichwertig mit der eines 'Antigottes' sei, solange es eben keinen Beweis für die Existenz von genau einem von beiden gebe.

Als alternatives Gegenbeispiel denke man nur daran, daß ja viele Leute an ganz verschiedene Götter glauben. Formal könne man nicht wissen, welche es davon gäbe. Glaube man nun zufällig nicht an einen, den es gäbe, der aber alle strafe, die nicht an ihn glaubten, so sei man immer der Dumme bei Göttern mit Exklusivanspruch, denn bestenfalls stelle man davon einen zufrieden. Selbst wenn es unter all den Konzepten nur einen gäbe, sei die Wahrscheinlichkeit ja hoch, daß man gerade an den falschen glaube und man sei wahrscheinlich wieder der Dumme.

Da weiter der Gott nicht naturwissenschaftlich nachweisbar auf die Welt einwirke, egal ob er es könne oder nicht, indem plötzlich irgendwelche 'Naturgesetze' außer Kraft gesetzt werden, schränke sich für den Theisten die Möglichkeit für Eigenschaften ihres Gottes weiter ein auf eine bloße Existenz. Gott könne im Prinzip nicht mehr Beschützer der Menschen sein, da er damit nachweisbar in die Welt eingreifen müßte. Auch könne er die Menschen nicht für ihre Taten strafen, solange sie noch in dieser Welt seien. Lediglich wenn man postuliere, daß es ein Weiterleben nach dem Tode gebe - im Machtgebiet des Gottes - woran ich natürlich nicht glaube, sei dort ein Zugriff des Gottes auf den Menschen möglich, jenseits des Nachweises durch die Naturwissenschaft, also in einer komplett anderen Welt, die mit dieser in keiner Wechselwirkung stehe, deshalb sei auch unklar, wie eine Information von dieser in die andere Welt gelangen könne, wie das für ein Weiterleben nötig sei: Die Information über die Identität des Menschen müßte von dieser Welt in die andere gelangen, das hinterlasse in dieser Welt aber zwangsläufig im Prinzip meßbare Spuren.

M. wirft ein, ich könne ihr aber doch nicht vorschreiben, wie der Gott auszusehen habe, an den sie glauben könne. Ihr persönliches Gottesbild könne ihr schließlich niemand vorschreiben.

Ich stimme zu, natürlich könne das niemand, worum es im Prinzip nur gehe, sei, daß ein Gottesbild dann mit der Erfahrungswelt in Einklang stehen müsse, wenn versucht werden solle, mit einem anderen Teil der Welt in Wechselwirkung bezüglich dieses Gottesbildes zu treten, um etwa mit der Bezeichnung 'Gott' eine Kommunikation mit einem anderen Menschen zustande bringen zu können. 'Gott' als Begriff sei nur dann zur Kommunikation geeignet, wenn die beiden Kommunikationspartner in etwa das Gleiche unter dem Begriff verstehen, sonst sei es nur eine leere Worthülse.

Referenz sei letztlich die beiden objektiv zugängliche Erfahrungswelt und damit die Naturwissenschaft als approximative Beschreibung derselben. Werden nun einem Begriff 'Gott' Eigenschaften zugewiesen, die in der Erfahrungswelt, der Logik zu einem Widerspruch führen, könne dem Begriff nichts mehr zugeordnet werden, was in irgendeiner Weise mit der Erfahrungswelt in Wechselwirkung stehe. Dabei sei nicht gemeint, daß das bezeichnete Objekt nur gegensätzliche Eigenschaften enthalte, etwa könne eine Lampe hell und dunkel sein, jedoch nicht gleichzeitig bezüglich der gleichen Referenz.

Man könne sich natürlich persönliche Begriffe schaffen, ohne die Erfahrungswelt als Referenz oder mit einer sonst willkürlich gewählten Referenz, doch dann bezögen sich diese Begriffe zwangsläufig nicht auf die gemeinsame Erfahrungswelt der Kommunikationspartner. Es sei allerdings möglich, daß sich zwei Kommunikationspartner auf das gleiche, aber unabhängig von der Erfahrungswelt definierte Referenzsystem bezögen, das könne sehr interessant sein, zum Beispiel könne man so einfache mathematische Strukturen verstehen, über die man sich nur unterhalten könne, weil sie präzise und widerspruchsfrei definiert seien.

Die Mathematik handelt ausschließlich von den Beziehungen der Begriffe zueinander ohne Rücksicht auf deren Bezug zur Erfahrung.

Albert Einstein

M. fragt, wie denn meiner Meinung nach ein bezüglich der Erfahrungswelt widerspruchsfreier Gott aussehen könnte.

Ich erwidere, ich wisse es nicht, doch seien etwa Götter, die sich auf ein Leben nach dem Tode, also auf ein anderes Referenzsystem beziehen, immer möglich, oder allgemein Götter, die nicht mit diesem Universum in Wechselwirkung stehen. Meiner Meinung nach seien sie allerdings dadurch für diese Welt völlig redundant, eben weil sie nicht mit ihr wechselwirken. Hinsichtlich einer Götterwelt nach dem Tod sei aber wie gesagt nach aktuellem Erkenntnisstand auszuschließen, daß man eine Identität aus dieser Welt in eine andere ohne Rückwirkung auf diese Welt übertragen könne, womit man faktisch ausschließen könne, daß es in einer Götterwelt eine Fortsetzung dieser Welt geben könne, weil die Götterwelt keine Information über diese Welt habe.

M. gibt zu bedenken, durch die Religion werden den Menschen doch aber ethische Grundwerte geliefert, die es ermöglichen, überhaupt zusammenzuleben, wie könne ich da behaupten, daß das redundant sei.

Meine Antwort ist, es gebe ja auch äußerst destruktive religiöse Ansichten, außerdem hätten die ethischen Grundwerte ja im Prinzip nichts mit der Existenz eines Gottes zu tun, entscheidend sei nur ihr Inhalt, der natürlich für jeden von Interesse sein könne, unabhängig von einem Gott.

Es seien doch aber Gottes Gebote und Gottes Sohn Christus, der Nächstenliebe gefordert habe, also sei doch Gott unauflöslich damit verbunden. Durch Gottes Liebe gebe es doch nur die Menschen, meint sie, worauf ich sage, daß Gott ja von den Christen eigentlich nicht mehr als Handlungsmotivation für das richtige Leben gesehen werden könne, denn wäre dann nicht der Atheist, der aus eigener Überzeugung gut handele, nicht der bessere Mensch, weil er aus seinem Innersten heraus handele, ohne sich von einem Gott dafür etwas erhoffen zu können?

Ich fahre fort, darum gehe es etwa auch um eine Geschichte von Bertolt Brecht über Herrn K., der auch gefragt wird, ob es einen Gott gibt. K. macht die Relevanz der Annahme allein davon abhängig, ob dies etwas am Verhalten ändern würde. Ist das Verhalten unabhängig von der Annahme der Existenz eines Gottes, ist die Annahme redundant, ansonsten ist die Annahme der Existenz eines Gottes vorteilhaft. Bertolt Brecht scheine ebenfalls vorschnell ähnlich wie Blaise Pascal davon auszugehen, daß Glaube den Gläubigen positiv beeinflusse, ihn im Zweifelsfalle also altruistischer mache oder anderweitig vorteilhafte Konsequenzen habe. Es gebe allerdings zahllose Beispiele in der Geschichte der Menschheit, die belegen, daß aus dem Glauben auch üble Katastrophen für andere oder auch für den Gläubigen selbst folgen können, etwa bei Religionskriegen und ähnlichen Metzeleien.

Sie lächelt unsicher. Es sei ja kein Tauschgeschäft mit Gott, auch der Christ müsse aus eigener Überzeugung heraus gut handeln und dürfe für seine guten Taten nichts von Gott verlangen. Da es keine unmittelbare Belohnung für gute Taten gebe, sei es schon wahr, daß nach dem heutigen Verständnis von Gott dieser nicht direkt auf die Menschen oder die Welt einwirke. Letztlich, so stimmt sie mir zu, seien es wirklich nur die ethischen Werte, die von Bedeutung seien, insofern könnten wir einen Konsens erzielen, doch ob es einen Gott gebe oder nicht, da könne ich sie kaum überzeugen.

Ich versichere, das sei auch gar nicht meine Absicht gewesen, entscheidend sei ja nur eine Toleranz gegenüber anderen Ansichten und Menschen als Minimum an Grundwerten nach dem Motto: was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu. Die Nächstenliebe, im Sinne einer Unterstützung aller Mitmenschen sei eine noch weit darüber hinausgehende Forderung an das gute Handeln. Es sei nicht damit getan, anderen nur nicht schaden zu wollen, weil Gesetze oder allgemeine Verhaltensnormen es verlangten, es müsse tief im Menschen verankert sein, anderen nicht absichtlich Schaden zufügen zu wollen und unabsichtlichen Schaden zu vermeiden zu trachten.

Man habe so eine gewisse Verantwortung für seine Mitmenschen, man lasse sie nicht einfach im Elend neben sich liegen und gehe achtlos vorbei, wenn ihnen Leid geschehe, sondern man müsse versuchen, sie beim Überleben, vielleicht sogar bei ihrer Selbstverwirklichung zu unterstützen, statt nur auf den eigenen Vorteil zu sehen. Vor allem müsse man Achtung vor ihnen haben, denn es seien Mitmenschen, die man nicht wie Dinge behandeln dürfe, wie Ressourcen für den eigenen Vorteil oder als Punching-Ball, an dem man seine Aggressionen auslassen könne. Wenn man sie schon nicht unterstützen wolle, müsse man wenigstens den Menschen in ihnen sehen und sie entsprechend behandeln, mit Würde.

Ideal sei es natürlich, wenn man bereit sei, ihre Entwicklung zu fördern, ihnen ihr Leben zu erleichtern, wenn ihre Existenz bedroht sei, müsse man helfen, denn es seien Menschen wie man selbst. Ich müsse aber zugeben, daß das Ideal nicht leicht zu realisieren sei, wenn auf einem überbevölkerten Planeten Millionen hungerten, Kriege geführt werden und sich sonst kaum jemand daran halte. Wenn die Aussage des Philosophen Christus gewesen sei: "Seid nett zueinander", so habe das offenbar in den vergangenen 2000 Jahren nicht den erwünschten Effekt gehabt, und doch dürfe man sich nicht auf die Seite der Starken schlagen, die glaubten, sie hätten Recht, weil sie die Macht haben, ihren Willen durchzusetzen.

Sie meint, Nächstenliebe zu praktizieren, sei immer schwer gewesen, und wir schweigen, sind inzwischen am Maschsee angelangt.

Ich sage, damit sei die Gretchenfrage ja nun geklärt, doch da nur sie wisse, wie es jetzt zu ihrer Wohnung weitergehe, müsse sie die weitere Führung übernehmen, wenn sie wolle, daß ich sie in Anbetracht der frühen Stunde bis zu ihrer Haustür geleite. Sie nickt, von hier aus kenne sie den Weg genau.

Was ihr gerade noch einfalle, wir hätten ja außer über das heute gesehene Theaterstück noch über ein anderes gesprochen, sie habe nicht verstanden, warum ich bei C. diesbezüglich eine ironische Bemerkung über Frau (?) aus dem Theaterstück von G. gemacht habe.

Ich erwidere, G. habe doch in der besprochenen Szene dargestellt, wie (?) geradezu den Verstand verloren habe, als sie sich in (??) verliebt habe, sie sei offenbar zu keinem klaren Gedanken mehr fähig gewesen, in ihrer Hilflosigkeit und dadurch, daß sie sich so (??) ausliefere, habe G. aus heutiger Sicht das damalige Frauenbild treffend karikiert. Einer so rührenden Szene könne man nur mit Ironie begegnen, wenn man nicht selbst gerührt werden wolle.

Sie schaut mich von der Seite an, aber man könne sich doch nicht darüber lächerlich machen, wenn sich jemand verliebe, man könne sich doch kaum dagegen wehren, aus ihrer Sicht habe das wenig mit dem damaligen Frauenbild zu tun, einem Mann könne es doch im Prinzip genauso gehen, und die Gefühle von (?) und ihr Verhalten seien doch gut nachzuvollziehen.

Ich widerspreche, ich hätte mich ja nicht über (?)s Gefühle lächerlich gemacht, aber natürlich fordere es schon die Ironie heraus, wenn G. (?) so völlig die Kontrolle über sich verlieren lassen, sie nur noch blind ihren Gefühlen, Trieben folge, wodurch (??)s Verhalten sie ja erst so enttäuschen könne. Natürlich liege die Schuld vor allem auf (??)s Seite, der nur mit ihr gespielt habe, auch wenn er etwas anderes behauptet habe, er sei der Schuft - auch ein getroffenes Klischee, wie die Liebende, die vor Liebe den Verstand verliere.

M. fährt fort, für den Zustand des Verliebtseins sei es allerdings notwendig, 'den Verstand zu verlieren' oder sich dem Geliebten völlig auszuliefern, wenn man verliebt sein wolle. Anschließend gelte es dann, aktiv zu werden, um den Verstand wiederzufinden. Sie selbst sei sehr getroffen, wie ich sage 'gerührt' gewesen, als sie das Stück gesehen habe.

Sie zögert einen Moment, schaut mich von der Seite an, fährt dann fort: Die Darstellung des Verliebtseins erinnere sie an eine junge Frau, die sich mit Freunden und Bekannten zu einem Theaterstück habe treffen wollen. Vor dem Theater sei dann noch ein junger, ihr unbekannter Mann hinzugekommen, der ihr sofort gefallen habe. Er wird von einer Freundin C. allen anderen vorgestellt als ein alter Bekannter von ihr. Die junge Frau schaut ihn an, von oben bis unten, und der Mann gefällt ihr immer noch. Ihre Blicke treffen sich und bleiben ein paar wundervolle Augenblicke aneinander hängen, sie lächelt und schlägt verlegen die Augen nieder. In der Vorstellung gelingt es ihr kaum, sich auf das Stück zu konzentrieren. Im Halbdunkel der Sitzreihen trifft ihr Blick immer wieder sein Antlitz. Sie weiß nicht, wieso, aber offenbar hat sie sich in ihn verliebt. Nach dem Theaterbesuch will man sich noch ein wenig bei der Freundin C. unterhalten, es trifft sich, daß sie wie er auch den Weg dahin zu Fuß gehen. Sie ist froh, daß sie für diesen Abend ein schickes Kleid angezogen hat und richtet es so ein, daß sie neben A. vor ihm geht und hofft, daß er sie anschaut, während er sich mit C., soweit sie es mitbekommt, über den Fortgang seines Physikstudiums unterhält, sie scheinen dabei an ein schon begonnenes Gespräch vom Vormittag anzuschließen. Die junge Frau hofft auf seine Blicke auf ihren Beinen, ihren Armen, ihrem Po, ihrem Rücken, was ihr kalte und heiße Schauer über denselben jagt. Bei C. angekommen richtet sie es so ein, daß sie ihm gegenüber sitzt, so daß sie ihn gut sehen kann und vor allem umgekehrt. Ihre Blicke zieht es immer wieder zu ihm hin, und wenn sich ihre Blicke treffen, senkt sie den ihren immer verlegen und unmerklich lächelnd. Das müßte ihm doch hoffentlich auffallen? Seiner Stimme, seinen Worten hört sie gut zu. Einerseits ist sie so froh über seine Anwesenheit, anderseits muß sie befürchten, daß sie ihn nie wiedersehen wird. Als der allgemeine Aufbruch beginnt, trifft es sich daher gut, daß sie beide mit der Straßenbahn fahren wollen, während die anderen mit dem Fahrrad da sind oder zu Fuß gehen, weil sie in der Nähe wohnen. So sind sie alleine an der Haltestelle. Ihr Herz schlägt aufgeregt, sie fragt sich, was sie tun kann. Als sie erfährt, wie lange es dauert, bis die nächste Bahn kommt, tut sie nur so, als ärgere sie das, ein weiterer Aufschub. Als er vorschlägt, zu Fuß zu gehen, steigert sich ihre Aufregung noch und sie ist einverstanden. Kann sie sein Angebot, sie zu begleiten, als Annäherung interpretieren? Sie unterhalten sich, und einiges, was er sagt, sollte sie etwas beunruhigen, da sie anders denkt, doch sie ist verliebt, und ihr Verstand, soweit noch vorhanden, mahnt sie einerseits zur Vorsicht und nichts zu überstürzen, andererseits unterstützt er sie dabei, seine Worte so zu verstehen, daß sie in gewisser Weise mit einigem einverstanden sein kann.

M. schaut zu Boden, fragt mich, ob mir nicht Ähnliches bekannt sei, nicht lächerlich, sondern aufregend schön?

Ich überlege einen Moment, nicke. Etwas ganz ähnliches sei mir von einem jungen Mann bekannt. Eine alte Bekannte C. habe ihm vorgeschlagen, mit ihr und einigen anderen ein Theaterstück zu besuchen. Vor dem Theater habe C. ihn ihren anderen Bekannten vorgestellt, unter den attraktiven jungen Damen sei ihm eine gleich besonders aufgefallen, ein paar Jahre jünger als er, zierliche Figur, lange, dunkle, lockige Haare, insgesamt sehr schön und aufregend, vor allem aber hat sie ein interessantes Gesicht mit einem atemberaubenden Lächeln. Es gefällt ihm, wie sie sich bewegt, wie und was sie spricht, wie sie ihn anschaut, obwohl er nicht weiß, was sie mit ihren Blicken zu finden hofft. Als sich ihre Blicke treffen, ruhen ihre dunklen Augen einen Augenblick zu lange in den seinen, so daß er beinahe erleichtert ist, als sie die Augen lächelnd niederschlägt, er hätte seine nicht zu lösen vermocht. Das köstliche Lächeln ihrer Lippen aber gräbt sich in seine Erinnerung. Während des Stückes wagt er nicht, zu ihr hinüber zu schauen, vielmehr konzentriert er sich ganz auf die Darbietung der Schauspieler, er weiß, wenn er nur einmal zu ihr schaut, wird er es die ganze Vorstellung wieder tun müssen und er hätte nichts mehr vom Stück. Obwohl sie drei Stühle weiter sitzt, versetzt ihn schon das bloße Wissen ihrer Anwesenheit in eine gewisse wohlige Unruhe. Anschließend auf dem Weg zu C. wird er für seinen vorherigen Verzicht übermäßig entschädigt: sie geht vor ihm. Begierig saugen seine Blicke jede ihrer Bewegungen auf, die eleganten Schritte ihrer schlanken, nackten, wohlgeformten Beine, seine Blicke streicheln ihren ganzen Körper, gern hätte er jetzt ihre zarten Finger in seinen Händen gehalten, den Duft ihrer Haare ganz dicht bei ihr tief eingesogen. Es gelingt ihm nur mit Mühe, sich mit C. zu unterhalten. Seine Blicke tasten über ihre Arme, das enge Kleid, beinahe meint er, sie müsse seine bewundernden Blicke auf ihrer Haut spüren, befürchtet, sie werde sich jeden Moment umdrehen und ihn ertappen, wie er jeden Quadratzentimeter ihrer Haut in sich aufnimmt, jede Locke ihrer Haare mit seinen Augen umspielt, wie seine Blicke ihr das enge Kleid, unter dem sich ihr schöner Körper abzeichnet vom Leib zu zerren trachten. Bei C. angekommen, sitzt sie ihm gegenüber, so kann er sie von vorne betrachten. Ihre nackten Beine hat sie seitlich übereinandergelegt, mit einer Hand stützt sie sich am Boden ab, er folgt den Linien ihres Körpers, der sich auch vorne deutlich unter dem Kleid abzeichnet, sein Blick fährt immer wieder über ihre Beine, bis zu ihren süßen Füßen, die er sehen kann, weil sie ihre flachen Schuhe ausgezogen hat. Sein Blick streift durch ihre Haare, über ihren Busen, ihre Brüste und tiefer, er kann sich kaum noch auf das Gespräch konzentrieren, an dem sie sich kaum beteiligt, so daß er ihre Stimme nur wenig zu hören bekommt und nicht viel über sie erfährt. Säßen sie nebeneinander, könnte eine wie zufällig wirkende Berührung vielleicht zu einer Reaktion, eventuell sogar zu einem kleinen Spiel führen? überlegt er, aber so bleibt ihm nur, sie von Zeit zu Zeit zu ertappen, wie sie auch ihn anschaut. Als die Runde beschließt aufzubrechen, stellt sich heraus, daß auch sie mit der Straßenbahn fahren will, was eine Möglichkeit ergäbe, mit ihr zu sprechen, unverbindliche Konversation oder eine Chance, sie näher kennenzulernen, denkt er, doch wie das am besten anstellen? Es stellt sich heraus, daß es schon so spät ist, daß es über eine Stunde bis zur nächsten Straßenbahn dauern wird. Seinen Vorschlag zu gehen nimmt sie zum Glück an. Wie ein Pfau seine Federn breitet er seine Worte vor ihr aus, er kann nicht anders, obwohl es beinahe peinlich ist, statt sie mehr sprechen zu lassen, um mehr über sie zu erfahren, breitet er vor ihr die ihm schon lange bekannten Thesen aus.

Wir schauen uns jetzt an.

Eine zufällige Berührung, geht sie auf meine Darstellung ein, ja, berührt hätten wir uns bisher nicht, dabei fährt ihr Mittelfinger, mich kaum wirklich berührend über meinen Handrücken. Wir schauen, wie sie sich sanft berühren, stehen uns jetzt gegenüber, einen Moment wie eine Ewigkeit genießen wir das Spiel ihrer Finger auf meiner Hand, bis es plötzlich zu regnen beginnt, es schüttet ziemlich heftig, ein Sommergewitter. So packt sie entschlossen meine Hand, zieht mich hinter sich her, ruft "komm, schnell" und wir laufen ohne zu sprechen durch die Straßen dicht an den Hauswänden entlang. Ich spüre, wie sie bei jedem Donner ein wenig zusammenzuckt, bis wir dann dort angekommen sind, wo sie wohnt.

Sie schließt auf, wir treten in den Hausflur. Sie steht mir dicht gegenüber, hält in jeder ihrer Hände eine der meinen, deutlich rieche ich den Duft ihres nassen Haares. Sie schaut mir in die Augen, schluckt, beginnt zu sprechen, während ein Regentropfen über ihre Schläfe und Wange herabläuft, von ihrem Kinn herabtropft. Sie möchte diese Nacht weiter mit mir reden, anschließend in meinen Armen einschlafen, mehr aber heute nicht, ob ich einverstanden sei? fragt sie, ich nicke, und sie nimmt mich mit hoch, öffnet die Wohnungstür, wir treten ein.

Obwohl wir ganz naß sind, führt sie mich gleich in ihr Zimmer, ich solle einen Moment warten, sie geht einen Augenblick hinaus, kommt gleich mit einem Handtuch wieder. Sie werde ihre nassen Sachen im Badezimmer ausziehen, ich solle mich hier bis auf den Slip entkleiden, abtrocknen und ins Bett gehen, sie werde dann unsere Sachen zum Trocknen aufhängen. Sie geht wieder hinaus, und ich tue, was sie vorgeschlagen hat, trockne mich ab, lege mich in ihr Bett. Sie kommt bald darauf im Bademantel wieder, nimmt meine Sachen und das Handtuch und bringt alles weg, kommt dann wieder, fordert mich auf, mich zur Wand zu drehen, sie wolle ein Nachthemd anziehen. Ich tue, was sie möchte, und ich höre das aufregende Rascheln von Bademantel und Nachthemd, dann ein paar Schritte.

Ich könne mich jetzt wieder umdrehen, stellt sie fest, fragt mich, wann ich aufstehen müsse, ich erwidere, um 9 ct müsse ich zu einer Vorlesung im Institut sein, vorher müsse ich noch nach Hause, meine Tasche mit Schreibmaterial holen. Sie erklärt, sie müsse bereits um 8 ct da sein, nennt die Zeit, die sie für sich am Uhrenradio einstellen will, ob mir das reiche, ich könne hier frühstücken? Ich überlege einen Moment, sage ja. Sie stellt den Wecker, löscht das Licht.

Es ist nun ziemlich dunkel, nur vom Fenster fällt noch Licht herein, ich sehe nur ihre Umrisse, sie kommt auf mich zu, setzt sich auf das Fußende des Bettes. Um ihr Platz zu machen, ziehe ich die Beine etwas an, sie schiebt ihre Füße unter die Bettdecke. Ich spüre, wie diese noch ganz kalt über die meinen streichen, und während des folgenden Gesprächs spielen sie weiter miteinander.

Sie beginnt: Wir seien mit dem letzten Thema noch nicht fertig gewesen; sie habe immer noch nicht verstanden, wie ich so eine ironische Äußerung über die verliebte (?) machen könne, wenn uns doch gerade dasselbe passiert sei.

Ich überlege einen Moment, dann antworte ich: Der Verstand des Menschen werde im allgemeinen schon viel zu hoch eingeschätzt, doch bei der Liebe, setze er da nicht völlig aus? Seien wir dann nicht nur noch durch unsere Triebe gesteuert? Ich sehe diese schöne junge Frau M., verliebe mich in sie, begehre sie. Das Verlangen, den Geschlechtstrieb zu befriedigen werde immer größer, ich bewundere ihre Schönheit, ihren Körper, ich will sie haben, sie umarmen, Geschlechtsverkehr mit ihr haben. Nur der Verstand wehrt sich dagegen und sorgt dafür, daß ich mich anständig verhalte, so daß für sie keine Gefahr bestehe, daß die Vereinbarung an der Haustür nicht eingehalten werde. Die Frage sei aber doch, ob die Liebe nicht nur ein gedanklicher Überbau für den Geschlechts- oder Vermehrungstrieb sei, als wolle der Verstand rechtfertigen, daß er so außer Kontrolle gerate und dieser Urtrieb ihn so mühelos überflügele? Zudem, man müsse sich ja auch selbst nicht immer so ernst nehmen, warum also nicht ironisch kommentieren, was einem gerade selbst widerfahre?

Einer ihrer Füße streicht an meinem Unterschenkel hoch, auch in ihr sei das Verlangen groß, aber da ich schon sagte, daß mein Verstand sehr wohl die Kontrolle behalten könne, wenn ich das wolle, wie auch sie die Kontrolle über sich behalten könne, könne doch gar nicht die Rede davon sein, daß sich der Verstand völlig ausschalte oder sich unseren Trieben völlig unterordne. Also steuere der Trieb nicht ausschließlich unser Verhalten, und so sei auch die Liebe viel mehr als nur ein bloßer gedanklicher Überbau, eine Sublimation des Sexualtriebes. Sie gibt mir natürlich in der Hinsicht recht, als man sich selbst nicht immer so ernst nehmen muß.

Ich bitte sie, ihre These genauer zu erklären, was sie auch tut, ich lausche dem, was sie sagt, genieße ihre Stimme, ihre Worte, die Art ihrer Argumentation, ihre Nähe, die Berührungen ihre Zehen während sie spricht.

M. erläutert, es sei schwierig, die richtigen Worte zu finden, für sie sei die Liebe das Verlangen nach vollkommener Vereinigung mit genau einer Person, das beziehe sich nicht nur auf die geschlechtliche Vereinigung, es beziehe beide Menschen ganz mit ein, ihr ganzes Denken und Handeln. Im Gegensatz zu Nächstenliebe sei die erotische Liebe ausschließlich auf den Geliebten bezogen, während die schon kurz angesprochene Nächstenliebe jeden anderen Menschen mit einbeziehe. In der erotischen Liebe werde der Mensch in dieser einen Person geliebt, die ganze Intensität des Gefühls gelte diesem einen Individuum, ohne allerdings die Nächstenliebe deswegen aufgeben zu müssen, im Gegenteil, wer nicht in gewissem Maße zur Nächstenliebe, also zur Liebe eines jeden Menschen fähig sei, könne auch unmöglich die Fähigkeit besitzen, einen einzelnen zu lieben. Die Liebe falle einem so auch nicht einfach so zu, wie das wäre, wenn der Geschlechtstrieb alles wäre und der Begriff Liebe nur ein gedanklicher Überbau, eine Rechtfertigung des Verhaltens sei, vielmehr sei die Liebe eine Fähigkeit, die man erlernen müsse.

Ich hätte ja gesagt, der Verstand des Menschen werde immer überbewertet, doch immerhin sei es durch ihn erst möglich, ein Bewußtsein, ein Ich zu entwickeln, nicht nur auf die eigene Umwelt zu reagieren, sondern aktiv zu agieren. Allerdings führe dies auch gleichzeitig zu einer Trennung zwischen der Welt und dem Ich. Der Mensch stehe der Welt plötzlich allein gegenüber und sei nicht mehr Teil von ihr. Wenn der Geliebte als Teil der Außenwelt zu ihrem Repräsentanten werde, sei die Liebe eine Möglichkeit zur Vereinigung mit dieser Außenwelt, die Überwindung der Einsamkeit des Ichs. Damit könne der Liebende die Angst vor dem Alleinsein gegenüber der Welt überwinden, zumal wenn er spüre, daß er vom Geliebten wiedergeliebt werde.

Ich werfe ein, ob nicht auch die Erforschung der Zusammenhänge in der Welt, das Streben nach Erkenntnis über sie durch die Wissenschaft,
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,

ebenfalls einen Versuch zur Überwindung des Getrenntseins von Ich und Außenwelt darstelle, indem das Ich erfahre, wie diese Außenwelt funktioniere. Dadurch werde doch eine gezielte Reaktion erst möglich, durch das Wissen könne die Angst vor dem Unbekannten überwunden werden. Wenn der Mensch die Gesetze kenne, nach der die Außenwelt ablaufe, sei es ihm doch wieder möglich, eine Einheit mit ihr herzustellen, indem er gezielt diese Gesetze ausnutze. Seine Fähigkeit, seiner Umwelt eine Ordnung aufzuprägen, diene doch dazu, die Distanz zwischen dem Ich und der Außenwelt zu überbrücken.

Sie erwidert, das gewonnene Wissen über die Welt führe zwar dazu, daß man sie besser kennenlerne, die Sehnsucht nach der Vereinigung mit der Welt könne damit aber nicht gestillt werden, denn das Ausnutzen des Wissens mittels der Technik führe nicht zum Einssein mit der Welt, der Mensch schaffe sich höchstens eine eigene Umwelt, doch durch die technischen Katastrophen bleibe ihm trotzdem die Angst vor dem Getrenntsein von der Außenwelt erhalten. Außerdem blieben immer noch die anderen Menschen als Gegenüber, als das nicht Erfahrbare. Es sei nicht möglich zu wissen, wie es sei, der andere zu sein.

Ich ergänze: Das Wissen durch die Wissenschaft über die Erfahrungswelt sei ja auch immer approximativ, daher sei durch die Naturwissenschaften die Welt nur näherungsweise erfaßbar. Selbst wenn es eine Weltformel einmal geben sollte, wäre es wegen der endlichen Meß- und Rechengenauigkeit niemals möglich, zu beweisen, daß sie die Realität exakt beschreibe, außerdem sei sie dann wahrscheinlich so geartet, daß für praktische Zwecke wieder Näherungen gebraucht werden müßten.

Sie meint: Daher sei die Vereinigung mit der Welt nur erlebbar, nicht erforschbar. Das naturwissenschaftliche Modell ermögliche das Leben im Getrenntsein, nur die Liebe ermögliche das Erleben der Vereinigung. Erlebbar sei sie zum Beispiel auch im Moment der höchsten Lust bei der geschlechtlichen Vereinigung von Mann und Frau oder repräsentativ, wenn man den Geliebten durch Erleben kennenlerne, wenn man sein Ich erlebe, was möglich sei, wenn dieser dem Liebenden vertraue und sich ihm nicht nur im Liebesakt sondern auch sonst ganz öffne und hingebe.

Die Liebe dürfe nicht mit dem 'Sichverlieben', der romantischen Liebe verwechselt werden, dabei regiere tatsächlich nur der Geschlechtstrieb. Zunächst sei man fasziniert von dem anderen, die Neugier auf das Unbekannte im Gegenüber fasziniere beide, doch durch die sexuelle Bekanntschaft glaube man, den anderen schon kennengelernt zu haben, so daß nicht weiter gesucht werde, nicht mehr in dem anderen vermutet werde. So werde der Geschlechtsakt zur Gewohnheit und verliere seine Faszination, und es bleibe nur der einzige Moment der Vereinigung durch den Orgasmus. So werde der andere schnell langweilig, und es werde Zeit, sich eine neue Bekanntschaft zu suchen, die wieder unbekannt und faszinierend sei, bis auch diese flüchtige sexuelle Gemeinschaft wieder langweilig werde. Dabei blieben sich die beiden im Grunde immer fremd, lernten bestenfalls, das sexuelle Verlangen, den Trieb des anderen kurzfristig zu befriedigen.

Ihr sei das nicht genug, sie wolle jemanden richtig lieben, statt es nur mit ihm zu treiben und anschließend in Traurigkeit zu verfallen, weil außer in dem Moment der Erlösung doch wieder das Alleinsein da sei, sie so der Einsamkeit nicht entkommen könne. Die romantische Liebe sei auch eine Sehnsucht nach der Liebe des anderen, das Verlangen nach Anerkennung, nach dem Akzeptiertsein, doch sei der daraus resultierende Geschlechtsverkehr keine erotische Liebe.

Die Liebe sei auch kein Geschäft und die beiden Liebespartner auch keine Waren, die sich gegenseitig anbieten. Der Geschlechtsakt zwischen den Liebenden sei keine gegenseitige Dienstleistung.

Trotz der Exklusivität der erotischen Liebe dürfe nicht vom anderen Besitz ergriffen werden, die Individualität beider müsse gewahrt bleiben, denn die Liebe gelte ja der ganzen anderen Person. Die Liebe dürfe aber auch nicht zum Egoismus zu zweit ausarten, denn der Geliebte sei ja nur ein Repräsentant der Welt. Das Gebot der Nächstenliebe gelte weiter, wie sie schon ausgeführt habe.

Voraussetzung für die echte erotische Liebe sei, daß das ganze Ich an der Liebe beteiligt sei, die Liebe aus dem ganzen Sein des Menschen resultiere und dem ganzen Menschen gelte. Nur mit einem einzigen Menschen sei eine solche Vereinigung mit ganzer Intensität möglich. Wenn es schon schwierig sei, sich selbst zu kennen, sei dies noch erheblich schwieriger bei einem anderen und so könne das Kennenlernen durch Erleben des anderen höchstens durch volle Konzentration auf das geliebte beziehungsweise das zu liebende Individuum erreicht werden.

Liebe sei vor allem ein Akt des Willens, wenn sie mich lieben wolle, gehe dem ein eindeutiger Entschluß voraus, sie müsse sich eindeutig für mich entscheiden, so werde die Liebe nicht wie das 'Sichverlieben' der romantischen Liebe gewissermaßen erlitten, sondern sie werde durch die Entscheidung und durch das ausschließliche Bemühen um die Beziehung erschaffen. So entstehe die Liebe aus einem schöpferischen Akt. Während bei der romantischen Liebe also die Liebe für das Resultat einer spontanen emotionalen Reaktion gehalten werde, also gewissermaßen nur durch den Geschlechtstrieb erlitten werde, setze die erotische Liebe eine bewußte Entscheidung und ein planvolles Handeln und bewußtes Erleben des anderen voraus.

Im Gegensatz zur Nächstenliebe, die allen Mitmenschen gelte, weil sie das Gleiche in allen sehe, eben das Menschsein, beziehe sich die erotische Liebe auf einen Menschen mit seinen individuellen Eigenschaften, die anziehend auf den Liebenden wirken, sein Interesse wecken, seine Bereitschaft zu lieben.

Sie legt sich jetzt zu mir unter die Decke, das Bett ist für zwei Personen etwas eng, so schmiegt sie sich ohne Zögern dicht an mich, wir umarmen uns. Deutlich spüre ich die Konturen ihres Körpers, ihre Brüste, ihre Arme und Beine. Ich rieche die Nässe des Regenschauers in ihren nur flüchtig abgetrockneten und noch nicht ganz trockenen Haaren. Ich spüre ihre Hände auf meinen Schulterblättern, sie schaut mich durch die Dunkelheit an, es sei schwierig, das so zu formulieren, sie wolle mich zwar überzeugen, daß Liebe nicht nur ein gedanklicher Überbau des Geschlechtstriebes sei, doch wisse sie nicht, ob ihr Versuch so überzeugend gewesen sei.

Ich meine, vieles sei ganz plausibel, doch gebe es da auch viele bloße Thesen, die in der Kürze kaum von ihr begründet worden seien, doch immerhin müsse ich einräumen, daß sie Recht haben könne.

Ich erläutere weiter, meine anfänglichen Thesen seien ja auch nur Fragen gewesen, nicht meine Meinung, ich wisse nicht so genau wie sie, wie ich die Liebe zu verstehen habe, doch was sie vorgebracht habe, sei sicherlich ein erstrebenswertes Ziel, doch sei ich mir nicht sicher, ob es realistisch sei, ob nicht die Anforderungen an das Liebespaar sehr hoch seien, man müsse dabei ja auch sehen, daß sie mit diesen Thesen doch wohl der Mehrzahl ihrer Mitmenschen die Liebesfähigkeit im Grunde genommen abspreche.

Sie stimmt zu, es besäßen tatsächlich nicht viele Menschen die Fähigkeit zu lieben, deswegen gebe es ja immer wieder die Enttäuschungen, wenn die romantische Liebe immer wieder schnell zuende gehe, statt wie angenommen und erhofft 'ewig' zu dauern. Wenn die Liebenden dann gescheitert seien, müßten sie immer wieder mit einem neuen Partner von vorne beginnen, wie Sisyphus immer wieder den Felsbrocken den Berg hinaufwälzen müsse, der ihm dann im letzten Augenblick immer wieder entgleite.

Sie habe schon eine zeitlang nach jemandem gesucht, mit dem es sich lohne, wenigstens zu versuchen, sich in etwa so zu lieben, wie sie das versucht habe darzustellen. Auch sie sei sich klar darüber, daß das alles nur schwer zu realisieren sei, aber man werde in einer Beziehung ja auch lernen können, wenn man miteinander Geduld habe, Fehler könnten korrigiert werden, wenn sie erkannt seien, und man könne es dann besser machen. Wenn man miteinander über alles reden, auf den anderen eingehen könne, sei es vielleicht möglich, sich dem Ideal zu nähern.

Ich stimme zu, ein Ideal sei es, welches man zu erreichen trachten könne. Ich frage nach, ob sie wirklich meine, daß, um sich zu lieben, eine bewußte Entscheidung nötig sei.

Sie bestätigt, ja, davon sei sie überzeugt, das unterscheide unter anderem das Verliebtsein von der Liebe. Das 'Sichverlieben' könne einen gewissermaßen jederzeit erwischen, wie es ja wohl auch bei uns passiert sei, doch um zu lieben sei eine bewußte Entscheidung, ein Entschluß nötig.

Ich werfe ein, ob es nicht möglich sei, daß einem nur plötzlich bewußt werde, daß man diesen Entschluß schon längst getroffen habe, was sich im Verhalten schon lange niedergeschlagen habe, lediglich das Ich, das Bewußtsein habe das noch nicht mitbekommen.

Sie räumt ein, möglich sei das in gewissem Ausmaße, doch letztlich müsse man mit dem ganzen Ich, der ganzen Persönlichkeit lieben und so bleibe es letztlich dabei, durch die bewußte Entscheidung erst beginne die Liebe, beziehungsweise könne das ganze Ich an der Liebe erst teilhaben.

M. meint nun, sie sei müde, schon bald müßten wir wieder aufstehen, wir sollten versuchen zu schlafen. Ich lege mich auf den Rücken, und sie legt ihren Kopf in meine linke Armbeuge und schläft schon bald ein, wie auch ich wenig später.

Es gilt also, um alles zusammenzufassen, die Liebe dem dauernden Besitz des Guten.

Diotima im Gastmahl von Platon

Was Prügel sind, weiß jeder; was Liebe ist, hat noch niemand herausgefunden.

Heinrich Heine

Ich will geliebt sein oder ich will begriffen sein. Das ist eins.

Bettina von Arnim

Die Liebe auf den ersten Blick ist die am weitesten verbreitete Augenkrankheit.

Gino Cervi

(2) Donnerstag Morgen

Das Radioprogramm ihres Weckers reißt uns aus dem viel zu kurzen Schlaf. Nach einigen Minuten Besinnung steht M. auf und geht ins Badezimmer, um sich zu waschen. Als sie wiederkommt, trägt sie wieder ihren Bademantel und bittet mich, mich wieder zur Wand umzudrehen, weil sie sich anziehen möchte, was ich auch tue. Sie verkündet, daß meine Sachen wieder so gut wie trocken seien. Während sie das Frühstück vorbereite, könne ich ins Bad, mich waschen und anziehen.

Sie fragt, ob ich heute Abend Zeit habe, sie möchte mich gerne wiedersehen, ich bin einverstanden, worauf sie erläutert, heute Nachmittag werde sie die Reparatur ihres Fahrrades zuende führen und für uns zum Abendbrot einen Salat machen, ob ich mit Salat einverstanden sei? Ich frage nach den Zutaten, die wesentlichen zählt sie aus der Erinnerung auf. Ich bin einverstanden, wir einigen uns auf 19:00.

Sie ist jetzt angezogen, ich kann mich umdrehen, Sweat-Shirt und Jeans hat sie an, sie kommt aufs Bett zu, sie lacht mich an, wobei immer diese entzückenden Grübchen entstehen, sie habe noch eine etwas heikle Bitte, sie hätte gerne etwas von mir, um mir nahe zu sein, sozusagen ein Pfand. Auf meine Frage, was sie haben möchte, weiß sie nicht gleich eine Antwort, ein Kleidungsstück, meint sie überlegend, irgendetwas von mir. Ich gebe zu bedenken, daß ich meine Kleidung brauche, um einer allgemeinen Konvention folgend angezogen durch die Öffentlichkeit zu gehen. Das erheitert sie, sie brauche aber auch etwas, wieder überlegt sie, hat dann einen Einfall: Meine Socken möchte sie haben, das sei nicht allzu auffällig für mich, zumal ich ja vor meiner Vorlesung ohnehin noch nach Hause wolle, um Papier und Bleistift zu holen, ich stimme zu, sie eilt sogleich ins Bad, bringt meine Socken wieder mit, die sie anzieht, dann ihre Schuhe, so sei ich immer bei ihr, erläutert sie schmunzelnd, worauf ich lache. Das sei eine gute, weil aufregende Idee gewesen, verteidigt sie sich, geht dann in die Küche, ich ins Bad.

Zum Frühstück gibt es Müsli, und sie erzählt, sie wohne hier zusammen mit ihrer älteren Schwester, die gerade mit ihrem jetzigen Freund in den Urlaub gefahren sei.

Den Weg zur Straßenbahn nehmen wir noch gemeinsam, an der Haltestelle trennen sich jedoch unsere Wege, sie fährt in Richtung Innenstadt, ich in die andere Richtung.

Es dauert noch eine Weile, dann erst kann ich wieder etwas klarer denken. Noch immer scheint es mir erstaunlich, unerklärlich, daß M. so großes Interesse an mir zeigt. Umgedreht, klar, da hat wohl beinahe jeder Interesse an M., wenn vielleicht auch primär sexueller Natur. Aber an jenem Abend haben wir uns verliebt, sozusagen auf den ersten Blick. Und da hatten wir uns nicht einmal miteinander unterhalten. Durch was hatte ich ihre Aufmerksamkeit auf mich gezogen, so praktisch ganz ohne Mühe? Nur ein glücklicher Zufall? Nur ein günstiger Zeitpunkt?

M. macht jedenfalls Eindruck, nicht nur durch ihre äußere Erscheinung - und sie scheint sehr entschlossen zu sein, überraschend entschlossen, daß mir ganz schwindelig davon ist. Und mir scheint, ich habe ziemliches Glück gehabt, ihre Interesse gewonnen zu haben. Ich bin verwirrt, angenehm verwirrt und hoffe, daß das weiter geht, was könnte mir besseres passieren als diese Frau?

Und doch bin ich etwas beunruhigt, wie entschlossen sie ist und die Dinge vorantreibt. Bin ich verunsichert durch ihr Selbstbewußtsein? Ich sollte doch lieber froh sein, daß sie die Initiative ergreift, denn selbst hätte ich das nicht gewagt. Da kann ich doch recht froh über die Emanzipation sein und sollte deshalb nicht verunsichert sein, einfach mal schauen, wie sich das entwickelt und genießen, statt gleich die Männlichkeit durch eine emanzipierte Frau bedroht zu sehen.

Jetzt sollte ich nur nicht zu viel falsch machen, damit ihre Begeisterung anhält. Gleichzeitig muß ich aber wohl acht geben, daß sie mich nicht komplett vereinnahmt, obwohl ich sie mag, will ich ja doch auch ich selbst bleiben. Auf sie eingehen, so weit es geht - selbstverständlich, aber ich kenne die Regeln nicht genau, muß vertrauen und mich doch nicht gänzlich in der Idee verlieren, von ihr geliebt zu werden.

Ihre Liebestheorie - authentisch verinnerlicht oder frisch angelesen? Gibt es mehr als Atome, Moleküle, Biologie und Triebe? Gibt es eine Liebe jenseits der subjektiven Illusion? Ich will es, möchte es, daß das, was ich für sie empfinde, nicht nur eine biologische Illusion der Hormone ist, sondern das, was sie verdient. Und vielleicht hat sie ja recht, wenn man sich bewußt entscheidet, ist es Liebe, nicht nur dumpfer Trieb. Kann es so einfach sein? Und ist es von Belang, wenn man eben so ehrlich empfindet? Was macht den Unterschied, wodurch das Gefühl bewirkt wird, wenn es uns zusammenführt und zusammenhält? Ist es nicht letztlich egal, wie es funktioniert, solange es klappt? Solange wir damit glücklich sind?

Was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe! Was eine Zauberlaterne ist ohne Licht! Kaum bringst du das Lämpchen hinein, so scheinen dir die buntesten Bilder an deine weiße Wand! Und wenns nichts wäre als das, als vorübergehende Phantome, so machts doch immer unser Glück, wenn wir wie frische Jungen davor stehen, und uns über die Wundererscheinungen entzücken.

Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther

Ich suche irgendwas und weiß nicht wie das heißt, was nicht nur kitzelt sondern richtig beißt

Extrabreit (Glück und Geld)

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

Friedrich von Schiller (Die Glocke)

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.

Christian Morgenstern

(3) Donnerstag Abend

Ich stehe um 18:56 vor dem Haus, in dem M. wohnt, läute, sie öffnet über die Gegensprechanlage, ich gehe die Treppe hinauf. Sie begrüßt mich an der Tür im Bademantel, führt mich in die Küche, wo der Tisch schon so gedeckt ist, daß wir uns gegenüber sitzen. Die Salatschüssel steht schon auf dem Tisch. M. fragt, ob ich Wein zum Essen möchte, worauf ich erkläre, daß ich keinen Alkohol trinke, so schlägt sie Saft vor, womit ich einverstanden bin, wir beginnen zu essen.

Von M. aufgefordert erzähle ich, wie es mir seit dem Morgen ergangen ist:

Ich sei also mit der Straßenbahn nach Hause gefahren, habe mir neue Socken aus dem Schrank genommen, sie angezogen, meine Tasche mit Papier und Bleistift gegriffen und dann mit der Straßenbahn zum Institut gefahren. Die Vorlesung habe dort um 9 ct begonnen, da ich nicht nur müde gewesen sei, sondern auch an sie habe denken müssen, sei es mir schwer gefallen, mich auf die Vorlesung zu konzentrieren. Nach Ende der Vorlesung um 10:45 habe ich den Entschluß gefaßt, ein Gedicht für sie zu schreiben, ich entschied mich für ein Sonett. Bis 11 ct, dem Beginn der nächsten Vorlesung, ergeben sich zwar schon verschiedene Möglichkeiten für einige Zeilen, die aber noch nicht recht zusammenpassen. Während der Vorlesung, die mich sonst ohnehin etwas langweilt - obwohl der Professor ein wirklich netter Mensch zu sein scheint, vermag sein Vortragsstil mich nicht vom Hocker zu reißen - kommen einige weitere mögliche Kombinationen und Zeilen hinzu, es wird klar, es werden mindestens zwei Gedichte. Anschließend habe ich von 12:45 bis 13:30 für das Mittagessen Zeit, auch dabei gibt es weitere Überlegungen zu den Gedichten; ich notiere noch schnell das erste. Die Vorlesung von 13:30 bis 15:00 ist ebenfalls nicht sonderlich interessant. Es ergibt sich eine überraschende Möglichkeit für ein drittes Gedicht, welche ich notiere. Auf der Heimfahrt arbeite ich weiter an einer kleinen Korrektur des ersten Gedichts, nach dem Umsteigen am Aegi weiter am zweiten. Zuhause angekommen, habe ich erst einmal eine kleine Pause gemacht. Da ich wegen der Verabredung für den Abend nicht wie gewöhnlich abends duschen kann, tue ich das schon zu diesem Zeitpunkt als Entspannung. Anschließend arbeite ich weiter am zweiten Gedicht, bis es eine akzeptable Form erhalten hat. Ich gebe das erste und dritte in den Computer ein, führe beim dritten noch eine kleine Korrektur durch, drucke sodann beide aus. Auch das zweite Gedicht gebe ich nun in den Computer ein, bastele noch eine Weile daran herum, bis auch dieses stimmt und drucke es ebenfalls aus. Es sei dann noch etwas Zeit gewesen bis zu unserer Verabredung, die ich nicht mehr produktiv habe nutzen können, so daß ich sie mit einem Computerspiel überbrückt hätte. Zur rechten Zeit sei ich dann aufgebrochen und mit der Üstra zu ihr gefahren.

Jetzt zeige ich ihr die Ausdrucke der drei Gedichte, die ich ihr auch gleich vorlese. Bei den beiden ersten geht es darum, wie wir uns kennengelernt haben und worüber wir uns dann im Bett unterhalten haben, im letzten bringe ich unter anderem selbstironisch meine Bewunderung für ihre hübschen Grübchen wenn sie lacht zu Ausdruck und meinem Verlangen nach einem sanften Kuß ihrer vollen Lippen. Die Gedichte gefallen ihr, sie belohnt mich mit ihrem zauberhaften Lächeln und wirft mir über den Tisch einen Kuß zu.

Nun erzählt sie, wie es ihr heute ergangen ist:

Von 8 ct bis 9:45 habe sie eine Übung besucht, doch sie habe so oft an mich gedacht, daß sie sich kaum habe konzentrieren können. Sie habe nachgedacht, und wenn sie einen Moment lang befürchtet habe, alles sei nur ein Traum gewesen, so habe sie nur meine Socken an ihren Füßen fühlen und sehen brauchen, um sich wieder zu beruhigen. Anschließend habe sie bis kurz vor elf im Sonnenschein gesessen und habe mit geschlossenen Augen nur über uns nachgedacht. Eine Vorlesung habe sie von 11 st bis 12:30 besucht, eine interessante Vorlesung, die ihre Aufmerksamkeit erfordert habe. Danach habe sie gegessen und sei für das Abendessen einkaufen gegangen und nach Hause gefahren. Mit Erfolg habe sie versucht, ihr Fahrrad zu reparieren und daraufhin ihre schmutzigen Finger mit viel Mühe zu reinigen. Anschließend habe sie geduscht und ihre immer noch von der Reparatur schmutzigen Fingernägel kurzgeschnitten und gesäubert. Etwa fünf vor sieben sei sie mit der Zubereitung des Salates fertig geworden. Ferner habe sie den ganzen Nachmittag darüber nachgedacht, wie es mit uns weitergehen soll.

Wir sind inzwischen mit dem Essen fertig und ich frage, dem letztgenannten etwas ausweichend, was an ihrem Fahrrad defekt gewesen sei. Ihre Erklärung mit einigen Fachausdrücken zeigt mir, daß sie von der Reparatur von Fahrrädern viel mehr Ahnung hat als ich, was ich auch sage. Ich lobe schmunzelnd die Errungenschaften der Emanzipation, die es den Frauen erfreulicher Weise ermögliche, Männern gegenüber, die ihnen gefallen, selbst die Initiative zu ergreifen, andererseits aber auch dazu führe, daß sie ihre technischen Fähigkeiten nun auch anwenden müssen, statt die Reparaturen männlichen Bekannten zu überlassen, die auf ihre Unkenntnis bauend ihre Stümpereien für ihr Technik-Macho-Gehabe ausnutzen können. Sie lacht, ich solle das mit der Ironie nicht übertreiben, sonst nehme das noch irgendwann einmal jemand ernst. Tatsächlich sei ihr das einmal passiert, als ihr lediglich die Kette abgesprungen sei. Während sie wahrscheinlich nur ein paar Minuten gebraucht hätte, sei sofort ein hilfsbereiter Herr zur Stelle gewesen, der darauf bestanden habe, der jungen Dame zu helfen und dann nicht nur seine ganze Kleidung verdreckt, sondern auch noch eine geschlagene halbe Stunde gebraucht habe, um das wieder in Ordnung zu bringen, anschließend habe er sie zu allem Überfluß auch noch in ein Café eingeladen und pausenlos auf sie eingeredet, so daß für sie der ganze Nachmittag gelaufen gewesen sei.

Allerdings habe auch die Emanzipation so ihre Nachteile, wenn man bedenke, daß zwar durch sie erreicht werden solle, daß das historisch überlieferte Frauen- und Männerbild in der Gesellschaft endlich abgebaut werde, gleichzeitig aber die Konturen zwischen Mannsein und Frausein zunehmend verwischt würden. Statt der eigentlichen Emanzipation sei eine gewisse Anpassung der Frau an das Männerbild zu erkennen, so daß das Ganze schließlich auf eine bloße Austauschbarkeit von Mann und Frau hinauszulaufen drohe, wie ja auch der Trend in der Industriegesellschaft überhaupt dahin gehe, möglichst identische und austauschbare Arbeiter zu bekommen, die in ihrem Verhalten möglichst berechenbar und pflegeleicht sein sollen.

Ich frage nach, sie meine also, daß neben dem sinnvollen Ziel der realen Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft die Gefahr bestehe, daß diese für eine weitere Uniformierung der Menschen eingespannt werden könnte, um etwa gleiche Interessen, gleiche Wünsche, gleiches Konsumverhalten zu erzeugen ...

M. nickt, steht auf, sie wolle aber jetzt nicht darüber reden, sie nimmt meine Hand, ich folge ihr in ihr Zimmer. Dort wiederholt sie, sie habe den ganzen Nachmittag darüber nachgedacht, was sie wolle und wie es mit uns weitergehen solle. Sie jedenfalls habe für sich eine Entscheidung getroffen. Wenn wir uns auch zufällig ineinander verliebt hätten, so sei sie doch der Auffassung, daß sie ihren Entschluß für die echte Liebe zu mir mit dem Verstand getroffen habe, denn ich sei nicht der erste, in den sie sich verliebt habe, wohl aber der erste, mit dem sie den Versuch einer wirklichen Liebe wagen möchte, auch wenn ich mir über die Bedeutung des in der letzten Nacht besprochenen Begriffes nicht sicher sei, das mache ihr nichts aus. Sie meine, ich sei der richtige für sie, selbst wenn es schiefgehe, einen Versuch sei es allemal wert. Lediglich zu einer Beziehung müsse ich bereit sein.

Ich gebe zu bedenken, daß ich überhaupt nicht sicher sei, ob ich der richtige für sie sei, und ob ich überhaupt in der Lage sei, auch nur zu versuchen, ihren Ansprüchen zu genügen, so daß ich besorgt um sie sei, daß ich sie vielleicht enttäusche und sie dann durch meine Schuld unglücklich sei.

Sie steht nun ganz dicht vor mir, legt ihre Arme locker über meine Schultern und haucht mir, kaum daß sie meine Haut berührt, einen Kuß auf die Wange, in dem wunderschönen Gedicht hätte ich sie doch "meine Liebe" genannt und mein Verlangen kundgetan, den Kuß ihrer Lippen zu spüren, zeige nicht meine Mühe mit diesen Gedichten, die ihr so gut gefielen, ihr Inhalt und meine Sorge um ihr Glück, daß es für sie keine schlechte Wahl sei, es mit mir zu versuchen? Vielleicht habe sie sich in ihren Träumen eher oberflächlich, naiv und animalisch einen großen, muskulösen Sportler vorgestellt, ohne groß an Kommunikationsfähigkeit und Verträglichkeit zu denken, doch jetzt hätten wir uns eben ineinander verliebt und paßten doch eigentlich ganz gut zusammen, zumindest würde sie mich nicht gegen einen anderen eintauschen wollen. Sie habe das Gefühl, gut mit mir reden zu können, sie habe Vertrauen zu mir, und selbst wenn es nicht klappe mit der echten Liebe, wenn wir uns nur Mühe gäben, könne es immer noch ein schönes Abenteuer werden.

Ich brauche mich an diesem Abend nicht darum zu sorgen, daß sie vielleicht einen Fehlschlag riskiere. Ich solle mich doch lieber fragen, ob sie für mich akzeptabel sei, allerdings hoffe sie, daß das letzte Gedicht schon eine positive Antwort beinhalte. Ich zweifele viel zu viel an mir selbst, stelle meine eigene Position, meine eigene Person immer in Frage. Wenn mir an ihr etwas absolut nicht gefiele, so daß ich sie nicht akzeptieren könne, solle ich es offen sagen, dann könnten wir noch heute auseinandergehen.

Ich versichere ihr, daß dem nicht so sei; ob wir uns also einig seien, es zu versuchen, fragt sie, ich nicke etwas unsicher, und so umarmen wir uns, sie preßt ihre Wange fest an die meine, so stehen wir eine ganze Weile bewegungslos, jeder in den anderen vertieft.

Irgendwann sagt sie, sie habe eine gute und eine schlechte Mitteilung für mich, doch werde sie mich nicht wählen lassen, welche sie zuerst verkünde, sie werde mit der schlechten beginnen: Am späten Freitag Nachmittag kämen ihre Eltern über das Wochenende zu Besuch, da sie aber aus Gründen, die sie diesen Abend nicht besprechen möchte, ein Zusammentreffen vermeiden möchte, könnten wir uns erst am Montag Abend wiedersehen, da sie nicht wisse, wann am Sonntag Abend ihre Eltern wieder abreisten, sie habe überhaupt gestaunt, daß sie sich ausgerechnet für ein Wochenende angemeldet hätten. Was uns betreffe, so steigere diese kleine Trennung ja auch die Sehnsucht nach dem Geliebten und mache das Wiedersehen um so schöner.

Ich frage sie ohne Widerspruch nach der guten Nachricht. Sie lockert ihre Umarmung etwas, streicht mit beiden Armen über meinen Rücken, ihre Hände gleiten von unten unter mein Sweat-Shirt und von da langsam hoch bis zu meinen Schultern, jetzt wird ihre Umarmung wieder fester, sie zieht mich an sich und flüstert in mein Ohr: Ich hätte ja auch von meinen Trieben geschrieben, wenn ich sie heute Nacht haben möchte, könne ich sie nehmen, egal, ob ich nur meinen Trieb befriedigen, meine sexuelle Anspannung lösen wolle, die sie deutlich spüren könne, oder ob ich sie lieben wolle, diese Nacht bis zum Aufstehen werde sie fast alles mitmachen, ja, sie werde nahezu alles tun, was ich möchte. Dabei schiebt sie mein Sweat-Shirt hoch, so daß ich meine Umarmung löse, die Arme ausstrecke, wodurch sie gleichzeitig einen Schritt zurücktretend mir das Sweat-Shirt ausziehen kann. Sie schleicht halb um mich herum und schmiegt sich von hinten an mich, gleitet an mir herab, zieht mir Schuhe und Socken aus, steht wieder auf, lehnt ihren Kopf gegen meine Schulter, umarmt mich flüchtig, löst dann den Gürtel der Hose, löst Knopf und Reißverschluß, die Hose gleitet herab. Ich ziehe die Beine heraus, und während sich ihre Arme um meine Hüften legen, streicht ihr rechtes Bein langsam an meinem rechten herauf. Ihre Finger spielen mit dem Gummiband meines Slips, während sie meine Schulter küßt. Sie zieht den Slip zunächst etwas vom Körper ab und dann hinunter, gleitet dabei gleichzeitig an meinem Rücken herab, küßt meinen Po, während ich aus der Unterhose steige. Sie steht wieder auf, bedeckt meinen Rücken mit ihren Küssen, während ihre Arme mich umfassen, ihre Hände über Bauch und Brust streichen. Sie schmiegt sich dicht an mich, ihre Lippen saugen an meinem Hals, mit der linken hält sie meine beiden Hände vor meiner Brust fest, während die rechte an meiner Seite herabgleitet und sanft über Po und Oberschenkel streift. Sie tritt dann halb um mich herum und einen Schritt von mir weg, schaut mir in die Augen, öffnet dabei langsam ihren Bademantel und läßt ihn fallen. Sie ist nackt und wunderschön, ihre Brust hebt und senkt sich schnell unter ihren aufgeregten Atemzügen. Sie faßt meine Hände und zieht mich zu sich Richtung Bett. Ich folge. Wir sinken aufs Bett. Sie zieht mich, selbst auf dem Rücken liegend, auf sich, so daß ich zwischen ihren Beinen liege, wobei sie gleichzeitig ihre Füße beinahe bis zu den Pobacken hochzieht, währenddessen atmet sie immer aufgeregter, unruhiger, ihr Gesicht scheint mir aber längst nicht mehr so strahlend wie vorher, sie hat ihre Augen geschlossen, die Lippen fest zusammengedrückt, den Kopf zur Seite gewendet. Ich bin bereits stark erregt und möchte sie packen, heftig in sie eindringen und mein Glied wieder und wieder in ihren Leib stoßen, um unsere Lust zu genießen. Aber ich reiße mich zusammen, obgleich sie mir alle Möglichkeiten bietet. Ich stütze mich mit beiden Unterarmen neben ihrem Körper ab, um nicht so schwer auf ihr zu liegen, denn meine Hände hat sie nun losgelassen, sehe in ihr Gesicht, welches angespannt ist, ihr Lächeln wirkt nur noch aufgesetzt, während sie leise zu mir spricht, wenn ich sie jetzt nehme, werde ich der erste sein, sie schluckt, wenn ich wolle, könne ich sie jetzt deflorieren, sie spüre, ich sei bereit dafür, dabei schaut sie mich kurz an, schließt die Augen aber gleich wieder, ihre Hände halten sich im Bettlaken fest, ihre Oberschenkel spreizt sie weit, um mir Platz zu machen.

Ich bin völlig überrascht und verunsichert durch das, was sie da gesagt hat, zögere einen Moment, der Reiz, sie zu nehmen ist fast übermächtig. Aber ich bin auch bei aller Aufregung immer noch der Bedenkenträger,bringe nur mühsam "Was?" heraus. Sie schlägt die Augenlider wieder auf, schaut mich an, lächelt jetzt wieder ganz sanft, ich hätte schon richtig verstanden. Ich stütze mich jetzt mehr auf den rechten Unterarm, um die linke frei zu bekommen, streichele sie vorsichtig von der Schulter an ihrem Arm hinunter, wechsele zu ihrer Hüfte und von dort weiter an der Außenseite ihres Oberschenkels entlang bis zu ihrem Fußgelenk, welches sie immer noch angezogen hat. Ich denke einen Augenblick nach, während ich sie sanft liebkose, schiebe dann ihren Fuß langsam weg. Zum Glück entspannt sie ihre beiden Beine etwas und das rechte hat sie nun gar nicht mehr angezogen, so daß ich nun zur Seite rutschen kann und auf meiner linken Seite neben ihr liege. Meine Finger der rechten Hand streichen sanft über ihren linken Oberschenkel, ihre Hüfte bis zu ihrem Bauchnabel, der Zeigefinger umkreist ihn ein paar Mal und setzt dann seine Reise fort zu ihrem linken Busen, den ich kaum berührend mit dem Handrücken liebkose, während ich sie frage, sie habe doch aber gesagt, ich sei nicht der erste, in den sie verliebt gewesen sei, ob sie tatsächlich noch keine intimen Kontakte mit einem anderen Mann gehabt habe, außerdem scheine es sie eben für meinen Geschmack viel zu sehr beunruhigt zu haben, als daß ich einfach hätte weitermachen können. Gleichzeitig ärgere ich mich über mich selbst. Längst hätte ich meinen Spaß mit ihr haben können - und wie! Und doch, gleichzeitig wird mir klar, wie sehr ich sie mag. Und da gibt es mehr und Wichtigeres zu bedenken und zu beachten.

Sie faßt mit ihrer linken Hand meine rechte und legt sie auf ihr schnell pochendes Herz. Sie schaut mich ernst an, um das ganz deutlich zu sagen, sie habe mit anderen Männern zwar intime Kontakte gehabt, aber, da ich das ganz genau wissen wolle, zum vaginalen Geschlechtsverkehr sei es bisher noch mit keinem gekommen. Aber zu mir habe sie Vertrauen, und sie sei wirklich einverstanden, wenn ich sie wolle, sie sei nur ein wenig aufgeregt, eben weil es das erste Mal sei.

Letztere Erklärung scheint mir aber noch nicht die ganze Wahrheit zu sein und so werfe ich ein, wenn es bis jetzt nicht passiert sei, lege sie doch offenbar viel Wert darauf, mit wem es passiere, außerdem hätte ich an ihrem Gesichtsausdruck gesehen, daß etwas nicht stimme. Es scheine mir, sie sei auch unsicher über ihre Entscheidung, es diese Nacht zu tun. Wir schweigen einen Augenblick und da sie nicht widerspricht, hake ich weiter nach, wenn sie sich nicht sicher sei, wie könne sie mir dann sagen, sie wolle alles tun, was ich möchte. Das könnte doch von vorne herein unsere Beziehung gefährden, ja so habe sie doch bei mir Vorstellungen geweckt, die schlecht für sie gewesen wären, wenn ich ihrer Aufforderung oder Bitte ohne Zögern gefolgt wäre.

M. räumt nun ein, sie habe tatsächlich etwas Angst gehabt, aber sie vertraue mir, wenn ich es wolle, sei es richtig. Sie schließt die Augen, lehnt ihren Kopf gegen meine linke Schulter, flüstert, sie wolle mich nicht verlieren, sie habe sich für mich entschieden, diesbezüglich sei sie sich ganz sicher, was bei den anderen nicht so gewesen sei.

Sie sei also nicht nur beunruhigt, weil es das erste Mal sei, frage ich. Sie bestätigt, das sei alles nicht so einfach zu erklären, ich solle sie ganz fest in die Arme nehmen, dann werde sie erzählen, wenn ich das wolle.

Ich ziehe sie also an mich, so daß wir nun beide auf der Seite liegen, wir umarmen uns fest, ihr linkes Bein fährt an meinem rechten hoch, ihr Unterschenkel streicht über meinen Po und preßt mich kräftig an sie, ich spüre noch immer ihre schnellen, aufgeregten Atemzüge in ihrer Brust. Sie sagt, es falle ihr schwer, doch sei es gut für sie, mir alles wesentliche zu erzählen, denn sie vertraue mir, und so könnten wir beide verstehen, wenn sie erzähle.

Sie überlege, wie sie anfangen solle, ihre Eltern hätten nicht über Sexualität geredet, beginnt sie schließlich, nur einmal, noch vor ihrer ersten Menstruation habe ihre Mutter mit ihr darüber gesprochen, ihr alles in Kürze erklärt, vor allem, habe sie behauptet, es sei nur wichtig, wenn man Kinder haben wolle, und so habe sie ihrer Erwartung Ausdruck verliehen, daß sie nicht eines Tages zu ihr kommen solle und dann unbeabsichtigt schwanger sei. Ihre Eltern hätten auch keine Zärtlichkeiten vor ihren Kindern gezeigt, auch gestritten hätten sie eigentlich nicht, eine völlig `keimfreie` Ehe eben. Nur die Kinder seien Beleg dafür, daß da zumindest irgendwann einmal mehr zwischen ihnen vorgegangen sei als gemeinsames Wohnen und Essen. Ihre ältere Schwester sei schon früh in Opposition zu ihres Vaters eher konservativen Ansichten gegangen, während sie immer das Nesthäkchen, der Liebling gewesen sei. Ihre Schwester habe alle Kämpfe mit ihm austragen müssen und sei so auch schnell relativ selbstständig geworden. Freunde habe sie ab einem bestimmten Alter immer gehabt, auch um den Vater zu provozieren, die Beziehung zwischen den beiden sei eine einzige Krise gewesen, deswegen besuchten ihre Eltern sie wohl auch lieber, solange ihre Schwester N. noch im Urlaub sei, obwohl jetzt, wo sie sich nur noch selten sehen und ihr Vater nicht mehr so von N. provoziert werde, habe sich ihr Verhältnis etwas entspannt.

Als sie 13 gewesen sei, habe sie dann nach der Kurzeinführung durch die Mutter und den üblichen Stunden in der Schule gleich einmal einen ziemlich drastischen Anschauungsunterricht über Sex durch den freizügigen Umgang mit Männern von N. bekommen. Sie hatten gerade den üblichen Familienurlaub am Meer durchgeführt. N. hatte eine Urlaubsbekanntschaft gemacht, die sie auch gar nicht vor Vater verborgen hat, obwohl man sagen müsse, daß sie sich eigentlich sogar deutlich zurückhaltender mit ihren Provokationen als sonst verhalten hat. Ihre Eltern jedenfalls hatten ein Doppelzimmer und N. und sie das daneben gehabt. Eines abends hatte sie bemerkt, wie N. sich durch das Fenster nach draußen geschlichen habe (ihre Zimmer seien Parterre gewesen). Sie folgte N. heimlich zum Strand. Dort traf N. ihren Bekannten, sie legten sich am von den Hotels noch gut beleuchteten Strand in den Sand, haben sich gestreichelt und geküßt, sich gegenseitig ausgezogen. Während N. ganz nackt und mit dem Rücken im Sand lag, sind seine Lippen, seine Zunge, seine Hände über ihren ganzen Körper gefahren, sie umarmten sich, die Lippen und Leiber aufeinandergepreßt. Schließlich glitt seine rechte Hand zwischen N.s Beine, die diese bereitwillig gespreizt habe, und hat sich dort erst ganz vorsichtig, dann entschlossener und zielstrebiger bewegt, und bald hat ihre Schwester heftig geatmet und gestöhnt, hat sich sogar aufgebäumt. Mit strahlendem Gesicht sank sie in den Sand zurück, dann haben sie sich wieder geküßt und gestreichelt, umarmt, wobei sie sich im Sand gewälzt haben, bis er auf dem Rücken lag und N. nun die aktive Rolle übernahm. Auch ihre Lippen und Finger haben nun seinen Körper erforscht. Er führte dann ihre rechte Hand zu seinem Penis, und sie umfaßte ihn und hat ihre Hand zunächst vorsichtig und langsam, dann jedoch immer schneller und kräftiger rauf und runter bewegt, über ihn gebeugt hat sie ihn angelacht, dabei ihre Hand im Rhythmus weiterbewegt, bis sein Körper sich erst stark angespannt hat und sich sein Unterleib mehrmals heftig bewegt hat. Zwischen N.s Fingern spritzte dabei sein Samen hervor, auf seinen Bauch und ihren Busen, sie lachten beide, ihre Hände sind über seinen Körper, seine über ihren geglitten, sie haben noch eine Weile miteinander weitergeschmust. Als sie sich verabschiedet haben, lief sie schnell voraus, damit N. sie nicht erwische. Sie hat sich schlafend gestellt, und als N. kurz darauf zurückgekommen ist, hat sie nichts bemerkt.

Die ganze Zeit sei sie sowohl erschreckt über sich selbst gewesen, wie auch fasziniert von dem, was da vorgegangen sei, das wirklich zu sehen, was in der Schule so trocken gelehrt und so mechanisch dargestellt worden sei. Sie habe gar nicht anders können, als ihrer Schwester in der nächsten Nacht wieder zu folgen. Sie trafen sich wirklich abermals am Strand, haben geschmust, wieder sind seine Hände über N.s ganzen Körper und zwischen ihre gespreizten Beine geglitten, bis sich N. vor Lust aufgebäumt hat. Danach hat er sofort seinen Kopf zwischen ihre noch immer gespreizten Beine gesenkt, hat sich zunächst wieder sehr vorsichtig, wie ausprobierend, suchend bewegt, ihre Reaktionen erkundend, bis sich ihre Hände in seinen Kopfhaaren verfangen und verkrampft haben, während er gleichzeitig mit seinen Händen die Außenseiten ihrer Schenkel massiert hat. Ihr schienen seine Bewegungen sehr zu gefallen, wieder hat sie heftiger geatmet, gestöhnt, ihr Körper hat sich gekrümmt unter den Bemühungen seines Mundes, vermutlich auch seiner Zunge, ihre Beine haben sich um seinen Rücken gekrampft, er hat immer weiter gemacht, bis sich ihr ganzer Körper wieder aufgebäumt und gezuckt hat. Als er den Kopf gehoben hat, ist N. wieder entspannter gewesen, er hat sie auf Bauch und Brüste, auf ihren Mund geküßt, sie haben sich wieder umarmt und sanft überall gestreichelt. Nun lag er wieder im Sand und hat sich von ihr den Körper massieren, küssen lassen, dann wieder ihre Hand an seinem Penis, wie sie sich auf und ab bewegt hat. Sie hat daraufhin seinen Penis auch geküßt, ihre Zunge ist daran entlang und um ihn herum geglitten, ihre Lippen haben ihn umschlossen, er sei tiefer in ihren Mund geglitten und dann wieder nur die Spitze, dann wieder gänzlich, dann wieder nur das Spiel der Zunge mit der Eichel und das ganze von vorne, jedoch kräftiger, wilder, der Mann immer erregter. M. sei fasziniert von diesem Schauspiel gewesen, wie dosiert und gekonnt ihre Schwester vorgegangen ist, wie der Mann darauf reagiert hat, das alles im Detail zu sehen, sie sei sich vorgekommen, als nehme sie den beiden etwas durch ihre Beobachtung, doch sei es ihr nicht möglich gewesen, nicht mehr zuzuschauen. N.s Lippen schlossen sich dann fest um den Penis, ihre Bewegungen sind noch heftiger, schneller geworden, mit geschlossenen Augen, bis der Mann seinen Orgasmus gehabt habe, worauf sie sich wieder geküßt, umarmt, Zärtlichkeiten ausgetauscht und sich gegenseitig angestrahlt haben, bis sie nur noch erschöpft nebeneinander im Sand lagen. Als sie sich voneinander verabschiedet haben, ist sie wieder schnell vorausgelaufen. Und auch in dieser Nacht ist sie nicht von N. entdeckt worden.

In der nächsten Nacht war das Liebesspiel der beiden noch wilder, zunächst wieder er, wie er sie mit seine Händen in Erregung versetzt und zum Orgasmus gebracht hat, dann auch noch mit dem Kopf, dem Mund der Zunge in ihrem Schoß, bis N. wieder einen Höhepunkt erreicht hat, worauf er sich weiter an ihr hoch bewegt hat, eine kurze Bewegung mit seinen Händen zwischen ihren Körpern, ohne zu zögern ist er in sie eingedrungen, dann seine rhythmischen Stöße, erst noch sanft und vorsichtig, doch ist N. offenbar schon oder noch so weit gewesen, daß sie mit ihrer kräftigen Umarmung das Signal zu schnelleren Bewegungen gegeben hat. Es ist kurz darauf bei beiden ziemlich gleichzeitig passiert, ziemlich heftig, sie habe das so erschreckt, daß sie sofort weggelaufen sei. In den kommenden Nächten ist sie aber N. wieder gefolgt, die mit ihrem Bekannten noch andere Positionen mit Erfolg ausprobiert hat, einmal hat auch irgendetwas nicht so gut geklappt, sie haben beide laut gelacht, haben sich wild im Sand gewälzt und es dann noch einmal mit Erfolg probiert.

Nachdem sie wieder nach Hause gefahren seien, habe N. ihres Wissens nach diesen Bekannten nicht wiedergesehen. Erst viel später habe M. ihr erzählt, daß sie zugeschaut habe. N. habe nur gelacht, es habe ihr hoffentlich gefallen. Offenbar sei es also N. ziemlich egal gewesen, sie habe jedoch immer das Gefühl gehabt, den beiden durch die Beobachtung etwas weggenommen, etwas gestohlen zu haben, und doch habe es sie so sehr fasziniert.

Damit habe also alles angefangen, sie habe in jenen Nächten viel von den beiden gelernt. Ihre Hände zwischen ihren Beinen aber seien zwar schön gewesen, doch bis zum Ende habe sie es damals nicht gewagt, habe sich nur unruhig im Bett herumgewälzt, die Bilder jener Nächte immer wieder vor Augen. Die Neugier sei jedenfalls geweckt gewesen und die Gewißheit, daß das nicht nur zum Kinderkriegen da sei. Die Neugier sei auch in den Büchereien nicht zu stillen gewesen, Bücher mit anatomischen und technischen Details hätten sie mit diesem terra inkognito bekannt gemacht, sie habe sich aber immer noch gescheut, den Versuch bei sich selbst bis zum Ende zu führen, eine Expedition in diese Welt selbst zu unternehmen, statt nur Landkarten, Beschreibungen und eventuell Reiseberichte von anderen zu lesen.

Ein weiterer Schritt seien Experimente an Jungs gewesen. Sie sei auf die Idee gekommen, als diese begannen, sich für sie zu interessieren, und auf größeren Geburtstagsfeiern von Freundinnen oder Bekannten und anderen Tanzveranstaltungen für ihre Altersklasse sei etwas hinsichtlich neuer Erfahrungen zu machen gewesen. Bezüglich der Erlaubnis ihrer Eltern, dorthin zu gehen, habe sie von der Vorkämpferrolle ihrer Schwester profitieren können. Ihr Vater habe wohl Angst gehabt, daß sich auch sein gutes Verhältnis zu seiner braven Tochter verschlechtern könne, wenn er sie nicht gehen lasse, so habe er es oft erlaubt, mit Mahnungen und ein paar Auflagen versehen, die sie auch immer eingehalten habe.

Da sie viele Freundinnen gehabt habe, sei sie auch oft losgezogen. Die Jungs seien immer ziemlich hinter ihr her gewesen, doch die meisten hätten sie nicht interessiert, lediglich, daß sie so begehrt und beliebt sei, habe ihr gut gefallen, gleichzeitig aber auch erstaunt, denn so toll sei sie sich gar nicht vorgekommen, im Gegenteil, diesbezüglich sei sie sich trotz des offensichtlichen Zuspruches doch sehr unsicher gewesen. Dann habe sie es bei einem gewagt: Beim Tanzen habe sich dieser wieder viel zu eng an sie gedrückt, so daß sie genau habe fühlen können, was in seiner Hose losgewesen sei. Diesmal habe sie jedoch reagiert, zunächst vorsichtig aber doch deutlich mit ihrem Bein zwischen seinen Schenkeln gerieben, dann ihre Hand zwischen ihren Körpern, habe den Gürtel gelockert und den Hosenknopf gelöst, ihre Hand sei hineingeglitten und habe entschlossen seine Penis umfaßt, gestreichelt, sie habe kaum glauben können, daß sie das wirklich tue, doch ihre Hand sei wie von selbst vorgegangen. Sie habe sich gegen ihn gepreßt, ihre Hand um seinen Penis ein paar mal kräftig und schnell rauf und runter bewegt, bis sie es gespürt habe, bis zum Warmen, Nassen auf ihrer Hand. Der Junge sei die ganze Zeit so verblüfft gewesen, und sie habe es genossen, ihn so völlig in der Hand gehabt zu haben, ihn so kontrolliert zu haben, sie habe das Gefühl gehabt, ihm in dem Augenblick etwas Wertvolles genommen zu haben. Dem Jungen sei das Ganze wohl doch etwas unheimlich gewesen, getanzt habe er auf jeden Fall nicht mehr mit ihr und soweit ihr bekannt, auch keinem davon erzählt.

Sie habe es dann noch auf weiteren Veranstaltungen bei einigen dieser Typen getan und habe ihren Spaß dabei gehabt, wenngleich sie zugeben müsse, sie habe aufpassen müssen, daß alles in seiner Hose bleibe, sonst gebe es unangenehme Flecken auf dem Kleid. Obwohl sie nun gewußt habe, wie es beim Mann gehe, habe sie noch immer nicht gewagt, bei sich selbst etwas zu machen, die Kontrolle über sich, die eigene Sexualität zu verlieren. Mit den Jungs, die ihr sympathisch gewesen seien, habe sie das Spiel in seiner Hose natürlich nicht gemacht, sie hätte mit einigen nur heftig herumgeknutscht und es sei maximal zum Austausch weitreichender Zärtlichkeiten gekommen, mehr habe sie nicht zugelassen.

Kurze Zeit vor dem 16. Geburtstag habe sie sich dann zum ersten Mal richtig verliebt, er sei ein Jahr älter gewesen, sei ihr erster Freund geworden, der mehr als ein Freund gewesen sei. Zuerst seien sie sehr langsam vorgegangen, tanzen, leichte Berührungen mit den Händen, dann auch Küsse, leidenschaftliche Umarmungen, Zärtlichkeiten. Es sei sehr schön gewesen. Sie habe ihm gesagt, daß sie noch nicht so weit sei, er Geduld haben müsse. Er habe auch Verständnis für sie gehabt und Geduld, aber er wollte es natürlich, so daß er sie hin und wieder darauf angesprochen habe, doch sie sei sich noch nicht sicher gewesen.

Eines Tages sind sie schwimmen gewesen, anschließend haben sie zusammengelegen und geschmust, sie habe bemerkt, wie unruhig, wie erregt er gewesen ist. Sie habe gespürt, er wollte mehr als nur ihre Küsse und Umarmungen. Das Oberteil ihres Bikinis hat sie sich gerne abnehmen lassen, wie schön und aufregend waren seine Küsse auf ihrem Busen, ihren Brüsten, ihrem Bauch. Sie haben an einer gegen fremde Blicke ziemlich geschützten Stelle gelegen, und er hat gerade ihre Badehose auch noch ausziehen wollen, doch sie habe wieder gesagt, sie sei noch nicht so weit, obwohl ihr seine Zärtlichkeiten sehr gefallen haben und sie selbst auch schon erregt war, sie hat plötzlich wieder Angst gehabt, die Kontrolle über die Situation, über ihre Gefühle und Taten zu verlieren, so hat sie ihn kurzentschlossen umarmt und auf den Rücken gedreht, ihre Hände auf seinem Körper, ihre Küsse auf seinem Bauch, sie hat deutlich gespürt, wie seine Erregung zugenommen hat, sie hat seine Hose heruntergezogen und ihre Hände haben ganz genau gewußt, was sie zu tun hatten, um ihn wieder zu beruhigen. Das haben sie ein paar Tage so gemacht, doch hat sie gespürt, daß er mehr wollte. Sie ist doch aber in ihn verliebt gewesen, ist so gerne mit ihm zusammen gewesen, hat vielleicht auch befürchtet, ihn zu verlieren, wenn sie nicht auf seine Wünsche eingehe, da hat sie es mit dem Mund probiert, was ihn so überrascht und erregt hat, daß er sehr schnell gekommen ist, sie hat es in ihrem Mund kräftig spritzen gefühlt, warm und etwas klebrig, sie hat nur zweimal geschluckt, dann haben sie sich wieder geküßt. Die Methode hat ihm sehr gefallen und so haben sie es öfter getan, er hat sie dann auch nicht mehr bedrängt, richtigen Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben.

Doch nach ihrem 16. Geburtstag, als sie wieder am See gelegen haben, hat er plötzlich gemeint, sie sei alt genug, er wolle jetzt mehr. Noch bevor sie ihn wieder unter ihre Kontrolle habe kriegen können, hat er plötzlich nicht mehr nur in einer harmlosen Umarmung auf ihr gelegen, seine Hände nicht mehr nur zärtlich, sondern sehr verlangend an ihrer Badehose. Er hat sie ihr irgendwie herunter und ausgezogen, seine Beine zwischen den ihren, sie hat panische Angst bekommen, hat in Panik herausgepreßt, das was er vorhabe, wolle sie auf keinen Fall, habe "Nein!" gesagt, habe ihn auf später vertrösten wollen, habe ihn gebeten sofort aufzuhören, doch seine kräftige rechte Hand hat sie umklammert gehalten, sein Mund hat sich auf ihren gepreßt, seine linke zwischen ihren Körpern, nicht mehr zärtlich, sondern brutal, kneift erst in ihre Brüste, will dann seinen erigierten Penis in sie einführen. Da habe sie eine Hand losreißen, ebenfalls dorthin drängen können, sie hat seine Hoden gepackt, so daß er laut aufgeschrien hat, gleichzeitig hat sie in seine Lippen gebissen, er hat sich vor Schmerz auf dem Boden zusammengekrümmt, während sie ihre Sachen zusammengerafft habe und weggelaufen ist. Später, als sie sich wieder beruhigt hat, hat er ihr sogar etwas leid getan, sie hatte ihn die ganze Zeit hingehalten, doch sie habe nicht anders können, eine Schuld an dem Vorfall habe sie weit von sich gewiesen. Durch seinen Versuch habe sie aber noch mehr Angst bekommen, die Kontrolle über eine Situation zu verlieren, zwar habe sie nichts über den Vorfall gesagt, doch mit ihm sei es natürlich vorbei gewesen.

Die Angst vor einem ähnlichen Zwischenfall sei aber nicht so stark gewesen wie die Faszination, die von dieser immer noch geheimnisvollen Sexualität ausgegangen sei, mit der sie andere unter ihre Kontrolle habe bringen können, wenn auch nur für Augenblicke, und selbst wenn das einmal beinahe schiefgegangen sei. Es habe sie nach einer kurzen Erholungsphase wieder zu den Typen hingezogen, die immer viel zu eng tanzen, bei den etwas älteren habe der Griff in die Hose allerdings keine so große Wirkung mehr gezeigt, daß sie übermäßig verblüfft gewesen seien, so daß sie damit sogar das Interesse der Selbstbewußteren geweckt habe. Näher eingelassen habe sie sich jedoch nur mit ein paar wenigen, die sie sympathisch gefunden habe, Küsse, Umarmungen, sie habe ihnen von vorne herein klar gemacht, daß es nicht von Dauer sei. Bei jenen, die ihr besonders gefallen hätten, auch Befriedigung mit der Hand und mit dem Mund, jeweils mit der Ausrede, sie habe gerade ihre Monatsblutung, da sei es ihr unangenehm, er müsse jedoch nicht auf das Vergnügen verzichten. So habe sie immer ihren Slip anbehalten können, ohne daß er sie dort befummelt hätte, die ganze Zeit sei alles ohne Zwischenfälle abgelaufen, wobei sie zusätzlich noch gelernt habe, die Stimulation gut zu dosieren, seine Erregung richtig einzuschätzen und so die Stärke der Reize auf den einzelnen richtig einzustellen.

Damit sei dann Schluß gewesen, als sie sich eineinhalb Jahre nach dem Zwischenfall am See wieder verliebt habe. Dieser sei stark, groß, aber sehr sanft gewesen, ein Jahr älter und sehr verständnisvoll, zärtlich. Anfangs sei es ziemlich problemlos gelaufen, er sei mit kuscheln und küssen, umarmen und tanzen zufrieden gewesen, die romantische, langsame Art, eine Beziehung zu beginnen, habe ihm wohl mit ihr gut gefallen. Aber auch er habe nach ein paar Wochen mehr haben wollen, habe zwar akzeptiert, daß sie unsicher sei, doch verstanden habe er nicht, daß es ihr bei ihrem Alter noch so schwerfalle, eine intime Beziehung einzugehen.

An der Beziehung zu ihm habe ihr natürlich viel gelegen, und so habe sie auch bei ihm wieder begonnen, zuerst mit den Händen, später auch mit dem Mund, der Zunge sein Verlangen zu befriedigen, ihn an sich zu binden, ihn zu halten, ohne daß es zum Äußersten komme. Zwar habe er ihre Bemühungen nicht abgelehnt, und es habe bei ihm immer ausgezeichnet geklappt, sie habe ihm weitgehend vertraut und er ihr, doch sie habe gespürt, daß es ihm nicht recht gewesen sei, daß nur er alle Lust empfinden solle. Es habe sich aber etwa ein halbes Jahr so hingezogen, gemeinsames ausgehen, tanzen, sich umarmen, Zärtlichkeiten und seine Befriedigung.

Doch dann, kurz vor ihrem 18. Geburtstag habe ihre beste Freundin L. Andeutungen gemacht, daß er eine andere habe, sie habe zufällig im Vorbeigehen auf dem Schulhof gehört, wie sie sich verabredet hätten. Gerade zu der Zeit, zu der sie sich bereits entschlossen hatte, sich ihm ganz hinzugeben! Sie habe kurz davor zum ersten Mal das Spiel zwischen ihren Beinen zu einem Ende geführt, ein gutes, tolles Gefühl, doch allein habe sie das nicht oft haben wollen, viel schöner müsse es zu zweit sein, in den Armen des Geliebten, und jetzt diese Nachricht? Sie habe L. nicht glauben wollen, gerade jetzt nicht, es sei sicher nur ein Mißverständnis gewesen, doch immerhin sei sie die beste Freundin gewesen, außerdem habe sie gehört, wo sie sich träfen. M. habe sich schließlich entschlossen, mit L. dort hinzufahren, um ihr zu zeigen, daß ihre Vermutungen Unsinn seien.

Sie sind also mit dem Fahrrad durch den Wald in Richtung des Treffpunktes gefahren, eine Strecke vor der Lichtung haben sie gehalten und ihre Fahrräder versteckt, sind dann herangeschlichen. Sie haben zehn Minuten gewartet, dann ist tatsächlich jenes Mädchen aus seiner Klasse gekommen, von dem L. erzählt hat. Sie ist so groß wie er gewesen, hellblonde, kurze Haare, voller Busen, vom Typ her ein starker Kontrast zu ihr, aber schön, selbstbewußt und sichtbar glücklich. Sie hat ihre Schuhe ausgezogen, eine mitgebrachte Decke auf der Lichtung in der Sonne ausgebreitet und sich darauf gelegt. Sie hat sich gesonnt. Er ist dann wirklich ein paar Minuten später gekommen, das Mädchen ist gleich aufgesprungen und ihm um den Hals gefallen. Für L. ist gleich alles klar gewesen, sie hat mit ihr auf das umschlungene Paar zugehen wollen, doch M. hat sie zurückgehalten. Ihr hat es den Hals zugeschnürt, wie sie sich so stürmisch umarmt und geküßt haben. Er hat sie zur Decke getragen, ihr T-Shirt und Hose ausgezogen, worauf sie ihm sein T-Shirt über den Kopf gezogen hat, dann ist sein Slip gefolgt. Sie hat sich auf die Decke gelegt, die Augen geschlossen, ein gespanntes, erwartungsvolles Gesicht. Er hat sich neben sie gelegt, sie gestreichelt, auf Mund, Wange, die geschlossenen Augen geküßt, an ihren Brüsten geleckt, seine Finger auf ihrer Haut, in ihren Haaren. M. hat geglaubt, ihr müsse bei diesem Anblick das Herz zerspringen, sie habe ihn gehaßt, und doch, wenn sie nicht immer wieder gezögert hätte, hätte sie das nicht dort in seinen kräftigen, leidenschaftlichen Armen sein können? Er hat an ihren Brüsten, ihrem Bauchnabel gesaugt, ihre Füße geküßt, ihre Beine gestreichelt, hat sie an den Fußsohlen gekitzelt, bis sie laut gelacht, sich auf den Bauch gedreht hat, worauf seine Küsse und Hände an ihr hoch gewandert sind, mit einem langen Halt bei ihrem Po. Die Sonne hat heiß herabgeschienen, ganz warm war es, Mittagszeit, doch sie hat gefroren. M. hätte ihn das nicht so einfach machen lassen können, sich ihm so auszusetzen, alles ihm überlassen, doch wie er das genossen hat, wie ihm das offensichtlich gefallen hat, was er mit dem blonden Mädchen anstellen durfte, wie er sie verwöhnen durfte. Ein Taumel der Gefühle in ihr, sie hat ihn in den Augenblicken verstanden, warum ihm nicht gereicht hat, was sie ihm bis dahin habe bieten können, außerdem sei sie wieder fasziniert von der Szene gewesen, wie damals bei ihrer Schwester am Strand, sie habe geschaut, wie seine Küsse über ihren Rücken gewandert sind, auf ihren Schulterblättern verweilten. Er hat sich alsdann langsam über sie geschoben, die das alles deutlich sichtbar so genossen hat, jede seiner Berührungen. Mit dem Unterarm hat er sich abgestützt, die eine Hand hat er unter ihren Körper geschoben, ihr Becken hat sich gehoben, seine Hand zwischen ihren Beinen hat die Erregung des Mädchens noch gesteigert, sie hat ihre Beine weiter gespreizt und angewinkelt. Von vorne haben seine Finger ihre Clitoris liebkost, von hinter ist sein Penis in ihre Scheide eingedrungen, sie hat leise und genüßlich gestöhnt, seine erst leichten und sanften Stöße hat sie beantwortet, indem sie sich ihm leicht entgegenbewegt hat. Als ihre Bewegungen den gleichen Rhythmus angenommen hatten, sind sie schneller geworden, die Stöße kräftiger, sie schienen schon gut aufeinander eingespielt gewesen zu sein, der Körper des Mädchens habe sich wild unter einem Orgasmus aufgebäumt, doch hat er weitergemacht, immer weiter, bis sie kurz darauf ein zweites Mal mit lautem, lustvollem Stöhnen gekommen ist, da ist es beinahe gleichzeitig auch bei ihm passiert, er ist dann auf sie gesunken, sie haben sich beide entspannt. Er hat sich bald darauf zur Seite gedreht und sich neben sie auf den Rücken gelegt, wonach sie sich über ihn gebeugt und ihm einen langen Kuß auf den Mund gegeben hat, sie haben sich eine ganze Weile umarmt und liebkost, schließlich ist sie wieder neben ihn gerutscht und ihr Kopf ist erschöpft, zufrieden und glücklich auf seine Brust gesunken. Noch immer habe sie mit L. abgewartet, zugeschaut, wie das Paar nun nackt in der Sonne gelegen hat. Sie habe plötzlich gewußt, es werde mit ihm jetzt nicht mehr gehen, selbst wenn er noch wollte, sie werde lange Zeit brauchen, um das zu verarbeiten. Sie habe L. zugeflüstert, sie gebeten, kein Drama zu machen, im Versteck zu bleiben, damit er sie nicht bemerke, sie selbst sei dann aufgestanden und zu den beiden hin. Das Mädchen habe geschlafen, sie habe ihr einen Sonnenbrand gegönnt, doch er habe sie bemerkt, als ihr Schatten in sein Gesicht gefallen sei, und habe die Augen geöffnet. M. habe nur leise, um das Mädchen nicht zu wecken, auf dies blonde Mädchen weisend, gesagt, es passe sicher besser zu ihm als sie, sie werde sich ihm hiernach nie so hingeben können, ihre Beziehung sei damit beendet, er solle einfach nur schweigen. Sie habe Tränen in den Augen gehabt, er habe geschluckt, wirklich nichts gesagt, sich nur auf die Lippen gebissen, die Augen niedergeschlagen. Sie habe sich umgedreht und sei gegangen.

Sie habe sich dann auf nichts mehr einlassen können, habe nur noch mit guten Freunden getanzt, die nicht mehr als Freunde sein wollten, habe sich auf das Abitur konzentriert. Auch das Spiel zwischen ihren Beinen, die Selbstbefriedigung habe sie vorläufig nicht wiederholt, es sei ihr sinnlos erschienen.

Nach dem Abitur hätten L. und ihre Eltern ihren Vater davon überzeugt, daß sie zur Belohnung für den guten Abschluß mit L. zusammen in den Urlaub fliegen dürfe. Dort hätten sie ein gemeinsames Doppelzimmer gehabt, doch habe sie oft alleine geschlafen, weil L. meistens über Nacht bei einem Urlaubsflirt übernachtet habe. Sie habe immer bewundert, wie locker L. mit ihrer Sexualität umgegangen sei, so unkompliziert und spontan, sowohl ihre festen Freundschaften, die unterschiedlich lange gedauert hätten, als auch ihre kurzen, sorglosen Affären, die L. einfach nur Spaß gemacht hätten, wie auch die Flirts in diesem Urlaub, jede Nacht ein anderer. Bei L. sei das alles wie selbstverständlich, so einfach gewesen, doch habe sie gewußt, daß das niemals ihr Weg sein werde, damit klar zu kommen.

Die drittletzte Nacht sei L. aber da gewesen. Sie habe M. schon die ganze Zeit zu einem Urlaubsabenteuer zu ermuntern versucht, vermutend, daß diese noch immer nicht über den Vorfall auf der Waldlichtung hinweggekommen sei, doch M. habe immer abgelehnt. Sie wisse nicht mehr, wie es dazu gekommen sei, plötzlich, am frühen Morgen hat L. ganz dicht bei ihr gelegen und hat sie wohl anfangs mit der Absicht, sie aufzumuntern, gestreichelt, ihr Gesicht, hat sie sodann geküßt, ihre Hände sind mit einem Mal unter M.s Nachthemd gewesen, ganz zärtlich und sanft, L. hat es geschafft, daß sie vor Erstaunen nichts habe tun können, L., die schon nackt geschlafen hat, hat nun auch sie ausgezogen, sie weiter geküßt und gestreichelt, ihren Körper massiert und liebkost, M. hat es sogar eine ganze Zeit lang noch immer bewegungslos genossen. Wie zufällig und nur einen Moment hat einer von L.s Fingern ihren Venusberg gestreift, ist dann dorthin bestimmter zurückgekehrt, gleichzeitig hat ihre Zungenspitze eine Brustwarze liebkost, das alles zusammen hat bei M. ein so starkes und gutes Gefühl erzeugt, daß es sie aus der Erstarrung erweckt hat, sie hat gewußt, sie mußte jetzt aktiv werden, die Kontrolle über die Situation übernehmen, solange sie dazu noch in der Lage ist. Also hat sie mit L. das gleiche getan, was diese vorher bei ihr vorgemacht habe, jedoch gezielter, schneller. Tatsächlich hat sich diese schnell auf den Rücken gedreht und sich ganz entspannt. Sie hat sich zunächst dicht an sie geschmiegt, ihren ganzen Körper an ihr gerieben, sie geküßt, ganz sanft ihre Brüste gestreichelt, bis sich eine deutliche Wirkung gezeigt hat, L. habe sogar ihre Beine deutlich gespreizt. Sie hat sie am ganzen Körper geküßt und gestreichelt, ihr Kopf ist wie von selbst zwischen L.s Beine geglitten, was bei L. eine starke Reaktion ausgelöst hat. Mit ihrer Zunge hat sie es weiter probiert, was geht, was L. gefällt, auch mit den Fingern, vorsichtig, forschend, während L. ihren Kopf gestreichelt hat, so hat sie weitergemacht, bis L.s Körper zu pulsieren begonnen hat, mehrmals schnell hintereinander sogar ist sie zum Höhepunkt gekommen und ziemlich intensiv, wobei sie schwer geatmet hat. Sie hat sich an ihr wieder aufwärts bewegt, bis sich ihre Lippen getroffen haben, sie haben sich geküßt. Irgendwie sei das alles ziemlich merkwürdig gewesen, befremdlich, unheimlich, irgendwie verboten, ungebührlich, ihre Freundin zu küssen, zu streicheln und zu liebkosen - zumindest in dieser sexuellen Art und nicht nur einfach so freundschaftlich und doch oder gerade deswegen sei es auch so verlockend und faszinierend gewesen.

Dann hat L. geflüstert, jetzt sei M. dran, hat sie gleich herumgedreht, ist nicht erschöpft und zufrieden gewesen, wie M. das erhofft hatte, sie hat plötzlich gewußt, daß was komme, ist nicht aufzuhalten, doch hat sie es nicht gewollt, sie hat L.s Küsse und Berührungen gespürt, gefühlt, wie die Erregung in ihr selbst schnell zugenommen hat, L.s Finger schon zwischen ihren Beinen, ihre Lippen auf dem Mund, ihre Zunge habe gegen ihre Zähne gedrückt. L.s Finger hat nicht lange nach den richtigen Stellen suchen müssen, sanft und genau richtig dosiert, doch dann hat ihre Hand sie entschlossen zurückgedrängt, gerade noch im letzten Moment, bevor es passiert ist. Sie hat keuchend hervorgestoßen, "bitte nicht, bitte hör sofort auf ..." Sie hat L. umarmt und geweint, diese hat sie ganz fest gehalten und wirklich nicht mehr weitergemacht.

Nach einer Weile hat L. gesagt, sie interessiere sich eigentlich auch mehr für Männer, doch M. habe ihr so leid getan, sie seien doch Freundinnen, und was M. getan habe, sei so schön gewesen, warum sie sie nicht habe auch gewähren lassen. M. hat ihr dann gebeichtet, daß sie selbst für sich allein das erst einmal erfahren hat. Sie habe ihr erzählt, daß sie so noch mit keinem zusammen gewesen ist. L. ist der Auffassung gewesen, daß M. dringend einen zärtlichen Mann zwischen ihren Beinen braucht, um das endlich hinter sich zu bringen, Erfahrungen zu sammeln, sie brauche keine Angst zu haben, solle es einfach passieren lassen.

L. hat so den ganzen Tag auf sie eingeredet, bis M. selbst davon überzeugt gewesen zu sein schien. Sie haben sich dann sich entschlossen, zusammen zwei nette Männer abzuschleppen, L. hat ihr versprochen, den geeigneten für sie auszuwählen. Am Abend haben sie Wein getrunken, zu viel Wein, und tatsächlich haben sie zwei Typen gefunden, Freunde wohl, die nur zu gern mitgegangen sind. Auf dem Zimmer haben sie dann noch je ein Glas Wein getrunken. L. ist mit ihrem schon ins Bett gegangen, M. hat mit ihrem noch in enger Umarmung zu leiser Musik getanzt, dann ist sie mit ihm ebenfalls aufs Bett gefallen, sie haben dort weitergeschmust, während im anderen Bett die beiden schon begonnen haben. L. hat entspannt gelacht, M. ihnen zugeschaut, während sie mit ihrem noch gespielt, sie ihn und er sie langsam entkleidet hat und sie beide L. mit ihrem Typen neugierig zugesehen haben. M. hat gesehen, wie L. den ihren nackt ins Bett gesetzt hat, wobei sich dieser mit seinen Armen nach hinten abgestützt hat, L. hat mit gespreizten Beinen über ihm gestanden, ist an den Oberschenkeln seiner angezogenen Beine heruntergeglitten, seinen Penis in sich aufnehmend, seinen Körper mit ihren Beinen umklammernd, sich mit ihrem Rücken gegen seine Oberschenkel lehnend. Eine seine Hände hat ihre Brüste mit zunehmender Intensität massiert, was L. sehr erregt hat, ihre Finger haben an seinem Kopfhaar gezogen, haben den ganzen Kopf nach hinten gezogen, während sie ihren Unterkörper auf und ab bewegte, ihn kreisen ließ, worauf er ihre Brust noch kräftiger massiert hat. Sie hat immer kürzer und schneller geatmet, sich heftiger, unkontrollierter bewegt, hat ihren Kopf in den Nacken geworfen, als sie nahezu gemeinsam zum Orgasmus gekommen sind. Sie haben sich noch weiter gestreichelt und geküßt, haben daraufhin die Stellung gewechselt, sie hat auf dem Rücken und er auf ihr gelegen, sie hat aber ihre Beine erst angezogen, dann sind ihre Beine an ihm hochgeglitten, bis sich ihre Waden neben seinem Kopf an die Schultern gepreßt haben, wobei er sie etwas hochgehoben hat, kniend in sie eingedrungen ist. Bei jedem Stoß hat er ihren ganzen Körper angehoben. Mit geschlossenen Augen hat L. jeden Stoß pariert, mit einem entschiedenen Gegendruck geantwortet. Als sie ihren Höhepunkt gehabt hat, ist er noch nicht so weit gewesen, hat weitergemacht, immer heftiger, beinahe schon roh, doch schien das L. nicht gestört zu haben, im Gegenteil, ihre Erregung hat angehalten und wieder zugenommen. Als L.s Galan dann endlich zum Höhepunkt gekommen ist, hat L. "weiter!" gerufen, was ihm Mühe gemacht hat, doch ist es beiden gelungen, daß auch L. noch einen weiteren Orgasmus gehabt hat. Sie haben sich erschöpft umarmt und still gelegen bis auf ihr schweres Atmen.

Trotz des Weins und des anregenden Schauspiels hat M. da bereits gewußt, daß es auch diesmal nicht klappen wird, nach einigen weiteren Zärtlichkeiten ist sie an ihrem ebenfalls durch das Schauspiel schon stark erregten Bettgenossen herabgeglitten und hat ihn mit dem Mund befriedigt, doch dieser hat sie danach wieder zu sich hochgezogen, sie umarmt, gestreichelt und geküßt, nach kurzer Zeit ist sein Penis wieder erigiert gewesen, sie hat noch auf ihm gelegen, das wieder steife Glied deutlich zwischen ihren Körpern gefühlt, sie hat weitermachen müssen, hat ihren Körper an dem seinen gerieben, immer heftiger, was ihn sehr erregt hat, wie auch das Streicheln seines Gliedes mit der Hand zwischen ihren Körpern, immer heftiger und mit festem Griff, wie auch er mit seinen Händen ihre Brüste erst sanft dann stärker massiert hat, wobei sie gespürt hat, daß es für sie bald kein zurück mehr geben wird, so sehr ist sie schon erregt gewesen, sie würde nicht mehr aufhören können, es nicht mehr aufhalten können, trotzdem hat sie ihn machen lassen, wie auch sie weitergemacht hat, sich gezwungen hat, es durchzustehen. Mit einer Hand hat er jetzt ihren Po massiert, sie auf sich zu gedrückt, ihre Brust mit seiner Hand ist im Rhythmus seiner Massage über seinen Körper gestrichen, ihre Knie und Unterschenkel hat sie an seine beiden Seiten gepreßt. Eine von seinen Hände ist zwischen ihre Beine gewandert, sie hat in einer Mischung aus purer Lust und Angst trotzdem weitergemacht, in dem Moment, wo seine Finger in ihre Scheide vordringen wollten, sogar schon auf das Hymen trafen, ist sein Sperma zwischen ihre Körper gespritzt, auf seinen Bauch und ihre Brust, warm und flüssig, gleichzeitig hat sie einen Orgasmus gehabt, ist sofort zur Seite und in sich zusammengerollt. Auch der Mann hat sich zufrieden zur Seite gedreht, obwohl er ja nicht gänzlich zum Ziel gekommen ist. Doch gleich hat sie laut geweint. L. hat das gehört und gesehen, hat ihren Typ geweckt und hat von beiden verlangt, sofort ihr Zimmer zu verlassen. Sie sind ziemlich überrascht aus den Betten gestiegen, haben aber nicht zu widersprechen gewagt, haben sich stattdessen sehr schnell ihre Unterhosen angezogen, ihre Sachen zusammengerafft und sind gegangen.

L. hat sie ganz sanft umarmt, ob sie in Ordnung sei, sie habe genickt, geschluchzt, ihr sei nichts passiert. L. hat gemeint, es sei ein Fehler gewesen, M. so schnell mit einem Mann zusammenzubringen, sie habe zugestimmt, sie dürfe sich aber keine Vorwürfe machen, es sei nicht so schlimm, denn es sei nicht zum Äußersten gekommen, es werde ihr am nächsten Tag schon wieder einigermaßen gehen, L. solle sich keine Sorgen machen. Doch wolle sie noch in dieser Nacht klarstellen, sie wolle L. wie gehabt nur als ihre normale Freundin, aber was am Morgen passiert sei, dürfe nicht wieder vorkommen.

Tatsächlich habe sie sich schnell wieder erholt, dann habe bald schon das Studium begonnen, sie habe auch wieder einige Bücher über die Liebe gelesen, immer noch interessant, jetzt jedoch nicht mehr Bücher über Anatomie und Technik des Geschlechtsverkehrs, sondern wirklich über die Liebe. Da sie mit ihrer Schwester zusammenwohne, habe sie sogar kurz mit ihr über das Erlebnis im Urlaub gesprochen. N.s erste Reaktion sei gewesen, mit ihr zu einem Arzt zu gehen und einen Aids-Test machen zu lassen, glücklicherweise habe sie sich bei keinem angesteckt. Als zweites habe sie ihr eine Packung Kondome gegeben und als drittes den Rat, sich nicht so viele Gedanken zu machen, sondern, wenn sie es das erste Mal nicht bei sich selbst machen wolle, den Typen einfach machen zu lassen, es über sich ergehen zu lassen, allerdings nur mit Kondom, auch später, bei unsicheren und unbekannten Partnern, die nicht garantiert gesund seien. Den Rat habe sie aber bisher nicht zu befolgen brauchen, weil sie seit diesem Urlaub keine intimen Kontakte mehr gehabt habe, zwar habe es auch weiterhin reichlich Interessenten gegeben, sie habe aber immer auf unverbindliche Freundschaft bestanden, und erst jetzt, als sie mich gesehen habe, habe sie sich wieder verliebt. Sie gehe davon aus, daß ich bisher keinen ungeschützten Verkehr gehabt habe oder danach einen Test hätte machen lassen, so daß ich kein unsicherer Partner für sie sei? Ich versichere ihr, sie brauche sich keine Sorgen zu machen. Sie ergänzt, sie habe nach ihrem Test auch mit L. darüber gesprochen, die zugegeben habe, sehr leichtsinnig gewesen zu sein, hier habe sie einmal einen Infizierten kennengelernt, sie habe sogar Sex mit ihm gehabt, allerdings geschützt. Als sie ihm von ihrem bisherigen Sexualleben erzählt habe, habe auch er ihr zu einem Test geraten, den sie gemacht habe, zum Glück sei sie nicht infiziert gewesen, habe es fortan nur noch mit Kondom gemacht, was das Risiko einer Ansteckung ja erheblich reduziere.

Ihre Meinung über die echte Liebe habe sie erst hier durch die Literatur gebildet, und sie habe sich für mich entschieden. Ich frage sie, wenn sie solche Angst habe, die Kontrolle über sich, über ihre Gefühle zu verlieren, wie habe sie mir dann nur so einfach anbieten können, diese Nacht ihr erster Mann zu sein? Sie antwortet, sie vertraue mir, zum einen aus einem inneren Gefühl heraus, zum anderen auch dadurch, wie sie mich bislang erlebt und kennengelernt habe, also eindeutig eine stark emotionale Affinität, aber auch eine bewußte Entscheidung des Verstandes. Denn sie sich ja jetzt für mich entschieden, tatsächlich sei sie ja noch etwas unruhig, doch sie wisse, daß es diesmal mit mir richtig sei, da sie sich für mich entschieden habe, sie wolle mich auf keinen Fall verlieren, aber selbst wenn es mit uns schiefgehe und ich unsicher sei, ob es eine lange Beziehung werden könne, es müsse ihr jetzt endlich gelingen, sie wolle doch bei mir ganz die Kontrolle verlieren, mir ganz Vertrauen, mich alles machen lassen.

Ich frage, wieso sie sich mit so vielen Männern eingelassen habe, wenn im Grunde nur zwei davon eine gewisse Bedeutung gehabt hätten, und auch von diesem beiden habe sie doch offenbar nicht ihr Verlangen befriedigen lassen wollen.

Sie antwortet: Sie sei fasziniert davon gewesen, dieses Geheimnis ihrer Gefühle zu erforschen, diese ihr fremde Welt der Triebe, von der sie Zuhause nichts gesehen und erlebt habe, doch ihre Gefühle habe sie nicht hergeben wollen, habe auch Angst vor den eigenen Gefühlen, Trieben gehabt. Jedes Mal habe sie geglaubt, sie nehme, stehle dem Mann etwas, wenn sie ihn befriedigt habe, ohne selbst von ihm befriedigt zu werden, sie sei sich dadurch auch schlecht vorgekommen, sie habe immer nur etwas von seinen Gefühlen genommen, ohne etwas dafür geben zu können. Liebe aber sei geben und nehmen gleichermaßen, ein Geben aus der Fülle der eigenen Gefühle heraus, ein Nehmen, um dem anderen die Freude des Gebens zu ermöglichen. Mit beidem zusammen ineinander verwoben könne erst die Gemeinsamkeit ganz genossen werden. Liebe sei ein Bedürfnis, dem anderen seine Gefühle zu geben, zu offenbaren, ihn glücklich zu machen, aber vom anderen auch nur zu nehmen, was dieser gerne geben wolle, aus einem Überfluß heraus, statt es ihm zu stehlen, wie sie es getan habe, wenn sie ihre Gefühle dem anderen nicht auch offenbart habe, sich ihm nicht habe anvertrauen können. Als es dann doch passiert sei, im Urlaub mit L., sei es ihr so peinlich gewesen, sie habe sich so geschämt, vor den anderen dreien, mit dem Mann habe sie doch gar nichts verbunden, außerdem sei es keine Liebe, sondern nur Lust gewesen, eine Entladung der angestauten Hemmungen. Sie habe da nicht aus einem Entschluß heraus mit Vertrauen zu dem Mann die Kontrolle über sich verloren, es sei vielmehr einfach passiert, zudem habe sie ja vorher noch zu viel getrunken, es sei jämmerlich gewesen, es komme ihr widerlich vor, was sie da getan habe. Sie hätte das nüchtern nicht getan, nicht gewollt, denn sie sei ja nicht einmal verliebt gewesen, deshalb hätte sie niemals so die Kontrolle über sich verlieren dürfen, mit L. wäre das noch in Ordnung gewesen, doch vor den fremden Männern sei das ekelhaft gewesen, daß sie das so erregt habe, das es so weit habe kommen können.

Ich versuche sie zu beruhigen, sie dürfe sich doch deswegen jetzt keine Vorwürfe mehr machen, außerdem sei es für viele ganz normal, so etwas nüchtern oder betrunken zu tun, mit wildfremden Menschen, ohne sich auch nur einen Augenblick Gedanken darüber zu machen, was andere darüber denken.

Sie widerspricht, das Verhalten von anderen Menschen sei für ihre eigenen Empfindungen nicht so maßgeblich, sie müsse mit ihren eigenen Gefühlen klarkommen, nicht mit dem Triebleben von anderen Menschen, die selbst für sich entscheiden müßten. Von den Menschen seien ihr in diesem Zusammenhang erst einmal nur ihre und meine Gefühle wichtig, denn sie liebe mich, deshalb sei sie bereit, mir ihre Gefühle und Empfindungen zu offenbaren, Schmerz und Traurigkeit, Glück und Lust, in meinem Armen sei sie sicher, brauche ihr Inneres nicht für sich zu behalten, könne ihre Gefühle mir gegenüber zeigen, da sie mir ganz vertraue. Bei mir sei ihr nichts, was sie fühle, peinlich oder unangemessen, alles wolle sie mit mir teilen, nichts vor mir verbergen, wie vor den anderen. Mit einigen ihrer Freunde könne sie zwar über beinahe alles sprechen, doch sei da immer eine Mauer der Worte zwischen ihnen, die sie schütze. L. habe diese Mauer damals fast durchbrochen, doch sie zu erleben, werde sie nur mir gestatten, zusammen sprechen und sich gegenseitig erleben, das sei nur mit mir möglich, weil sie mich lieben wolle.

Ich möchte von ihr wissen, wieso sie meine, die anderen Männer bestohlen zu haben, sie habe sie doch befriedigt, so daß diese wahrscheinlich gar nicht der Meinung seien, sie habe ihnen etwas genommen, eher hätten sie vermutlich das Gefühl gehabt, durch die Befriedigung etwas von ihr zu bekommen. Es sei ja nun einmal ein starkes Bedürfnis von Männern, ihr Sperma zu geben, es richtig abgehen zu lassen, was sie da befriedigt habe.

M. erläutert aber, es seien ja nur ihre eigenen Gefühle, die Befriedigung ihrer eigenen Triebe gewesen, wahrscheinlich seien viele ohnehin nur darauf aus gewesen, sich mit einer aus ihrer Sicht attraktiven Frau zu befriedigen, sich auch mit ihr zu schmücken und ihre Eitelkeit zu pflegen, daß sie es geschafft hätten, sie abzuschleppen, ihren Spaß durch sie zu haben. Da sie das ausgenutzt habe, habe sie ihnen die Geheimnisse ihrer Intimsphäre und Persönlichkeit entlockt und sie ihnen so genommen, ohne selbst etwas dafür zu geben, während sie sich ihr ausgeliefert hätten, da sie ja nicht dieselben Interessen dabei verfolgt habe wie diese Männer. So habe sie die wenigen, denen daran etwas gelegen habe, um ihre Gefühle betrogen, die sie nicht vor ihnen haben zeigen können, die anderen habe sie betrogen, weil sie nicht die gleichen Interessen verfolgt habe, als sie es mit ihnen getrieben habe.

M. stellt klar, sie werde das alles mit mir nicht tun. Erst müsse sie sich mir ganz hingegeben haben, zuerst müsse ich die Kontrolle über sie übernehmen. Mit der Defloration werde sie mir so die Einmaligkeit des ersten Mals geben können, außerdem werde ich ihr dabei etwas weh tun und so zwangsläufig ein starkes Gefühl auslösen, welches sie auch gar nicht vor mir verbergen wolle, mit welchem sie sich noch mehr an mich binden könne, denn damit könne sie mir etwas von ihr geben, an dem ihr viel liege, von ihren Gefühlen. Später werde ich in weiteren Nächten mehr erfahren über ihre Reaktionen, Empfindungen, die ich bei ihr auslösen könne, sie wolle mir das alles geben, zumal sie spüre, daß jetzt in ihr für uns beide genug da sei, weil sie mir vertraue. Sie wolle das nicht mehr für sich behalten, sondern mit mir teilen, wolle uns beide erleben. Sie habe keine Angst, daß ich ihr etwas nehmen könne, denn mir gegenüber fürchte sie nicht, etwas zu verlieren, im Gegenteil, es mache ihr Freude, ihre Gefühle mit mir zu teilen. Wenn sie mir ihre Liebe gebe, könne sie mich hinzugewinnen und ich sie, wenn ich sie kennenlerne und sie mich. Die Situation sei jetzt ganz anders als bevor sie mit dem Studium begonnen habe. Sie wisse nun mehr und könne besser interpretieren, was sie empfinde. Sie habe gelernt, ihre Gefühle für mich klar zu benennen.

Ich frage sie, ob sie es noch immer diese Nacht wolle. Sie schüttelt zögernd den Kopf, wenn ich es nicht unbedingt möchte, sollten wir es verschieben, sie sei jetzt doch zu unruhig, was sie erzählt habe, sei zwar ein für alle Mal vorbei, doch seien das nicht alles schöne Erinnerungen, das habe sie doch sehr aufgewühlt. Sie wolle lieber in meinen Armen einschlafen, wenn ich einverstanden sei. Ich küsse sie sanft auf die Wange, auf ihre geschlossenen Augen, bestätige, daß ich einverstanden sei.

M. erhebt sich, setzt sich neben mir auf ihre Unterschenkel und schaut mit einen Augenblick lang an. Dann beugt sie sich zu mir herunter, daß ihre Haare über mein Gesicht kitzeln. Mit beiden Händen streicht sie sanft über meine Schläfchen und gibt mir vorsichtig einen Kuß auf die Stirn, daß ihre Lippen mich gerade eben so berühren, nur einen wohligen Moment. Dicht vor meinem Gesicht bleibt sie über mich gebeugt. Ich umarme sie liebevoll, hebe den Kopf etwas, daß unsere Nasen aneinanderstupsen. Wir müssen beiden lachen und ich ziehe sie eng an mich, daß unsere Wangen aneinander reiben. Sie umarmt mich nun auch, liegt auf mir und schmiegt sich eng an. Und ich fühle mich angenommen und angekommen, sämtliche Last und Anspannung scheint nun von mir abzufallen und ich fühle mich nur noch wohl und daheim. Eine ganze Weile genießen wir einfach nur noch, daß wir zusammen und uns einig sind, genießen das Gefühl, akzeptiert und geliebt zu sein und die Geliebte Person in den Armen halten zu dürfen.

Irgendwann drehen wir uns dann, daß wir beide auf der Seite liegen und küssen und noch einmal vorsichtig auf den Mund, dann dreht sich M. in meiner Umarmung, daß sie vor mir liegt, mir den Rücken zugewendet, aber eng an mich geschmiegt, während ich sie mit der freien Hand umarme und sie diese an ihren Busen drückt. Da es inzwischen auch schon spät ist, schlafen wir tatsächlich schnell ein.

Von unerfahrenen Frauen kann man viel lernen.

Casanova

Mit dem Gewähren der Liebesgunst steht es, wie ich gleich zu Anfang sagte: Es ist an und für sich weder schön noch häßlich, ist also nicht ein Gegenstand einfacher Beurteilung, sondern in schöner Weise vollzogen ist es schön, in häßlicher dagegen häßlich.

Pausanias im Gastmahl von Platon

Von schlechter Art aber ist jener gemeine Liebhaber, der den Körper mehr liebt als die Seele. Ist er doch nicht einmal beständig, denn was er liebt, hat ja selbst keinen Bestand; denn zugleich mit dem Hinschwinden der Blüte des Körpers, dem seine Liebe galt, macht er sich auf und davon, allen seinen Reden und Versprechungen zum Hohn. Wer dagegen der Seelenschönheit eines anderen in Liebe huldigt, der verharrt in Treue bis ans Lebensende; denn er ist verschmolzen mit etwas, das Bestand hat.

Pausanias im Gastmahl von Platon

Darin besteht die Liebe: Daß sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden.

Reiner Maria Rilke

(4) Freitag Morgen

Ich spüre ihren Kuß auf meiner Stirn, öffne die Augen, fasse mit meinen Händen ihren Nacken, ziehe ihren Kopf zu mir heran, unsere Lippen treffen sich, pressen sich aufeinander, ihre Hand auf meiner Schulter, wir drehen uns, sie liegt jetzt auf dem Rücken, ich schräg neben ihr, ihre Lippen hält sie fest geschlossen, umarmt mich jetzt, drückt mich an sich, ich spüre ihren köstlichen Leib, wie unsere Haut aneinander reibt. Ich öffne den Mund etwas, meine Zunge drängt sich zwischen ihre Lippen, doch sie gibt nicht nach, hält den Mund weiter fest geschlossen, eine ihrer Füße streicht an meinem Bein auf und ab, dann umklammern mich ihre beiden Oberschenkel kräftig, ziehen mich auf sie. Ich presse meine Zunge mit ganzer Kraft gegen ihre Lippen, die nur widerstrebend zur Seiten gedrängt werden, meine Zunge fährt an ihren Zähnen entlang, als sie endlich nachgibt, verlangt Einlaß, sucht, bis sie den Mund langsam öffnet, meine Zunge drängt wild hinein zu der ihren, streichelt und umspielt sie. Sie lockt sie sogar heraus und in meinen Mund hinein und wieder zurück in ihren. Meine Zungenspitze kitzelt sie unter der ihren, streift an ihren Zähnen entlang, lernt ihren ganzen Mund kennen und spielt wieder mit ihrer Zunge, lockt diese wieder in meinen Mund, um diesen kennenzulernen, dann trennen sich unsere Münder wieder, nur die Zungen spielen noch eine Weile mit den Lippen des anderen, wir schauen uns an, ich sehe ihre niedlichen kleinen Grübchen wieder, denn sie lacht vor Glück, ihr ganzes Gesicht strahlt mich an, sie zieht mich wieder an sich, ihre Hände halten meine Schulterblätter fest.

Der Duft ihrer Haare spielt mit meiner Nase, sie reibt ganz sanft ihre Wange an der meinen, sie flüstert, sie möchte mich eigentlich nie wieder loslassen, fügt aber gleich hinzu, leider beginne ihre Vorlesung um 11 ct. Ich erwidere, ich hätte heute gar keine Vorlesung. Sie erklärt, sie sei Montag Nachmittag um 15:45 fertig, müsse dann noch einkaufen, fragt nach Brotbelag, den ich mag, stellt abschließend fest, spätestens um 17:00 sei sie also Zuhause, ob ich dann bei ihr sein könne? Ich stimme zu und küsse liebevoll erst ihre linke, dann die rechte Schläfe, ihre Wangen vorsichtig mit den Händen haltend und wir genießen noch ein wenig unser Zusammensein. Dann frage ich, während sie nun doch die Umarmung löst und aufsteht, meine Blicke auf ihren schönen, nackten Körper gerichtet, ob sie immer noch Verwendung für meine Socken habe? Sie grinst, natürlich, gerade dieses Wochenende sei sie doch von mir getrennt. Ich schlage vor, daß sie dann jene nehmen solle, die ich gestern getragen habe, damit ist sie einverstanden, geht ins Bad und wäscht sich, kommt zurück und zieht sich an.

Nachdem sie einen Blick nach draußen geworfen und festgestellt hat, daß immer noch gutes Wetter ist, entscheidet sie sich für einen kurzen Rock, ein T-Shirt, meine Socken, flache Schuhe, obwohl sie zugeben muß, normaler Weise würde sie an so einem Tag keine Socken tragen, aber das sei unter diesen Umständen nicht zu ändern.

Sie geht in die Küche, um Frühstück zu machen, ich ins Bad, um mich zu waschen, dann ziehe ich mich an. Da ich heute nicht bei ihr frühstücke, umarmen wir uns noch einmal in der Küche, dann gehe ich, draußen winke ich zu ihrem Fenster hinauf, sie steht und schaut mir noch einen Augenblick nach.

Ich bin zu aufgewühlt und statt mit der Straßenbahn zu fahren, gehe ich zu Fuß durch den Morgen heimwärts. Ich versuche zu sortieren, was sie mir alles so erzählt hat. Der wichtigste Punkt ist erst einmal, wir sind ein Paar und mir ist ganz schwindelig vor Glück. Und was sie über sich erzählt hat? Einerseits hat sie da weitreichende praktische sexuelle Erfahrungen gemacht, in der Summe mit mehr Personen als ich selbst, trotzdem hat sie offenbar doch enorme Probleme gehabt, sich ihren eigenen Bedürfnissen zu stellen oder sich diesen hinzugeben. Und nach all den letztlich frustrierenden Erfahrungen hat sie sich dann offenbar erst in der letzten Zeit ein Konzept zurechtgelegt, mit welchem sie mich konfrontiert. Hoffentlich geht das gut. Einerseits bin ich da etwas skeptisch, andererseits will ich mein Bestes versuchen, damit sie zufrieden und glücklich ist und bleibt. Also sorgsam vorgehen, Gedanken entwirren und mehr ahnen als spüren, was letztlich richtig oder passend für uns beide sein könnte. Kommt mir die Aufgabe zu, die Konzepte zu sortieren und in praktisch brauchbare Bahnen zu lenken oder bin ich selbst zu sehr verwirrt, erregt, wenn ich bei ihr bin, um klaren Gedanken zu folgen? Wie so oft bin ich eher der Beobachter als der dominante Teil. Von daher also abwarten, reagieren, versuchen herauszufinden, was gut für sie ist und was nur eine fixe Idee, die zu weiteren Problemen führen wird, dann vielleicht versuchen, sachte zu lenken oder auch nur ihren Aktivitäten zu folgen, sofern das in Ordnung zu sein scheint. Ansonsten ist es vermutlich besser, es so erscheinen zu lassen, als sei alles ihren Konzepten entsprungen, ihre Idee, während ich dann vielleicht doch hier und da etwas korrigiere, was sonst vermutlich nicht gut enden würde - doch kann ich das immer so einfach und in der jeweiligen Situation mit ihr beurteilen. Der kühle Kopf ist dann jedenfalls zum guten Teil dahin, wenn ich zwischen ihren Beinen, in ihrer Umarmung gefangen bin...

Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.

Johann Wolfgang von Goethe

Raum ist in der kleinsten Hütte, für ein glücklich liebend Paar.

Friedrich Schiller

Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand.

Blaise Pascal

Liebe ist alles was unser Leben steigert, erweitert, bereichert. Nach allen Höhen und Tiefen. Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.

Franz Kafka

(5) Freitag Morgen bis Abend

Nach dem Frühstück Zuhause stecke ich Geld ein und fahre mit der Üstra in die Stadt. Mich an ihre schönen Beine, ihr schlankes Fußgelenk erinnernd, kaufe ich dafür bei einem Juwelier ein robustes Silberkettchen. Zum einen wird das sehr schön aussehen und könnte vielleicht auch die Geschichte mit den Socken ersetzen, die ja doch auf die Dauer recht unpraktisch ist. Zum anderen folge ich damit einer Konvention des Schenkens an die geliebte Person und trotz nicht allzu üppiger Kasse ist die Kette noch in meinem finanziellen Rahmen und bekräftigt so auch, daß ich es mit ihr durchaus ernst meine und sie sich darauf verlassen kann, daß ich sie nicht ausnutzen will, daß wir wirklich ein paar sind und zusammengehören, einander gehören. Ein üppigeres Geschenk könnte da auch anders mißverstanden werden, es gilt also das rechte Maß zu halten und nicht zu übertreiben, andererseits aber auch keinen Müll zu kaufen.

Anschließend, als ich schon Richtung Universität weiterfahren will, fällt mir noch etwas ein, besorge mir eine zweite Zahnbürste, dann geht es weiter zur TIB, wo ich bis zum Mittag eine Zeitschrift im Chemielesesaal lese, wozu ich bisher noch nicht gekommen war, dann gehe ich von der Bibliothek zur Mensa, esse, gehe zur TIB zurück, lese weiter, dabei spiele ich mit dem Kettchen, welches ich mir um das rechte Handgelenk gelegt habe und denke an sie und das, was sie über sich erzählt hat.

Wahrscheinlich hat sie Recht, sie zieht mich nicht nur sexuell sehr an, es erscheint mir möglich, daß Liebe mehr als nur ein Wort ist, mehr als sich zu verlieben und Geschlechtsverkehr miteinander zu haben. Ich möchte sie kennenlernen, möchte, daß sie mit mir all diese Gefühle erlebt, es genießt, ohne Angst zu haben. Auch ich muß ihr vertrauen, doch wenn sie mir vertraut und keine Angst hat, mir ihre Gefühle zu zeigen, kann es gehen. Jedes Wort, was sie sagt, ist mir wichtig. Ich muß mit ihr vorsichtig umgehen, damit ich ihr Vertrauen verdiene und nicht verliere, sie nicht enttäusche. Ich muß sie zum Lachen bringen, ein Strahlen in ihr Gesicht und die kleinen Grübchen in ihre Wangen zaubern, dann hat sie keine Angst. Doch wenn sie Angst hat, wenn sie traurig ist, muß ich zu ihr halten, darf sie nicht enttäuschen, muß ihr Geborgenheit und Sicherheit geben, zeigen, daß wir auch dann zusammengehören. Ich möchte, daß sie mir vertraut, möchte sie nicht enttäuschen, nicht verletzen, möchte ihr Vertrauen in mich verdienen. Ich glaube, ich liebe sie, soweit ich diese - wie sie sagt - Fähigkeit habe.

Nach dem Abendbrot sehe ich fern, das Wochenende wird schlimm werden, sie fehlt mir schon jetzt, ich brauche sie, weil ich sie liebe. Das sind auch so einfache Worte und doch mit so großer Tragweite, daß es schwerfällt, sie im kompletten Satz zu denken, geschweige denn auszusprechen. Aber es muß so sein, was könnte es sonst sein?

Wenn man noch nie geliebt hat, woher weiß man, daß man es gerade erlebt? Oder wenn man noch nie, sagen wir mal, Hagebuttentee getrunken hat, woher weiß man, daß es Hagebuttentee ist, wenn es nicht dransteht und es einem keiner sagt? Wenn man das erste Mal die Farbe Blau sieht, woher weiß man, daß das Blau und nicht etwa Rot ist? Ist dein Blau dasselbe Empfinden wie meines? Ist der Hagebuttenteegeschmack bei dir derselbe wie bei mir? Und der erste Orgasmus - gut Mann hat da ja einen recht glibbrig-feuchten Beleg, das muß es dann wohl gewesen sein. Aber woher weiß Frau beim ersten Orgasmus, daß es das ist und nicht nur ein angenehmes Gefühl, daß da nicht noch mehr oder anderes ist? Zwar treten da auch Körperflüssigkeiten aus, wie beim Mann kann das aber natürlich auch schon vor dem Orgasmus passieren und hat zu dem Zeitpunkt auch bereits eine wichtige Funktion, also kein Beleg. Woher wissen, ob dies eigene Gefühl das gleiche ist, von dem vielleicht die Freundinnen so begeistert berichten? Und fühlt sich Liebe bei dir so an wie bei mir? Beim Mann genauso wie bei der Frau? Oder sind das völlig andere Konzepte, Empfindungen in leicht unterschiedlichen Gehirnen? Ist nicht jedes Gehirn, jede Persönlichkeit einzigartig? Wie kann es da ein übergreifendes Konzept wie 'Liebe' geben, welches für alle gilt und paßt?

Und doch, und doch - ich weiß, daß ich sie mag, sie liebe, was sollte es sonst sein, was mich immer an sie denken läßt, mein Herz schneller schlagen läßt, mich so glücklich sein läßt, wenn ich bei ihr bin? Nur Hormone? Verdecken, harmonisieren die alle Unterschiede und Unstimmigkeiten in einem einzigen, emotionalen Glücksrausch, der uns zusammenführt und zusammenhält? Und wenn - wäre das so schlimm? Dann jedenfalls könnte man recht genau sagen - wenn die Mischung an Hormonen vorliegt, ist man frisch verliebt und will nicht voneinander lassen und wenn die Mischung etwas anders aussieht, ja dann ist es die große Liebe, die ein Paar für immer verbindet oder jedenfalls für viele Jahre, die Mischung, die dafür sorgt, daß man eher nach Gemeinsamkeiten und Kompromissen guckt, um miteinander glücklich zu sein, statt Kleinigkeiten eskalieren zu lassen. Die Mischung, die einen auch Durststrecken und Krisen überstehen läßt, ohne gleich die geliebte Person oder die Beziehung in Frage zu stellen. Die Mischung, daß man spürt, man gehört zusammen und das es gut und wichtig ist, sich dafür einzusetzen, daß man zusammen bleibt.

Und doch ist das irgendwie zu profan, einfach nur Hormone. Im Kopf steckt ja eine Identität, die lebt und weiß, daß sie zweifelt, entscheidet, erlebt, liebt, eben alles, was dazugehört. Auch wenn es von außen eine profane Illusion sein mag, so ist man sich von innen sicher, das ist das eigene Ich, und eine solche Identität billigt man auch den anderen zu und ganz sicher der geliebten Person, deren Ich, deren Geheimnis man ergründen will, nicht nur die exakte Mischung der gerade vorhandenen Hormone.

Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.

Mahatma Gandhi

Liebe ist eine tolle Krankheit - da müssen immer gleich zwei ins Bett.

Robert Lembke

Liebe ist ein Handel, wo beide Parteien gewinnen.

Georg Christoph Lichtenberg

Wenn man Liebe nicht bedingungslos geben und nehmen kann, ist es keine Liebe, sondern ein Handel.

Emma Goldman

(6) Samstag und Sonntag

Zum Frühstück esse ich Brötchen, dann treibt mich die Unruhe aus dem Haus und mit der Üstra in die Innenstadt. Ich stöbere lustlos in den Sonderangeboten der Buchläden, bis es Mittagszeit ist. Irgendwie mag ich nichts richtig anfangen. Sind das die Folgen der Liebe?

Nach dem Mittag schlendere ich durch den Georgengarten, um mich auf andere Gedanken zu bringen und laufe dann weiter bis zum Maschsee, ganz daran entlang, also nicht auf der Stadtseite, sondern auf der Seite mit der Leine, dann geht es weiter bis ich Zuhause bin. Durch den zügigen Marsch habe ich einen guten Teil meiner Unruhe ausgeschwitzt und erfrische mich unter der Dusche.

Dann ist es Zeit, weiter an der Vorbereitung des Seminars zu arbeiten: Was will ich überhaupt, wie verstehe ich das, und wie kann ich das den anderen vermitteln? Immerhin, ich zwinge mich dazu, konzentriert zu arbeiten. Und wirklich, beim Lesen von bereits vorhandenen Fachartikeln, dem Erarbeiten des Konzeptes bin ich ganz gut beschäftigt. Ich notiere mir einige weitere Artikel, Quellen, die ich unbedingt noch lesen sollte, ein paar Stichwörter, nach denen ich noch suchen sollte, um eventuell weitere Artikel zu finden.

Am Abend sehe ich wieder fern, in der Nacht fehlt mir die Nähe zu M.. Ich kann nicht recht einschlafen und drehe mich hin und her. So allein ist es zwar viel ruhiger und bequemer, als in ihrem engen Bett, aber das mag mich nicht so recht trösten, ich komme nicht zur Ruhe. Fataler Weise stelle ich mir auch noch vor, wie wir uns umarmen, streicheln und küssen, was meine Unruhe zu Erregung werden läßt. Gut, eine Lösung der Spannung wäre naheliegend, aber doch auch bedenklich. Einerseits, sonst hätte ich keine Bedenken, aber in der jetzigen Situation kann ich doch schlecht während der Selbstbefriedigung an sie denken. An eine andere wohl noch weniger. Andererseits, so ist die Prognose, werde ich sonst gar nicht zur Ruhe kommen und die Gedanken an sie lassen sich nicht so einfach wegwischen, wie man sonst so manches wegwischen könnte. Irgendwann bringe ich es dann doch irgendwie hinter mich, was nicht einmal so entspannend ist wie gedacht, immerhin bin ich dadurch etwas ruhiger und tatsächlich schlafe ich irgendwann doch endlich ein.

Vorher stellen sich mir situationsbedingt praktische ethische Fragen: Ist es in Ordnung, sich bei der Selbstbefriedigung jemanden vorzustellen, den man sehr mag, den man liebt? Und ist die Bewertung abhängig davon, ob die Zuneigung einseitig oder gegenseitig ist? Sofern eine solche Person nicht vorhanden ist oder unabhängig davon, ist es in Ordnung, sich jemanden vorzustellen, den man gut oder auch nur flüchtig kennt? Wenn man sich also vorstellt, wie es wäre, mit dieser Person sexuellen Kontakt zu haben und sich während dieses Gedankens selbst zu befriedigen? Schadet das der Würde der anderen Person? Ist es deshalb bedenklich? Oder wenn man in einem Mietshaus hört, wie es die Nachbarn gerade treiben, ist es da anstößig, erregt zu werden und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen und sich zu diesem Konzert selbst zu befriedigen?

Oder ist es nicht so, daß die Gedanken frei sind und es egal ist, solange es im eigenen Kopf bleibt? Es schadet ja niemandem. Und doch, was einmal gedacht ist, ist im Gehirn etabliert, und wer dort degradiert wird zur Vorlage zur Selbstbefriedigung, ist der nicht auch sonst in den Gedanken entwürdigt und erniedrigt zum bloßen Lustobjekt?

Allerdings, irgendwie muß man die Spannungen ja doch abbauen. Und wenn man jetzt Abbildungen von Personen nimmt, die man gar nicht kennt? Prominente? Oder auch Abbildungen in solchen Heften, die mehr oder weniger zu diesen Zwecken produziert werden? Beteiligt man sich durch den Kauf von solchen Heften nicht daran, diese Personen zu entwürdigen, zu entindividualisieren, zur bloßen Vorlage für sexuelle Bedürfnisse zu machen, sie zu prostituieren? Und jene Prominenten? Stellen die sich nicht vor, wie da vielleicht tausende von geilen Personen die Selbstbefriedigung zu ihrem Konterfei treiben? Belastet das? Provozieren diese das vielleicht sogar durch Posen und Gestik? Ist die Vorstellung, zu so einer Vorlage zu werden, eher deprimierend oder vielleicht doch eher erregend, so begehrt zu sein? Immerhin, das Begehren ist ja offenbar geweckt, ohne mit der prominenten Person persönlich bekannt zu sein, also eine rein oberflächliche Sache, bei der in die Person etwas hineinprojiziert wird, was den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen gerecht wird. Fair ist das nicht, aber wohl ein unvermeidbares Risiko der Prominenz.

Am Sonntag fahre ich nach dem Frühstück fort, meinen Seminarvortrag vorzubereiten, durchstöbere einige weitere Fachartikel, feile weiter an einem brauchbaren Konzept, welches auch nicht zu lang ist. Bekanntlich kann man ja über alles reden, nur bei solch einem Vortrag nicht über 45 Minuten.

Nach dem Mittag ruhe ich mich aus. Nachmittags bin ich nicht in der Stimmung, weiterzuarbeiten, ich denke an M., sie fehlt mir. Ich schalte den Computer ein, lade ein Spiel. Und während ich einem Eintrag in den High-Score nachjage, gelingt es mir nicht, mich von ihr abzulenken, ich sehne mich nach ihrer Nähe, noch einen ganzen Tag, bis ich sie wiedersehen, ihre Stimme hören, sie umarmen darf, ihr zuhören. Abends ist dann wieder der Fernseher an, um mich abzulenken, auch das gelingt nur zeitweilig.

In der Nacht geht es wieder an den Rechner, spielen. Das ist ziemlich unangemessen, weil ich den nächsten Morgen ja auch etwas zu tun habe, doch habe ich natürlich die begründete Befürchtung, wieder nicht einschlafen zu können, weil M. mir fehlt. Irgendwann schalte ich den Rechner dann doch ab, falle ins Bett und denke an sie, stelle sie mir vor, wie sie neben mir liegt und wir es uns gemeinsam gutgehen lassen. Das hat dann natürlich wieder unweigerlich eine Erregung zur Folge, die sich nicht so einfach ignorieren läßt. Doch dann erinnere ich mich auch an unsere wirklich innige, harmonische Umarmung, die praktisch keine sexuellen Aspekte hatte, sondern nur Geborgenheit und Zusammengehörigkeit vermittelt hat, das tut mir gut und beruhigt mich. Das sind gute Gedanken, wohltuende Gedanken - und wirklich, so bin ich bald ganz ruhig und zufrieden und es gelingt mit irgendwann wirklich einzuschlafen.

Liebe ist die einzige Sklaverei, die als Vergnügen empfunden wird.

George Bernard Shaw

Die Zärtlichkeit ist das Ruhen der Leidenschaft.

Joseph Joubert

Wenn Sex die natürlichste Sache der Welt ist, warum gibt es dann so viele Ratgeber darüber?

Bette Midler

Wenn sie mich an sich lockte,
war Rede nicht im Brauch,
und wie die Zunge stockte,
so stockt die Feder auch.

Johann Wolfgang von Goethe

(7) Montag

Ich habe zwei interessante Vorlesungen von 9 ct bis 10:45 beziehungsweise von 11 ct bis 12:45, für die halbstündige Pause habe ich mir Platons Gastmahl eingepackt, von welchem ich in dieser kurzen Zeit noch einmal die Rede des Sokrates lese. Wie üblich kommen um circa elf Uhr zwei flüchtig bekannte Studentinnen in den Raum zur Vorlesung und erkundigen sich neugierig nach dem, was ich lese und man zeigt sich recht überrascht über meine klassische Lektüre, wir plaudern ein wenig darüber.

Mittag esse ich in der Mensa, wozu ich mich dann doch entschließe, obwohl das Angebot nicht gerade überzeugend ist. In der TIB bestelle ich meine Fachartikel für den nächsten Tag. Danach fahre ich nach Hause, ruhe mich noch etwas aus. Anschließend packe ich meine Sachen für Dienstag zusammen, einschließlich der neu erworbenen Zahnbürste, spiele nachdenklich mit der für M. gekauften Kette an meinem rechten Handgelenk, greife dann wieder zum Computerspiel und lasse so die Zeit verrinnen bis etwa 16:35, dann breche ich auf.

Ich richte es so ein, daß ich um 16:59 an der Haustür läute, sie öffnet durch die Gegensprechanlage, wartet oben vor der Tür, ich eile hinauf, wir fallen uns in die Arme, ich drücke sie ganz fest an mich, sauge den herrlichen Duft ihrer Haut, ihrer Haare tief mit der Nase ein. Sie zieht mich in die Wohnung, schließt mit dem Fuß die Tür, lehnt sich rückwärts gegen die Wand, drückt mich noch fester an sich, zieht sich an mir hoch, ihre Schenkel klammern sich um meine Hüften, pressen sich an mich, wir küssen uns erst im ganzen Gesicht, wild und sehnsüchtig, dann spielen unsere Zungen wieder miteinander ein köstliches Spiel, vor unseren Mündern und in ihnen, ein Rausch der Gefühle, wieder zusammen, nicht mehr allein! Die ganze, in den vergangenen Tagen nur mühsam im Zaum gehaltene Sehnsucht entlädt sich in dieser Umarmung, in unseren wilden, stürmischen Küssen, unseren Liebkosungen. Wir strahlen uns gegenseitig glücklich an, ich küsse die Grübchen in ihren Wangen.

Nach dieser sich lang und wortlos hinziehenden Begrüßung geht sie, meine Hand haltend in ihr Zimmer voraus, setzt sich aufs Bett. Ich setze mich zu ihren Füßen nieder, streichele ihre Beine, küsse ihre Knie, ihre Waden, ziehe ihr die Socken aus, nehme das Kettchen von meinem Handgelenk und lege es um ihr Fußgelenk, erläutere, so habe sie etwas von mir, ohne im Sommer Socken tragen zu müssen. Sie lacht, zieht mich zu sich herauf, wir umarmen uns wieder, liegen im Bett, küssen uns, drehen uns hin und her, dann schaut sie sich das Geschenk neugierig genauer an, spielt damit, hält es für ein sehr hübsches und gelungenes Geschenk, schlicht und relativ unaufdringlich sei es immer tragbar. Sie habe eben ein bißchen Musik gehört, ob ich wolle, daß sie sie wieder anstelle? Ich bin einverstanden. Sie erklärt, es sei von Mozart und unterbricht die Pause des CD-Spielers, kehrt zum Bett zurück. Sie lehnt sich mit dem Rücken gegen die Wand, mein Kopf auf ihrem Schoß hören wir Musik, sie spielt ein wenig mit meinen Haaren, schließt dabei die Augen.

Als die CD zuende gespielt ist, erzählt sie, sie habe, anfangs auf Drängen ihrer Eltern, selbst Flöte und Klavier spielen gelernt, ihr Vater spiele selbst Klavier. Später in der Schule seien aus eigenem Interesse noch Saxophon und Gitarre hinzugekommen, die jedoch mehr zum Spaß. Sie hält meinen Kopf, steht auf, ich lehne mich an die Wand, sie holt eine Flöte hervor und spielt für mich Die kleine Nachtmusik. Ich lobe ihre Kunstfertigkeit, gestehe, der Versuch einer Musiklehrerin der Realschule, allen Schülern die Musik näher zu bringen, indem wir Blockflöte spielen lernen sollten, habe dazu geführt, daß ich fortan lieber nur noch Musik gehört hätte, ebenso habe ihr Versuch, uns Tanzen beizubringen, bei mir dazu geführt, auch von diesem Treiben Abstand zu nehmen. M. lacht, Musiklehrer könnten manchmal grausam sein. Ihr sei es immer leicht gefallen, neue Instrumente gut spielen zu lernen, es habe ihr auch immer viel Spaß gemacht, neue Instrumente und Stücke zu lernen. Die schwierigen Stücke hätten natürlich ihren besonderen Reiz, weil man sich mit ihnen intensiv beschäftigen müsse, die einfachen machten vor allem Spaß und Freude, weil man sie gleich spielen könne, ohne groß auf die Technik zu achten. Sie brauche meistens nur noch die Noten zu sehen, um sich die Musik dazu vorstellen zu können, es sei, als höre sie sie schon im Kopf, doch wenn sie selbst oder jemand anderes dann spiele, habe auch das reale Erlebnis seinen besonderen Reiz. Sie zeigt mir auch ihre Gitarre, spielt darauf ein paar Takte Yesterday von den Beatles, summt dazu, ihre zarten Finger tanzen über die Seiten. Sie stellt einen Fuß auf das Bett, ich liebkose diesen zärtlich, sie schließt die Augen, beginnt mit ihrer schönen Stimme nun auch den Text zu singen, was sich sehr gut anhört, ich bin von ihr begeistert, was ich im Anschluß an das Lied, nachdem sie das Instrument zur Seite gelegt hat, auch kundtue. Inhaltlich merke ich allerdings auch an, daß wir hoffentlich nicht so schnell die Klage aus dem Lied aufgreifen müßten, weil die Liebe dahin sein. Sie stimmt zu, auf die inhaltliche Erfahrung lege sie auch keinen Wert, aber das Lied selbst sei so schön melancholisch und einfach, zum dahinschmelzen. Ihr sei es nicht schwer gefallen, es zu lernen, meint sie, selbst wenn sie ein einfaches Musikstück höre, könne sie es meistens auch gleich nachspielen. Besonders die heutigen Popsongs seien da kein Problem. Ich frage, ob ihr die Texte auch keine Probleme machten, bei mir sei es so, daß ich nicht einmal die eigenen Gedichte auswendig könnte, die ich gerade geschrieben hätte, daraufhin meint sie, auch das falle ihr nicht schwer, einen Text zu lernen, besonders wenn ihr etwas sehr gut gefalle. Sie stellt sich vor mich hin, schließt wieder die Augen und sagt das letzte meiner Sonette auf:

Liebesgedicht für dich
(oder alternativ alle anderen Frauen,
die ich hätte lieben können)

Duuuuuuuuuuu meine Liebe!
Vor Glück zerspringt mein Schlüsselbund!
So spür' ich meine Triebe;
Das tu' ich dir hiermit kund.
Ein Regenbogen der Gefühle
Wie die Spektren der Moleküle,
Deine Augen-Blicke auffangen,
Dein Kuß das Ziel für mein Verlangen.
An die Grübchen deiner Wangen denk' ich
Ich bitte dich darum, beschenk' mich
Mit diesem Zauber deines Lachens.
Und wäre dies ein Traum,
Ich werde dir ganz vertraun,
Erspare mir die Enttäuschung des Erwachens!

Sie strahlt mich an, ich solle mich doch einmal vor die Tastatur ihrer elektrischen Heimorgel setzen, das Saxophon werde sie später einmal vorführen, es sei jetzt zu laut. Sie schaltet auch ihren Computer ein, startet ein Programm, das müsse doch eher auf meiner Linie liegen als selbst Flöte zu spielen, ich könne mit dem Computer und der Orgel vieles ausprobieren und sogar auf einfache Weise komponieren, ohne die geringste Ahnung von Musik zu haben, erläutert sie, erklärt einiges an dem Programm, macht ein paar Eingaben und wir probieren herum. Sie setzt sich auf meinen Schoß, und wir spielen weiter mit dem Programm.

Tatsächlich gelingt es ihr schnell, eine einfache Melodie zu einem einfachen Popsong zu verarbeiten, sie meint, lediglich ein paar Zeilen blabla-Text fehle noch, dann sei das auch nicht schlechter als das, womit heute einige Leute ihr Geld verdienten. Ernsthaft etwas hinzubekommen, sei schon schwieriger, man müsse da schon etwas mehr von Musik verstehen. So holt sie ein paar Notenblätter, schaltet das Gerät auf einen schlichten klavierartigen Ton um und spielt ein paar Minuten aus einem Stück von Chopin.

Inzwischen ist es 19:45 geworden, wir entschließen uns, Abendbrot zu machen. Wir gehen in die Küche, ich koche Tee, sie holt Brot und Belag aus den Schränken, wir schmieren uns unsere Brote, während der Tee zieht. Im Wohnzimmer schauen wir dann um 20:00 Nachrichten, danach waschen wir das Geschirr ab.

Wieder in ihrem Zimmer, setze ich mich aufs Bett, vor mir stehend beginnt M. zu sprechen: Sie habe sich überlegt, wie das erste Mal ablaufen solle. Da ich Bedenken gehabt habe, als auch sie am Donnerstag im Grunde noch unsicher gewesen sei, meint M., sollten wir jetzt genau besprechen, wie es ablaufen solle. Zunächst sei der Zeitpunkt zu klären. Sie möchte, daß die Nacht, der Zeitpunkt mit einem Losverfahren bestimmt werde. Sie habe sich vorgestellt, daß wir jeden Abend eine Karte aus einem Kartenspiel ziehen sollten, dabei holt sie schon ein Kartenspiel aus einer Schublade ihres Schrankes. Dies seien zwei Kartenspiele, insgesamt 110 Karten, wenn wir uns auf die Wahrscheinlichkeit für ein günstiges Ereignis festlegten, könnten wir damit ein einfaches Losverfahren realisieren. Wenn sie zum Beispiel den Zug eines Jokers als günstiges Ereignis annehme und drei Joker aussortiere, erhielte sie eine Wahrscheinlichkeit von 3/107, wobei sie das ganze gleichzeitig vorführt.

Ich werfe ein, da sie ein rotes und ein blaues Spiel habe, habe sie bei dem gezeigten Beispiel immer ein oder drei Karten von der einen Sorte mehr als von der anderen, da sie aber beim Aussortieren die Farbe gesehen habe und sie ebenso beim Ziehen sehe, ob sie eine rote oder eine blaue Karte ziehe, ändere sich die Wahrscheinlichkeit. Wenn sie also etwa drei rote Joker und keinen blauen aussortiere, habe sie tatsächlich die Wahrscheinlichkeit 0/52, wenn sie eine rote Karte ziehe, und 3/55, wenn sie sich für eine blaue entscheide. Allgemein könne sie sich überlegen, daß sie bei der Voraussetzung, daß solche ungleichen Wahrscheinlichkeiten nicht auftreten sollen, nur entweder das rote oder das blaue Spiel verwenden dürfe, oder, was auf das Gleiche hinauslaufe, aus beiden gleich viele gleichwertige Karten aussortieren müsse.

Sie überlegt einen Moment, das sieht sie ein. Sie meint aber, sie habe ohnehin an eine Wahrscheinlichkeit von 1/14 gedacht, sie sortiert einen Joker und 13 weitere Karten auf den Tisch (alle rot). Sie ist der Auffassung, wir könnten es so machen, daß wir für jede Nacht eine Karte ziehen, wenn wir den Joker zögen, würden wir es in der Nacht tun. Wenn wir eine Nacht nicht zusammen seien, müßten wir die Ziehung beim nächsten Treffen nachholen, ebenso, wenn einer von uns vor der Ziehung erkläre, daß es für ihn an dem Tag nicht in Frage komme. Heute sollten wir also Ziehungen von Donnerstag an nachholen, also mit dem heutigen Tag 5 Ziehungen. Ob ich damit einverstanden sei?

Ich frage zurück, mir sei nicht klar, wieso sie das dem Zufall überlassen wolle, es sei doch sicher auch möglich, daß wir beide so einen Zeitpunkt finden, an dem wir beide der Meinung seien, daß es nun passieren solle.

Sie entgegnet, das ob würden wir ja jetzt entscheiden, lediglich der genaue Zeitpunkt sei dann ja zufällig gewählt. Das stärke in der ungewiß langen Wartezeit das Vertrauen zueinander, sich an das Verabredete zu halten, es stelle unsere Geduld auf die Probe und mache so deutlicher, ob die Beziehung tatsächlich inhaltlich reichhaltiger sei als eine rein sexuelle. Außerdem mache das Losverfahren alles spannender, und es enthebe uns in dem Moment der Last der Entscheidung. Die klaren Regeln des Verfahren vereinfachen so auch das Warten. Solange kein günstiges Ereignis eintrete, sei diese Ziehung immer ein prickelndes Erlebnis, sie könne nicht genau sagen, warum sie das so möchte, doch möchte sie nur ungern auf diesen spannenden Spaß verzichten. Vielleicht verbinde sie damit auch einen Schicksalsspruch, der ihr bestätige, daß es in dem Moment richtig sei, natürlich könne ich das nicht zugeben, ich würde immer sagen, es sei ein bloßer Zufall, doch wenn sie mich darum bitte? Es sei ja letztlich nur ein pikantes Spiel, ein Spiel mit unserer Geduld. Sonst, wenn ich nicht einverstanden sei, bleibe es bei ihrer Überlegung vom Donnerstag: Sie sei zu allem bereit und überlasse alles mir.

Ich runzele unzufrieden die Stirn, das sei unfair, mir die Entscheidung so zu überlassen, schließlich gehe aus dem, was sie am Donnerstag erzählt habe hervor, daß sie dem eine besondere Bedeutung beimesse. Und nun stelle sie mich vor die Wahl, entweder den Zeitpunkt dem Zufall zu überlassen oder meiner Willkür.

Ihr sei das erste lieber, obwohl sie auch mit dem zweiten einverstanden sei. Ich stimme zu, ich sei mir nämlich nicht sicher, ob sonst nicht meine Entscheidung zu einem guten Teil durch mein sexuelles Verlangen nach ihr bestimmt würde, und nicht dadurch, was für sie das Beste sei. Wenn sie mir also keine andere Wahl lasse, sei ich mit dem Verfahren einverstanden.

Sie lacht erleichtert, ich solle das doch nicht so dramatisch sehen, es sei ihr auch recht, wenn mein sexuelles Verlangen den Ablauf bestimmen würde, wenn ich das möchte. Sie wolle durch dieses Spiel auch ihre innere Anspannung etwas lösen, indem sich ihre Unruhe nicht mehr auf das eigentliche beziehe, sondern nur noch auf die Ziehung, die an sich ja ganz harmlos sei und nur durch unsere Abmachung, unsere Worte Bedeutung bekäme, während die Bedeutung, sich mir ganz hinzugeben, sich mir ganz anzuvertrauen für sie eine innere Bedeutung sei.

Ich wiederhole, ich sei einverstanden, versuche, ihre Beweggründe zu verstehen und könne sie akzeptieren, soweit ich sie verstehe, wie ich auch ihren Vorschlag akzeptiere.

Sie zögert einen Moment, sie sei noch nicht ganz fertig, sie hätte auch ganz gerne einen gewissen Ablauf, sie werde beschreiben, was sie sich vorstelle und bittet mich zu protestieren, wenn mir das so nicht möglich sei.

Sie habe einmal ihre Gynäkologin dazu befragt, die ihr gesagt habe, ihr Jungfernhäutchen sei relativ stark ausgeprägt, es werde sicher beim ersten Mal spürbar wehtun, doch glaube sie nicht, daß es zu Schwierigkeiten kommen werde, es werde etwas bluten, doch solle sie keine Angst haben. Wenn sie den richtigen Partner habe, der auf sie eingehe, brauche sie sich keine Sorgen zu machen und das ganze sei schnell vergessen, falls sie jedoch wirklich Angst davor habe, daß es wehtun werde, könne sie ihr auch helfen, wenn sie es gerne wolle, was M. jedoch abgelehnt habe. Die Ärztin habe ihr dann gesagt, wie es möglichst schonend geschehen könne, was sie auch später in einem Buch übereinstimmend gelesen habe: Die Penisspitze solle bei der auf dem Rücken liegenden Frau möglichst zunächst im oberen Teil der Scheide eingeführt werden, damit das Hymen zunächst nur etwas gedehnt werde, dann solle der Penis vorsichtig, aber doch mit einem entschlossenen Ruck vollständig eindringen, wobei die Frau ihren Unterkörper dem Mann noch entgegenbewegen könne.

Sie möchte jedoch eine etwas andere Stellung einnehmen, immerhin sei das für sie ein wichtiger Moment, sie wolle sogar spüren, wie es wehtue, das habe sie auch nie beunruhigt, vielmehr sei es ja eigentlich darum gegangen, mit wem es passieren solle, wem sie sich anvertrauen könne, wem sie völlig vertrauen könne, wem sie ihre Gefühle offen zeigen könne. Nun habe sie aber mich gefunden, mir vertraue sie, mit mir wolle sie das ganz bewußt erleben und nicht, wie die Ärztin gemeint habe, es hinter sich bringen und schnell vergessen. Oder, um mich zu etwas zu provozieren: Da ihr Gott ein Hymen gegeben habe, wolle sie auch möglichst deutlich spüren, was damit passiere, wenn sie es verliere.

Ich gebe zum Ausdruck, daß sie mich tatsächlich sehr überrascht habe, sie wolle also ernsthaft statt einer möglichst harmlosen Methode, die ihr kaum wehtue, eine Stellung wählen, wo sie es deutlich spüre? Ich sei mir da auch gar nicht so sicher, ob es aufgrund der Variabilität der Gewebestruktur wirklich genau eine Methode gebe, das möglichst sanft oder alternativ deutlich spürbar zu bewerkstelligen. Überhaupt der Mythos mit dem Hymen - das könne ja auch recht unauffällig entwickelt sein oder bei sportlicher Aktivität gedehnt werden, so oder so werde das wohl überbewertet mit der Bedeutung.

Sie erwidert, natürlich sei die Jungfräulichkeit und die Geschichte mit der Relevanz des Hymens ein wilder Mythos, letztlich sei es ja bei jedem relevant zu entscheiden, ob man sich auf ihn einlasse oder nicht, da sei der erste nicht wichtiger als die anderen. In unserer Situation hoffe sie aber erst einmal, mit mir auszukommen, von daher könnten wir schon noch der alten Konvention folgen. Sie wolle mir damit nichts beweisen, sie habe ja bereits erzählt, was sie schon erlebt habe. Aber es sei auch ein Symbol für unsere innige Verbundenheit, wenn wir das ein wenig zelebrieren. Sie habe eben offenbar etwas Pech gehabt, daß ihres eindeutig vorhanden sei, nicht zu ignorieren, also auch von Relevanz für uns. Da es sowieso wehtun werde, werde sie höchstens aufgeregt statt erregt sein, so daß ohnehin nur ich dabei zu einem Orgasmus kommen werde, sie wolle es aber erleben, und wenn es schon nicht schön sei, so wolle sie wenigstens überhaupt ein intensives Gefühl dabei haben, wolle spüren, was da vorgehe, wolle mich in sich spüren, meine Lust und dazu, was sie empfinde. Sie wolle mir etwas geben, sich und ihre Gefühle.

Ich erkläre, ich wisse nicht, ob ich das könne, ihr absichtlich wehzutun, es sei grausam von ihr, das von mir zu verlangen, das habe doch schließlich nichts mit Liebe zu tun, ein solches ritualisiertes Vorgehen habe etwas von Besitzergreifen an sich, doch wolle ich sie nicht besitzen, erobern oder ihr sogar Schmerzen zufügen, sie erniedrigen. Ich wolle mit ihr glücklich sein, zusammen diese Lust erleben, nicht ich allein, während sie leide. Es komme mir wirklich fast so überholt vor wie ein überkommenes Ritual, welches diesem Akt eine Bedeutung zukommen lasse, die heute doch gar nicht mehr gegeben sei, zudem bei dem, was sie mir bereits erzählt habe, was sie bislang bereits für sexuelle Abenteuer erlebt habe.

Sie lächelt, dann sei es eben ein wenig bizarr und trotz ihrer bisherigen Erfahrungen sei es dann doch etwas besonderes für sie, welches sie mit einem besonderen Menschen, mit mir erleben wolle. Sie fragt, wenn sie mich darum bitte, ob ich es dann nicht einfach tun könne? Selbst wenn sie dann vielleicht nicht ganz so emanzipiert, modern wirke?

Ich antworte, ich wolle verstehen, was da in ihr vorgehe, wenn sie das von mir verlange, unstrittig werde ich natürlich auf sie und ihre Bedürfnisse eingehen, aber diskutieren und erklären sei doch wohl in Ordnung. Am Donnerstag habe sie gewissermaßen gesagt, ich könne mit ihr tun, was ich wolle, und heute verlange sie sogar, ich solle ihr wehtun, während ich gleichzeitig meine Lust befriedigen solle. Es gebe sicher eine Methode, wie wir beide dabei Spaß haben könnten, ich könne sie daher nicht verstehen, und obwohl ich sie liebe oder gerade deswegen, wenn sie das nicht ausreichend erklären könne, werde ich es nicht tun.

Schon vorher hatte sie sich zu meinen Füßen auf den Boden gesetzt, jetzt legt sie ihren Kopf auf meinen Schoß, zieht offenbar alle emotionalen Register: Sie weint, schluchzt, ich streichele ihre Wangen, weiß nicht, was ich jetzt tun soll, hätte ich doch einfach nachgeben sollen? Ich habe sie zum Weinen gebracht, obwohl ich sie doch gerade nicht durch mich leiden sehen will. Sie spielt das sicher nicht bewußt vor, um ihren Willen durchzusetzen, aber natürlich ist die Methode sehr effektiv, Instinkt vielleicht, was Frau tun muß, um ihren Willen zu bekommen. Aber vielleicht ist das auch etwas gemein von mir gedacht. Sie kann vermutlich nicht so recht in Worte fassen, was sie fühlt, wie es in ihr kocht. Und weil sie ja doch wohl mir so nah sein will, wie ich ihr, sieht sie darin wohl ein Mittel, diese Nähe noch zu intensivieren, unsere Verbindung auf ein Podest zu heben, sie mit einer Zeremonie zu ehren. Ich entschuldige mich, ich habe sie nicht zum Weinen bringen wollen, ich wolle sie doch glücklich sehen, sie verstehen.

Sie seufzt, hält meine Hand, einen Augenblick, bittet sie. Nach ein paar Minuten geht es wieder, M. setzt sich neben mich, ich lege meinen Arm um ihre Schulter, sie den ihren um meine Hüfte. Sie meint, Zuhause habe sie höchstens allein in ihrem Zimmer geweint, so weit sie sich zurückerinnern könne, nie vor anderen. Das sei wohl der Hauptgrund für ihre Hemmungen, Gefühle zu zeigen, sie auszuleben: Ihre Eltern seien ihr immer emotionslos erschienen, kalt und würdig, selbst im Streit mit N. sei ihr Vater eigentlich nie aus der Haut gefahren, zwar ein scharfer Ton, doch seine Gefühle habe er immer vor ihnen verborgen. So habe sie Zuhause nur gelernt, ihre Gefühle zu verbergen, vor sich und vor allen anderen, statt sie zu erleben und mitzuteilen. Wenn sie in meinen Armen endlich weinen könne, sei das gut. Um was sie mich gebeten habe, sei für sie auch ein Akt der Befreiung von ihrem Elternhaus, eine Befreiung von dieser Kindheit ohne Emotionen. Zuerst habe sie bei den Männern nach den Gefühlen gesucht, sie ihnen entlockt als ein Geheimnis, deshalb sei das wohl alles so faszinierend gewesen, ihre eigenen Gefühle habe sie aber nicht zeigen können, habe sich nie ganz öffnen können. Das Lesen der Bücher über Sex et cetera habe die gleiche Funktion gehabt, als Ersatz für die fehlende Gefühlswelt Zuhause, das habe sie auch dort gesucht. So habe sie keine Probleme, über Sex zu reden, aber Gefühle zu erleben sei schwer. Sie habe lange gedacht, daß das Wissen darüber das Wesentliche sei, doch nun sei ihr klar, daß sie sich vom Zwang der Vergangenheit befreien müsse, um Gefühle selbst erleben zu können. Die Defloration könne so als Abschluß der Kindheit interpretiert werden, als Beginn eines neuen Lebensabschnittes, als Endpunkt auch der Verarbeitung des Gefühlsdefizits, den sie ja geistig schon eingesehen und verarbeitet habe, nur ein symbolisches Erlebnis der Befreiung fehle noch, eine Trennung, die auch wehtue, weil sie ihre Eltern trotz allem liebe. Sie müsse sich von ihnen losmachen, obwohl sie sie immer prägen werden. Sie müsse endlich beginnen, nach eigenen Maßstäben zu leben, deshalb wolle sie ein Befreiungsritual, ein eindeutiges Erlebnis, und das mit mir, den sie liebe, so verstehe sie ihre Bitte, sie könne es nicht besser erklären, ob ich das verstehen könne?

Ich meine zögernd, ich ahne, was sie meine, indem ich versuche nachzuvollziehen, was sie nicht erlebt habe, doch sei mir das nur schwer möglich. Ich selbst zeige eigentlich auch nicht meine Gefühle in aller Öffentlichkeit, brauche dafür auch Menschen, zu denen ich Vertrauen habe. Bei ihr hätte ich da keine Probleme. Es sei eigentlich erstaunlich, da sie so für Musik begabt sei, daß sie dann ihre Gefühle nicht ausleben könne, wo Musik doch soviel mit Emotionen zu tun habe.

Sie stimmt zu, doch gerade in der Musik habe sie ihre Gefühle noch am ehesten ausleben können, sogar von den Eltern gefördert, nicht im Widerspruch zu ihnen, wahrscheinlich liege ihr deswegen soviel an der Musik. Sie möchte wissen, ob ich es tun werde, um was sie mich gebeten habe.

Ich nicke zögernd, sie umarmt mich dankbar. Ich möchte wissen, wie sie es sich denn nun genau vorstelle, betone, verletzen werde ich sie auf keinen Fall.

Sie fährt fort: Sie werde sich hinknien, ihre Beine etwas gespreizt, dann werde sie den Oberkörper nach unten beugen, bis ihre Schultern und ihr Kopf auf dem Bett lägen, die Hände werde sie oberhalb des Kopfes ineinander verschränken, den Rest müsse ich tun. Ich müsse die Stellung ihrer Beine so korrigieren, daß ich bequem und tief in sie eindringen könne, wenn ich zwischen ihren Beinen knie, ich müsse dann auch kräftig zustoßen können. Ich würde also hinter ihr knien, entweder mit dem Oberkörper aufrecht bleibend oder mich über sie beugend, wie es für mich besser zu realisieren sei, dann solle ich mich mit einer Hand an ihr festhalten, mit der anderen meinen Penis vor ihre Scheide führen, ich könne vorher dafür sorgen, daß der eigentliche Akt nicht lange dauere, indem ich mich mit der Hand selbst stimuliere. Wenn ich soweit sei, solle ich mit einem kräftigen, aber nicht brutalen Stoß ihr Hymen sprengen, dann mit weiteren und zunehmend tieferen Stößen vorgehen, bis ich ejakuliere, egal, ob ich merke, daß ich ihr wehtue oder nicht, so empfindlich sei sie ja nun auch nicht, daß sie darunter gerade werde leiden müssen. Möglicherweise werde sie zuerst leicht stöhnen, doch das sei für den Ablauf von keinerlei Bedeutung. Sie werde deutlich spüren, wie ich in ihr sei, hoffentlich auch, wie mein Sperma aus meinem Penis spritze, dann sollten wir noch einen Moment bewegungslos verharren. Bevor die Erektion nachlasse, wolle sie die Beine fest zusammendrücken und mich in sich behalten, worauf wir uns langsam hinlegen werden, sie auf ein vorher geeignet positioniertes Kissen, so daß ihr Po etwas nach oben gerichtet sei, so daß ich in ihr bleibend mich problemlos an sie schmiegen könne. So möchte sie auch eine Weile verharren, bis sie sich so weit beruhigt und an die Situation gewöhnt habe, daß sie sich mir zuwenden und geborgen in meinen Armen einschlafen könne. Sie möchte nicht, daß wir während des eigentlichen Aktes sprechen, das sei nicht der Augenblick der Worte, der Analyse, sondern des Erlebens, der Befreiung, lediglich vorher könnten wir uns noch einmal kurz abstimmen.

Sie fragt mich nochmal, ob ich einverstanden sei, ich ziehe sie an mich, ich zitiere amüsiert Goethes Faust:
Was willst du böser Geist von mir?
Erz, Marmor, Pergament, Papier?
Soll ich mit Griffel, Meißel, Feder schreiben?
Ich gebe jede Wahl dir frei.

Sie fährt mit einer kleinen Modifikation fort:
Wie magst du deine Rednerei
Nur gleich so hitzig übertreiben,
Ist doch ein jedes Blättchen gut.
Du unterzeichnest dich mit meinem Tröpfchen Blut.

Sie umarmt mich, wir küssen uns, dann will sie wissen, ob wir heute mit der Ziehung beginnen wollen? Ich überlege einen Moment, wenn sie es wolle, antworte ich, ich sei bereit. Dabei führe ich ihre Hand in meinen Schritt, wo sie meine Bereitschaft sehr leicht zu prüfen vermag. Sie lacht leise und etwas verlegen, überlegt. Ich schlage vor, Zähne putzen, zu Bett gehen, dann losen? Sie ist einverstanden. Ich solle zuerst ins Bad gehen, was ich auch tue. Als ich wiederkomme, hat sie ihr Nachthemd an und verschwindet ihrerseits im Bad: Ich könne mich ja schon ausziehen und ins Bett gehen.

Als sie wiederkommt, legt sie die Kette an ihrem Fußgelenk ab, sie lächelt, damit sie nicht einem Temperamentsausbruch zum Opfer falle. Sie sortiert 14 rote Karten aus, genau eine davon ein Joker.

Ich frage sie, wieso ausgerechnet 14, sie meint, es sei dann doch sehr wahrscheinlich, daß es innerhalb absehbarer Zeit passiere, sie wisse auch nicht, warum ausgerechnet genau 14, irgendwie hänge das damit zusammen, daß das gerade 2 Wochen ergebe. Ich frage, ob sie einen Taschenrechner habe, worauf sie mir einen gibt, ich tippe ein und verkünde ihr, die Wahrscheinlichkeit, daß wir innerhalb von 2 Wochen einen Joker zögen, liege bei circa 0,646 (pro uno; exakt 1 - (13/14)14), wenn wir heute wie vorgesehen 5 Ziehungen machten, liege sie bei etwa 0,310. Ich schlage vor, heute und morgen je drei Ziehungen zu machen, um die durch das Wochenende bedingte Häufung ein bißchen zu verteilen, sie ist einverstanden. Ich ergänze, bei 3 Ziehungen ergebe sich etwa 0,199.

Sie lacht, ich solle nicht durch Zahlenspielereien ablenken, sie sei schon viel zu aufgeregt, um noch länger zu warten, sie hält mir die Karten hin, ich solle ziehen, sie hält die Luft an, schaut mich gespannt an, ihr ganzer Körper ist angespannt, ich glaube, sie zittert sogar ein wenig. Ich nehme eine Karte, schaue sie mir an. Es gelingt mir irgendwie, dabei keine Miene zu verziehen. M. schaut mir in die Augen, ihre Spannung löst sich in einer knappen, herausgepreßten Forderung: "sag' doch, was es ist!" Ich lache "ein Kreuz As", zeige ihr die Karte, jetzt sei sie aber mit dem Ziehen dran, ich nehme ihr die Karten aus der Hand, mische sie, doch sie meint, wir sollten uns erst noch ein bißchen unterhalten, bevor sie die nächste Karte ziehe.

Sie kommt zu mir ins Bett, schmiegt sich an mich, ich fahre mit der Fingerspitze über ihre Wange, über den Teil ihrer Schulter, den der Ausschnitt des Nachthemdes freiläßt, ihre Arme. Warum sie diese Nacht wieder ihr Nachthemd angezogen habe? M. grinst, ihre Augen blitzen, die Chance, daß sie einfach so nackt in meinen Armen liege, hätte ich am Donnerstag gehabt, und bis es soweit sei, sei sie wieder Vaters sittsame Tochter, die sich nicht einfach nackt zu einem Mann ins Bett lege, was da schließlich alles passieren könne. Sogleich fährt ihre Zunge um mein Ohr herum, sie saugt an meinem Ohrläppchen, küßt meine Schulter, schaut in meine Augen, während ich mit dem Kragen ihres Nachthemdes spiele und einer meiner Füße sanft an ihrem Bein hinaufstreicht, ihr langes Nachthemd dabei etwas hochstreifend. Ich küsse ihre Stirn, ob sie nicht doch jetzt eine Karte ziehen wolle?

Sie dreht sich um, nimmt die Karten, gibt sie mir, sich mir wieder zuwendend. Ich mische noch einmal kurz. Nun entzieht sie mir ihr Bein, und ihre beiden Füße halten angespannt den Fuß, der sie kurz vorher noch gestreichelt hat. Ich halte ihr die Karten hin, sie zögert, ihr Finger streicht über die Karten, sie schaut mich an, schlägt die Augen dann nieder, mit zitternder Hand zieht sie eine Karte, schaut sie an, ich spüre, wie sie sich augenblicklich wieder entspannt, "Pik Bube" flüstert sie, zeigt mir die Karte, nimmt auch die anderen wieder hinzu, legt sie alle erst einmal wieder zur Seite und umarmt mich, es sei noch viel aufregender für sie, als sie gedacht habe, doch es sei auch irgendwie spannend schön, ein Kribbeln jedes Mal in ihrem Magen.

Jetzt streicht ihr Fuß über mein Bein, immer höher, sie dreht sich mit mir, so daß ich auf dem Rücken unter ihr liege, sie über mir kniet, ihre Beine links und rechts von mir an meinen Körper gelegt, wobei ihr Nachthemd so weit hochrutscht, daß ich mit den Händen über ihre bloßen Knie, ihre Oberschenkel unter dem Nachthemd streicheln kann. Sie zieht die Decke um sich, dann fahren ihre Hände über meine Brust, massieren mich. Sie spüre, wie mich das stimuliere, grinst sie, ich lächele sie an, sie strahlt zurück, sie beugt sich vor, und ihr langes, gelocktes Haar fällt über mein Gesicht. Sie küßt mich ganz sanft auf die Stirn, richtet sich wieder auf, wir schauen uns eine Weile wortlos an, während unsere Hände ihr Spiel fortsetzen. Sie ist glücklich, lacht, wobei sie wieder ihre niedlichen kleinen Grübchen sehen läßt. Meine Hände fahren nun etwas kräftiger über ihre Oberschenkel und gelangen weiter hoch bis zu ihrem Becken, sie schließt die Augen, wirft ihren Kopf zurück, flüstert: "Nicht weiter!" Gehorsam suchen meine Finger keinen Weg weiter, wie zufällig streifen sie dort nur so eben gerade ihre gekräuselten Haare, weichen dann auf die Außenseite ihrer Schenkel zurück, sie öffnet die Augen wieder, ihre dunklen, kaum zu ergründenden, wunderbaren Augen. Sie beugt sich zur Seite nach dem Kartenstoß, mischt wieder, ich sei wieder dran, flüstert sie mit vor Spannung bebender Stimme, hält mir die Karten hin, eine meiner Hände muß nun unter dem Nachthemd hervor, streicht über ihre schlanken Finger, die die Karten halten und wieder etwas zittern, ihre Beine pressen sich an mich, sie atmet tief ein, als ich eine Karte wähle und mir anschaue, dann in ihr angespanntes Gesicht sehe, in ihre Augen, die mich ungeduldig fragend anschauen. Ich zeige ihr die Karte mit den Worten "Herz Dame".

Das könne ich haben, schmunzelt sie, nimmt die Karte zu den anderen, legt sie weg, knipst die Nachttischlampe aus, beugt sich zu mir herunter, unsere Münder treffen sich zu einem wilden, leidenschaftlichen Kuß, diesmal ist es ihre Zunge, die sich durch meine Lippen gegen meine Zähne drängt und Einlaß begehrt, unsere Hände umklammern sich links und rechts neben meinem Kopf, ihr Haar um meinen Kopf herum auf das Kopfkissen geworfen strömt seinen Duft aus, ihre Zunge begehrt noch immer Einlaß in meinen Mund, den ich ihr erst spielerisch verwehre, dann nachgebe, ihre Zunge in meinem Mund, ihr ungeduldiges, verlangendes Spiel mit meiner Zunge, doch eigentlich ist ihre Zungenspitze überall, untersucht, liebkost, lockt und weist spielerisch zurück. Dann ihre Küsse, ihre Lippen in meinem Gesicht, während ihre Hände immer noch die meinen festhalten. Sie ist so wunderbar, wieder saugt sie an meinem Ohrläppchen, streift mit ihrer Wange die meine, reibt sich an ihr, verharrt einen Augenblick über mir, küßt sodann sanft auch die andere Wange, meine geschlossenen Augenlider, fährt mit ihrer Nase über die meine. Sie richtet sich wieder etwas auf, flüstert: "Gut?", ich flüstere zurück, sie sei wunderbar, ich liebe sie, egal was sie tue, was sie für Einfälle habe, was sie mit mir anstelle. Sie schiebt meine Hände über meinen Kopf, hält sie dort mit der linken fest, läßt ihre Haare über mein Gesicht streichen, rutscht etwas zurück, reibt ihren Körper an meinem, legt sich neben mich, küßt meine Brust, meinen Bauch, meinen Nabel, streicht mit der rechten über meine Arme, meine Beine, dann läßt sie meine Hände los, legt ihren Kopf gegen meine Schulter, schmiegt sich an mich, einen Arm legt sie über meinen Oberkörper.

Weiter gehe es jetzt natürlich nicht, nach dem ersten Mal sei alles möglich, doch bei mir könne sie vorher nicht tun, was sie bei den anderen getan habe, sie liebe mich und so müsse ich leiden und warten, bis sie frei sei, bis sie bei mir frei sei, durch mich, dann sei alles möglich, dann könnten wir alles probieren, alles tun, wenn etwas nicht auf Anhieb gelinge, würden wir es eben noch einmal probieren, voneinander lernen, bis es gelinge.

Ich möchte von ihr wissen, ob sie das Losverfahren auch später noch beibehalten wolle. Sie meint, das hätte einen gewissen Reiz, doch müßten wir uns etwas anderes einfallen lassen, denn wenn wir das wollten, müsse für ihre Bedürfnisse die Wahrscheinlichkeit viel größer sein, und wenn einer von uns beiden nicht wolle, müsse das Verfahren das angemessen berücksichtigen. Wie könnten wir das realisieren? Ich hätte doch schon eben eine gewisse Begeisterung bei der Analyse der von ihr vorgeschlagenen Methode gezeigt.

Ich überlege einen Moment, das ginge mit dem Computer am besten, man könne ein kleines Programm schreiben. Es werde zunächst ein Parameter p zwischen 0 und 1 festgelegt, der bestimme, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein günstiges Ereignis eintreten solle, wenn wir beide es wollten, zum Beispiel 0,9 oder noch größer. Dann könnten wir noch jeder ohne Einsicht des anderen eine Variable, sagen wir a für sie und b für mich, festlegen, ebenfalls zwischen 0 und 1, die bestimme, wieviel Lust auf Sex der einzelne habe. Gebe so einer von uns genau 0 an, werde mit Sicherheit nichts passieren, mit steigendem Wert steige auch die Wahrscheinlichkeit für ein günstiges Ereignis. Die totale Wahrscheinlichkeit ergebe sich aus p a b, würden wir also beide ebenfalls 0,9 eingeben, sei die Gesamtwahrscheinlichkeit 0,93 = 0,729. Alternativ könnten wir natürlich auch das geometrische Mittel von p a b wählen und kämen dann insgesamt wieder auf 0,9, allerdings verändere sich natürlich die Wahrscheinlichkeit bei ungleichen Werten p, a, b gegenüber dem einfachen Produkt, sie sei insgesamt immer größer.

Sie hält den Vorschlag für gut, denn so sei es jedes Mal spannend, ob etwas passiere, andererseits werde durch das Akzeptieren des Ziehungsergebnisses auch im ungünstigen Fall gewährleistet, daß wir in unserer Beziehung nicht nur unserem Sexualtrieb, dem Verlangen nachgeben, sondern auch etwas dem Spieltrieb frönen und lernten, auch Verzicht zu üben, so daß auch bloße Zärtlichkeiten oder einfach die Ruhe des anderen möglich seien.

Ich spreche an, an was ich schon länger gedacht habe, wozu sich bisher aber keine Gelegenheit ergeben hatte, die Frage der Empfängnisregelung.

Sie antwortet, im allgemeinen sollten wir Kondome nehmen, denn die Pille wolle sie zumindest in den nächsten Jahren noch nicht nehmen, andere chemische Mittel wolle sie nicht unbedingt in ihren Körper sprühen, da seien Kondome schon das einfachste und harmloseste Mittel. Zwar seien sie nicht ganz so sicher wie etwa die Pille, doch sei sie bereit, ein etwas höheres Risiko auf sich zu nehmen. An Tagen, an denen eine Empfängnis mit Sicherheit ausgeschlossen sei, könnten wir auch auf das Kondom verzichten. Außerdem lehne sie ab, beim ersten Mal ein Verhütungsmittel zu nehmen.

Ich gebe zu bedenken, zusammen mit dem Losverfahren ergebe das aber ein erhebliches Risiko.

Sie stimmt zu. Allerdings gebe es ja immer die Möglichkeit, die Ziehung an einem kritischen Tag einfach zu verschieben. Andererseits, wenn das Los auf einen günstigen Tag falle, sei das für sie auch ein Zeichen, obwohl ich das nicht verstehen könne, da das für mich nur Zufall sei, doch egal ob Zufall oder nicht, sie habe eigentlich keine Angst davor, schwanger zu werden, das sei auch irgendwie eine natürliche Konsequenz des Geschlechtsverkehrs. Vielleicht sei das ja auch keine besonders moderne, emanzipierte Ansicht, doch halte sie es auch für albern, den Sex so weit zu abstrahieren und zu verselbständigen, um sich selbst vorzutäuschen, daß das eine mit dem anderen rein gar nichts zu tun habe. Sie sehe ja ein, jetzt im Studium sei es nicht der günstigste Zeitpunkt für ein Kind, doch sei sie sicher, auch damit würde sie fertig werden, selbst wenn ich sie dann im Stich ließe. Wenn ich das täte, sei ich für sie eben erledigt, und sie werde unser Kind alleine großziehen müssen, ihr weiteres Schicksal hätte mich nicht mehr zu interessieren, sie werde auch keine Ansprüche stellen. Sie wäre allerdings von mir schwer enttäuscht, aber das werde vorbeigehen, zumal sie dann ja noch das Kind habe. Wenn ich zu ihr hielte, wäre sie natürlich viel glücklicher und alles wäre leichter, wir würden uns zusammen informieren über Schwangerschaft und Pflege von Kleinkindern und all diese Sachen, würden zu irgendwelchen Kursen gehen. Wenn ich Zeit hätte, würde sie mich überall mit hinnehmen. Irgendwann würde sie die erste Bewegung des Kindes spüren, und ich würde dann an ihrem Bauch so lange lauschen, bis auch ich etwas spüre, wahrscheinlich müßten wir vorsichtiger Sex miteinander haben, gegebenenfalls einige Zeit ganz aussetzen, ihr Bauch würde größer und größer werden, so daß sie sich Sorgen machen würde, daß sie mir nicht attraktiv genug erscheine. Sie würde wollen, daß ich bei der Geburt dabei sei, das müsse ich dann schon durchstehen, ich müßte die ganze Zeit bei ihr sein, wenn die Wehen anfangen, damit sie nicht allein sei. Danach müßte ich unser Kind halten und ihr an die Brust legen. Vielleicht werde sie mir sogar einen Heiratsantrag machen, wenn ich mich dabei und bei der Versorgung des Kleinkindes gut anstelle, dann würde sie irgendwann von mir noch ein paar Kinder bekommen, und wir würden eine glückliche Familie sein.

Ich schaue sie an, "... und wenn wir nicht gestorben sind, dann ... " Ihr Lachen unterbricht mich, so märchenhaft sei das gar nicht, aber wenn ich unbedingt wolle, dürfe ich ja auch durchaus die Rolle eines bösen Prinzen übernehmen und sie sitzenlassen!

Natürlich würde ich zu ihr halten, ihr Vertrauen nicht enttäuschen, doch das gehe mir alles etwas zu schnell, das höre sich beinahe so an, als ob sie gleich ein Kind wolle, darüber könnten wir ja in ein paar Jahren immer noch sprechen, wenn unsere Beziehung bis dahin halte, doch jetzt sei wirklich der falsche Zeitpunkt dafür, sie müsse auf jeden Fall erst einmal ihr Studium zuende bringen, nach Möglichkeit noch in einen dazu passenden Beruf eingestiegen sein, bevor man darüber reden können, sonst sei sie entweder immer von mir abhängig oder sogar von ihren Eltern.

Sie schüttelt entschieden den Kopf, natürlich wolle sie jetzt kein Kind, das habe Zeit, ein Studium mit Kind sei sicher sehr hart, doch wenn sie schwanger werde, werde sie es auch bekommen, es bestehe ja auch mit Empfängnisverhütung ein gewisses Risiko einer Schwangerschaft. Auch dann käme für sie eine Abtreibung nicht in Frage. So wichtig diese Möglichkeit für viele Frauen sei, sie persönlich würde das nicht tun. Sie würde das Kind bekommen, auch wenn sie unbeabsichtigt schwanger werde, ob mit oder ohne mich, sie könne nicht anders. Später wolle sie sowieso Kinder, das wisse sie genau. Sie werde bei ihnen nicht alles besser machen können, als ihre Eltern bei ihr, sie werde sicher auch einiges schlechter machen, doch anderes auch besser, versuchen wolle sie es auf jeden Fall. Sie werde auch niemals bereuen, was sie in der Vergangenheit getan oder nicht getan habe, was sie versäumt habe oder hätte tun sollen, sie werde ihr Leben leben, ihr Blick sei auf Gegenwart und Zukunft gerichtet. Nie werde sie sagen: Wenn damals das und das nicht passiert wäre, das Leben wäre heute viel besser für sie. Die Vergangenheit stehe für sie fest, aus Fehlern könne man allenfalls für die Zukunft lernen, doch rückgängig machen könne man Taten und Entscheidungen nicht. Sie wolle leben, ohne Netz und doppelten Boden, sie wolle auch das Risiko, nicht alles planen, sondern das Leben erleben.

Natürlich, da sie jetzt eigentlich kein Kind wolle, wäre es idiotisch, es jedes Mal drauf ankommen zu lassen, vielleicht auch noch als besonderer Nervenkitzel, doch sie sei auch nicht bereit, sich gänzlich den beschränkten gesellschaftlichen Bedingungen unterzuordnen, sich völlig anzupassen. Sie wolle sich nicht aus lauter Vorsicht des Vergnügens berauben, die Welt so zu erleben, wie sie sei, sie möchte vor allem das erste Mal ganz mit mir zusammen sein, da dürfe nichts zwischen uns sein, sie brauche das gar nicht zu fühlen, es reiche, wenn sie nur wisse, daß da etwas sei, was uns trenne, das könne sie nicht akzeptieren. Sie küßt mich noch einmal sanft auf die Wange, ich solle bloß nicht so erbarmungslos vernünftig sein, sie liebkost mich, sie sei jetzt auch müde, es sei ja auch schon wieder spät, wir sollten jetzt schlafen.

Ich hauche ihr einen Kuß auf die Stirn, sie schließt die Augen. Ihre Einfälle und Ideen seien ja völlig verrückt, flüstere ich ihr ins Ohr, aber ich liebe sie, weil sie so sei, wie sie sei, mit all ihren Eigenarten, die sie so einzigartig machten. Sie lächelt entspannt.

Eine Jungfrau ist etwas sehr schönes, vorausgesetzt, sie bleibt es nicht.

Joachim Ringelnatz

Die Jungfrau ist ein ewiges weibliches Kind. Ein Mädchen, das nicht mehr wahrhaft Kind ist, ist nicht mehr Jungfrau.

Novalis (Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg)

Es gibt eine gewisse Jungfernschaft der Seele bei den Mädchen und eine moralische Entjungferung. Diese findet bei vielen schon sehr frühzeitig statt.

Georg Christoph Lichtenberg

Es ist leichter, die erste Begierde zu unterdrücken, als allen folgenden Genüge zu leisten.

Jean Paul

(8) Dienstag Morgen bis Nachmittag

Das Radio springt an. Ihre Zunge fährt über meinen Rücken, ihre Haare kitzeln meine Haut, sie flüstert mir eine guten Morgen ins Ohr und saugt sich an meiner Schulter fest, während eines ihrer Beine mich an sie zieht. Sie ist im Gegensatz zu mir geradezu erstaunlich munter, ihre Zungenspitze streicht am Rande meines Ohres entlang, ihre Brüste reiben durch das dünne Nachthemd an meinem Rücken, ich fasse mit einer Hand hinter mich, erwische sie an der Taille, drehe mich herum, drehe sie mit einer Hand auf ihrer Schulter auf den Rücken, erwische ihre Arme, halte sie fest, lege mich seitlich auf sie, küsse sie auf den Hals und den Mund, doch sie muß lachen, und so schauen wir uns an. Sie lacht vor Glück, und ich freue mich mit ihr, denn inzwischen bin ich auch ganz wach. Sie möchte, daß ich sie loslasse, sie müsse aufstehen, müsse um 9 ct da sein, informiert sie mich. Ich erwidere, meine Vorlesung beginne erst um 11 ct, halte sie noch einen Augenblick, stupse mit meiner Nase gegen ihre, küsse ihre Stirn, lasse sie los, worauf sie noch kurz mit einer Hand meine Wange streichelt und dann aufsteht. Sie stellt einen Fuß auf die Bettkante, den ich mit der Hand umfasse, massiere, während sie das Kettchen um das Fußgelenk legt. Sie schaut mich an: Wirklich ein fesselndes Geschenk, welches sie symbolisch an mich bindet, eine Marke, wem sie gehöre. Dabei lächelt sie vergnügt, sie gebe sich aber gern in meine Hände, denn da fühle sie sich sehr wohl. Als sie ihren Fuß zurückziehen will, lasse ich ihn nicht gleich los, presse meine Lippen darauf, während meine andere Hand ihre Wade liebkost. Als ich sie endlich loslasse, stupst sie mich mit dem Fuß gegen die noch vorgebeugte Schulter, ich falle zurück ins Bett, sie geht ins Bad.

Als sie zurückkommt, ist sie nackt, das Nachthemd hat sie über den Arm gelegt, ihren Bademantel über die Schulter, beides wirft sie zu mir hinüber aufs Bett, ohne mich auch nur anzuschauen, als sei sie ganz allein. Sie macht mich zum Voyeur und provoziert dabei doch absichtlich durch betonte Bewegungen. Während ich ihr zuschaue, zieht sie ihren Slip an, dann holt sie ein helles Hemd und eine kurze, weiße Hose aus dem Schrank, zieht beides an, knotet das Hemd nur unter ihren Brüsten zusammen, zieht dazu noch leichte weiße flache Schuhe an.
Sie dreht sich ein Mal vor mir, fragt mich: "sexy?"
Ich bestätige, "sehr sexy!"
Sie fragt: "Zu sexy?"
Ich zögere.
Provozierend fragt sie, ob ich nicht wolle, daß sie so rausgehe, unter all die Kerle mit gierigen Blicken und schmutzigen Gedanken. Wirklich habe ich da irgendein diffuses Würgen im Hals, würde mir aber eher die Zunge abbeißen, um auf die Provokation einzugehen. So schüttle ich scheinbar gelassen den Kopf, das sehe sehr schön aus, könne ruhig jeder sehen, mit was für einer prachtvollen Frau ich nun zusammen sei. Wenn sie die Blicke aber störten, sei der Stil vielleicht suboptimal, gegen Gedanken könne man ja ohnehin nichts unternehmen. Sie schmunzelt stolz und wohl auch zufrieden mit meiner Antwort und Reaktion, ich könne den Bademantel anziehen und mit ihr in die Küche kommen, um zu frühstücken.

Allerdings bleibt die Aufführung natürlich nicht so ganz ohne Folgen, denn ich habe eine sehr heftige Erektion, daß es mir etwas peinlich ist, vor ihr aufzustehen, aber schon zerrt sie das Bett weg und mich bereits hoch. Dann sieht sie meinen erigierten Penis und muß lachen, das sei sehr eindrucksvoll, fast schon beängstigend für sie in Anbetracht unseres gemeinsamen Vorhabens. Ich bin etwas hilflos mit dem steif abstehenden guten Stück und ziehe eilig den Bademantel heran. Sie grinst immer noch, insbesondere als ich dann aufgestanden bin und der Bademantel sehr auffällig vorsteht. Dann aber bedauert sie mich gleich "du Ärmster, du armer, armer Liebster!", kommt dabei heran und umarmt mich, drückt dabei das steife Glied zwischen unsere Körper, was es sicherlich nicht besser macht. Immerhin ist ihr Kuß ein Genuß, wobei das alles den Penis nur noch rebellischer macht. Inzwischen mache ich mir etwas Sorgen, den eigentlich müßte ich auch noch auf Toilette, was ich mir in dem Zustand allerdings gleich sparen kann.

So folge ich ihr dann nur mit breiten Beinen in die Küche und hoffe, daß der Luftzug in den Bademantel hinein wenigstens für etwas Entlastung sorgt. Irgendwie muß es schon gehen. M. ignoriert nun gezielt mein gar nicht so kleines Problem. Sie meint, ich könne mich schon setzen, während sie für uns das Müsli fertig mache, da ich ja gleich noch Zeit habe, solle ich, wenn sie weg sei, die paar Sachen noch abwaschen und den Küchentisch aufräumen, es sei schon spät, sie müsse sich beeilen, und heute Nachmittag brauche sie den Tisch, da sie mit ein paar Kommilitonen noch arbeiten müsse, das werde leider den ganzen Nachmittag dauern, meist seien sie abends noch nicht fertig, dann arbeiteten sie noch bis in die Nacht hinein, doch werde es wohl heute nicht allzu lange dauern, wenn ich Zeit hätte, könnte ich ab 21:00 oder besser 22:00 kommen.

Was sie außerdem noch wissen möchte: A. habe den Vorschlag gemacht, Mittwoch Abend mit ein paar Bekannten ins Kino zu gehen, sie nennt den Film, ob ich Lust hätte, daß wir mitgehen? Ich bin einverstanden, ergänze, heute Abend würde ich irgendwann zwischen 21:30 und 22:15 hier eintreffen.

Während des Frühstücks legt sich zum Glück mein nicht allzu kleines Problem allmählich wieder. Nach dem Frühstück und dem Zähneputzen halten ihre Hände zum Abschied meinen Kopf, und sie haucht mir noch einen Kuß auf die Wange, die Tür könne ich gleich einfach zuziehen, dann geht sie. Natürlich hat sich das Problem mit ihrem lieben Kuß wieder aufgerichtet und ich bin nun doch schon etwas genervt, denn nun kann ich wieder warten, bis ich endlich auf Toilette kann. Je mehr ich tue und herumhampele, das weiß ich, desto länger wird es dauern, bis sich die Angelegenheit wieder ohne Hand anzulegen beruhigt hat - und dieses scheint mir hier allein in M.s Wohnung nun wirklich erst einmal nicht in Frage zu kommen.

Nach dem Waschen und Zähneputzen im Bad bin ich dann wirklich erlöst und kann mich entspannt zur Toilette begeben. Dann ziehe ich mich an, wasche in der Küche das Geschirr ab, räume den Tisch leer und gehe ebenfalls. Da ich meine Sachen für die Universität bereits am Abend mitgebracht hatte, fahre ich mit der Straßenbahn direkt Richtung Welfenschloß, da ich aber noch Zeit habe, gehe ich zuerst in die TIB, hole die zuvor bestellten Artikel für das Seminar ab und sehe sie durch, dann spaziere ich gemütlich durch den Welfengarten Richtung Institut zur Vorlesung. Diese dauert von 11 ct bis 12:45, worauf ich mit einem Mitstudenten in der Mensa esse und mich noch eine Weile unterhalte, dann trennen wir uns, und ich statte dem Betreuer für meinen Seminarvortrag einen Besuch ab, wir besprechen das bisher Erreichte, einige wesentliche Inhalte, bis um 15:30 das Seminar in der Quantenoptik beginnt. Der Vortrag ist wie meistens in den Grundlagen einigermaßen durchschaubar, die Details erfordern mehr Aufmerksamkeit, als ich ihnen im Moment schenken kann, auch den anderen scheint es so zu gehen, denn anschließend gibt es kaum Fragen, nach einer knappen Stunde wird das Seminar geschlossen. Ich habe noch eine kurze Unterhaltung mit einem Kommilitonen, fahre mit der Üstra dann zunächst in die Innenstadt, um für M. eine langstielige, gut duftende rote Rose zu kaufen, dann geht es weiter nach Hause, wo ich weiter an meinem Seminarthema arbeite, Abendbrot esse und etwas fernsehe.

Von einer verliebten Frau kann man alles erwarten und alles vermuten!

Honoré de Balzac

Ich habe dich geliebt und liebe dich noch! Und fiele die Welt zusammen, aus ihren Trümmern stiege noch hervor meiner Liebe Flammen.

Heinrich Heine

Lüsternheit: Spiel mit dem zu Genießenden, Spiel mit dem Genossenen.

Johann Wolfgang von Goethe

Die Lust ist Ursprung und Ziel des glücklichen Lebens.

Epikur von Samos

(9) Dienstag Abend

Ich läute an der Haustür um 22:03, A. meldet sich an der Gegensprechanlage, ich nenne meinen Namen, offenbar schon von M. informiert öffnet sie sofort, ich gehe hoch, M. begrüßt mich an der Tür, sie seien noch nicht ganz fertig, ich müsse noch etwas auf sie warten. Ich überreiche ihr die Rose, sie zieht mit geschlossenen Augen ihren Duft ein, gibt mir dankend einen Kuß auf die Wange, streicht mit den Fingerspitzen über die Rosenblätter, sie sei wunderschön. Im Wohnzimmerschrank oben fände ich eine geeignete Vase, ich könne in ihrem Zimmer auf sie warten, leise Musik hören zum Beispiel, es werde wohl nicht mehr lange dauern.

Sie geht zurück in die Küche, schließt die Tür, ich begebe mich ins Wohnzimmer, finde in dem bezeichneten Schrankfach eine schöne Vase, fülle sie im Bad mit Wasser, nehme sie mit in ihr Zimmer, stelle sie mit der Rose auf das Tischchen neben dem Bett, auf dem noch von gestern die Karten liegen.

Ich stöbere wie vorgeschlagen in ihrer CD-Sammlung, finde ein A-cappella-Album von den Prinzen, welches ich leise abspielen lasse, während ich mit geschlossenen Augen auf dem Bett liege und an sie denke. Als die Musik zuende ist, bleibe ich liegen, nicke ein.

Ich erwache, als etwas auf mein Gesicht tropft, ich schrecke irritiert auf, besinne mich erst einmal, wo ich bin, als M. darüber laut auflacht, sich amüsiert, bin ich wieder im Bilde, sie steht vor dem Bett, leicht über mich gebeugt, die Rose hoch über mein Gesicht haltend, von deren Stiel ein paar Tropfen Wasser heruntergefallen sind. Sie hätte mich ja gerne schlafen lassen, doch läge ich so schräg auf dem Bett, daß für sie kein Platz mehr sei.

Tatsächlich hat sie schon ihr Nachthemd an, genießt jetzt wieder mit geschlossenen Augen den Duft der Rose vor ihrer Nase, dreht sich dabei verträumt einmal um sich selbst. Ich schaue auf meine Armbanduhr, schon 23:31, ich frage, wie lange ihre Kommilitonen schon weg seien, sie erwidert, noch nicht lange, sie habe hereingeschaut, habe es nicht lassen können, A. den schlafenden Geliebten zu zeigen. Diese sei als letzte gegangen, sie hätten vorher noch in der Küche den Tisch abgeräumt. Dabei reicht sie mir eine angebrochene Packung mit Süßigkeiten, ich solle ihr helfen, die alle zu machen, wenn mir etwas an ihrer guten Figur liege, denn wenn soetwas erst einmal in der Wohnung sei, werde das bei ihr und N. nicht alt. Dies habe A. mitgebracht, habe es aber nicht wieder mitgenommen. Ich nehme also davon. Ich hätte dann allerdings verpaßt, wie sie sich ausgezogen habe und das Nachthemd an, was ich vielleicht ganz gerne gesehen hätte. Gegessen habe sie schon mit den anderen, jetzt gehe sie nur noch ins Bad, um sich die Zähne zu putzen.

Nach ihr gehe ich ins Bad, als ich in M.s Zimmer zurückkomme, liegt sie schon im Bett und hält die Rose in der Hand, schaut sie an, riecht daran, stellt sie aber dann zurück in die Vase. Sie schaut mir zu, wie ich mich ausziehe, ich posiere etwas und sie lacht, dann komme ich zu ihr unter die Bettdecke, ich erinnere sie daran, wir hätten uns noch gar nicht richtig begrüßt, umarme sie daraufhin, ziehe sie an mich, sie winkelt ein Bein an, mit ihrer Wade auf meinem Po drückt sie mich an sich. Ich rieche ihr duftendes Haar, ihre Wange streicht an der meinen vorbei, ihre Nähe tut so gut. Sie fragt, ob ich müde sei oder heute noch Karten ziehen wolle, ich erwidere, auf ein spannendes Spiel hätte ich immer Lust, zumal ich erst ab 10:30 eine Vorlesung hätte. Sie erklärt, sie müsse zwar um 9 ct da sein, doch wir könnten es trotzdem tun. M. nimmt die Karten vom Nachttisch, ich erinnere sie daran, daß ich das letzte Mal gezogen hätte, daß sie jetzt also wieder ziehen könne, so gibt sie mir die Karten, die ich mische, ihr hinhalte. Sie lacht mich an, zeigt mir ihre entzückenden Grübchen, an denen ich mich nicht sattsehen kann, mit leicht zitternder Hand zieht sie eine Karte. Ohne sie zu betrachten, drückt sie sie an ihren Busen, sie schaut mich an, ich fahre, sie kaum berührend, mit dem Zeigefinger über die die Karte haltende Hand, ihre Finger, schließlich schaut sie sie an, zeigt sie mir, es ist wieder kein Joker. Sie nimmt mir die Karten aus der Hand, mischt, jetzt sei sie wieder dran, so oder so sollten wir das jetzt für heute zuende bringen, sie hält mir die Karten hin, ich ziehe gleich eine, auch diesmal nicht der Joker, ich zeige es ihr, sie atmet tief durch, noch ein Mal, gibt mir die Karten, ich mische wieder, bemerke, wie sie schneller atmet, unruhig im Bett hin und her rutscht. Ich sage, für jeden Einzelversuch betrage die Erfolgswahrscheinlichkeit nur 1/14, da die Versuche unabhängig voneinander seien, sei es für jeden einzelnen Versuch egal, wie viele bereits vorangegangen seien. Sie runzelt die Stirn, sie wolle jetzt endlich ziehen und keinen Unterricht in Statistik von mir, ich solle also nicht ablenken, lächelt dabei aber gleich wieder etwas verlegen. So halte ich ihr die Karten hin, sie zögert wieder einen Moment, greift eine Karte, schaut sie sich gleich an, zeigt sie mir: Auch diesmal kein Joker, sie nimmt die Karten, beugt sich aus dem Bett, legt sie wieder auf den Nachttisch.

Ich packe sie mit beiden Händen an ihrer Taille und ziehe sie wieder ins Bett zu mir heran, hebe ihre lockige Haarpracht zur Seite und küsse ihren Nacken. Meine Zunge fährt über ihre nackte, zarte Haut des Halses, meine Lippen saugen sich an einem Halswirbel fest, meine Hand fährt an ihrer Seite entlang über ihr Nachthemd bis zu ihrem Oberschenkel. Ich ziehe das Nachthemd herauf, sie hat offenbar nichts dagegen, denn sie hebt ihre Beine etwas an, so daß es leichter geht. Als das Nachthemd über ihrem Po aufgerafft ist, schiebe ich es mit beiden Händen höher, bis zu ihren Brüsten, die ich kaum berührend liebkose. Ich lasse von ihrem Halswirbel ab, sie richtet sich etwas auf, hebt ihre Arme, und ich ziehe ihr das Nachthemd ganz aus, lasse es vor dem Bett zu Boden fallen.

Mir den Rücken zugewendet sitzt sie halb, halb liegt sie mit etwas angezogenen Beinen, sich mit der Linken abstützend. Auch ich habe mich etwas erhoben, um sie zu entkleiden, mit der linken fasse ich die ihre, mit der rechten streichele ich vorsichtig ihren Arm, mit der Zunge spiele ich auf ihrem Schulterblatt, gehe dann an der Wirbelsäule entlang tiefer, mit der Zungenspitze Muster auf ihren Rücken malend. Ich küsse ein kleines Muttermal auf ihrem Po, sie dreht sich auf den Bauch, ihre Unterarme in das Kissen gestemmt atmet sie schneller, aufgeregter. Ich sitze am Fußende des Bettes, über sie gebeugt, umspiele mit der Zungenspitze noch immer das kleine Muttermal, während meine Hand schon einen Oberschenkel abwärts strebt. Ich wende mich etwas, erforsche auch mit meinen Küssen ihre Beine, verweile einen Augenblick bei ihren Kniekehlen, lecke dort etwas von ihrem salzigen Schweiß der Haut, schlage meine Zähne zärtlich in ihre Waden, gleichzeitig massiere ich mit den Händen ihren Po, ihre Oberschenkel. Mit dem Mund geht es weiter bis zu ihren Fußgelenken, ich kitzele ihre Fußsohlen, so daß sich mit ihrem erregten Atmen Lachen mischt, sie die Beine etwas anzieht und sich dann auf den Rücken dreht, sie strahlt mich abwartend an, ich nehme ihren rechten Fuß in meine Hände, hebe ihn hoch, küsse ihren Fußrücken, ihre Zehen. Sie wirft ihren Kopf zurück, ich wiederhole die Liebkosungen an ihrem linken Fuß, dann wandern meine Hände, meine Lippen ihre Beine wieder hinauf, zu den Waden, verweile bei ihren Knien, meine Wange streicht ihre Oberschenkel hinauf. Wie zufällig streift eine meiner Hände ihre Schamhaare, ich küsse ihren Bauch, jetzt ganz zwischen ihren Beinen liegend, gleite an ihr weiter hinauf. Meine Zungenspitze umspielt ihre Brustwarzen, ich spüre, wie sie schnell mit kurzen Atemzügen Luft holt, ihre Hände vergraben sich im Laken, sie läßt sich ins Bett zurücksinken, ihre Hände lassen das Laken wieder los, klammern sich an meine Schultern. Ich arbeite mich über ihren Bauch wieder tiefer, spiele mit ihrem Bauchnabel und tiefer, meine Nase wühlt ganz vorsichtig in den lockigen dunklen Haaren, ich rieche sie, doch sie zieht mich schnell wieder höher, wobei sich ihre Finger tief in meine Haut graben, daß mich ein ordentlicher Schmerz durchfährt, aber nicht so tief, daß meine Haut verletzt würde. Mein Kuß auf ihren Busen, auf ihrem Hals, sie preßt sich an mich, ihre Beine umklammern die meinen. Ich spüre, wie heftig unsere beiden Herzen schlagen, wie sich ihr Brustkorb unter ihren schnellen, kurzen Atemzügen hebt und senkt, sie atmet mit offenem Mund deutlich hörbar, ihre Augen sind noch immer geschlossen. Meine Zunge spielt mit dem Rand ihres Ohres, dann sauge ich an ihrem Ohrläppchen, höre sie aber hervorstoßen: "Bitte, genug jetzt!" Ich gehorche, doch sie hält mich weiterhin an sich gedrückt, so verharren wir eine ganze Zeit wort- und bewegungslos.

Nachdem sie wieder etwas ruhiger geworden ist, beginnt sie, sie habe sich kaum mehr unter Kontrolle halten können, wenn ich weitergemacht hätte, wäre es passiert, doch das wolle sie vor dem ersten Mal nicht, es sei aber wunderschön gewesen, doch müßten wir noch Geduld haben, bis es soweit sei. Zwar könne sie sich unter Kontrolle halten, aber sie spüre natürlich jede Nacht, wie erregt ich sei, ob ich das solange aushalten könne? Eigentlich wolle sie mit mir vorher nur Zärtlichkeiten haben, wolle nicht, was sie bei den anderen getan habe, doch wenn es nicht anders gehe, werde sie das tun, wenn ich es nicht mehr aushielte.

Ich erwidere: Es werde ihr auf keinen Fall etwas passieren, was sie nicht wolle, wenn sie sage: "Schluß!" werde ich mit allem sofort aufhören. Es bestehe natürlich die Möglichkeit, daß es bei einer starken Stimulation durch unsere Zärtlichkeiten und meine Gedanken zu einer ungeplanten Ejakulation komme, das könne ich unter Umständen nicht gänzlich ausschließen.

Sie meint amüsiert, das sei nicht schlimm, das könne sie verstehen, doch wolle sie da nicht allzu sehr nachhelfen, auch sie sei immer stark erregt, es beginne schon mit leicht erhöhtem Puls, wenn sie meine Stimme höre, unsere Blicke sich träfen. Noch heftiger werde es natürlich, wir uns berührten. Sie spüre dann deutlich die Bereitschaft ihres Körpers, auch jetzt noch.

Ich möchte von ihr wissen: Was, wenn sie mich einfach machen lasse, wenn ich einfach weitermache, wenn sie mich sie mit der Hand oder mit dem Mund befriedigen lasse, sie müsse nur sagen, ob sie das wolle, es werde klappen, soweit wie wir eben schon gekommen seien, doch sie lehnt ab, nein, das wolle sie nicht, später, nach dem ersten Mal könne ich alles ausprobieren, sie habe nach dem bis jetzt mit mir Erlebtem gar keine Zweifel, daß es mir gelingen werde, sie nur mit den Händen oder dem Mund, der Zunge, durch meine Zärtlichkeiten zum Orgasmus zu bringen, bei mir fühle sie sich sicher und wohl, bei mir könne sie ihre Gefühle zeigen, doch möchte sie das einfach noch nicht, das Verlangen sei zwar da, sei fast übermächtig, aber sie wolle das alles erst nach dem ersten Mal, nur wenn ich es nicht mehr aushielte, werde sie mir helfen, das würde sie natürlich machen.

Tatsächlich habe sie mir am Donnerstag nicht alles erzählt, doch das wolle sie nun nachholen. Sie habe an mich gedacht, nach den Duschen habe sie auf ihrem Bett gelegen, nackt. Sie habe sich vorgestellt, wie ich bei ihr sei, ich hätte sie rückwärts auf das Bett geworfen, mit einer Hand ihre beiden Hände auf ihrem Rücken festgehalten, mich dann zwischen ihre Beine gedrängt, sie habe sich erst wehren wollen, doch sie habe es nicht können, ich hätte sie völlig in meiner Gewalt gehabt. Während sie sich das vorgestellt habe, habe in Wirklichkeit eine ihrer Hände ihre Brüste stimuliert, die andere habe später das Eingebildete zwischen ihren Beinen real unterstützt. Sie habe also weiterphantasiert, ich läge auf ihr, eine Hand hätte ich zu ihrer Scheide geführt, hätte erst mit vorsichtigen Berührungen die Umgebung ihrer Clitoris stimuliert, bis ihre Vagina ganz feucht vor Erregung gewesen sei, dann hätte ich mit der Hand meinen Penis in die richtige Position gebracht, sei mit einem kräftigen Stoß in sie eingedrungen, mit sanften, beinahe harmonischen Bewegungen, dann aber immer heftiger werdenden Stößen hätte ich sie genommen. Dabei habe sie sich also mit den Fingern selbstbefriedigt. Der Orgasmus, den sie dabei erlebt habe, sei deutlich stärker gewesen, als alle ihre vorherigen, doch noch mehr, sie habe nicht aufhören können, habe weitergemacht, bis es einen zweiten, ebenso starken gegeben habe. Das sei einfach gut gewesen. Ganz zufrieden habe sie dann noch eine Weile auf ihrem Bett gelegen, doch später sei es ihr dann peinlich gewesen, es mir gegenüber zu erwähnen, obwohl ich doch dabei eine entscheidende Rolle gespielt habe, aber jetzt wolle sie mir das nicht länger verschweigen. Jedenfalls der Anfang der Phantasie sei ihr selbst auch etwas unheimlich gewesen, grenzwertig, selbst als Vorstellung schon jenseits eines harmlosen Spiels.

Ich schaue in ihr Gesicht, lächele sie an, das Lachen gibt sie mir zurück, ich meine zu ihr, es störe mich eigentlich nicht, wenn sie das tue, doch sei es mir natürlich lieber, ich würde es selber tun dürfen, statt eines Doubles von mir, der nur in ihrer Phantasie existiere. Die anfangs etwas heftige Idee sei vielleicht nur auf eine starke Anspannung zurückzuführen gewesen, wenn sie solche Bedürfnisse nach starker männlicher Dominanz nicht öfter habe. Sie stimmt zu, sonst habe sie solche Ideen eigentlich nicht gehabt und dann geborgen in meinen Armen fühle sich das viel besser und wohliger an, keine Unruhe, nur Wohlbehagen. Der Rest sei natürlich - gut! gewesen. Sie grinst, sie werde mich persönlich mit Sicherheit das nächste Mal auch vorziehen, doch das sei einfach so passiert, es sei geradezu erstaunlich gewesen, bei den vorherigen Versuchen habe sie sich beinahe zwingen müssen, ab einem bestimmten Punkt weiterzumachen, doch am Donnerstag sei es einfach nur gut gewesen.

Weil sie diesbezüglich ihre Geschichte erzählt hat, gestehe ich auch die entsprechende von mir und schildere kurz die Bedenken und Fragen, die das bei mir aufgeworfen habe. Wir müssen beide lachen und fühlen und einerseits ertappt, aber gleichzeitig auch noch ein wenig mehr miteinander verbunden. Wir einigen uns darauf, es diesbezüglich nicht zu übertreiben, es gebe aber auch keinen Grund zur kompletten Enthaltsamkeit hinsichtlich der Autoerotik.

Wir kuscheln uns nun dicht aneinander und bemühen uns darum, nicht mehr allzu sehr an Autoerotik oder gegenseitige Erotik zu denken, obgleich das so zusammen gar nicht so einfach ist. Daher löst sie zunächst die Umklammerung, meint, eigentlich müßten wir schon längst schlafen, so spät wie es sei, ich stimme zu, sie kuschelt sich wieder eng an mich, was für sie gut zu sein scheint, während ich noch eine ganze Weile mit meinem nicht allzu kleinen Problem zu kämpfen habe, bevor es auch mir gelingt, zur Ruhe zu finden.

Wissenschaft ist wie Sex. Manchmal kommt etwas Sinnvolles dabei raus, das ist aber nicht der Grund, warum wir es tun.

Richard P. Feynman

Zur Tugend, wie man zu sagen pflegt,
ist eigentlich keiner recht aufgelegt.

Wilhelm Busch

Wartest du auf eine Gelegenheit zum Philosophieren, so hast du sie schon verpaßt.

Platon

Bekommst du eine gute Frau, wirst du glücklich werden; bekommst du eine schlechte, wirst du Philosoph werden.

Sokrates

(10) Mittwoch Morgen und Mittag

Wieder weckt uns das Radio, mit einem Seufzer reckt sich M. neben mir, wir blicken uns an, ihre Hand fährt über meinen Brustkorb, wir umarmen uns, küssen uns, ihre Hände wühlen in meinen Haaren, dann steht sie auf, legt wieder die Kette um ihr Fußgelenk, während ich den auf die Bettkante gestellten Fuß liebkose. Sie läßt das einen Moment lang geschehen, geht dann ins Bad. Ich sinke zurück ins Bett und atme schwer durch.

Aber der Schalk des Glücklichen sitzt mir im Nacken. Als sie zurückkommt, bin ich bereits aufgestanden, warte auf sie hinter der Tür versteckt, ziehe sie an mich für eine ungestüme Umarmung und einen wilden Kuß. Sie ermahnt mich dann, sie habe doch leider nicht so viel Zeit, um weiter mit mir herumzuspielen, sie wolle nicht zu spät kommen, wir halten uns noch einen Moment, dann gehe ich ins Bad, während sie sich anzieht und in der Küche das Müsli fertig macht.

Heute sind wir etwas disziplinierter als gestern und konzentrieren uns gleich mehr darauf, unseren Alltag im Griff zu behalten und uns nicht zu sehr davon abzulenken, was sonst noch in unserem Leben wichtig ist. Wir frühstücken, nachdem auch ich mich angezogen habe. Sie erzählt mir dabei, wann und wo wir uns fürs Kino träfen. Wir küssen uns noch einmal zum Abschied, umarmen uns innig, dann geht sie.

Ich wasche ab, räume auf, dann gehe ich auch. Wieder hat sie mich überrascht und ich denke auch über die Frage nach, wie es sich für mich anfühlt, ein Lustobjekt für die Selbstbefriedigung einer anderen Person zu sein. Und so insgesamt komme ich zum dem Schluß, daß es mich nicht stört. Mehr noch, jedenfalls bezüglich M. fühlt es sich sogar sehr gut an, wenn ich mir vorstelle, daß sie an mich denkt, um sich zu erregen. Wäre das auch so, wenn ich wüßte, daß irgendeine andere Person mich diesbezüglich als Phantasievorlage verwenden würde? Nach einiger Überlegung zucke ich die Schulter, wovon ich nichts weiß, macht mich nicht heiß. Wenn ich das wüßte, käme es wohl auf die Person an, bei einigen würde es mich schon heiß machen, bei anderen würde es mir vielleicht zu denken geben, aber ich hätte schon Verständnis für die Notwendigkeit an sich.

Von 10:30 bis 12:00 läuft die Vorlesung, anschließend gehe ich mit zwei Kommilitonen in die Mensa Mittagessen, wir unterhalten uns noch eine Weile. Das lenkt mich etwas ab, was auch gut tut. Einfache, sachliche physikalische Konversation und einfache Plauderei über das Studium. Die Verwirrung im Kopf kommt zur Ruhe, andere Dinge nehmen mich in Anspruch und ich übe dies gezielt ein, auch um meine Anspannung loszuwerden, was natürlich nur so lange klappen kann, wie ich etwas deutlich anderes zu tun habe, was nichts mit M. zu tun hat. Es ist Paradox, alles zieht mich zu ihr hin und doch tut mir diese Pause gut.

Nachdem ich mich von meinen Kommilitonen wieder getrennt habe, denke ich darüber nach, mit diesen würde ich mich nicht so einfach über solch heikle Themen wie mit M. unterhalten können. Irgendwie gibt es doch Tabus, mit wem man über was besser nicht redet. Mit vielen Leuten eher nicht so über Sex, mit anderen vielleicht nicht über Politik, mit einigen nicht über das Studium. Einiges paßt nicht so recht und oft ist nicht so recht ersichtlich, warum welches Thema nicht zu wem paßt. Ich glaube aber, mit M. könnte ich über alles reden - und bei unserer Beziehung ist das ja wohl auch gut so.

Ansonsten ist es eine harte Prüfung, mit M. die Nacht über zusammen zu sein, ohne Sex zu haben. Es kocht und wird mit jedem Male heftiger, zumal unsere Spielchen auch immer vertrauter und intensiver werden. Allerdings diszipliniert die Vereinbarung mit dem Losverfahren auch. Das prickelt beinahe bis zum Verrücktwerden. Gleichzeitig ist es eine wohlige, angenehme Aufregung, die mich in ständiger Schwebe hält. Fragt sich nur, wie lange ich das durchzuhalten vermag. Nun, ich reiße mich zusammen, so lange wie es dauert, werde ich auch durchhalten, es gibt keine Alternative, weil ich M. so sehr mag.

Erotik ist Überwindung von Hindernissen. Das verlockendste und populärste Hindernis ist die Moral.

Karl Kraus

Wer jede Lust genießt und auf keine verzichten kann, wird zuchtlos, wer aber jede meidet, wie die Griesgrämigen, wird stumpfsinnig.

Aristoteles

... die Wollust im Akt der Kopulation. Das ist es! Das ist das wahre Wesen und der Kern aller Dinge, Ziel und Zweck des Daseins.

Arthur Schopenhauer

Hätte die Natur nicht gewollt, daß der Kopf den Forderungen des Unterleibes Gehör geben sollte, was hätte sie nötig gehabt, den Kopf an einen Unterleib anzuschließen.

Georg Christoph Lichtenberg

(11) Mittwoch Nachmittag und Abend

Ich muß mich beeilen, um noch pünktlich um 13 ct zu einer Vorlesung in der Quantenoptik zu kommen. Als diese um 14:45 zuende ist, begebe ich mich wieder in die TIB, schaue nach einem Fachartikel, dessen Zusammenfassung ich überfliege. Als ich sehe, daß er brauchbar ist, kopiere ich ihn, lege ihn vor mir auf den Tisch, eigentlich um ihn zu lesen, doch da ich müde bin, schließe ich die Augen und döse etwas, bis ich sogar ganz einnicke.

Erst das Signal, daß die Bibliothek in einer Viertelstunde schließt, weckt mich wieder, ich packe schnell meine Sachen zusammen, ich muß mich beeilen, um noch nach Hause zu fahren, es ist bereits spät, denn wir hatten verabredet, daß wir noch mit A. beim Griechen etwas essen wollen, bevor wir uns mit den anderen treffen. Ich haste, bringe meine Tasche ins Schließfach im Welfenschloß, eile weiter zur Üstra-Haltestelle, warte ungeduldig, dann kommt endlich eine Straßenbahn, es geht mit Nummer 4 Richtung Aegi, zum Glück muß ich dort nicht warten, kann gleich umsteigen. An der Haltestelle angekommen, an der ich immer aussteige, beeile ich mich wieder, nach Hause zu kommen, ziehe mich um, rasiere mich und bin schon wieder weg Richtung Innenstadt.

Tatsächlich komme ich etwas zu spät, M. und A. warten schon, ich entschuldige mich, M. winkt ab, sie seien selbst erst gerade gekommen. Als ich noch hinzufüge, ich sei in der TIB eingeschlafen, mahnt A. gegenüber M. scherzhaft den Zeigefinger hebend, sie solle ihren Liebhaber nicht überfordern, M. grinst mich an, wir umarmen uns endlich, küssen uns zur Begrüßung, gehen dann hinein, setzen uns, jeder mit einem Gyrosfladen, an einen kleinen Tisch.

M. schlägt vor, daß mir A. ihre Theorie über die Entfremdung von der Liebe in der kapitalistischen Gesellschaft kurz skizziere, dabei schaut sie mich schmunzelnd und mit blitzenden Augen an.

A. ist einverstanden und beginnt: Die wesentlichen Merkmale der modernen kapitalistischen Gesellschaft seien einerseits der Verlust der Individualität des einzelnen, seine Reduzierung auf die bloße Arbeitskraft, die er möglichst gut zu verkaufen trachte, denn nur ein austauschbarer Arbeiter sei optimal an die entfremdeten Arbeitsbedingungen der Industrie angepaßt. Der andere wesentliche Pfeiler des modernen Kapitalismus sei der Konsum, immer mehr Menschen müßten immer mehr und vorhersehbar und manipulierbar konsumieren, um das System aufrecht zu erhalten, außerdem sei es erforderlich für diese Berechenbarkeit des Geschmacks der Massen, daß diese durch Werbung möglichst uniform auf konsumierbare Kanäle gelenkt werden, so daß auch hier das Ziel der Verlust der Individualität zugunsten eines normierten Geschmacks sei. Durch die auf bestimmte standardisierte Konsumwünsche reduzierten Interessen werde das Verhalten der Massen leicht vorhersehbar und leicht beeinflußbar. Dabei komme es in der pluralistischen Gesellschaft darauf an, den Massen durch diverse Pseudo-Konsumalternativen Entscheidungsfreiheit und Unabhängigkeit vorzutäuschen, damit die Illusion eines eigenen Geschmackes, der Individualität erhalten bleibe, während in Wirklichkeit nur unwesentliche Konsumvarianten dieses zum Zwecke der Steigerung des Konsums vortäuschten, so daß der einzelne im Großen und Ganzen reibungslos in die Gesellschaftsmaschinerie von Produktion und Konsum hineinpasse. Diese Manipulation entfremde den Menschen von seinem Ich und seinen Mitmenschen, der gesamten natürlichen Umgebung, die durch eine Pseudorealität aus Konsumprodukten und Werbung ersetzt werde.

Der einzelne kontrolliere sich gewissermaßen selbst, denn er empfinde sich als anormal, wenn er von den gesellschaftlich akzeptierten Konsumkanälen abweiche, was ihm wiederum durch Propaganda durch Massenmedien und Werbung vorgegaukelt werde. So sei gewährleistet, daß alle mit dem Strom schwämmen, jede größere Abweichung müsse so zu Selbstzweifeln und Schuldgefühlen führen. Arbeit und Konsum, nicht nur von Dingen, sondern auch von Bildern und Tönen, wie zum Beispiel von völlig überflüssigen Produkten wie Gameboys und Satelliten-TV, die nur einen künstlichen Konsumbedarf weckten, der Kauf von Produkten betäube das Ich des einzelnen. Glücklich sein sei identisch mit viel konsumieren und dabei Spaß haben; auch das Konsumieren von Menschen gehöre dazu: flüchtig kennenlernen und dann wieder ablegen nach dem Ex-und-Hopp-Verfahren.

Es sei ein standardisiertes Schönheitsideal etabliert worden, etwa werde die Schönheit von Frauen auf diversen Miß-Wahlen in eine Skala gepreßt, die zum Maßstab werde, dem wieder durch Konsum von Kosmetika nachgestrebt werden müsse. Durch diese Standardisierung des einzelnen, auch seiner Kleidung durch die Mode, werde wieder der Trend zur Entindividualisierung unterstützt, außerdem könne dem Sexualpartner durch den Maßstab ein symbolischer Warenwert zugeordnet werden, so daß Menschen dadurch miteinander vergleichbar und bewertbar würden. Der Mensch werde selbst zur Ware. So würden sich also zwei potentielle Sexualpartner anhand dieser Werteskala gegenseitig ein- und abschätzen können, entscheidend sei also nicht mehr der Mensch, sondern nur noch das Finden eines Menschen mit gleicher Position auf der Werteskala, um eine Beziehung im Sinne eines Handels eingehen zu können, bei dem sich beide nur dann handelseinig seien, wenn Wert und Gegenwert von beiden Seiten als vorteilhaft beurteilt würden. Dadurch werde der Mensch zur Liebe unfähig, denn die Liebe werde durch ein bloßes Geschäft ersetzt; der einzelne biete dem möglichen Partner sein Vorzüge, seinen Status an, wenn beiden die Eigenschaften des anderen akzeptabel erscheinen, sei der Handel perfekt. Im Bett gehe das Geschäft dann weiter: Die Stimulation, die du mir gewährst, bekommst du auch von mir, die Befriedigung, die ich dir verschaffe, mußt du auch mir verschaffen. Allerdings könne man auch versuchen, den anderen auszubeuten, ein für das kapitalistische System ja allgemein charakteristisches Verhalten, was in der Regel dazu führen werde, daß ein solcher 'Betrüger' immer neue Partner suchen müsse, um weiter ausbeuten zu können, da der gleiche Partner nicht auf Dauer auf ihn hereinfallen werde. Daß das ebenfalls gut funktioniere, werde natürlich dadurch unterstützt, daß auch bei einem fairen Handel der Konsumgedanke dazu führe, daß der einmal gewählte Partner schnell langweilig werde und durch einen neuen ersetzt werden müsse, sobald man ihn auch nur oberflächlich kennengelernt habe. Der neue Sexualpartner werde dann erneut und ebenso schnell verkonsumiert, so gehe es von einer flüchtigen Beziehung zur nächsten, Sex werde zur bloßen Unterhaltung, die man zwischendurch neben anderem Freizeitkonsumgütern und Arbeit treibe, statt daß es zu einem wesentlichen Bestandteil einer Liebesbeziehung zwischen den beiden werde, die so überhaupt nicht mehr aufgebaut werde. Das Fehlen der Liebe führen zu einer gewissen Eintönigkeit von Sexualkontakten, eine flüchtige Affäre sei letztlich wie die andere, Abwechslung bringe vielleicht noch der Gebrauch von speziellen Produkten der Industrie, die den Konsumcharakter des Geschlechtsverkehrs noch weiter in der Vordergrund rückten. Endstadium sei dann eine allgemeine Frustration durch die Beziehungsunfähigkeit, die dazu führen könne, daß mit noch mehr Konsum eine kurzfristige Ersatzbefriedigung geschaffen werde, die nur durch immer mehr Konsum aufrecht erhalten werden könne.

Auch hier gelte: Wer sich nicht an diese Norm halte, werde als anormal angesehen, und es drohe ihm die Gefahr, aus der Horde ausgestoßen zu werden. Der einzelne gelange so zu der Einschätzung, wenn er im Leben nicht viele Partner ausprobiert habe, habe er etwas versäumt, ebenso wie ihm suggeriert werde, er versäume etwas, wenn er das neueste Erfrischungsgetränk nicht ausprobiere. Die Quantität des Konsumierens komme also auch bei intimen Kontakten vor der Qualität einer Liebesbeziehung. Oberflächlicher Konsum von vielen Partnern werde höher eingeschätzt als eine tiefergehende Erfahrung mit einem Menschen, wobei nur ein flüchtiges Erleben erreicht werden könne, welches nicht zufrieden stelle, sondern den Hunger nach mehr und anderem unterstütze, die Menschen seien nicht mehr fähig, die Geduld für das intensive Erlebnis einer Liebesbeziehung aufzubringen, weil sie Angst hätten, in dieser Zeit den Verbrauch anderer Produkte oder sexueller Kontakte zu versäumen. Gerade durch die Austauschbarkeit der Menschen durch die Anpassung an die Konsumgesellschaft sei es unmöglich, bei einem neuen Partner etwas prinzipiell Neues zu erleben, so daß die Unzufriedenheit und das Unbefriedigtsein sich vom alten auf den neuen Partner übertragen lasse. Entsprechend dem allgemeinen Anspruch immer mehr konsumieren zu müssen, müssen so bei der Suche nach einem Erlebnis immer mehr Sexualpartner verkonsumiert werden, ohne daß man dabei noch in der Lage sei, wirkliche Intimität und Vertrautheit aufzubauen, da es ja gar nicht mehr zwei Individuen seien, die sich liebten, sondern nur noch zwei der Gesellschaft angepaßte Maschinen, die als Maschinen zur Liebe prinzipiell schon unfähig seien.

Wir sind inzwischen mit dem Essen fertig und treten auf die Straße. Die beiden schließen ihre Fahrräder los und wir spazieren in Richtung Kino.

Ich kommentiere, ich persönlich habe nicht das Gefühl, daß es mir an Individualität fehle, auch sei mein Verlangen nach Konsum nur mäßig, der riesige Markt der Sport/Freizeit-Produkte gehe wohl gänzlich an mir vorbei, Verbrauchsgüter beschränkten sich zumeist auf das zur Ernährung nötige. Höchstens bestehe gelegentlich ein Kaufwunsch nach Fach- und Kunstbüchern, gelegentlich auch nach einem Roman. Auch läge es mir fern, M. verkonsumieren zu wollen. Ein weiterer Punkt sei noch, daß Menschen bereits seit langer Zeit in einer von Menschen veränderten Umgebung lebten, eine natürliche, nicht manipulierte Umgebung gar nicht mehr existieren, wir lebten eben in einer von Menschen angepaßten Welt, da gebe es rein praktisch keine Alternative.

A. erwidert scherzhaft, natürlich gehörten wir zur intellektuellen Elite, die über den Dingen stehe, die eine Chance hätten, diese sich selbst stabilisierenden Gesellschaftsmechanismen zu durchschauen und sich anders zu verhalten, aber sei es nicht tatsächlich so, daß ich wenn schon nicht eigentlich Produkte, so doch Wissen und kulturelle Angebote der Gesellschaft verkonsumiere? Würde ich nicht Unmengen von Wissen in mich hineinstopfen, womit ich ja letztlich auch durch meine Ausbildung einer sinnvollen Beschäftigung im Sinne dieser Konsumgesellschaft zugeführt werden solle? Mit all dem Wissen, bereite ich mich nicht darauf vor, die Welt weiter zu manipulieren und weiter vom natürlichen Ursprung zu entfernen?

Ich nicke ebenso scherzhaft, sie habe mich restlos überzeugt, zweifellos sei ich ein willenloser Konsumzombie, der ja auch gleich ins Kino gehen werde, um Töne und Bilder zu verkonsumieren, damit das Gesellschaftssystem nicht zusammenbreche, welches nur durch die selbsterzeugte Entfremdung jedes einzelnen von seinem Ich existieren könne. Allerdings sei ja auch der Mensch Teil der Natur, von daher könne man natürlich auch behaupten, es sei gar nicht möglich, sich von ihr zu entfremden, sie unnatürlich zu manipulieren.

Wir treffen jetzt auf die anderen, die mit ins Kino wollen: L. mit ihrem Freund und noch eine weitere junge Dame P., die mir schon vom Theaterbesuch her bekannt ist. Als A. und M. ihre Fahrräder wieder angekettet haben, stellt sich M. neben mich und greift nach meiner Hand und hält sie. Als L. die Karten verteilend das sieht, grinst sie und meint es sei ja nicht verantwortbar, daß das junge Glück im Kino nebeneinander sitze, sonst hätten wir beide überhaupt nichts von dem Film, deswegen sei es am Besten, sie setze uns auseinander. Sie erstickt M.s Protest im Keim, indem sie festlegt, daß sie mit ihrem Freund zwischen uns sitzen werde, A. meint jedoch, auch dieses junge Glück solle nicht leichtfertig der Gefahr der Ablenkung ausgesetzt werden, deswegen werden sie mit L. zwischen mir und M. sitzen, L.s Freund neben mir, auf M.s Seite schließlich solle P. sitzen, dazu erläutert sie zitierend:
... das Leben ist grausam und schrecklich gemein ...
Wir müssen alle lachen, doch die Sitzordnung ist festgelegt, als wir hineingehen. In der Tat bekommen wir aber so alle etwas von dem Film mit.

Anschließend, bevor wir uns trennen, plaudern wir draußen noch etwas über das Gesehene. M. schlägt dann vor, ich solle ihr Fahrrad fahren, während sie sich an mir festhaltend auf dem Gepäckträger platznehmen werde, schließlich sei es mein Problem, daß ich nicht mit dem Fahrrad gekommen sei. So muß ich uns also zu ihr fahren, was allerdings wegen fehlender Steigungen problemlos realisiert werden kann, dabei schmiegt sich M. an mich und lehnt ihren Kopf gegen meine Schulter, umarmt mich, um sich festzuhalten.

In der kapitalistischen Gesellschaft macht der gesellschaftliche Verstand sich immer erst post festum geltend.

Karl Marx

Der Konsum ist der einzige Sinn und Zweck der Produktion, und den Interessen der Produzenten sollte man nur insoweit Beachtung schenken als nötig ist, die der Verbraucher zu fördern.

Adam Smith

Man darf sagen, daß die halbe Arbeit der zivilisierten Welt der Erzeugung von Unrat dient, und daß die Hälfte ihres Einkommens aufgewendet wird, um ihn zu bezahlen.

Walther Rathenau

Die Liebe ist nur ein schmutziger Trick der Natur, um das Fortbestehen der Menschheit zu garantieren.

William Somerset Maugham

(12) Mittwoch Nacht

Als wir in ihrer Wohnung sind, teile ich ihr mit, daß ich morgen ab 8 ct eine Übung habe, allerdings müsse ich meine Sachen erst im Welfenschloß abholen, die ich da deponiert habe, bevor wir uns getroffen hätten, dann müsse ich noch durch den Welfengarten und noch ein Stück weiter zum Vorlesungssaal gehen, ich müsse also früh aufstehen. Auch sie muß wieder um 8 ct da sein, so stellt sie das Uhrenradio früh genug, geht dann ins Bad, anschließend ich. Als ich wieder in ihr Zimmer komme, liegt sie schon mit angezogenem Nachthemd im Bett und wartet auf mich. Ich ziehe mich aus und komme zu ihr, wir sind uns einig, heute kein Kartenziehen mehr durchzuführen und auch keine übermäßig stimulierenden Spielchen zu treiben, so lösche ich das Licht.

M. ergänzt zu A., diese sei interessanter Weise schon seit Jahren mit dem gleichen Mann zusammen, aus dem wenigen, was A. über ihn erzähle, gehe eindeutig hervor, daß es eine ganz gut funktionierende Beziehung sei. Zum allgemeinen Erstaunen hätten sie sich sogar vor ein paar Monaten offiziell verlobt, da hätte sie ihn kennengelernt, eigentlich sei er ganz nett, doch A. bringe ihn selten zu irgendwelchen Aktivitäten einmal mit.

Sie fragt nach meinem Kommentar zu A.s Theorie. Ich bestätige, sie sei eigentlich ganz plausibel, allerdings habe das kapitalistische System sicher noch größere Probleme. Zwar funktioniere es ja noch, doch das Aufrechterhalten und Absichern dieses Systems werde immer aufwendiger, denn es sei keineswegs selbststabilisierend. So sei heute schon ein gewaltiger Verwaltungsapparat notwendig, um die negativen Auswirkungen des Kapitalismus einigermaßen abzudämpfen. Gänzlich ungelöst sei das Problem der Umweltbelastung durch die produzierten Güter, so daß auch hier wieder gewaltiger Aufwand getrieben werden müsse, damit die Menschen nicht im Müll - den zuvor aufwendig produzierten und konsumierten - Produkten erstickten. Hinzu komme, daß durch die Automatisierung der Produktion die Menschen und Waren ihren marktwirtschaftlichen Wert verlören, da es durch die Automatisierung mit geringerem menschlichem Aufwand möglich sei, die Produkte herzustellen. Die Bedeutung der Menschen verlagere sich so immer mehr auf das Konsumieren und die Organisation des Konsums, doch da die Arbeit ihren Gegenwert verlöre, hätten die so arbeitslos gewordenen weniger Mittel, um zu konsumieren, so daß wieder künstlich Arbeit geschaffen werde müsse, indem man zum Beispiel die Verwaltung aufblähe und so zu einer Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft gelange. Diesen Dienstleistungen könne im Prinzip ein beliebiger Wert zugemessen werden. Dadurch werde das System aber tatsächlich immer uneffektiver, also immer mehr Menschen täten eigentlich überflüssige Dinge, die nicht zum Kreislauf von Produktion und Konsum beitragen, oder eine sinnvolle Nutzung der durch die Automatisierung eingesparten Arbeitszeit etwa als Freizeit für kreative Selbstverwirklichung werde verhindert. Im Grunde habe sich das kapitalistische System genauso wie die zentralistische Diktatur im Osten überlebt. Einzig die durch den Konkurrenzdruck hervorgerufene Eigendynamik zur Kreativität der Produzenten halte das System noch aufrecht, doch sei auch das in Gefahr, einerseits durch die Monopolisierung durch Multikonzerne, andererseits durch die Uniformierung des Geschmacks des einzelnen auf den Durchschnitt. Außerdem gebe es da noch die bevorstehenden Umweltprobleme, die vom Markt nicht bewältigt werden könnten, weil es ein kollektives Problem sei, dessen Lösung etwa durch den Verzicht auf die Produktion von überflüssigen Konsumgütern dem einzelnen Marktkonkurrenten keinen Gewinn verspreche. So etwa hätte es A. vielleicht ausgedrückt, erkläre ich.

Was die Liebe in der kapitalistischen Gesellschaft betreffe, so habe die sogenannte sexuelle Revolution leider nicht nur dazu geführt, daß die Menschen sich von veralteten, durch die Kirche vorgegebenen Verhaltensnormen gelöst hätten, die ihnen Jahrhunderte lang Schuldgefühle wegen ihres Sexualtriebes eingeredet hätte, leider sei es wohl tatsächlich so, daß die Menschen auch die Fähigkeit zur Liebe, wie sie es bezeichne, zugunsten eines ungehemmten Konsums von flüchtigen Beziehungen geopfert hätten, so daß ihr Ziel lediglich noch darin bestehe, sich gegenseitig den Sexualtrieb zu befriedigen. So werde letztlich der Mensch in dieser Gesellschaft auf den bloßen Konsumtrieb reduziert. Die Individualität des einzelnen Menschen werde in der Konsumgesellschaft nicht mehr benötigt, vielmehr durch die bereits genannten Pseudo-Alternativen ersetzt, mit welchen Individualität vorgetäuscht werde. Doch höchstens ein Individuum mit eigener Identität sei zu Liebe fähig, wie M. sie sich vorstelle. Das Erleben werde durch Konsumieren ersetzt, der Mensch werde zum dumpfen Konsumzombie, so sei es wohl in kurzen Worten zu skizzieren, was A. gesagt habe.

Allerdings dürfe man die Situation wohl nicht zu düster sehen, wie beschrieben werde das System wohl instabil werden, der reale Markt trenne sich immer mehr von der Bewertung der Produkte und der Konzerne selbst an den Börsen, wenn man also die Gesellschaft retten wolle, sei über kurz oder lang eine Umstrukturierung des Systems erforderlich. Es drohe also nicht der Untergang des Abendlandes, sondern es werde nur Zeit, das bisherige System zu verändern, das Gesellschaftsmodell besser der Realität anzupassen. Ein Problem seien allerdings die bis jetzt schon erheblichen Umweltschäden, die nicht so einfach repariert werden könnten.

Insgesamt müsse die Situation sorgfältig analysiert werden, um effektiv reagieren zu können, und es müsse wissenschaftlich nach Lösungen gesucht werden, statt an Symptomen herumzudoktern.

Sie meint, es sei doch die Wissenschaft, die so sorgfältige Analyse gewesen, die es den Menschen erst ermöglicht habe, technische Einrichtungen zu erfinden, die jetzt als Nebeneffekt die Umweltzerstörung produzierten. Das zeige doch offenbar, daß man nicht so gut analysiert habe, doch nicht so viel wisse. Was ich gesagt hätte, die durch den Menschen manipulierte Welt sei doch gerade die Konsequenz der Technik.

Ich könne ja schließlich auch nicht unsere Beziehung einfach analysieren und in ein wissenschaftliches Modell umsetzen, vielleicht sei es ja sogar irgendwann möglich, wissenschaftlich befriedigend darzustellen, was da alles in ihr passiere, wenn sie der Auffassung sei, daß sie mich liebe, doch ihr subjektives Erlebnis, das einzig Entscheidende dabei für sie, sei nicht synthetisierbar, was sie erlebe, was es heiße, sie zu sein und mich zu lieben, sei nur ihr möglich zu erleben. Wenn sie mich als Bestandteil der Außenwelt liebe, wenn sie durch mich die Vereinigung mit der Außenwelt erlebe, könne eine solche Vereinigung niemals mit der Wissenschaft erreicht werden.

Ich widerspreche: Der Mensch habe seine Umwelt seit Urzeiten manipuliert, letztlich tue das jede Spezies, allerdings habe das im Falle des Menschen, bedingt durch seine Intelligenz, ungeheuerliche Ausmaße angenommen. Und anders als andere Spezies, seien wir auch intelligent genug, um dies zu erkennen. Die Behebung oder Vermeidung von weitreichenden Umweltproblemen sei heute ja kein Problem der Erkenntnis und des Wissens mehr. In der Tat seien die meisten Umweltprobleme nur entstanden durch das Gewinnstreben der Marktteilnehmer, welches dazu geführt habe, wissenschaftliche Erkenntnisse nur oberflächlich auszunutzen für Techniken, die am kurzfristigen Profit des Kapitalisten orientiert seien.

Was die Vereinigung von Ich und Welt anbelange, so gebe ich zu bedenken, daß es in gewisser Weise auch eine Vereinigung sei, wenn man Wissen sammele und ein Modell der Welt erstelle, wenn das Modell auch immer nur approximativ sei, werde man doch mit dieser fremden Welt immer vertrauter, man lerne so viele ihrer bizarren Eigenschaften kennen, indem man es mit naturwissenschaftlichen Methoden in Erfahrung bringe, auch dieses Forschen sei ein Streben nach Vereinigung mit der Welt, allerdings sei man sich darüber klar, daß man diese Vereinigung nie wird völlig erreichen können. Trotzdem sei es ein komplett anderer Weg. Wenn ein Mensch sich mit der Außenwelt in Form eines anderen Menschen vereinige, das Getrenntsein des Ichs von der Welt durch die Liebe aufhebe, so sei das ein ganz anderer Ansatz, so könne man die Welt zwar nicht verstehen, aber man könne sie erleben, wodurch man sie kennenlerne, während man durch Modell und Experiment die Welt durch Wissen kennenlerne. Natürlich ergäben sich aus dem nur approximativen Wissen Mängel in der Anwendung, doch seien eben viele der heute auftretenden Schäden dadurch hervorgerufen worden, daß man es versäumt habe, die Folgen seines Handelns besser abzuschätzen, und selbst wenn das getan worden sei, könne immer noch das kapitalistische System dazu führen, wie angedeutet, daß ein einzelner, um seinen Profit zu maximieren, der Gemeinschaft schade, indem er eine Technik so gebrauche, daß es allen schade, ihm aber kurzfristig Gewinn bringe. Ein Paradebeispiel sei etwa die Kernkraftnutzung - ohne zu klären, was mit den Abfällen passieren solle, wurde munter Profit gemacht und über Jahrzehnte stapelt sich nun der Müll und wird noch über hunderttausende von Jahren die Umwelt verseuchen.

M. stellt die Frage, ob es nicht ohne technische Entwicklungen eine bessere Welt wäre, doch ich erwidere, daß ja gerade das Bewußtsein des Menschen, sein Abgetrenntsein von der Welt es nötig mache, sich mit Hilfsmitteln gegen die Gefahren zu wehren und um das Überleben in ihr zu kämpfen. Letztlich könne man das eine nicht ohne das andere habe. Tiere ohne das Getrenntsein von Ich und Welt benötigten auch keine technischen Hilfsmittel, um zu überleben. Diese Einheit mit der Welt sei für den Menschen nun einmal verloren, und ein Zurück gebe es nicht, denn schließlich sei die Liebe zwar ein Weg, diese Einheit wieder zu erleben, doch ein Weg um zu überleben sei das nicht.

Sie schüttelt den Kopf, das alles sei nicht notwendig so, es müsse auch den Menschen möglich sein, in Einklang mit der Natur zu leben, statt in Konkurrenz zu ihr.

Ich bestreite entschieden, daß es überhaupt möglich sei, in Konkurrenz zur Natur zu leben, es sei ja nur möglich, im Rahmen der Naturgesetze zu leben und zu handeln, man könne sich nicht gegen sie auflehnen oder etwas wider die Natur tun, insofern sei das Getrenntsein von der Welt ebenso ein subjektives Erlebnis wie die Liebe auch, das sei nur zu erleben, objektiv gebe es keine Trennung, diese Trennung bestehe nur im Denken, im Bewußtsein des Ichs. Das Ich sei lediglich eine bequemer Begriff zur Repräsentation eines Bestandteils der Welt, der in diesem Modell willkürlich von der Welt unterschieden werde. Nur für das Subjekt selbst gebe es diese Trennung, das ergebe sich ja auch schon aus dem Gedanken, daß der Geliebte als Bestandteil der Welt aufgefaßt werde, während das Ich dem entgegengestellt werde. Lediglich aus dem eigenen Erleben heraus, weil man sich selbst als ein Ich empfinde, äußerlich aber seinen Mitmenschen ähnele, billige man ihnen in der Regel ebenfalls ein Ich zu, obwohl das eigentlich subjektiv nicht wahrnehmbar sei. Wie brüchig und willkürlich eine solche Zubilligung sei, könne man in der Geschichte an der Sklaverei erkennen. Umgekehrt werde das Ich, welches da sich selbst erlebe, von dem anderen Ich auch nicht objektiv wahrgenommen, sondern höchstens zugebilligt, ob sie das verstehe?

Sie steht auf, geht auf und ab durchs Zimmer. Das Ich sei für sie elementar vorhanden, nicht, wie ich ihr einreden wolle, nur eine subjektive Sinnestäuschung. Ich könne das doch nicht ernsthaft behaupten. Mit der Existenz des Ichs gebe es auch den Gegensatz zur Außenwelt, und so entstehe der Konflikt, das Getrenntsein, das könne ich nicht einfach so mit objektiv und subjektiv wegdiskutieren. Wie ich mir denn das Denken vorstelle, es sei doch das Ich, welches Entscheidungen treffe, oder sei das für mich auch eine bloße Täuschung?

Ich erwidere, Denken und Entscheidungen beruhten wohl auf früheren Erfahrungen, aus denen Regelsysteme hervorgingen, durch die dann bei einer neuen Situation eine Bewertung vorgenommen werden könne. Letztlich bestehe der freie Wille also nur daraus, daß verschiedene Modelle, Regelsysteme, Erfahrungen gegeneinander abgewogen und auf das aktuelle Problem übertragen würden, das habe auch wenig mit Determinismus oder Indeterminismus zu tun oder gar mit einem Mysterium wie einer Seele. Denn Fluktuationen wie sie zum Beispiel in der Quantenmechanik eine Rolle spielten, sollten beim Denken nur von untergeordneter Bedeutung sein, ebenso wie vielleicht bei der Bewegung einer Straßenbahn. Andererseits sei das Denken so komplex, daß unmöglich soetwas wie Ursache und Wirkung im Sinne eine globalen Vorhersagbarkeit des Verhaltens des deterministischen Weltbildes vorhanden sei. Schon bei einfachen, streng mechanischen Modellen sei ja schon chaotisches Verhalten - das Fehlen der globalen Vorhersagbarkeit - beobachtbar, die somit nur eine Prognose für eine Nahordnung zuließen, aber dafür oft über erstaunliche Selbstordnungsmechanismen verfüge. Um auf das Ich zurückzukommen: Letztlich sei das nur eine Repräsentation der denkenden Person, die sich als solche wahrnehme, da sei nichts Mysteriöses dabei, der Mensch sei nicht mehr als ein Haufen Materie oder Energie, welche im Prinzip physikalisch-naturwissenschaftlich komplett nachweisbar sei.

M. schüttelt wieder den Kopf, sie ist aufgeregt und empört, mit so einem mageren, kalten Bild könne sie sich nicht abfinden, wenn das mein Weltbild sei, fehle ihr da etwas Entscheidendes, als zöge ich ihr damit den Boden unter den Füßen weg, sie wisse nicht, wie sie es ausdrücken solle, das Bewußtsein, das Ich sei etwas so Vertrautes, das könne nicht einfach so zu einem Nebeneffekt von biochemischen Reaktionen reduziert werden, es handele sich immerhin um den Mittel- beziehungsweise Ausgangspunkt all ihres Erlebens, ihres Lebens, und ich hätte nun behauptet, es sei gewissermaßen nur eine Selbsttäuschung.

Ich meine, es sei ja keine Selbsttäuschung, als Repräsentation dessen, was sie als Subjekt empfinde, sei es ja irgendwo als Zustand des Hirns oder besser des gesamten Menschen durchaus objektiv vorhanden, doch sei es eben auch nicht mehr als ein impliziter Bestandteil eines lebenden, funktionierenden Hirns. Die Prozesse im Hirn seien dynamische Vorgänge, die letztlich das Ich repräsentierten, welches so zwangsläufig an die Dynamik des Materiellen gebunden sei und nicht von diesem losgelöst existiere. Es handele sich letztlich nun um zwei unterschiedliche Beschreibungen des selben Phänomens, die sich nicht gegenseitig widersprechen müssen.

Sie will das bestreiten, schüttelt aber nur den Kopf, kann es offenbar nicht in Worte fassen, sie ist sehr aufgeregt. Sie müsse überlegen, ich hätte im Moment die geschicktere Argumentation, irgendetwas stimme aber nicht, sie könne aber nicht sagen, was, doch sollten wir Morgen Abend, wenn sie wacher und erholter sei, weiter darüber sprechen, jetzt sollten wir schlafen, denn es sei schon spät.

Damit legt sie sich wieder ins Bett, wendet sich von mir ab, dreht mir den Rücken zu, zieht sich ganz in sich zusammen. Diese Geste erscheint mir aber doch etwas zu hart, ich schmiege mich einfach an sie, lege meinen Arm um sie, dessen Hand sie auch nach kurzem Zögern ergreift und fest in der ihren hält, bis wir einschlafen.

Die Welt ist nicht da, um von uns erkannt zu werden , sondern um uns in ihr zu bilden.

Georg Christoph Lichtenberg

Wo ist also dieses Ich, wenn es weder im Körper, noch in der Seele ist?

Blaise Pascal

Das Ich kann nie sich selbst abstrahieren. Das Ich kann durch keine Reflexion erschöpft werden, alles im Ich ist nur Entwicklung im Ich.

Friedrich von Schlegel

Wenn das Selbst durch den Irrtum verschleiert ist, so entsteht das Gebundensein an das Nichtselbst, das persönliche Ich, und aus diesem entspringt das Leiden der Welt.

Shankara

(13) Donnerstag Morgen bis Mittag

Das Radio reißt uns viel zu früh aus dem Schlaf, ich brumme unzufrieden, doch sie küßt mich schon einen Augenblick später auf die Wange, springt dann auf und zieht mich am Arm hoch, ich solle nicht so träge herumliegen, meint sie, da ich heute früher los müsse, solle ich zuerst ins Bad, sie werde inzwischen das Frühstück fertig machen. Ich öffne auf dem Bett sitzend die Augen, blinzele sie an, sie sei morgens ja immer geradezu erstaunlich munter, sie lacht, daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen, dabei greift sie meine Hand, daß ich aufstehen muß, schleppt mich hinter sich her bis in den Flur. Endlich bin ich zu einer Reaktion fähig, ich streiche ihr die Haare aus dem Gesicht und lege ihren Hals frei, an dem sich meine Lippen hocharbeiten, über ihre Wange zu ihrem Mund gelangen, ein kurzes Spiel unserer Lippen folgt. Dadurch endgültig aufgewacht gehe ich ins Bad, sie in die Küche.

Nach dem Waschen mit kalten Wasser bin ich dann endgültig richtig wach und ziehe ich mich an, gehe in die Küche, wo sie das Müsli schon fertig hat. Wir essen und sie erzählt, heute Nachmittag hätte sie Zeit, ob wir uns treffen wollen. Ich überlege einen Moment, schlage circa 15:10 im Georgengarten an der Üstra-Haltestelle Parkhaus vor, frage, ob sie wisse, wo das sei, in der Nähe werde ich meine letzte Vorlesung für heute hören, sie erwidert, sie werde es finden, ist einverstanden. Nach dem Frühstück zieht sie sich schon zum Teil an, während ich noch die Zähne putze, an der Tür haucht sie mir noch einen Abschiedskuß auf die Wange, dann gehe ich.

Der Konflikt aus der Nacht hat bei ihr am Morgen keine Rolle mehr gespielt oder schwelt das noch in M.s Gedanken? Hat sie eine Fortsetzung nur vermieden, weil wir ohnehin keine Zeit gehabt hätten? Jedenfalls als Prototyp für einen Konflikt haben wir das vielleicht nur kurzfristig gut überstanden. Eine längere Diskussion steht vielleicht noch aus. Immerhin 'nur' ein heftiger philosophischer Diskurs, keine Meinungsverschiedenheit über unsere Beziehung. Während ich das alles allerdings recht locker sehe, als philosophische Konversationsübung, sieht sie das gleich so dramatisch. Da zeigen sich schon deutliche Unterschiede in unserem Wesen und unserem Verständnis der Welt und des Seins. Aber ergänzt sich das nun eher mehr oder weniger harmonisch oder ist damit bereits der Keim für unheilvolle Konflikte gelegt? Und da Konflikte ja ohnehin früher oder später auftreten und unvermeidbar sind, wenn wir hier die Kurve bekommen, wird uns das nicht gut auf spätere Meinungsverschiedenheiten vorbereiten und unsere Zusammengehörigkeit letztlich stärken, wenn wir lernen, damit zurechtzukommen?

Ich habe ja nicht argumentieren wollen, um sie zu übertrumpfen, hat sie gute Argumente, ist das völlig in Ordnung, zumal wir ja deutlich andere Modelle haben, um vielleicht nicht die Welt zu erklären, in diesem Falle vielleicht nur das menschliche Denken. Und ich kann ja auch nur einräumen, daß niemand etwa nur durch Verwendung von Quantenphysik irgendeinen Gedanken eines Menschen vorhersagen könnte - und mit anderen physikalischen Modellen auch nicht. Allerdings gibt es auch keine Anhaltspunkte dafür, daß etwas im Kopf nicht mit rechten Dingen vorginge, also mit etwas anderem, als dem Grundmaterial, welches der Physik an sich gut bekannt ist. Die Komplexität allein macht sowohl die Funktion aus als auch das Problem, dieses Vorgänge im Kopf im Detail auf Physik zurückzuführen. Was man aber natürlich messen kann - auf das Materielle im Kopf und im Menschen wirkt nichts Geheimnisvolles von Innen oder Außen, was auf dieses Einfluß nähme. Und ist nicht auch unser Erstaunen um die Funktion des Gehirns viel größer, wenn das nicht auf wundersame Weise eingegeben ist, sondern aus sich heraus mit dem funktioniert, was man nachweisen kann? Und es nimmt ja auch nichts von dem Wert der Gedanken, wenn man prinzipiell versteht, wie sie zustande kommen.

Mit der Straßenbahn fahre ich zum Welfenschloß, hole meine Tasche aus dem Schließfach und eile durch den Park, komme gerade noch rechtzeitig zur Übung, die ich allerdings wie üblich um circa 9:10 schon wieder verlassen muß, da um 9 ct im Nebengebäude eine ernstzunehmendere Vorlesung stattfindet. In der Pause zwischen 10:45 und 11 ct zur nächsten Vorlesung kann ich weiter im Gastmahl des Platon lesen, welches zum Glück noch in meiner Tasche ist. Um 12:45 gehts dann in die Mensa, und bis 13:30 bin ich in der nächsten Vorlesung.

Durch bloßes logisches Denken vermögen wir keinerlei Wissen über die Erfahrungswelt zu erlangen; alles Wissen über die Wirklichkeit geht von der Erfahrung aus und mündet in ihr.

Albert Einstein

Das ist meine Weltanschauung, wer aber die gegenteilige hat, kann weise sein, sagt der Weise. Das ist meine Weltanschauung, und wer eine andere hat ist ein Tor, sagt der Tor.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Wer die Welt vernünftig ansieht, den sieht auch sie vernünftig an. Beides ist Wechselbestimmung.

Georg Friedrich Wilhelm Hegel

Das Ich ist die Spitze eines Kegels, dessen Boden das All ist.

Christian Morgenstern

(14) Donnerstag Nachmittag

Als die Vorlesung kurz vor 15 Uhr geschlossen wird, gehe ich mit schnellem Schritt Richtung Georgengarten. An der Haltestelle muß ich nicht lange auf M. warten, die um 15:04 mit ihrem Fahrrad erscheint. Wir begeben uns ein Stück in den Park hinein, zu einer Stelle, wo die Sonne scheint und der Straßenlärm nicht so zu hören ist, nachdem wir uns mit einem Kuß begrüßt haben. Was nicht zu übersehen ist, erklärt M. noch kurz, sie habe ihr Saxophon mitgebracht, packt es dabei aus, es blitzt und sie strahlt im Sonnenlicht. Sie wolle mir ein bißchen vorspielen, sie grinst, wieder einer ihrer verrückten Einfälle, was ich in diesem Fall nicht so empfinde. Es werde Jazz sein, sie erläutert, es sei nicht einfach, gut Jazz zu spielen, man müsse, um gut zu spielen, nicht spielen wie der und der oder der und der, vielmehr müsse man einen eigenen Stil entwickeln, mit dem man eins werden müsse, wenn man spiele, Jazz, Instrument und Musiker müßten eine Einheit sein, das Spiel ein kreativer Akt. Was toll gewesen sei: Sie habe ihre Schwester damals begeistern können, als sie noch Zuhause gewohnt hätten, sie auf dem Klavier zu begleiten, das habe nach einigen Versuchen auch ganz gut geklappt. Ihr Vater sei natürlich von Jazz nicht so angetan gewesen, habe aber nichts gesagt, weil ja durch die große Musikbegeisterung nicht nur sein Liebling M. sondern auch das Sorgenkind N. innerhalb seines Einflußbereichs beschäftigt gewesen sei und so in dieser Zeit keine Dummheiten habe anstellen können. Ein paar Mal seien sie aber sogar zum Spaß aufgetreten, manchmal spielten sie noch jetzt zusammen in der Wohnung oder auf Festen von Freunden, in ihrer Wohnung natürlich zur allgemeinen Begeisterung der Nachbarn. Sie würden mir sicher gemeinsam vorspielen, wenn N. wieder da sei.

Ich liege im Gras, und sie beginnt kraftvoll und energiegeladen zu spielen, gerät dabei richtig in Schwung, spielt sehr gut. Einige Spaziergänger bleiben stehen und hören ebenfalls zu. Was sie dem Instrument entlockt, ist wirklich hervorragend, soweit ich das beurteilen kann, obwohl ich zugeben muß, daß ich nicht viel von Jazz verstehe. Das Saxophon blitzt und flackert unter ihren Bewegungen in der Sonne, der Schweiß auf ihrer Stirn, doch sie ist so in der Musik gefangen, daß sie nur hin und wieder meinen Blick sucht, mein anerkennendes Lächeln, und alles um sich herum vergißt. Als sie irgendwann doch das Instrument absetzt, gibt es Applaus nicht nur von mir, sondern von einer ganzen Reihe von Menschen, die sich inzwischen angesammelt haben. M. bemerkt sie erst jetzt, schaut sich überrascht um, verbeugt sich dann aber glücklich lachend nach allen Seiten. Es gibt Rufe nach einer Zugabe, sie versucht abzuwinken, doch es werden immer mehr Rufe, und so spielt sie noch eine Weile weiter, verbeugt sich dann endgültig und ruft, das sei jetzt aber garantiert das Ende der Vorstellung, in den Applaus hinein und packt das Instrument wieder ein.

Die Leute gehen und sie setzt sich neben mich ins Gras, ich lobe noch einmal die Virtuosität ihres Spiels und ihr wunderbares Musikgefühl, doch sie bricht die Lobeshymnen ab, indem sie mit ihren Händen durch mein Haar fährt und ihre Lippen auf die meinen preßt, in einem leidenschaftlichen Kuß finden sich unsere Zungenspitzen wieder zu einem flüchtigen Spiel, dann liegen wir nebeneinander in der Sonne. Es tut uns wohl beiden gut, so entspannt beieinander einfach in der Sonne zu liegen und die Zeit verstreichen zu lassen. Sie hat dann ihren Kopf auf meine Brust gelegt und wir dösen noch eine Weile im duftenden Gras, wobei Sonne und Wetter ihr Bestes geben, um es uns angenehm zu machen.

Sie fragt mich nach meiner Lieblingsmusik oder Lieblingsgruppe. Ich erläutere, es gefielen mir einige der etwas älteren Pop-Musik Gruppen, besonders begeistert sei ich von den alten Genesis-Stücken, sie kennt aber nur die neueren, hält sie immerhin für ganz passabel, so reden wir noch eine Weile über Pop-Musik. Stücke, die ich noch kenne, weil mein älterer Bruder die Platten hat, sind ihr aber oft nicht mehr geläufig, und von der Pop-Musik der neueren Gruppen der letzten paar Jahre sind wir größtenteils beide enttäuscht.

Als wir uns zum Aufbruch entschließen, stellt sich die Frage, wie es zu ihrer Wohnung gehen soll. Mit Saxophon und meiner Tasche können wir schlecht zu zweit mit dem Rad fahren, also müssen wir uns kurz trennen, sie fährt mit dem Rad, ich mit der Straßenbahn.

Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst: Sie verrät nie ihr letztes Geheimnis.

Oscar Wilde

Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter!

William Shakespeare (Was ihr wollt)

Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten.

Aristoteles

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

Ludwig van Beethoven

(15) Donnerstag Abend

Als ich bei ihr ankomme, hat sie das Fahrrad bereits weggestellt, wartet vor der Tür auf mich, wir gehen gemeinsam hinauf. Sie stellt fest, sie sei ganz durchgeschwitzt, da sei die Fahrt nicht angenehm gewesen. Ich füge hinzu, es sei gut zu sehen, daß sie durchgeschwitzt sei, ihr T-Shirt klebe am Körper. Beiläufig und sie an beiden Händen ein Stück von mir abhaltend frage ich, ob sie eigentlich nur im Sommer nicht oder nie einen BH trage. Sie schaut an sich hinunter, lacht, tatsächlich klebe das T-Shirt sehr an ihrer Haut, vielleicht hätten eben im Georgengarten deswegen so viele eine Zugabe verlangt. Einen BH trage sie eigentlich nicht, sie fordere zudem vehement die Befreiung der weiblichen Büste aus dem drangsalierenden Zwang des Halters. Zudem, soviel gebe es da ja auch nicht zu halten, sonst würde ihre Forderung vielleicht weniger vehement sein, immerhin könne sie gut verstehen, wenn Frauen mit üppiger Oberweite da einen Bedarf haben, den Vorbau zu fixieren, insbesondere bei körperlicher Betätigung. Ich unterbreche, auf die Menge komme es ja auch nicht unbedingt an, bei ihr sei aber natürlich ausgesprochen ansehnlich und bleibe offenbar von alleine in Form. Sie ist amüsiert, sie habe aber sogar einen BH. Vor Jahren in der Schule, als alle Freundinnen begonnen hätten, einen zu tragen, habe sie unbedingt einen haben wollen, habe sich sogar Sorgen gemacht, daß bei ihr kaum etwas zu sehen sei, wo das doch bei einigen anderen schon erstaunliche Ausmaße angenommen habe, bis zum Abitur sei es ihr dann egal gewesen, zumal sich bis dahin ein paar kleine, ganz entzückende Wölbungen herausgebildet hätten. Damals habe sie natürlich wie ihre Freundinnen auch so etwas tragen müssen, zuerst habe ihre Mutter selbstverständlich auch gesagt, daß das noch gar nicht nötig sei, um jedoch weitere Diskussionen zu unterbinden, sei sie mit ihr in ein Geschäft gegangen und habe ihr einen gekauft, sogar einen sehr guten. Damit sei sie dann ein paar Tage ganz Stolz herumgelaufen, dann sei es ihr jedoch unbequem geworden, und da es sowieso nicht nötig gewesen sei, habe sie ihn dann stillschweigend im Schrank gelassen und bisher nur relativ selten wieder benutzt.

In der Pubertät könne das schon ein Problem sein, wenn sich in der Gruppe, in der Schulklasse Bilder davon etablierten, wie man als Mädchen oder Junge zu sein habe und der eigene Körper die Wunschvorstellungen nur mäßig widerspiegelt. Die teils lächerlichen Bilder im Kontrast zur jugendlichen Realität würden da oft doch sehr dem Selbstvertrauen zusetzen. Aber da habe sie irgendwann die Kurve bekommen, zumal die Jungs ja auch Interesse gezeigt hätten, offenbar sei es also nicht so zweifelhaft um sie bestellt gewesen, also Selbstvertrauen wieder ein gutes Stück aufgebaut, die Freiheit der weiblichen Brust dann überzeugt vor sich hertragend und dabei oder damit vermutlich ganz nebenbei bei den Jungs Eindruck machend, wenn sich unter dem T-Shirt, ob eng und trocken oder naß dann doch etwas angedeutet haben mag, was gut gewirkt haben wird.

Sie fragt, ob ich mit ihr duschen wolle, das sei sicher ein interessantes Spiel für den späten Nachmittag. Ich schaue sie etwas unentschlossen an, sie hakt nach, ich solle schon mitkommen, und so gehe ich mit. In ihrem Zimmer ziehen wir uns aus, ich stehe hinter ihr, umarme sie, lecke den salzigen Geschmack ihres frischen Schweißes von der Haut über ihrem Schlüsselbein, während meine Hände über ihren Bauch, ihre Hüften fahren, sie meint, ich solle nicht ablenken, läßt sich aber doch eine Weile verwöhnen, dann macht sie meine Hände von ihrem Körper los, die inzwischen schon ihre Oberschenkel massiert haben. Sie holt zwei große Handtücher aus dem Schrank, legt sie über einen Arm, mit der anderen Hand zieht sie mich hinter sich her ins Bad. Sie legt die Handtücher beiseite und wir steigen in die Dusche.

Sie nimmt den Duschkopf in die Hand, grinst mich frech an und schiebt den Einhandregler im kalten Bereich nach oben, während sie den Strahl auf mich richtet, das eiskalte Wasser trifft mich wie ein Schlag, ich krümme mich etwas zur Seite, um dem Strahl etwas auszuweichen, atme tief und hörbar ein, sie lacht vergnügt, hält den Strahl weiter unbarmherzig auf mich, meine Haare, meine ganzen Körper, dann duscht sie auch sich ebenso kalt ab, was uns nicht umbringe, mache uns stärker, heiße es doch, fügt sie hinzu, den Einhandmischer nun aber doch mehr ins Warme verschiebend macht sie den Duschkopf über uns fest, nun sei es ja warm, tröstet sie mich, und auch sie werde mir noch etwas einheizen, küßt mich auf die Schulter, während das Wasser über unsere Körper rinnt. Sie streichelt meinen Brustkorb, meine Arme, meine Oberschenkel, ich greife hinter mich, fahre um ihre Hüften, ihren Po, sie schmiegt sich an mich, ihr Mund saugt sich am Halsansatz an meinem Nacken fest. Tatsächlich geht es mir gleich viel besser, obwohl sie ziemlich kräftig saugt, ihre Armen schiebt sie unter meinen hindurch, preßt sie gegen meine Brust. Mit ihrem linken Bein reibt sie an meinem, vom Fußgelenk bis ganz den Oberschenkel hinauf, beweist dabei ihre Gelenkigkeit. Eine ihrer Hände fährt massierend tiefer, über den Bauchnabel hinaus, wühlt vorsichtig in den Schamhaaren. Ich schließe die Augen, bis sie aufhört, mit ihrem Mund weiter an meinem Hals zu saugen und mir zuflüstert, falls ich doch noch eine andere hätte, würde ich ihr den gewaltigen Knutschfleck wohl erklären müssen, denn der werde über Tage bleiben, dann gräbt sie auch noch ihre Zähne daneben in meine Haut, bis es weh tut, leckt dann mit der Zunge darüber, versichert, bleibende Schäden werde es nicht geben, ich erkläre, da sei ich ungemein beruhigt. Kurz darauf stellt sie das Wasser aus, gibt mir etwas für die Haare und massiert sich selbst etwas davon in die ihren, dann beginnt sie, mich mit ihren Händen einzuseifen, den Arm, über Schulter und Brust zum anderen Arm, dann der Bauch, ich solle mich wieder umdrehen, verlangt sie, massiert dann meinen Rücken, die Bemühungen ihrer Hände sind herrlich. Sie bückt sich, beginnt meine Beine von den Füßen her einzuseifen, massiert Oberschenkel und Po, dann greift sie vorsichtig nach vorne herum und streicht sanft über Hoden und Penis, stellt fest, das habe doch schon eine enorme Wirkung gehabt. Sie erhebt sich wieder, drückt mir die Flasche mit der flüssigen Seife fröhlich grinsend in die Hand, dreht mir den Rücken zu, jetzt sei ich dran. Ich beginne mit ihren Füßen und gehe langsam ihre Beine hoch, reibe länger als nötig ihre Oberschenkel ein, massiere ihren Po kräftig, es geht nahtlos weiter mit dem Rücken, der frei ist, weil sie mit einer Hand ihre Haare hochhält, ich massiere ihre Schultern, was ihr alles sichtbar gut gefällt. Als Gegenleistung erhöhe ich aber den Druck der Daumen bei der Massage so weit, bis aus ihrem Mund ein Laut ertönt, der mir zeigt, daß es ihr genauso unangenehm geworden ist, wie es sei sollte, ich sage, jetzt könne sie sich umdrehen. Vom ihrem Hals geht es nun mit sehr angenehmer Intensität weiter hinunter über ihren Busen zu ihren Brüsten, die ich sanft und ausgiebig massiere, sie schließt dabei entspannt und angeregt die Augen, genießt es. Meine Hände gleiten tiefer über ihren Bauch, ein Finger spielt mit ihrem Bauchnabel, die Seife habe ich schon weggestellt, mit der frei gewordenen Hand geht es tiefer, ihr Brustkorb hebt und senkt sich stark unter ihren kurzen, erregten Atemzügen, als ich vorsichtig durch ihre Schamhaare fahre, am Haaransatz noch kräftig wühlend, weiter nach unten vordringend jedoch immer vorsichtiger werdend, sie öffnet den Mund, atmet schwer, als meine flache Hand ganz zwischen ihre Beine gleitet, eine Hand von ihr fährt jedoch ohne besondere Eile über meine Brust, meinen Bauch hinab, faßt meinen Arm, gleitet daran weiter hinab zu meiner Hand, die immer noch zwischen ihren Beinen ganz sanfte Berührungen probiert, sie hält diese, zieht sie dann aber zurück, sie lächelt dabei, öffnet die Augen, die andere Hand läßt ihre Haare los, die über die Schulter auf einer Seite nach vorne fallen. Sie packt auch meine zweite Hand, führt sie über ihre Hüften, ich fasse sie, sie schmiegt sich an mich, drückt mich langsam gegen die Wand, ihre Hände auf meinem Rücken pressen mich an sie, während ihr Fuß wieder an meinem Bein hochstreicht. Ich umfasse fest ihre Pobacken, hebe sie etwas an, ihre beiden Beine umklammern mich, ich halte sie, unsere Münder finden sich, die Lippen gleiten übereinander, unsere Zungenspitzen treiben ein aufregendes Spiel, irgendwie stellt sie mit dem Einhandmischer das warme Wasser wieder an, welches über unsere aneinandergeklammerten Körper prasselt, wir küssen uns gegenseitig die Gesichter ab, es ist wunderbar, sie in den Händen zu halten, ihre Nähe zu spüren, eine ganze phantastische Ewigkeit scheint es zu dauern, doch dann flüstert sie mir ins Ohr, sie müsse darauf bestehen, daß zum Abschluß wieder kaltes Wasser folge, ihre Beine gleiten nacheinander wieder zu Boden, ihre Hand schiebt sich zwischen unsere Körper, sie fügt hinzu, zumal das ja auch die Durchblutung fördere und die erregten Gemüter wieder kühle. Sie regelt mit der anderen Hand die Temperatur wieder herunter, bis es nur noch kaltes Wasser gibt, ich lasse sie jedoch nicht los, sie küßt mich kurz auf den Mund, nimmt den Duschkopf und braust meine und ihre Haare noch einmal durch, während sie mit der anderen Hand hindurchfährt. Tatsächlich zeigt das kalte Wasser bald Wirkung, sie drückt mit der freien Hand sanft gegen meine Brust, ich lasse sie los, sie duscht uns beide noch kurz ab, dann stellt sie das Wasser aus. Sie greift von draußen die Handtücher, wir trocknen uns die Haare, dann reibe ich ihr mit ihrem Handtuch den Rücken ab, die Arme, die Beine, ihre Brust, ihren Bauch, und da auch die Haare zwischen ihren Beinen getrocknet werden müssen, ist der kühlende Effekt des kalten Wassers schnell wieder zunichte gemacht. Bevor aber zu viel passiert, nimmt sie mir das Tuch aus der Hand und wickelt es um ihre Taille. Dann trocknet sie mich mit meinem Tuch ab, welch herrliches Gefühl, wenn ihre zarten, flinken Finger durch den Stoff auf meiner Haut spielen, sie mich massieren, mich kräftig abreiben, nur zwischen den Beinen ist sie sehr sanft und vorsichtig, sie lächelt mich an, damit nicht doch noch etwas Unbeabsichtigtes passiere. Außerhalb der Duschkabine trocknen wir uns noch gegenseitig die Füße ab, dann gibt sie mir ihren Bademantel, selbst behält sie das Tuch um.

Sie möchte von mir wissen, ob meine Haare auch geföhnt werden müßten, ich verneine, nur kämmen, sie trockneten schnell von alleine. Ein Vorteil der kurzen Haare, wie sie meint, gibt mir dabei den Kamm, holt für sich unter anderem einen Föhn aus dem Schrank. Als ich mit kämmen fertig bin, geht sie mit mir in N.s Zimmer, schließt den Föhn an, drückt ihn mir in die Hand, in der ich noch den Kamm halte. Sie setzt sich rittlings auf einen armlehnenlosen Stuhl, legt ihre Arme entspannt über die Rückenlehne, während ich beginne, ihre Haare zu trocknen. Dann möchte sie, daß ich ihre Haare zu einem Zopf flechte, ich erkläre, ich wisse nicht wie, sie setzt mir jedoch geduldig auseinander, was ich zu tun habe, während ich ihre Schultern massiere. Früher habe das immer ihre Mutter getan, dabei sei sie ihr noch am nahesten gewesen, jetzt trage sie die Haare auch oft offen, doch jetzt solle ich einmal zeigen, was ich könne und wie geschickt ich sei. Also versuche ich es unter ihrem kritischen Blick in einen großen Spiegel und leiser klassischer Musik, die sie in N.s Anlage aufgelegt hat. Nachdem sie mich mehrmals korrigiert hat, sind die Anfangsschwierigkeiten überwunden, und in die Aufgabe vertieft, ihr schönes Haar in meinen Händen, geht die Arbeit für mich ganz gut voran.

Um auf das Gespräch von vorheriger Nacht zurückzukommen, beginne ich, ich müsse ihr Recht geben, es habe etwas gefehlt, meine Argumentation sei sehr einseitig gewesen, aus Gewohnheit sei ich gleich vom naturwissenschaftlichen Weltbild ausgegangen und habe so das Ich leicht relativieren können. Gehe man jedoch vom Ausgangspunkt jeder Erkenntnis aus, so könne zunächst nur das Ich zuverlässig als existent erkannt werden nach dem Motto: Cogito ergo sum. Genaugenommen sei damit durch den Gedanken selbst nur die Existenz von irgendetwas gesichert, aber immerhin könne so sicher die Existenz für wahr gegenüber der Nichtexistenz eingestuft werden. Alles andere werde nur als Begriffe oder Sinneseindrücke wahrgenommen, deren Authentizität immer angezweifelt werden könne. Nun könne überlegt werden, ob die Logik als Werkzeug eingeführt werden solle (obwohl diese in gewisser Weise auch schon in der Aussage - Cogito ergo sum - vorhanden sei), ohne Logik oder ohne konsequente Anwendung der Logik - aus Falschem folge Beliebiges - sei eine beliebige Aussage über die Welt möglich, was oft bei religiösen Weltbildern vorliege. Andererseits könne man weiter die Möglichkeiten unterscheiden, ob die Sinneseindrücke eine Realität widerspiegelten oder nicht, die durch die Sinneseindrücke in im Prinzip nachvollziehbarer Weise repräsentiert würde.

Gehe man davon aus, daß die Sinneseindrücke keine Realität widerspiegelten, liege offenbar die solipsistische Position vor, einzig das Ich existiere, wobei das mit Ich bezeichnet werde, dessen Existenz durch - Cogito ergo sum - sichergestellt sei. Die Informationen über die Welt durch die Sinneseindrücke würden als Sinnestäuschungen angenommen oder als Bestandteil des Ichs, ihnen werde keine eigenständige Welt zugeordnet, weil sie nicht beweisbar seien.

M. merkt an, in ihrer Begriffsnomenklatur sei das die Leugnung des Getrenntseins von Ich und Außenwelt, indem man die wahrgenommene Außenwelt einfach ignoriere. Man akzeptiere das Gefängnis der Einsamkeit, um sich nicht mit der eigenen Angst vor dem Getrenntsein von der Außenwelt beschäftigen zu müssen. Da keine anderen Menschen für den Solipsisten existierten, könne er sich auch nicht mit ihrer Hilfe aus dem Gefängnis der Einsamkeit befreien, etwa durch die Liebe, da keine Welt außer dem Ich existiere, könne er das Getrenntsein von der Welt nicht aufheben, indem er sich mit einem anderen Menschen vereinige.

Ich stimme zu, doch sei der Solipsismus als Idee recht interessant, sei es doch mit einem Minimum von Annahmen möglich, ein kompaktes und widerspruchsfreies Weltbild zu erzeugen, während etwa die religiösen Weltbilder ein Maximum von Annahmen benötigten, denn alles sei Annahme, jede beliebige Aussage, ohne zu einem widerspruchsfreien Modell zu gelangen. Da die Welt allerdings nur Schein sei, gäbe es so natürlich auch keine weitere Erkenntnis über die Welt, was das theoretisch interessante Konzept praktisch dann doch recht langweilig erscheinen lasse.

Das letzte Ziel aller wissenschaftlichen Erkenntnis besteht darin, das größtmögliche Tatsachengebiet aus der kleinstmöglichen Anzahl von Axiomen und Hypothesen zu erhellen.

Albert Einstein

Wenn man jedoch der Realität, wie sie von unseren Sinnen erfaßt werde, eine gewisse Authentizität zuordne, könne man entweder sein Weltbild so aufbauen, daß sie nur unmittelbar mit den eigenen Sinnen erlebbar sei, was in etwa schon von Goethe postuliert worden sei und auch in ihren Überlegungen immer wieder anklinge, es sei andererseits aber auch möglich, im naturwissenschaftlichen Sinne vorzugehen. Dabei würden die eigenen Sinnesorgane zunächst zu Instrumenten zur Wahrnehmung der Realität, die durch weitere, darauf schlüssig aufbauende Instrumente ergänzt werden könnten. So sei es möglich, ein zunächst völlig willkürliches Modell der Realität zu überprüfen, indem man in diesem Modell ein Experiment mit einer charakteristischen Antwort entwickele, die sich auf den Repräsentationen der Instrumente zeige. Das Experiment werde dann ebenfalls in der Realität durchgeführt. Stimme das theoretische Ergebnis mit dem experimentellen innerhalb der Meßgenauigkeit der Instrumente überein, könne das Modell beibehalten werden und könne durch weitere Versuche geprüft werden. Ergäben sich Abweichungen, sei entweder das alte Modell zugunsten eines neuen aufzugeben oder zumindest zu korrigieren. Dann werde wie zuvor das alte nun das neue Modell geprüft. Durch Versuch und Modell ergebe sich so iterativ langsam ein immer besseres Bild von der Realität, wobei im Grenzfall kleiner Meßgenauigkeit das iterativ schlechtere Modell aus dem besseren folgen müsse. Es ergebe sich durch dieses iterative Verfahren von vorne herein die Möglichkeit, daß niemals ein völlig exaktes Modell gefunden werde, sondern immer nur eine Approximation benutzt werden müsse, außerdem seien die experimentellen Ergebnisse wie auch die numerischen des Modells immer nur von endlicher Genauigkeit, so daß ein Nachweis der exakten Gültigkeit eines gefundenen Modells nie würde gelingen können.

M. wirft ein, es sei doch auch nur im Moment des Experiments, welches dem Modell entspreche, sicher, daß die Daten übereinstimmten, was wenn das Modell nur in diesem Moment stimme und vorher oder irgendwann nachher ganz andere Naturgesetze vorlägen.

Ich gebe ihr vergnügt recht, das stimme, das sei im Prinzip möglich. Wenn die Änderung nicht prognostizierbar sei, wäre das aber das Ende jeglicher Erkenntnismöglichkeit. Solch eine Welt sei natürlich möglich, aber die Hypothese verschaffe keinen Erkenntnisvorteil. Zudem man gucke oder messe ja oft und das würde alles zusammenpassen, von daher als unwahrscheinlich, wenn nur Merkwürdigkeiten und Abweichungen auftreten würde, wenn man gerade nicht mißt.

Sie meint, es könne doch sein, daß die Naturgesetze erst durch den Erkenntnisprozeß geschaffen werden! Ich füge ironisch hinzu: Das sei die Frage, ob ein in einem Wald umfallender Baum auch ein Geräusch von sich gebe, wenn niemand da sei, um es zu hören. Natürlich gebe es im Wald Spuren des Ereignisses, die Druckänderungen durch das Geräusch hätten diese Spuren hinterlassen, sie müßten nur gesucht und gefunden werden.

Demgegenüber sei es schon eine gewisse Schwäche des naturwissenschaftlichen Weltbildes, daß man stillschweigend die Invarianz von Naturgesetzen im Zeitablauf voraussetze, doch sei das bisher ziemlich unproblematisch gewesen, weil das bisher immer zugetroffen habe und es ja auch selbst prüfbar sei, man in Zukunft ja auch sofort erkennen könnte, wenn das nicht mehr gelten sollte. Beziehungsweise eine Veränderung von Naturgesetzen würde vermutlich die Lebensbedingungen des Menschen so stark verändern, daß er so nicht mehr lebensfähig sei. Und ohne Mensch sei auch ein Weltbild des Menschen ziemlich überflüssig, ohne Lebewesen sei es offenbar unnötig, daß jemand auf seine Umwelt reagieren könne, wozu das naturwissenschaftliche Weltbild so gut geeignet sei, weil man damit gerade eine Prognose wagen könne, was auf eine Aktion hin geschehe. Letztlich sei das bisherige und zukünftige Überleben des Menschen nur durch Anwendung dieses Weltbildes oder der Verfahren dieses Weltbildes möglich. Das Weltbild der unmittelbaren Wahrnehmung ermögliche hingegen hervorragend das Erlebnis der Welt eben gerade durch seine subjektive Position der Welt gegenüber, welche das Ich von der Welt trenne, während das naturwissenschaftliche Weltbild durch Einnahme eines 'objektiven' Standpunktes keine Trennung von Ich und Welt feststellen könne, die nicht willkürlich sei und somit auch nicht für ein Ich-Erlebnis geeignet sei. Die Auswahl eines geeigneten Weltbildes sollte sich so nach der beabsichtigten Anwendung richten, es sei in diesem Sinne keines wahrer als das andere, sie stünden alternativ nebeneinander, wobei es nur von der Anwendung abhänge, welches im jeweiligen Einzelfall vorzuziehen sei.

Inzwischen bin ich mit dem Flechten fertig, und sie schaut meine Bemühungen noch einmal sehr sorgfältig und kritisch im Spiegel an, ich schaue ihr zu, wie sie sich vor dem Spiegel hin und her wendet, bewundere ihren schönen Körper, der noch immer nackt ist, da sich beim Aufstehen das Handtuch gelöst hat, ich genieße die graziösen Bewegungen, trete hinter sie, umfasse ihre Oberarme, ziehe sie an mich, küsse ihre Schulter, ihren Hals. Sie greift nach meinen Händen, spielt mit meinen Fingern, genießt meine Zärtlichkeiten. Sie dreht sich zu mir um, schiebt mich bis zum Stuhl zurück, daß ich mich setzen muß. Mit einem Bein schiebt sie meine Füße auseinander, so daß ich nun mit leicht gespreizten Beinen vor ihr sitze. Sie setzt sich, mir die Vorderseite zugewendet so auf meine Oberschenkel, daß die ihren so auf meine aufliegen, daß ihre Beine selbst weit gespreizt werden. Ihre Hände fahren unter den Bademantel, über meinen Brustkorb, meine Schultern, meine Hände umfassen ihren Po, ziehen sie näher an mich heran. Ihre Lippen kurz auf meinem Mund, auf meiner Nase, sie knabbert spielerisch an meinem Ohr, mit einer Hand spiele ich mit ihrem Zopf, den ich über ihre Schulter nach vorne gezogen habe und mit dessen Spitzen ich ihre Brustwarzen kitzele, worauf sie ihren Oberkörper weiter zurückbeugt, die Augen schließt und mich eine ganze Weile weiterspielen läßt, mit dem Zopf auf ihrer Brust, dann mit der Zungenspitze um ihre Brustwarzen herum, dann sauge ich mit dem Mund daran, ich spüre, wie sehr ihr das gefällt, doch es soll ja nur ein Spiel sein, so gehe ich höher, hole ihren Oberkörper wieder weiter heran und küsse ihren Hals, ihre Wange, knabbere wie sie zuvor an meinem an ihrem Ohr, dann halten wir uns eine Zeit lang bewegungs- und wortlos vor Glück in den Armen.

Dann steht sie auf, zieht ein Nachthemd an, wir bereiten das Abendbrot vor, essen beim Fernsehen. Wir gehen nicht allzu spät ins Bett.

Nur die allergescheitesten Leute benutzen ihren Scharfsinn zur Beurteilung nicht bloß anderer, sondern auch ihrer selbst.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt.

Johann Wolfgang von Goethe

Gehör ich doch zu den Narren, die nach inwendig gucken, wo bekanntermaßen spärlich beleuchtet wird.

Wilhelm Busch

Gar sehr verzwickt ist diese Welt,
mich wundert's daß sie wem gefällt.

Wilhelm Busch

(16) Donnerstag Nacht

M. stellt fest: Ich sei wieder dran mit Kartenziehen, ich kann in ihrem Gesicht zwar Spannung erkennen, aber sie ist nicht mehr so unruhig und angespannt, ich ziehe, auch diesmal keinen Joker, ich zeige ihr die Karte, mische, halte sie ihr zum Ziehen hin. Sie streicht mit ihren langen, schlanken Fingern über meine Hand, über die Karten, schaut mich ganz ruhig und entspannt an, lächelt, zieht eine Karte, dreht sie ohne Zögern um, so daß wir sie gleichzeitig sehen, doch auch diesmal ist es kein Joker, sie löscht das Licht, kuschelt sich an mich und erzählt, Morgen Nachmittag werde ihre Schwester aus dem Urlaub zurückkommen, vor der werde sie mich nicht verstecken wie am Wochenende vor ihren Eltern, was auch schlecht möglich sei, da N. hier ja ebenfalls wohne, außerdem sei das mit ihrer Schwester auch kein so großes Problem für sie, wenn ich kurz vor 19 Uhr zum Abendbrot käme, habe sie genug Zeit, ihrer Schwester beim Auspacken zu helfen und sie auf mein Kommen vorzubereiten. Eventuell werde ich auch N.s derzeitigen Freund P. kennenlernen.

Sie führt weiter aus, ihr Verhältnis zu ihrer Schwester sei früher schwieriger gewesen als heute, sie habe ja schon erwähnt, fünf Jahre älter als sie sei N.. N. sei immer die Vorkämpferin gewesen, bei Dingen, die sie habe tun wollen, ihr Vater aber nicht habe erlauben wollen. Es sei zwischen den beiden immer zu Auseinandersetzungen gekommen, davon habe sie in gewisser Weise sogar profitiert, zum einen, weil ihr Vater, aus Angst mit ihr irgendwann das gleiche zu erleben, erheblich mehr habe durchgehen lassen, sie sei zum anderen ja auch immer sein Liebling gewesen, brav mit den Eltern Musik spielend, dem Vater nicht direkt widersprechend, in der Schule begabt und gute Noten nach Hause bringend, eben die ideale liebe und brave Pastorentochter, wie er sich das bei seiner konservativen Art wohl auch von N. immer gewünscht habe, denn sie habe natürlich Zuhause nicht erzählt, wie sie mit den Jungs gespielt habe, so habe ihr Vater ihr nicht zürnen müssen, während N. ihre Beziehungen und Affären immer ziemlich offen gezeigt habe, und so natürlich besonders als Tochter des Pastors ein einziger Skandal in der Gemeinde gewesen sei, aber gerade diese Provokation des Vaters habe N. durchaus im Sinn gehabt. Sie habe ebenfalls schon erwähnt, ihre Eltern hätten nach außen hin nie Zärtlichkeiten oder Gefühle gezeigt oder ausgelebt. Nicht einmal N. sei es mit ihren Provokationen gelungen, ihren Vater wirklich aus der Fassung zu bringen. Zuerst habe sich N. noch von seinen scharfen Worten beeinflussen lassen, anfangs habe es sogar Ohrfeigen und mit dem Stock den Hintern voll gegeben, doch als ihr Vater bemerkt habe, daß N. ihn dazu geradezu provoziere, um überhaupt eine Reaktion von ihm zu bekommen, um von ihm beachtet zu werden, obwohl sie schon immer das Sorgenkind gewesen sei, nicht der Liebling, habe er das unterlassen und ihre Eskapaden mit ausdruckslosem Gesicht ertragen. Bestenfalls habe er ihr gegenüber noch ein paar scharfe Bemerkungen fallenlassen. Bei dieser kalten Gemütsauffassung habe er eindeutig seinen Beruf verfehlt, eine Idee, auf die er aber offenbar nie gekommen sei.

Auch bei ihrer Mutter seien nicht viele Gefühle zu holen gewesen, obwohl sie meint, das es bei ihr nicht immer so gewesen sei, schließlich habe sie sie immer stillschweigend verwöhnt, N. und sie gleichermaßen, ohne sich über N. jemals verärgert zu zeigen, offen zu ihr gehalten habe sie auch nicht, ihre Mutterliebe habe sie nicht offen gezeigt, habe aber immer perfekt für sie gesorgt. Sie müsse viel unter der Gefühlskälte ihres Mannes gelitten haben, doch selbst Pastorentochter habe sie das irgendwie ertragen, mit Disziplin und Achtung, obwohl sie sagen müsse, viele von Vaters Kollegen, die sie ab und an kennengelernt habe, seinen ganz anders gewesen. Ihre Mutter habe sich wohl mit der Zeit ihrem Mann angepaßt, obwohl sie auch immer auf eine persönliche Sphäre geachtet habe. Wenn sie sich so zurückgezogen habe, habe nicht einmal ihr Vater sie zu stören gewagt, auch wenn dadurch der ansonsten so perfekte und regelmäßige Tagesablauf gestört worden sei, weil Mutter die Zeit vergessen habe.

Eigentlich habe sie sich nie vorstellen können, wie die beiden überhaupt ihre beiden Kinder zustande gebracht hätten, vielleicht seien sie ja anders, wenn sie mit sich allein im Bett seien, doch glaube sie das eigentlich nicht. Sex zwischen den beiden müsse ein absurdes Schauspiel gewesen sein. Sie könne sich einfach nicht vorstellen, daß ihr Vater nur zum Spaß einmal Verkehr mit ihr gehabt habe, dennoch habe Mutter vielleicht etwas davon gehabt, denn es habe ziemlich lange gedauert, bis sie schwanger gewesen sei, und nach dem ersten Kind habe es wieder lange gedauert, obwohl sie eigentlich geplant hatten, gleich nachdem ihr Vater die Gemeinde bekommen habe und sie geheiratet hätten, zwei Kinder zu bekommen, wie ihre Mutter einmal erzählt habe, doch das habe nicht so gut geklappt, wie ihr Vater sich das wohl vorgestellt habe. Dann sei aber doch N. gekommen, die dann aber für die Eltern nicht einfach gewesen sei, während sie immer als das goldige Kindlein geschildert worden sei. Jahre später habe dann ja ihre Schwester diese geradezu beängstigende Eigeninitiative entwickelt, habe versucht, ihre Gefühle auszuleben und solche aus ihren Eltern hervorzulocken. Da das nicht gelungen sei, habe sie versucht, sich die Liebe bei ihren Bekanntschaften zu holen, die sie Zuhause nicht bekommen habe. In der Schule sei N. auch nicht sonderlich erfolgreich gewesen, obwohl wohl ebenso intelligent wie sie, rein aus Protest und fehlendem Interesse habe sie sich nicht besonders viel darum gekümmert. Sie sei so zu einem Enfant terrible im wahrsten Sinne des Wortes geworden.

Kurioser Weise habe N. sie immer gedeckt, wenn sie etwas angestellt hätte. Auch als sie später wohl teilweise mitbekommen habe, daß sie sich für Jungs zu interessieren beginne, habe sie das natürlich nicht Zuhause erzählt, im Gegenteil, als ihr Vater einmal nach einer Feier, auf der sie beide gewesen seien, nach ihren Aktivitäten gefragt habe, habe N. sie als Vaters braven Liebling geschildert, obwohl sie sich natürlich vorher umgezogen habe, denn womit sie von Zuhause habe losgehen müssen, sei natürlich auf der Feier nicht tragbar gewesen, wenn man ernst genommen werden wollte. Dort sei sie in der schon geschilderten Weise auf die Annäherungsversuche der Jungs eingegangen, habe eng mit ihnen getanzt, das sei ihrer Schwester sicher ebenso wenig entgangen wie ihr Knutschen in einer Ecke mit denselben Typen vor dem Tanzen.

Erst als sie zusammen begonnen hätten, Jazz zu spielen, hätten sich sich jedoch eigentlich richtig miteinander beschäftigt, N. sei dann zu einer wirklich guten Freundin geworden, mit der sie über vieles sprechen könne. N. habe durch den Jazz erlebt, daß die Erziehungsversuche ihrer Eltern nicht völlig sinnlos gewesen seien, schließlich habe sie auf deren Veranlassung hin klavierspielen lernen müssen. Vielleicht habe das auch zu einer gewissen Entspannung zwischen N. und ihrem Vater geführt, zumal N. nun erwachsen geworden sei und ihre Affären nicht mehr so provokativ öffentlich aufgeführt habe.

Als N. dann nach hier gezogen sei, und M. nach dem Abitur ebenfalls habe hierherziehen wollen, um zu studieren, sei N. sofort bereit gewesen, sie zunächst in ihrer kleinen Wohnung aufzunehmen, doch davon sei ihr Vater natürlich nicht begeistert gewesen, so habe die ganze Familie einen ganzen Sonntag Nachmittag zusammengesessen und habe diskutiert, irgendwie habe N. es tatsächlich geschafft, ihn wenigstens so weit zu beruhigen, daß er sein Einverständnis gegeben habe, allerdings nur, wenn sie eine größere Wohnung fänden, in der M. auch wirklich ungestört sei, das sei aber auch nur vor Semesterbeginn gelungen, weil ihre Mutter durchgesetzt habe, daß Vater einen erheblichen Mietzuschuß zahle, der einiges über die Hälfte der Miete hinausgehe, so daß sie sich diese wirklich gute Wohnung hätten leisten können. Hier wohnten sie nun seit gut eineinhalb Jahren und kämen gut miteinander aus.

Hin und wieder habe N. natürlich ihre intimen Bekanntschaften mitgebracht, was sie eigentlich nie gestört habe, doch seit einem guten halben Jahr sei sie nun ohnehin mit P. zusammen. Ihres Wissens sei sie seit dem nur mit zwei anderen Männern jeweils für eine Nacht in ihrem Zimmer verschwunden, denn auf P. völlig festlegen wolle sie sich wohl noch nicht. Die Beziehung zu P. sei überhaupt ruhiger als die anderen ihr bekannten Affären, N.s Intimleben sei dadurch auch erheblich überschaubarer geworden, und doch sei sie weit davon entfernt, sich an ihn zu binden, ihm treu zu sein, allerdings glaube sie auch nicht, daß sie ihm das erzähle, N. halte immer soviel Distanz, daß P. nicht an ihrem ganzen Leben teilhabe. Praktisch gehe sie auch immer zu ihm, wenn sie zusammen sein wollen, P. komme nur sehr selten über Nacht hier her, während N. relativ häufig bei ihm sei.

Zu letztem Wochenende ergänzt sie: Eigentlich sei sie ja alt genug, um ihr eigenes Leben zu führen, doch falle es ihr schwer, mich ihren Eltern vorzustellen, nach dem, was sie erzählt habe, könne ich das wahrscheinlich verstehen, sie wisse nicht recht, wie sie das machen solle, da sie nie mit ihren Eltern über so etwas habe sprechen können. Sie sei für sie immer noch ihr liebes, kleines, artiges, unschuldiges Mädchen, da könne sie nicht plötzlich einen Mann vor sie hinstellen und erklären: Mit dem gehe sie ins Bett, den könne sie ohne Bedenken umarmen und küssen, dem könne sie vertrauen, bei dem sich geborgen, verstanden, geliebt fühlen, bei dem könne sie Gefühle zeigen, mit dem werde sie intimen Kontakt pflegen und in seinen Armen vor Lust keuchen, mit dem werde sie alles tun, was ihnen beiden Spaß bereite, den wolle sie ganz kennenlernen und werde sich auch ihm ganz öffnen, das alles ohne Reue und ohne schlechtes Gewissen, sondern mit ihm werde sie einfach nur ihre Gefühle, ihre Liebe und ihre Sexualität genießen. Wie könnte sie das ihnen, diesen Eltern sagen? Oder solle sie mich einfach nur mit Namen vorstellen und alles andere, wichtige ungesagt lassen? Mit N. könne sie über ihre Gefühle reden, doch mit ihren Eltern? Was wissen die eigentlich von ihr?

Ein anderes Problem sei wohl die Unsicherheit, solche 'zwei Welten' überhaupt zusammenzubringen, ich und N., ich und ihre Familie, Personen, die bisher nichts miteinander zu tun gehabt hätten, die ganz verschiedene Rollen in ihrem Leben spielten, irgendwann werde es ja auch bei ihren Eltern sein müssen, sie könne ihnen das auch nicht ewig verschweigen, doch jetzt wolle sie nicht beginnen, sich damit zu quälen, wie sie das hinbekommen könne. Ich könnte ja noch etwas von mir erzählen, von meiner Vergangenheit, meiner Familie, meinen Freunden?

Das tue ich, obwohl mir mein Leben längst nicht so erzählenswert erscheint, wie das ihre. M will dann natürlich auch etwas über meine sexuellen Erfahrungen wissen, wo sie ja schon über sich erzählt habe, keine kompletten Namen, aber auf jeden Fall, wie es bei mir das erste Mal gewesen sei.

Ich beginne also zu erzählen, schon immer ein eher zurückhaltender Typ, hätten mich in der Schule zwar einige Mädchen begeistert, ich hätte mich aber gar nicht getraut, eine anzusprechen oder mich einer zu nähern. Also in der Hinsicht gäbe es da nichts zu erzählen. Auch beim Zivildienst hätte ich mich nicht getraut, gegenüber einer Schwesternschülerin im Krankenhaus mein reges Interesse zu bekunden. So habe sich auch da nichts ergeben.

M. streichelt tröstend meine Wange und kommentiert: "Armer Junge, die hübschen Mädchen so nah und doch so fern und der Druck so groß! Das war sicher schwer!" Ich nicke lächelnd und fahre fort:

Am Anfang des Studiums habe sich da natürlich zunächst auch nichts an meinem Verhalten geändert. Allerdings sei es so Sitte, daß die Studienanfänger in Gruppen organisiert würden, die von älteren Studenten eine Zeit lang betreut würden, um die Kinder an die Universität zu gewöhnen. Und die Betreuerin meiner Gruppe war B., eine recht distanzierte und selbstbewußte, emanzipierte Blondine mit bunten Klamotten aus der alternativen Szene, beziehungsweise der Öko-Szene, also sicher nicht das klassische Sexsymbol, aber ich war gleich begeistert von ihrer inneren Ruhe und gutmütigen Ausstrahlung. Bedingt durch die Verzögerung durch den Zivildienst war B. gar nicht einmal so viel älter als ich, hatte eben nur gleich nach dem Abitur zu studieren anfangen können. So ging es bei ihr schon fast auf das Diplomjahr zu - und machte natürlich gegenüber den Anfängern gleich ordentlich Eindruck mit ihren Kenntnissen und Ansichten. Eigentlich war sie auch nur eingesprungen, weil sich wohl nicht genug Leute für die Betreuung gemeldet hatten, die erst ein paar Semester hinter sich hatten. Jedenfalls war ich sehr von ihr beeindruckt und konnte auch irgendwie nicht die Augen von ihr lassen. Sie bezüglich meines Interesses anzusprechen, hatte ich natürlich nicht gewagt. So hing ich also verzückt mit den Augen an ihren Lippen, ihren lebhaften Augen, den trotz ihrer dicken, sexuell auf jeden Fall komplett unverdächtigen Klamotten anmutigen Bewegungen.

Jedenfalls schien sie trotz meiner Zurückhaltung recht bald zu merken, daß meine bewundernden Blicke nicht nur ihrer Fachkompetenz galten und dem Respekt als Betreuerin der Gruppe. Irgendwie, als ein Gruppentreffen bereits beendet war und wir alle bereits auf dem Heimweg waren, hat sie mich schon unterwegs irgendwie abgefangen und hat ihren Unwillen darüber bekundet, wie ich sie anschaue. Das sei völlig unangemessen etc, jedenfalls eine ordentliche Strafpredigt voller Emanzipation, wie sie da voller Überzeugung in ihrer bunten, alternativen Montur vor mir stand, von Körpergröße gar nicht so beeindruckend, vom Zorn, Ausstrahlung und Mundwerk her schon. Irgendwie hatte ich in dem Moment das Gefühl, also würde alles auf mich allein herunterblitzen, was sich so angestaut hatte als Unmut über Ungerechtigkeit und schlechter Behandlung aller Frauen. Sollte ich hier etwas alles büßen, was meine Geschlechtsgenossen über die Jahrtausende so falsch gemacht hatten und teils wohl immer noch taten? B. hörte sich jedenfalls in dem Moment in meinen Ohren so an, als wolle sie mich allein für alles verantwortlich machen, nur weil ich sie zu intensiv angesehen habe - und dabei nicht einmal wegen der Schlabberklammotten auf Brüste, Schoß oder Hintern, wo ohnehin nicht so viel zu entdecken gewesen wäre. Das war mir alles schrecklich peinlich und wie unter körperlichem Schmerz krümmte ich mich schon unter ihrer trotzdem zweifellos berechtigten Kritik an meinem Verhalten. Nachdem sie jedenfalls ihren kompletten Redeschwall herausgelassen hatte, der zudem keinesfalls einstudiert war, sondern offenbar einfach so aus ihr herausgebrochen war, übergab sie mir dann das Wort, um mich zu erklären, zu entschuldigen oder was auch immer zu tun, um mich zu rechtfertigen.

Doch sehr verängstigt und dieser geballten Emanzipation völlig hilflos ausgeliefert, brachte ich aber nur eine stotternde Entschuldigung heraus und wand mich unter ihrem immer noch sehr bösen Blick. Sie provozierte aber noch immer und forderte von mir in klaren Worten zu erklären, warum ich sie, besonders ihre blonden Zöpfe, Brüste, ihren Hintern, ihren Schambereich immer so anglotze. Das war nun völlig übertrieben, ich hatte viel mehr nach ihrem Gesicht gestarrt, von dem anderen hätte ich natürlich gern mehr gesehen, was ich ihr aber natürlich nicht sagen konnte, was mir dabei allerdings siedend heiß durch den Kopf schoß. Oh, wie war mir das peinlich. Und ich stotterte nur blödsinniges, unverständliches Zeug. Ich war ein nichtiger Wurm unter ihrem strengen Blick, konnte nicht einmal widersprechen, daß es bei den Klamotten gar keinen Sinn ergäbe, nach Brüsten, Hintern oder Schambereich ausgiebig Ausschau zu halten. All das blieb in meinem Gestammel unerwähnt, was vermutlich auch besser so war, sonst wäre noch viel mehr Unheil über mir zusammengebrochen.

Plötzlich aber verzogen sich die Wolken über ihrem Haupt und sie lachte amüsiert auf. Doch irgendwie trug das gar nicht zu meiner Erleichterung bei, sondern grub sich nur noch tiefer in mein schlechtes Gewissen, auch darüber, daß ich sie mir schon mehrmals bei der Selbstbefriedigung vorgestellt hatte.

Dann schaute sie wieder ernst und recht tief in meine Augen. Ich schluckte und erwartete schon, daß sie mich gleich umbringen werde. Aber sie tat es nicht, vermutlich hatte sie sich gerade noch an ihre eigentlich pazifistische Gesinnung erinnert. Allein diese versprach noch Rettung in meiner verzweifelten Situation. So schaute sie mich nur an, um mich herumgehend, wie um herauszufinden, wie sie mich am besten zerlegen könne. Und dann meinte sie nur sachlich: So toll sehe sie doch auch nicht aus, daß ich ausgerechnet auf sie abfahren müsse. Ich schüttele aber nur vorsichtig den Kopf, denn dem konnte ich keinesfalls zustimmen. Nun, der stille, schüchterne, ungeschickte, eingeschüchterte Verehrer, den sie da nun in mir sah, ließ ihre Stimmung dann doch etwas besser werden. Irgendwie mischte sich mit ihrer Verachtung dann doch etwas bessere Laune.

Sie grinste: "Kannst du vergessen! Zum Aufreißen und Abschleppen bin ich ziemlich schlecht geeignet. Auf einmalige Sachen stehe ich sowieso nicht mehr und auch sonst ist mein Interesse an sexuellen Kontakten praktisch nicht vorhanden!" Nun schaute sie zu Boden, uns war beiden irgendwie klar, daß sie mehr verraten hatte als sie gewollt hatte und daß die Situation irgendwie für uns beide peinlich wurde. Ohne Gruß und Abschied gingen wir dann auseinander. Damit schien sich die Angelegenheit erledigt zu haben, denn auf den Gruppentreffen riß ich mich zusammen und sie blieb distanziert und diszipliniert und ging auf den Zwischenfall nicht weiter ein. Nach einiger Zeit hatte sich das mit den Gruppentreffen ohnehin verselbständigt und fand nicht mehr statt, die neuen Studenten hatten selbst Gruppen und Cliquen nach Interessen und Eigenheiten gebildet, Betreuer wurden da nicht mehr gebraucht.

Nun war sie aber auch Korrektorin bei Übungszetteln und wie es sich so traf, hat sie auch mal einen von meinen korrigiert, wo ich dann Fragen hatte. Ich hatte nicht einmal bemerkt, daß B. die Korrektorin war, bis ich dann in der Sprechstunde vor ihr stand. Nun, das war dann etwas peinlich, aber wir zogen das recht gut durch. B. fragte danach allerdings, wohl noch aus alter Verantwortung für die ehemalige Gruppe, die sie geleitet hatte, wie ich so mit dem Studium zurechtkomme und ich erzählte ein wenig. Jedenfalls entspannten wir uns etwas. Allerdings war ich recht schnell wieder gefangen von ihrer Persönlichkeit, was auch ihr nicht entging. Jetzt lächelte sie aber nur: "Immer noch Interesse?" Ich konnte wieder nur schlucken und es muß schon ziemlich dumm ausgesehen habe, wie ich sie angesehen habe. Ob sie Mitleid hatte oder nicht, wer weiß, jedenfalls stocherte sie nach: "So schlimm?" Ich nickte nur und sie schmunzelte, schüttelte den Kopf. Die Sprechstunde war ohnehin vorbei und wir verabschiedeten uns. Ich hatte es gar nicht richtig registriert, aber im Weggehen hatte ich plötzlich einen Zettel von ihr in der Hand. Erst als sie längst weg war, habe ich es gewagt draufzusehen. Eine Uhrzeit abends, 'heute' und eine Adresse, mehr stand nicht drauf.

Natürlich war ich pünktlich zur Stelle und klingelte. Das war B.s Wohngemeinschaft. B. war selbst an der Gegensprechanlage und kam dann runter. Sie ging voran und ich folgte ihr still. Im Park, fast im Dunkeln drehte sie sich dann um, ließ mich ganz herankommen und hakte sich einfach bei mir unter, während wir eine ganze Weile weitergingen.

Irgendwann fragte sie dann einfach, wie ich mir denn gedacht hätte, wie es laufen solle. Ich zuckte nur hilflos die Schultern. B. meinte nur, sie sei nicht gut für mich, bei ihr sei einiges verkorkst und dabei ziemlich chaotisch, besser ich ließe mich nicht auf sie ein. Natürlich war mir ihr Rat an sich wertvoll, aber nicht in dieser Angelegenheit, daher zog ich nur wortlos ihren untergehakten Arm dichter an mich heran. Sie lachte leise, blieb stehen, drehte sich, daß sie nun vor mir stand, schob nun auch ihren anderen Arm an meinen Körper heran und umarmte mich: "Ist es dem Herrn so recht?" Natürlich war ich sehr überrascht und sagte doch zögernd einfach "Ja", daß sie lauter lachte. Sie legte ihren Kopf auf meine Schulter und nun umarmte ich auch sie. Wir standen eine ganze Weile. Es tat natürlich sehr gut, sie so zu halten und irgendwie löste sich auch bei ihr nach einer Weile die Anspannung.

Irgendwann meinte sie ganz trocken: "Also ich kann das wirklich nicht häufig machen, liegt mir einfach nicht. So eine ganz normale Beziehung Tag für Tag ist sowieso nicht mein Ding. Und mit vielleicht einmal Sex im Monat wirst du nicht zufrieden sein, damit wäre aber etwa mein Bedarf gedeckt, wird also nicht passen. Besser also, du läßt mich einfach gehen." Auf gar keinen Fall wollte ich sie nun loslassen, obgleich sie das wohl schon wollte, als sei das bereits eine Abschiedsrede gewesen. Ich aber hielt sie einfach fest und das schien dann auch sie irgendwie zu erleichtern. So standen wir wieder eine ganze Weile, dann gingen wir Hand in Hand weiter. Sie schaute mich an: "Also offenbar nicht loslassen? Aber ich habe dich gewarnt. Ich sehe da nichts, was mittel- oder langfristig gut für dich wäre." Ich lies mich aber nicht beirren und ließ nicht so leicht los, was ich einmal in der Hand hatte. Und sie beließ es dabei, schüttelte nur etwas verlegen den Kopf, während wir Hand in Hand weitergingen. Ich glaube, da war sie noch recht unentschlossen, was sie nun mit mir anfangen sollte, der Griff ihrer Hand war recht locker, aber nach einer Weile zog sie den merklich an.

Irgendwann standen wir dann wieder vor dem Haus mit B.s Wohngemeinschaft. Schon daran gewohnt, daß ich in ihrer Gegenwart nicht viel sprach, zog sie mich einfach mit hoch in die Wohnung. Ich war irgendwie betäubt vor Überraschung. Es war schon recht spät und in der Wohnung war es bereits still. So gingen wir ohne weitere Begegnungen auf ihr Zimmer. Wir zogen unsere Jacken und Schuhe aus und in dem kärglich eingerichteten Zimmer gab es ohnehin kaum eine andere Wahl, als es sich auf dem schmalen Bett bequem zu machen.

Ohne weitere Umschweife umarmte B. mich wieder und wir küßten uns, wobei ich anfangs recht zaghaft war, aber einmal entschlossen, zeigte sich B. recht offen und zugänglich für Zärtlichkeiten und mit großer Aufregung begann ich dann, sie zu streicheln, wegen der dicken Klamotten natürlich nicht sehr effektiv, was für sie zunächst aber kein Problem zu sein schien. Die vorsichtige Art schien ihr schon recht zu sein. Jedenfalls sah sie offenbar keine ideologischen oder sonstigen Probleme mehr, wir waren hier also quasi rein privat aktiv.

Irgendwie hatte ich auch recht schnell begriffen, daß sie nun nicht mehr so forsch und selbstbewußt vorging wie zuvor, in ihrer Umarmung und ihren Küssen war sie recht zurückhaltend, aber das war eigentlich nur gut für mich, denn allein das reichte schon, um mich stark zu erregen und mich ziemlich durcheinanderzubringen. Ungeschickt fummelte ich an ihren dicken Klamotten herum, bis sie wohl irgendwie mitbekommen hatte, daß sie da doch besser nachhelfen sollte. Also löste sie ihre Umarmung, stand auf. Im Dämmerlicht konnte ich gerade so sehen, wie sie die Träger ihrer bunten Latzhose herunterstreifte und die Hose dann fallen ließ. Aus den Hosenbeinen stieg sie einfach aus, während sie gleichzeitig den dicken, selbstgestrickten Pullover über den Kopf zog. Jedenfalls ging sie da ganz ohne Pose oder Übertreibung vor, auch ohne besondere Eile und ohne auch groß auf mich zu achten.

Mit Socken, Unterhemd und Unterhose kam sie dann wieder zu mir ins Bett, um mich wieder zu umarmen. Erotische Unterwäsche, soweit man das erkennen konnte, hatte sie natürlich nicht, alles eher bequem und schlabberig, für mich aber ein Hochgenuß, sie so zu umarmen und an mich zu drücken. So oder so war ich entschlossen, fuhr mit den Händen unter ihr Unterhemd und streichelte sie. Mich erregte es stark, ihre zarte, weiche, warme Haut zu spüren, für sie war das offenbar auch komplett in Ordnung. So war es dann auch kein Problem, daß ich ihre Brüste streichelte und bald den Kopf unter ihr Unterhemd steckte, um ihren ganzen Körper zu küssen. So zog ich ihr dann auch kurzerhand das Unterhemd aus. Sie streifte dann auch noch ihre dicken Socken aus. Bis auf die Unterhose nackt, ich noch komplett angezogen, schien mir das dann auch nicht richtig zu sein, so stand ich nun auf und zog mich bis auf die Unterhose aus, wobei diese kaum noch das steife Glied beherbergen konnte.

Schnell legte ich mich wieder zu ihr und liebkoste sie weiter, während sie mich fast nur umarmte und vorsichtig meinen Rücken streichelte, meine Küsse auf den Mund aber gerne und intensiv erwiderte. So streichelte, küßte und massierte ich sie eine ganze Weile, bis ich es dann wagte, eine Hand hinten in ihre Unterhose zu stecken und ihren Po erst vorsichtig streichelte, dann zunehmend fester packte. Irgendwie war ich ganz froh, daß sie nicht viel mit mir anstellte, denn wenn sie das getan hätte, wäre ich sicher sehr schnell so erregt gewesen, daß ich einen Orgasmus gehabt hätte. So aber ging es ganz gut, mit etwas zittrigen Fingern streichelte ich sie weiter, küßte ich ihre Brüste, ihren Busen, ihren Bauch, auch den Bauchnabel.

Ihr schien das ganz gut zu gefallen und da war ich recht erleichtert, da ich ja keine praktische Erfahrung hatte und sie auch keine Anhaltspunkte oder Hilfen gab, was ich am besten tun sollte, wie es am besten anstellen, um sie in eine angemessene Stimmung zu versetzen oder diese zu steigern. Natürlich fummelte ich alsbald intensiver an ihrer Unterhose herum. Ich wollte sie herunterziehen, als sie dann doch aktiv wurde. Sie richtete sich auf, mich weiter umarmend. Dicht vor mir flüsterte sie dann: "Wir müssen aber ein Kondom verwenden." Ich nickte natürlich zustimmend und sie stand auf und kramte irgendwo im Zimmer herum. Dann stand sie wieder vor dem Bett, zog ihre Unterhose aus. Sie hielt mir die Hand hin, um mich hochzuziehen. So standen wir dann beide vor dem Bett.

In einer Hand hatte sie die Packung mit dem Kondom, zog mit der anderen an meiner Hose, was aber wegen der starken Erektion komplizierter war, als sie gedacht hatte. So hielt sie inne, die Hose zöge ich besser selber aus, schlug sie vor, was ich dann auch tat. Etwas verlegen standen wir voreinander im Dämmerlicht, bis sie dann die Packung mit dem Kondom aufriß. Dann meinte sie: "Ich knie mich aber nicht vor dich hin, um dir das überzuziehen!" Und damit setzte sie sich auch schon auf das Bett, faßte mich an der Hand und zog mich herum, daß ich vor ihr stand, mit der ganzen, steif aufgerichteten Pracht direkt vor ihr. Vorsichtig streichelte sie nun erst meinen Bauch, dann meine Oberschenkel, griff dann von unten sanft um meinen Hodensack, daß das Glied sich fast schmerzhaft versteifte und vor ihr erzitterte und wippte. Ich konnte mich kaum noch zurückhalten und fürchtete gleich, daß das nicht gutgehen wird, wenn sie beginnen würde, mir das Kondom übers Glied zu ziehen. Irgendwie an etwas anderes denken? Gelang mir aber nicht, also besser ehrlich sein. Also stieß ich verzweifelt hervor: "Warte, warte! Sonst komme ich gleich schon!" Mir war das peinlich, aber B. ließ sich nichts anmerken, zog mich neben sich aufs Bett und umarmte mich sanft: "Schon in Ordnung, ruhig bleiben!"

Umarmt fielen wird ins Bett und B. zog die Decke über uns, schmiegte sich einfach an mich. So hielt sie mich eine ganze Weile und ich wagte gar nicht mehr, irgendwas zu tun. Aber ihre Ruhe und gutmütige Geduld taten mir sehr wohl. Sie ließ mir einfach Zeit und fragte irgendwann: "Besser?" Ich sagte "Ja, ist jetzt besser!"

B. wagte also einen zweiten Versuch, streichelte wieder Bauch und Oberschenkel, dann vorsichtig die Penisspitze. Ich versuchte mich zusammenzureißen und sie machte weiter, Kondom drauf und abrollen, was mich wieder sehr stark erregte, was sie am zuckenden Penis auch wohl zu spüren schien, denn sie nahm mich wieder in den Arm und wir lagen wieder eine ganze Weile, bis sie wieder fragte: "Besser?" Und ich bestätigte dies mit einem knappen "Ja".

B. drehte sich mit mir in unserer Umarmung, daß ich oben lag. Sie zog ihre Beine an, daß ich zwischen ihnen lag. Die Wahl der Position schien für sie auch völlig unstrittig und undogmatisch zu sein. Wir küßten uns und mit der Hand zwischen unseren Körpern suchte ich nun nach ihrer Scheide, um irgendwie mit ihr zusammenzukommen. Selbige war zwar schnell gefunden und das Glied davor, doch es erwies sich als gar nicht so einfach, in sie einzudringen. Irgendwie war dann auch ihre Hand da und wir fummelten gemeinsam herum, bis es zu passen schien, denn inzwischen hatte sie mich mit ihren Beinen umklammert und zog mich nun an sich, daß ich in sie eindrang. Sie atmete dabei laut hörbar ein, hielt mich fest, daß ich mich nicht bewegen konnte, was auch besser war, sonst hätte ich gleich meinen Orgasmus gehabt. Ich war ziemlich nervös und auch etwas hilflos in ihrer nun überraschend kräftigen Umarmung. B. atmete wieder aus, hielt mich aber immer noch fest, wir küßten uns. Dann fragte sie leise: "Du bist gleich soweit, oder?" Ich entschuldigte mich und bestätigte, ich sei sehr stark erregt und aufgeregt. Sie meinte, bloß jetzt keine ernsthaften Entschuldigungen, obwohl meine anfänglichen Liebkosungen sehr schön gewesen seien, sei sie aber leider noch nicht so weit, das bekämen wir wohl so nicht mehr gemeinsam hin. Das sei aber kein Drama. Besser also, ich würde einfach mal machen, wenn sie gleich die Umklammerung wieder löse. Ohne eine Antwort abzuwarten, tat sie das dann, wir lösten uns etwas voneinander, sie zog sich aber gleich wieder an mich heran, daß ich spürte, wie meine Erregung auf den Höhepunkt zusteuerte, wie von selbst begann ich, rhythmisch mein Glied in sie zu stoßen bis ich einen heftigen Orgasmus hatte, daß sie mich gleich wieder fest umarmte und wir uns küßten. Erst als sich unsere Lippen wieder voneinander lösten, fragte sie lachend: "Nun wieder alles gut?" Und ich mußte auch erleichtert lachen: "Ja, nun ist es sehr gut." Sie hielt mich mit den Beinen weiter umklammert und wir küßten uns wieder.

Nach einer Weile meinte ich, wir sollten uns vielleicht doch um das Kondom kümmern und so entspannte sie sich. Vorsichtig hielt ich das Ende des Kondoms fest, als ich den bereits etwas erschlafften Penis aus ihrer Scheide zog. B. meinte nur: "Komm mit mir ins Bad!" Ich folgte also und entfernte dort das Kondom, welches B. einfach nahm und damit verschwand, während sie meinte: "Wasch das besser sorgfältig ab, dann komm wieder zu mir." Das tat ich, etwas verlegen standen wird dann nackt in ihrem Zimmer.

Sie schaute mich an und auf den derzeit erschlafften Penis, fragte mich, ob ich vielleicht nochmal könne nach einer Pause und etwas mehr Kuscheln? Oder sei ich nun müde? Sie lächelte mich dabei an, also nickte ich: "Ich glaube schon, daß es nochmal klappt ..." So kramte sie also noch ein Kondom hervor und sprang zurück ins Bett, legte das Kondom neben das Kopfkissen, winke mich heran: "Komm schon!"

So folgte ich ihr also unter die Bettdecke und wir kuschelten uns wieder eng aneinander. Für B. schien es kein Drama zu sein, daß sie eine offenbar so starke Wirkung auf mich hatte. Wie zuvor überließ sie es dann wieder mir, mit mehr Aktivitäten zu beginnen. Bemüht, meinen vorherigen vorzeitigen Abschluß wenigstens etwas auszugleichen, fing ich dann auch bald wieder an, ihre Brüste, ihren Busen, den Bauch und den Bauchnabel zu küssen, sie überall zu streicheln. Mit meiner Hand massierte ich die Innenseiten ihre Oberschenkel und dann ging ich mit den Fingern vorsichtig höher zu ihren Schamhaaren, streichele sie dort. Während sie zuvor nur zufrieden und zunehmend heftiger geatmet hatte, wurde sie nun jedoch recht schnell aktiv. Mit einer Hand hielt sie meine fest und flüsterte: "Vorsichtig bitte, dort ganz vorsichtig!" Ich war nun verunsichert und streichele sie erst einmal woanders. Gleichzeitig hatte ich wohl schon eine ganze Weile eine Stelle ihrer Brust geküßt, weswegen sie mit bat, besser die Stelle öfter zu wechseln, sonst sei es nicht mehr so angenehm. Das machte ich dann natürlich und bemühte mich um Abwechslung, während ich mit einer Hand diesmal die Außenseite eines Oberschenkels streichelte.

Nach einer kurzen Zeit kam wieder ihre Hand hinzu, zog die meine aber nun in Richtung Innenseite ihres Oberschenkels und zeigte mir dort etwas zögernd, was ich am besten dort anstellen sollte. Tatsächlich hatte das bald einen beachtlichen Effekt, während wir uns nun wieder auf den Mund küßten. Ihre starke Erregung hatte natürlich auch auf mich wieder eine Wirkung. Um sie darüber zu informieren, hatte ich dann auch gleich ihre Hand zu meinem Penis geführt. Ohne zögern streichelte sie nun diesen ein wenig. Dann fragte sie: "Willst du jetzt vielleicht besser das Kondom überziehen?" Ich war einverstanden und griff mir die Packung, legte mich neben sie, um es überzustreifen. Da ich ja nun schon einen Orgasmus hatte, war ich ganz hoffnungsvoll, daß es diesmal besser gehen würde und länger dauern, tatsächlich war es nun kein Problem, das Kondom überzustreifen und mich gleich wieder B. zuzuwenden und sie weiter zu liebkosen.

B. half mir, ihre Erregung weiter zu steigern. Wir wechselten etwas hin und her, bis ich dann wieder auf ihr lag. Wieder brachte ich mein Glied vor ihre Scheide und suchte ein wenig herum. Diesmal half B. nicht, atmete aber schnell und bereits heftig erregt. Die richtige Stelle hatte ich dann schnell selbst gefunden und drang in sie ein, die nun so feucht und heiß dort war und mich eng umschloß. Ich bewegte mich vorsichtig in ihr, vor und zurück und obgleich ich bereits wieder stark erregt war, hatte ich die Angelegenheit doch deutlich besser im Griff. B. war nun auch deutlich aufnahmefähiger, so daß ich die Intensität der Bewegungen gut steigern konnte, ohne daß der Reiz für mich zu stark wurde. B. bat mich nun, sie bitte sehr fest zu umarmen und mich schwer auf sie zu legen, also tat ich das und bewegte mich weiter rhythmisch in ihr, während sie mich und fest umklammerte, mit Armen und Beinen, mir aber für meine Bewegung noch genug Platz ließ. Dann stieß sie hervor, wenn ich wolle, könne ich nun schneller und heftiger machen, für sie sei das in Ordnung, sie sei nun bereit, nur sollte ich besser ihren Mund mit einem Kuß verschließen. Also folgte ich dem, wir küßten uns und atmeten gegenseitig in uns ein und aus, daß mir schon schwindelig wurde, während meine Stöße tief in ihrem Leib immer heftiger wurden, bis bei mir der Punkt überschritten war, wo es kein Zurück mehr geben konnte, also weiter, noch heftiger, doch da bäumte sie sich auch schon heftig unter mir auf, mit einer Kraft, die ich bei ihr gar nicht vermutet hatte, gleichzeitig stöhnte sie heftig auf, ihr Leib glühte in unserer Umarmung und erzitterte. Ich war so erschrocken, daß ich gar nicht mehr wußte, was tun, automatisch stieß ich meinen Penis immer noch in sie hinein, sie umklammerte mich nun fest mit Armen und Beinen und sank mit mir zurück ins Bett, ließ mir nun kaum noch Platz für Bewegungen, nahm mir mit ihrem Kuß noch immer den Atem, doch dann hatte auch ich endlich meinen Orgasmus und entlud mich heftig in sie.

Dann lagen wir einfach nur noch da, immer noch fest umklammert und uns küssend und irgendwie abwechselnd durch die Nasen atmend, bis wir uns deutlich beruhigt hatten und ihre feste, fast beängstigende Umklammerung sich dann irgendwann löste, daß ich mich vorsichtig aus ihr zurückziehen konnte und matt neben sie ins Bett rollte. Wir lagen einfach schweigend und immer noch schnell atmend nebeneinander, eine ganze Weile herrschte Stille. Nun fragte ich: "Nun wieder alles gut?" Und sie antwortete: "Ja, nun ist es sehr gut." Und dann küßten wir uns vorsichtig wieder und mußten beide lachen.

Anschließend half sie mir dann wieder mit der Entsorgung des Kondoms und wir gingen zurück ins Bett und kuschelten uns zufrieden aneinander. B. war nun wieder voll bei Sinnen und meinte dann, sie könne das nicht oft ertragen und es sei bedenklich, wie sie klammere, wenn es so weit sei, ich hätte es ja nun erlebt, das sei alles nicht gut, erst mit diesem beängstigenden Druck der Körper passiere bei ihr etwas und was für mich vermutlich noch schlimmer sei, für einen Monat hätte sie nun sicher erst einmal genug. Besser also, wir beließen es dabei und ich würde mich woanders um Ausgleich bemühen. Ich aber nahm sie einfach in den Arm: "Alles in Ordnung!" Und da mußte sie dann doch lachen. Irgendwie war sie offenbar zu stark mit ihren Problemen beschäftigt gewesen, um meine Ungeschicklichkeiten überhaupt zu bemängeln, fürchtete offenbar nur um mein Wohlbefinden bei der Affäre. Vielleicht hielt sie Kritik oder Diskussionen wenigstens bei dieser Angelegenheit aber auch für unangemessen oder unhöflich oder sie war dabei dann doch weit weniger selbstbewußt und selbstsicher, als ihr sonstiges Auftreten hätte vermuten lassen können.

Wie sich herausstellte, war das allerdings ihr Ernst, was sie gesagt hatte und sie war dann wieder sehr distanziert und wollte mit mir nicht viel zu tun haben. Also ließ ich sie erst einmal in Ruhe, besuchte nach vier Wochen jedoch wieder ihre Sprechstunde, ziemlich zum Ende derselben. Nach der Klärung einer sachlichen Frage saß ich ihr dann einfach gegenüber und schaute sie an. Sie begriff natürlich recht schnell und meinte, ob das wirklich mein Ernst sei, sich noch einmal mit ihr einzulassen. Ich hatte aber nur genickt und sie angelächelt. Sie aber hatte immer noch Bedenken, das sei nicht gut für mich. Trotzdem war sie dann doch recht schnell einverstanden und schlug einen Termin vor.

Ähnlich wie bei ersten Mal gingen wir dann erst wieder abends spazieren, um dann tief in der Nacht in ihr Zimmer zu gehen. Nun hatte ich sie ja schon etwas kennengelernt und habe mich daher nicht ganz so ungeschickt angestellt wie beim ersten Mal, aber irgendwie war die Aufregung dann wieder bei mir deutlich größer. Also gab es dann wieder einen zweiten Versuch, der auch für B. sehr befriedigend war. Ich habe ihr erzählt, daß es mit ihr das erste Mal gewesen sei und ich glaube, da fühlte sie sich wirklich etwas geschmeichelt, meinte aber auch, dann sei sie sicher nicht die richtige für mich, denn zum Üben taugten unsere kleinen Treffen nun wirklich nicht. Ich müßte eigentlich jemanden zum Üben haben. Weder hatte ich sie so praktisch eingeschätzt, noch hielt ich das in dem Zusammenhang für richtig, aber sie meinte, wir sollten das mal diese Nacht nicht diskutieren, sondern lieber zufrieden sein. Nun hatte ich sie zwar nicht als besonders romantisch eingeschätzt, grübelte aber schon darüber, ob das alles zu ihrem emanzipierten Konzept paßt, vielleicht schon, wenn man da von einem freien, gleichberechtigten Ausleben der Sexualität ausgeht und keinen Wert auf gegenseitige Besitzansprüche legt.

Hinsichtlich ihrer Bedürfnisse war B. wirklich eine Konstante, immerhin war sie nicht zuletzt deswegen mit weiteren Treffen monatlich einverstanden, zu mehr war sie allerdings nicht zu bewegen, obwohl ich es schon gut gefunden hätte, wenn wir nur mal gemeinsam etwas unternommen hätten, meinetwegen auch nur Hand in Hand durch den Park gehen, aber auch das schien für B. nicht in Betracht zu kommen. Sie redete mir immer gut zu, doch nach was Soliderem zu suchen, aber ich hing natürlich sehr an ihr. B. hing aber irgendwie an der Idee, mir eine Freundin zu verschaffen, die in ihren Bedürfnissen flexibler war, ihr fiel aber über Monate niemand ein, so daß ich dachte, das sei alles nur Rederei, um mich ein wenig zu foppen und sie vielleicht selbst etwas zu quälen. Immerhin trafen wir uns nun auch sonst einmal die Woche in der Mensa.

Und dann stellte sie mir unvermittelt bei einem Mensatreffen D. vor, eine Freundin oder Bekannte von ihr offenbar, jedenfalls bereits Doktorandin, also ein paar Jahre älter als B. oder ich. Ich durchschaute erst den Zweck nicht, D. wohl auch nicht, aber wie ich dann später beim nächsten Treffen mit B. erfahren konnte, hatte sich D. vor einiger Zeit, länger als einem halben Jahr jedenfalls, komplett mit ihrem ehemaligen Freund zerstritten, der hatte kurz davor seinen Doktor fertig und offenbar fand D. dessen neue Stelle nicht in Ordnung. Der räumliche Abstand zeitlich bis zum Ende ihrer Arbeit wäre wohl in Ordnung gewesen, aber was er da für einen Job angenommen hätte, sei wohl nicht in Ordnung gewesen. D. hatte wohl nie Details verraten, jedenfalls ging ihr Freund wohl davon aus, alt genug zu sein, um über ihrem Idealismus zu stehen und damit war die Angelegenheit irgendwie erledigt. Seitdem war D. allein, was ja nun an sich nicht lange ist, zumal D. ja ohnehin mit ihrer Doktorarbeit gut zu tun hatte. B. hielt das aber jedenfalls für eine angemessen lange Frist und zugleich gute Chance, um da zu intervenieren.

Ich ahnte eigentlich erst, was B. plante, als sie begann mich darüber auszufragen, ob ich D. attraktiv fände, was sie geschickt formuliert hatte, so daß sie schnell heraus bekam, daß ich sie durchaus attraktiv fände. So hat sie mir dann auch anvertraut, daß D. mich wiederum ziemlich süß fände, was sie auf die Idee gebracht habe, daß da vielleicht doch zum Vorteil aller etwas zu machen sei. Jedenfalls, wenn es mich nicht stören würde, daß sie ein paar Jahre älter sei, was sie sich aber nicht vorstellen könne, denn um ein paar Jahre würde ich nicht so kleinlich sein. Nun, irgendwie hatte sie mich um den Finger gewickelt und D. wohl dann auch, womit sie einmal mehr gezeigt hatte, welch ein Rätsel in ihr verborgen steckt.

Und dann saßen wir wieder zu dritt in der Mensa und plauderten und irgendwie wirkte das feine Netz, welches B. um uns gesponnen hatte. Irgendwie hatte B. es dann ganz plötzlich eilig und wir saßen allein am Tisch, etwas verlegen schweigend, dann ein Thema suchend. D. brauchte etwas Erholung und so kamen wir auf die Idee mit einem Besuch im Sprengelmuseum am Samstag. Und so geschickt, wie B. das eingefädelt hatte, folgte dem lustigen Nachmittag dann noch ein lustiger Abend und weil wir uns ja ohnehin im Grunde darüber einig waren, landeten wir dann auch im Bett. D. hatte wirklich ziemlich unter Druck gestanden, nicht nur weil es bei der Arbeit eine unerwartete Komplikation gegeben hatte, sondern wohl auch noch aus Ärger über ihren Ex-Freund. Jedenfalls entlud sich das dann recht heftig in einer ziemlich wilden Nacht. Am nächsten Morgen war uns das alles wieder recht peinlich. Aber über das Frühstück legte sich das dann und wir plauderten wieder. D. wußte bereits über B.s stark zeitabhängige Bedürfnisse, versicherte mir allerdings, daß die Entwicklung mit mir ziemlich neu und überraschend gewesen sei, weil B. erst eine ganze Weile einmalige Abenteuer gesucht habe, dabei aber wohl irgendwie schlechte Erfahrungen gemacht habe und dann über zwei Jahre niemanden mehr gehabt habe. Das falle ungefähr mit dem Wechsel in ihrem Kleidungsstil zusammen, also vorher sei der nicht derart ausgeprägt individuell alternativ gewesen. Dann hat sie mich auch noch ausgefragt, warum B. uns wohl verkuppelt habe und ich gestand ihr dann den Sachverhalt meiner fehlenden Erfahrung einerseits und B.s Befürchtung, daß die monatlichen Treffen meinen Bedürfnissen nicht genügen würden und auch nicht dazu taugten, mir mehr Erfahrungen zu verschaffen. D. mußte lachen, da seien wir ja ein tolles Trio. Und ich dachte schon, damit wäre die Sache erledigt, aber sie meinte, wenn ich wolle, das mit der Erfahrung bekämen wir schon hin. Ihre Bedürfnisse seien jedenfalls derzeit andere als die von B., da werde das schon passen mit uns beiden. Aber, so fuhr sie fort, ich müsse mir darüber im klaren sein, das sei mir ihr nur auf Zeit. Mit B., wenn ich mit ihr klar käme, wer weiß, aber wenn sie mit ihrer Arbeit fertig sei, sei sie weg und unsere Angelegenheit spätestens dann erledigt.

Nun, ich ließ mich drauf ein, traf mich mit D. häufig zu wilden Spielereien, die sich immerhin nicht als Lehrerin aufführte, aber reichlich Gelegenheit bot, Erfahrungen zu machen. D. war recht ungestüm, wild, aber auch flexibel und locker und ihr Bedürfnis schien es zu sein, mit mir einfach Druck und Streß abzubauen. Recht verspielt hatte sie immer wieder irgendwelche Ideen, ließ aber irgendwie nie dabei auch nur den Verdacht aufkommen, die paar Jahre Unterschied zwischen uns und ihre größere Erfahrung würden ihr irgendeine führende Position zuspielen. Mit ihr passierte irgendwie immer etwas und sie schlug einfach mal unverbindlich vor, was wir so anstellen könnten oder hörte dann auch, was ich mir so vorstellte. So lief das mit D. jedenfalls nicht nur sehr entspannt, sondern dann auch sehr entspannend für beide Seiten. Irgendwie kam das auch B. zugute, die monatlichen Treffen mit ihr waren dadurch nicht weniger aufregend, aber ich konnte mich viel besser darauf einstellen.

Probleme mit diesem Arrangement gab es dann wirklich erst, als wir D.s Doktortitel gefeiert hatten und diese auf Jobsuche war. Wie angekündigt kündigte D. dann unsere Beziehung auf. Irgendwie hatte sie bei der Jobsuche auch wieder Kontakt zu ihrem Ex-Freund bekommen, der seinen Fehler mit dem Job längst eingesehen hatte und anderswo untergekommen war. Der Job schien moralisch vertretbar, denn da fing auch D. bald an und wie wir nachher erfuhren, sind die beiden wieder zusammengekommen.

B., die inzwischen längst mit ihrer Diplomarbeit begonnen hatte, sorgte sich nun wieder um meine Bedürfnisse und begann wieder damit, daß sie nicht gut für mich sei. Richtig arg wurde es, als sie dann darauf bestand, daß wir uns öfter zum Sex treffen sollten, da D. ja nun aus dem Rennen war. Anfangs war ich erfreut und habe eingewilligt, doch schnell stellte sich heraus, daß sie das nur meinetwegen wollte, für sie war es nur eine Belastung, richtige Befriedigung fand sie dabei gar nicht mehr, nicht einmal mehr einmal im Monat, da konnte ich mich so geschickt anstellen, wie ich wollte. Und durch die Erfahrungen mit D. hatte ich da schon viel mehr Möglichkeiten, zudem kannte ich B. ja nun schon viel besser und auch, wie sie sich verhielt und was das bedeutete. Allerdings traf das keineswegs mehr zu, als wir uns häufiger trafen. Das brachte bei B. irgendwie alles durcheinander.

Das führte uns dann richtig in die Krise, B. konnte sich nicht richtig konzentrieren und das war dann auch nicht gut für ihre Arbeit und ihr Wohlbefinden insgesamt. Natürlich gefiel mir das nicht und auf meine Veranlassung hin trafen wird uns wieder nur einmal im Monat, was zwar bei B. den gewünschten Effekt hatte, trotzdem war diese nicht so recht zufrieden, mehr mit sich selbst, weil sie sich immer für alles verantwortlich sah. Immerhin hat sie so ihre Diplomarbeit gut über die Runden gebracht, weil sie wieder ausgeglichen war, obwohl sie sich gleichwohl darüber beschwerte, daß ich sie nicht ernst genommen hätte, als sie mir gesagt habe, daß sie ziemlich verkorkst und nicht gut für mich sei. Ich nahm das alles nicht so richtig ernst, bis sie mir dann erzählt hat, sie habe bei einer anderen Uni eine Doktorarbeit angenommen und damit sei ich frei. Ich wollte natürlich gar nicht so frei sein, schlug vor, auch zur anderen Uni zu wechseln, aber sie wollte lieber Schluß machen, aus Prinzip und um mir weiteres Elend mit ihr zu ersparen. Daraus hat sich dann ein bizarrer Streit entwickelt, weil wir uns beide sehr mochten und uns aneinander gewöhnt hatten, aber irgendwie war der Zauber unserer merkwürdigen Beziehung gebrochen und B.setzte sich durch. Nach einer letzten, sowohl sehr befriedigenden als auch etwas melancholischen Nacht haben wir uns dann verabschiedet und B. zog weg. Wir hatten dann kaum noch Kontakt, gesehen habe ich sie nicht mehr. Nun, seitdem war ich dann also wieder allein.

M hat die ganze Zeit gespannt zugehört, nimmt mich nun tröstend in den Arm und meint, so optimal sei das ja letztlich nicht für mich gelaufen, aber immerhin eine Affäre gleich mit zwei Frauen, da hätte ich ja doch schon allerhand erlebt, ich hätte also etwas untertrieben, daß bei mir nicht so viel passiert sei. Immerhin könne sie versichern, daß sie sich nicht rar machen wolle und eine Befristung sei bei ihr auch nicht geplant. Ich müsse auch nicht befürchten, daß sie mir eine andere oder weitere Freundin vermitteln werde, was da anliege, möchte sie dann doch schon unter ihrer Zuständigkeit behalten. Von daher dürfe ich also hoffen, daß wir uns besser arrangieren könnten. Damit schmiegt sie sich eng an mich und ich küsse sie sanft auf die Stirn.

Wir plaudern noch etwas weiter über das Erzählte, bis wir ganz müde sind und einschlafen.

Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird.

Woody Allen

Sex ohne Liebe ist ein hohles Erlebnis - aber von den hohlen Erlebnissen ist es eines der schönsten.

Woody Allen

Das Maß von unbefriedigter Libido, das die Menschen im Durchschnitt auf sich nehmen können, ist begrenzt.

Sigmund Freud

Es behagt mir, den Leuten dieses Wort 'Lust', das ihnen so zuwider ist, bis zum Überdruß zu wiederholen.

Michel de Montaigne

(17) Freitag Morgen

Da M. wieder erst um 11 ct da sein muß, und ich diese Woche eine Übung um 12:30 habe, können wir länger schlafen. Als das Uhrenradio anspringt, haben wir noch reichlich Zeit, und so toben wir noch ein bißchen im Bett herum. Das entwickelt sich natürlich wieder sehr schnell zu einer leidenschaftlichen, wilden Fummelei und Knutscherei, welche wir kaum stoppen wollen und können. Aber bevor es bei mir zum Abschluß kommt, ringe ich M. dann doch entschlossen und gleichzeitig nieder, daß sie sich nicht mehr bewegen kann. So beruhigen wir uns wieder, denn M. hat ziemlich schnell verstanden, daß wir eine Pause machen müssen. Dann schmusen und kuscheln wir noch etwas.

M. löst sich dann doch irgendwann von mir, was uns beiden nicht leichtfällt. Dann steht sie auf, legt die Kette um ihr Fußgelenk, während ich ihren Fuß liebkose, dann geht sie ins Bad, kommt wieder, zieht sich an, wobei ich ihr immer wieder gerne zusehe. Während ich ins Bad gehe und mich anschließend anziehe, bereitet sie das Frühstück vor, wartet auf mich, damit wir gemeinsam essen.

Nach einer Umarmung, einem Abschiedskuß geht sie, ich wasche wieder das Geschirr ab, fahre dann zunächst nach Hause, ziehe neue Sachen an, beschäftige mich mit einem Computerspiel, bis es Zeit ist, zur Mensa aufzubrechen.

Ich bin schon sehr erleichtert, daß ich M. die Geschichte erzählt habe. Diese hat dann ja auch recht ruhig und souverän reagiert, also kein Grund zur Beunruhigung. Gut, die Sache mit B. und D. ist für mich ohnehin erledigt und bei M. schien das ja auch keine Bedenken auszulösen, obgleich diese Geschichte ja nun nicht so recht zu ihrer Liebestheorie paßt. Nun, da es letztlich nicht besonders gut ausgegangen ist, vielleicht aus ihrer Sicht doch ein Beispiel, wie es eher nicht geht. Einerseits, gut, vielleicht hätte ich besser gleich auf B.s Rat gehört und es gelassen, aber andererseits hat uns das trotz der reichlichen Komplikationen doch recht gut getan, es gibt also nichts zu bereuen, auch wenn die Geschichte letztlich ein unerfreuliches Ende genommen hat.

Aus jetziger Sicht ist es wiederum gar nicht so unerfreulich, denn mit M. habe ich ja nun wirklich eine Geliebte gefunden, die besser zu mir paßt, auch zu B.s Forderung, mir etwas Solideres zu suchen. Aber das hätte ich nicht getan, hätte mich gar nicht auf M. eingelassen, wenn ich noch Kontakt zu B. gehabt hätte. So ist das Ende und die folgende Pause samt Verarbeitung dann doch Voraussetzung, damit ich mich dann in M. verlieben konnte und zudem auch etwas mehr Selbstbewußtsein aufgebaut hatte, um da wirklich einen Kontakt zu versuchen. Oder hatte doch eher M. mit dem Kontakt begonnen und ich war nur einfach drauf eingestiegen? Egal letztlich, weil wir uns ja nun einig sind. Und die gesammelten Erfahrungen? Gut, ohne die wäre ich jetzt bei M. doch vermutlich viel zu nervös und könnte mich längst nicht so lange zurückhalten. Von daher vermutlich doch recht gut für uns, daß wir letztlich beide auf diese oder jene Weise Erfahrungen gesammelt haben, denn die haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind - und das ist gut.

Es wechselt Pein mit Lust. Genieße, wenn du kannst und leide, wenn du mußt.

Johann Wolfgang von Goethe

Liebe muß nicht bitten, auch nicht fordern. Liebe muß die Kraft haben, in sich selbst zur Gewißheit zu kommen. Dann wird sie nicht mehr gezogen, sondern zieht...

Hermann Hesse

Liebe ist wie ein Glas, das zerbricht, wenn man es zu unsicher oder zu fest anfaßt.

Russisches Sprichwort

Leichtes Leben verdirbt die Sitten, aber die Tugendkomödie verdirbt den ganzen Menschen

Theodor Fontane

(18) Freitag Nachmittag und Abend

Als die Übung um 14:00 zuende ist, fahre ich zunächst in die Stadt und besorge eine Kleinigkeit für die beiden Damen, dann geht es wieder nach Hause, wo ich weiter an meinem Seminarvortrag arbeite, der langsam Form annimmt.

Pünktlich breche ich auf und läute an der Haustür, M. öffnet über die Gegensprechanlage. Oben angekommen umarmen wir uns zur Begrüßung, dann führt sie mich in die Küche, wo ich N. vorgestellt werde. Ich überreiche den beiden Damen die gekauften Süßigkeiten, sage zu M.: "Sweets for my Sweet" und zu beiden, es sei wirklich eine Schwester schöner als die andere, zum Glück bräuchte ich nicht wählen, so bliebe es mir erspart zu entscheiden, welche von beiden die Schönere sei, dabei lächele ich ironisch und beide sind sichtlich amüsiert über meine Interpretation des Charmeurs. Zum Abendbrot gibt es einen vegetarischen Salat am festlich gedeckten Tisch. Wir unterhalten uns.

N. wiederholt noch einmal, was sie schon vorher zu M. gesagt habe, als ich noch nicht dagewesen sei: Sie sei doch etwas überrascht von ihrer Schwester gewesen, die nun plötzlich aus heiterem Himmel praktisch über Nacht eine Beziehung eingehen wolle, nachdem was sie zunächst mit den Jungs angestellt habe, wovon M. mir ja erzählt habe, dann die lange Pause, seit sie mit dem Studium begonnen habe, und nun wolle sie plötzlich die große Liebe. Allerdings halte sie M.s Vorstellung von einer Beziehung für ziemlich unrealistisch, mir sei ja immerhin zugute zu halten, daß ich da offenbar etwas skeptischer sei. Es sei doch aber im wirklichen Leben so, daß es äußerst selten passiere, daß man sich Hals über Kopf verliebe und das bis zum Ende seines Lebens halte. Irgendwann fielen einem von uns an dem anderen irgendwelche Kleinigkeiten auf, die ihm absolut nicht paßten, dann komme es zu Streit um Dinge, die es nicht Wert seien, es würden Vorwürfe gemacht über Ereignisse, die längst vergessen oder verarbeitet schienen, man wisse meist selbst nicht genau, warum das alles plötzlich so wichtig sei. Wenn man dann noch nicht verheiratet sei, ginge man dann in der Regel sehr schnell auseinander und suche sich einen neuen Partner. Die Verheirateten würden immer heftiger streiten, gegebenenfalls wegen der Kinder sich noch eine Weile weiterquälen, doch irgendwann sei es endgültig vorbei. Diese Enttäuschungen könne sie M. nicht ersparen, doch wenn eine Beziehung zu Bruch gehe, von der M. geglaubt habe, es sei die ewige Liebe, sei das eine noch schwerere Enttäuschung, und sie möchte gerne, daß wir das realistisch sehen, damit wir später nicht unnötig mehr litten als unbedingt notwendig. Sie habe M. schon gefragt, die ihr gesagt habe, daß wir bisher noch keinen Sex miteinander gehabt hätten, sie rate uns, unseren Spaß miteinander zu haben, solange wir noch glücklich miteinander seien, wer weiß, vielleicht dauere es ja doch länger und wenn wir viel Glück hätten, blieben wir sogar zusammen, doch jetzt schon zu sagen: Das ist es, vor allem, da sie wisse, daß M. noch keine Erfahrungen mit richtigen intimen Beziehungen habe, doch sie wolle ja immer alles perfekt machen, dabei sei es gut möglich, wenn sie sich so bedenkenlos darauf einlasse, daß sie ein Scheitern später um so härter treffe. Sie sei ja weit davon entfernt, mir unterstellen zu wollen, es nicht mit M. ernst zu meinen, aber wir müßten doch einsehen, daß nur eine kleine Chance bestehe, daß unsere Liebe auf Dauer funktioniere!

Ich werfe ironisch ein: "Wer nichts wagt, der nicht gewinnt!"

Sie lacht, aber nicht auf Kosten von M., die darauf meint, es freue sie ja, daß N. sich so um sie sorge, doch sei sie schon in der Lage, selbst die Risiken zu sehen, natürlich könne man vorher nie so genau wissen, was passieren werde, doch liege es ihr eben nicht, so zahlreiche Erfahrungen wie N. zu machen, außerdem scheine es ja nicht so zu sein, daß sie aus dem Scheitern ihrer vielen Beziehungen wesentlich gelernt habe, zumindest was die Haltbarkeit einer Beziehung anbelange, seien keine Lehren aus den bisherigen Trennungen zu erkennen.

N. meint, wenn sie von vorne herein nicht allzu viel in den Mann investiere, sei später auch die Enttäuschung nicht so groß, mit den meisten habe sie nur Sex, Liebe sei da nicht dabei, mit denen wolle sie einfach nur Spaß haben, wolle ihre Befriedigung haben. Der Mann müsse sich da nicht zum phantastischen Liebhaber aufspielen, nicht etwas leisten, es solle ja für beide ein intimes Vergnügen sein und keine öffentliche Demonstration von Fähigkeiten. Wenn sie sich in einen verliebe, eine Beziehung zustande käme, hinge sie sicher mehr an ihm, doch halte sie immer so weit Distanz, daß sie jederzeit wieder aussteigen könne, ohne allzu zu leiden, vielleicht entgehe ihr dabei die ganz große Zweisamkeit, doch dafür werde sie ihr Sexualleben auch nicht in große Krisen stürzen. Wenn wir hingegen unserer Beziehung eine so große Bedeutung zusprächen, werde die Enttäuschung um so größer sein, wenn es nicht klappe. Aber vielleicht habe M. ja auch Glück und habe endlich jemanden gefunden, der zu ihren Ideen ganz gut passe, ich scheine ja Rücksicht auf sie zu nehmen. Immerhin sei es für M. auch wichtig, überhaupt erst einmal zu riskieren, eine Beziehung einzugehen, denn was sie früher getan habe, sei ja auf Dauer nicht sehr befriedigend. Wenn sie jetzt zu mir Vertrauen habe, sei das schon ein Fortschritt.

Ich meine daraufhin zu N., das höre ich aber ein wenig feige an, lieber nichts zu riskieren und es dafür bei Belanglosem zu belassen. Sei das auf Dauer nicht auch unbefriedigend? M. hakt auch gleich nach und will von ihr wissen, wie es mit P. stehe, ob sie da nicht vielleicht doch mehr investiere?

N. wiegt den Kopf und meint bezogen auf meine Frage, den Stein der Weisen habe sie leider auch nicht gefunden, aber auch wenn man vielleicht etwas feige sei, so könne die Strategie doch auch durchaus ihre befriedigenden Aspekte haben. Zu M.s Frage meint N., sie habe P. gleich von Anfang an gesagt, daß sie nicht auf eine lange Beziehung aus sei, sie wolle nur ihren Spaß haben. P. sei ja sehr zurückhaltend, sie habe nicht gedacht, daß es mit ihm lange dauern werde. Es habe sich aber gezeigt, daß sie im Bett ganz gut miteinander zurechtkämen, er habe schnell gelernt, sich auf sie einzustellen, umgekehrt sei es auch ziemlich problemlos für sie gewesen. Er sei zwar kein leidenschaftlicher Liebhaber, aber man könne sich auf ihn verlassen, auch im Bett bemühe er sich sehr um sie. Er bevorzuge es natürlich, selbst der aktive Teil zu sein, dann zu tun, was dabei am leichtesten für beide zum Erfolg führe, doch wenn sie wolle, könne auch sie ab und zu die Initiative übernehmen, etwas Ausgefalleneres ausprobieren. Seine Ruhe und Gelassenheit sei allerdings für sie auf die Dauer nicht ganz leicht zu ertragen, auf Ausgleich bemüht, gelinge es ihm, jeden Streitversuch schnell zu schlichten, wobei er seine eigene Meinung nicht einmal zurückzustecken brauche. Hin und wieder brauche sie da schon Abwechslung, aber das müsse sie ihm ja nicht auf die Nase binden, außerdem habe sie ihm nicht versprochen, treu zu sein, auch verlange sie das nicht von ihm. Die nötige Distanz sei ja schon durch die getrennten Wohnungen gewahrt, sie könne sich jederzeit zurückziehen, so daß das meistens gar nicht mehr nötig sei, es reiche die bloße Möglichkeit. Sie sei ja doch oft bei ihm, es sei ihr selbst etwas unheimlich, doch eigentlich habe sie sich ziemlich an ihn gewöhnt, an seine Eigenarten, seine Person. Vielleicht riskiere sie da ja diesmal wirklich mehr und sei nicht mehr so feige, vielleicht...

Der gemeinsame Urlaub sei auch so ein Experiment gewesen, erstaunlicherweise sei es sehr gut gelaufen, obwohl sie nicht daran geglaubt habe, doch sie müsse zugeben, mit diesem Urlaub habe P. eine gute Idee gehabt. Heute werde er übrigens nicht mehr kommen, erst morgen zum Frühstück, aber nachdem sie es den ganzen Urlaub miteinander ausgehalten hätten, hätten sie beide schon eine kleine Pause verdient.

Ob sie P. liebe, will ich wissen; N. ist amüsiert, sie habe sich sicher schon ein paar Mal verliebt, doch vielleicht laufe es mit P. gerade deshalb so gut, weil sie ihn eigentlich immer nur gemocht habe, keine dramatische Leidenschaft, keine großen Gesten, keine übermäßige Aufwallung der Gefühle, nicht einmal etwas davon gespielt. Eigentlich sei er sowohl Freund als auch Liebhaber. Zwar könne man mit ihm nicht alles besprechen, doch man könne immerhin schon über sehr viel mit ihm reden. Solange er sich mit dem status quo abfinde, sehe sie keinen Grund, warum es mit ihm nicht weitergehen solle. Die Typen, die sie früher abgeschleppt habe, seien da schon anders gewesen, sie hätten ihr schon immer gut gefallen müssen, und es habe mehr passieren müssen, als zwischen ihr und P. passiert sei, als sie ihn kennengelernt habe. Sie habe ja schon gesagt, sie messe dem aber keine so große Bedeutung wie M. bei, es müsse nicht Liebe sein, um es miteinander zu treiben, auch nicht, um glücklich zu sein, ob nun mit oder ohne feste Beziehung.

M. schlägt vor, sie solle doch einmal von ihren Erfahrungen ein paar Beispiele erzählen, wenn sie es schon so gut mit ihr meine, schließlich müsse man nicht alle Erfahrungen selbst machen, um daraus zu lernen. Sie könne doch erzählen, wie ihre ersten Erfahrungen gewesen seien, bisher habe sie ihr nichts darüber erzählt. Seit sie zusammen wohnten, habe sie ja manchmal erzählt: Der sei gut im Bett gewesen, der ein totaler Reinfall, doch wie es eigentlich zu ihrem nun schon enormen Männerverschleiß gekommen sei, habe sie bisher verschwiegen, sie könne das doch nicht nur getan haben, um ihren Vater zu ärgern, und wenn doch, dann habe sie das doch jetzt nicht mehr nötig.

N. lacht etwas verlegen, immer wolle M. etwas lernen, statt eigener Erfahrungen andere Menschen ausfragen oder Bücher zum Thema lesen, Meinungen hören. Ihre Einstellung dazu sei eigentlich rasch zitiert:
die geschichte ist langweilig und immer dasselbe
die bücher zum thema sind auch nicht das gelbe
.

Ich kenne das Zitat, werfe ein: "fehlfarben?!"

Sie lacht, nickt, schon mache sich der Altersunterschied zu M. bemerkbar, die mit dem Zitat offenbar nichts anfangen kann.

Doch N. kommt zum Thema zurück, also gut, sie werde ein paar Sachen erzählen, von Anfang an:

Die ersten Erfahrungen habe sie allein gemacht. Zum eigentlichen ersten Mal könne sie erzählen, sie sei damals in eine Clique geraten, die hätten von freier Liebe geredet (auf dem Lande passiere soetwas eben mit einigen Jahren Verspätung) und hätten mit den tollsten Abenteuern geprahlt. Sex sei das Gesprächsthema gewesen, da sie habe dabei sein wollen, habe sie einfach ein paar Geschichten erfunden, um nicht ganz unerfahren dazustehen. Der, der ihr besonders gefallen habe, habe bei den Mädchen, die es schon mit ihm gemacht hätten, einen Ruf als guter Liebhaber gehabt. Als sie ihn dann allmählich für sich habe interessieren können, sei sie schon ziemlich in ihn verliebt gewesen. Da habe es natürlich die Schwierigkeit gegeben, daß er entdeckt hätte, daß ihre Geschichten nur erfunden gewesen seien. Das habe sie verhindern wollen, deswegen habe sie es eines nachts selbst gemacht. Ihm habe sie gesagt, sie möchte noch ein paar Tage warten, weil sie die Regel habe, was sogar gestimmt habe. Nachdem sie sich selbst befriedigt habe, habe sie mit den Fingern das Häutchen erst gedehnt und dann eingerissen, da sie dabei selbst alles habe kontrollieren können, wie und in welchem Tempo das vor sich gegangen sei, habe sie nicht allzu viel gespürt, alles kein Drama, viel sei da sowieso nicht zu tun gewesen, so ein durchschnittlicher Penis hätte da wohl sowieso schadlos durchgepaßt, wenn sie das im Nachhinein so überlege. Es habe auch kaum geblutet und schnell sei die Stelle auch nicht mehr berührungsempfindlich gewesen. Als es dann soweit gewesen sei, und sie mit ihm im Bett gelegen habe, sei sie natürlich etwas nervös gewesen, was auf sie zukomme, ob es anders sei als alleine, ob er nicht an ihrem möglicherweise ungeschickten Verhalten bemerken werde, daß es für sie das erste Mal sei, doch habe er von selbst die aktivere Rolle übernommen, sei so lieb und zärtlich gewesen, daß alles wie von selbst gegangen sei, sie habe ihn einfach machen lassen, und es sei gut gewesen, wunderschön, wirklich besser als allein. Sie hätten es sogar an ein paar weiteren Tagen gemacht, doch dann habe er gemeint, sie solle sich nicht so an ihn hängen und sei mit einer anderen abgezogen. Sie sei sehr enttäuscht gewesen, habe sich darüber geärgert, habe sich dafür rächen wollen und habe all ihren Mut zusammengenommen und noch am gleichen Abend einen anderen abgeschleppt. Der sei nicht besonders geschickt gewesen, und so habe sie weitergesucht und nun zu jedem Distanz bewahrt, schließlich habe auch der erste ihr vorher gesagt, das es nur ein kurzes Abenteuer sein werde. Na jedenfalls ob lang oder kurz, geschickt oder nicht, viel Erfahrung hin und her, wenn es in Kopf passe, sei es eigentlich nie eine Katastrophe gewesen, jedenfalls solange sie keine übersteigerten Erwartungen gehabt habe oder sich trotz besseren Wissens eingeredet habe, das könne mehr als ein kurzer Spaß sein.

Mit dem Vater habe das nur bedingt zu tun gehabt, sicher habe sie ihn auch provozieren wollen, als sie dann so auffällig mit allen möglichen Typen herumgezogen sei, doch wenn sie mit einem ins Bett gegangen sei, dann vor allem, um ihren Spaß zu haben, um auf ihre Kosten zu kommen.

M. fragt, warum aber immer neue Männer?

N. meint, zuerst habe sie möglichst viele Erfahrungen sammeln wollen, habe in Erfahrung bringen wollen, wie es für sie am besten, am schönsten sei, habe auch verschiedene Vorlieben bei Männern festgestellt und wie die es gerne haben. Obwohl sie eigentlich immer gerne auf deren Techniken eingegangen sei, um Abwechslung zu haben, um weitere Möglichkeiten kennenzulernen, habe es sie auch immer geschätzt, wenn der Mann sie nach ihren Vorlieben gefragt habe oder es versucht habe, herauszufinden. Mit der Zeit habe sich natürlich auch viel wiederholt, und der Reiz des Neuen sei bald verlorengegangen, es sei ihr dann mehr darauf angekommen, daß es beiden Spaß mache, ihre Lust befriedigt werde, daher sei sie auch wählerischer geworden, habe genauer versucht zu prüfen, ob es sich lohne, zumal ein ungeschickter Partner ja auch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bedeute.

Die Männer seien letztlich im großen und ganzen immer die gleichen Typen gewesen, im wesentlichen drei:

Zunächst sei da der Typ, der sich ungeheuer toll vorkomme, mit seinen Eroberungen prahle, im Bett habe er allerdings nur Interesse an seiner Befriedigung. Das sei frustrierend, wenn er fertig sei, falle er auf den Rücken und schlafe ein, die Frau müsse es dann bei sich selbst zuende bringen, weil er sich nur um sich gekümmert habe. Wenn man sich in so einen verliebe, könne man höchstens zu erziehen versuchen, das gelinge natürlich höchstens, wenn ihm etwas daran liege, weiter mit der Frau zusammen zu sein. Wenn die Frau etwa sehr gut aussehe, so daß er sich mit ihr schmücken könne, dann könne es gut sein, daß sie ihn sich angeln könne, ob es jedoch gelinge, einen besseren Liebhaber aus ihm zu machen, sei fraglich. Er sei der Typ, der nur vor Freunden prahlen möchte, wie gut und mit was für tollen Frauen er es schon getrieben habe, was für ein toller Mann er sei. Für sie zumindest sei es da natürlich vorteilhaft, solche Typen zu erkennen, bevor sie sich mit ihnen einlasse, denn eigentlich habe sie keinen Bedarf, dumme, ungeschickte Burschen zu erziehen, gut ab und an sei das schon in Ordnung, sei eben nur dumm, wenn man gerade in dem Moment mehr erwartet habe. Wenig Erfahrung, wenig Geschick sei da selbst kein Problem, nur fehlende Rücksicht gehe da komplett an ihrem Geschmack vorbei.

Der zweite Typ sei in gewisser Weise genau das Gegenteil, sein Hauptanliegen sei es, die Frau glücklich zu machen, es sei ihm wichtiger, daß sie einen phantastischen Orgasmus durch ihn habe, als seine eigene Befriedigung. Er laufe zur Hochform auf, und wenn sie möchte, versuche er, sie zu multiplen Orgasmen zu bringen oder sonst etwas zu tun, damit er in ihren Augen der größte Liebhaber sei, den sie je gehabt habe. Wehe aber, er bekomme Selbstzweifel, dann sei er dem Leistungsdruck, unter den er sich selbst gesetzt habe, bald nicht mehr gewachsen, dann bekomme er Angst, die Frau nicht mehr befriedigen zu können, was wieder dazu führen könne, daß er keine Erektion mehr bekomme - sein psychischer Untergang. Solange er aber seiner Fähigkeiten sicher sei, denke er mehr an die Frau als an seine eigene Befriedigung, die eher nebenbei passiere, ohne daß er sie eigentlich richtig genießen könne, weil er schon wieder damit beschäftigt sei, was nun weiter passieren sollte. Er lege Wert darauf, daß ihm gesagt werde, wie gut er gewesen sei, wie gut er die Frau befriedigt habe, nach Möglichkeit möchte er für seine Künste im Bett auch öffentlich gelobt werden, so werde der Geschlechtsakt für ihn zur Leistung, zur Demonstration seiner Fähigkeiten, statt zu einem intimen Erlebnis zwischen zwei Menschen, welches einfach Spaß machen solle. So habe man zwar seinen Spaß mit ihm im Bett, doch sollte die Frau das Pech haben, sich in ihn zu verlieben, so müsse sie es ertragen, daß er immer für seine Sexkünste bewundert werden wolle. Wolle man ihn gar ganz für sich gewinnen, werde das sehr schwierig werden, denn er wolle ja 'alle Frauen glücklich machen'. Er sei der Typ, der damit prahle, wie gut er Frauen befriedigen könne, was für ein toller Liebhaber er sei. Er sei bereit, für jede einigermaßen attraktive Frau seinen Freudenspender auszupacken, um ihr Orgasmen zu verschaffen. Gut, sofern es kein Blender sei, der hinsichtlich seiner Fähigkeiten einer eklatanten Selbsttäuschung unterliege, sei der Typ für sie oft gar nicht schlecht, jedenfalls kurzfristig, was für sie ja durchaus relevant sei.

Für den dritten Typ sei der Geschlechtsverkehr eigentlich nur ein Geschäft. Statt des Austauschs von Waren hier der Austausch von Intimitäten. Der ehrliche Geschäftsmann sei darum bemüht, einen fairen Handel durchzuführen, sowohl er als auch die Frau sollen gleichermaßen Spaß haben. Man könne natürlich auch an den Typ geraten, der versuche, mehr zu bekommen, als er zu bieten habe oder möglichst wenig für das zu geben bereit sei, was er bekommen habe. Für den Geschäftsmann sei Sex nur ein Geschäft unter anderen Geschäften, eine angenehme Nebensache. Wenn sich die Frau in einen fairen Geschäftsmann verliebe, könne sie zwar in der Regel im Bett mit ihm zufrieden sein, auch neige er nicht gerade dazu, anderen Frauen seine Aufmerksamkeit zu schenken, es sei denn, es biete sich ein erheblich besseres Geschäft an. Außerdem müsse sich die Frau mit der Nebenrolle der angenehmen Feierabendbeschäftigung abfinden. Der unfaire Geschäftsmann sei natürlich eine sehr schlechte Wahl für eine Beziehung, da man letztlich nur gezielt ausgenutzt werde. Für sie gehe der Typ auch oft in Ordnung. Der kümmere sich auch um eigene Angelegenheiten, da blieben genug Freiräume. Darauf könne man aufbauen.

Ich gebe zu bedenken, daß es doch sehr darauf ankomme, was man vor dem intimen Kontakt ausgemacht habe oder wovon man aufgrund der Vorgeschichte ausgehen könne, welche Vorstellungen wohl vorlägen, danach bestimme sich doch, welche Position man dem anderen gegenüber einnehme. Wenn von vorne herein klar sei, daß es sich um einen 'one-night-stand' handele, sei es doch eindeutig so, daß beide beim Sex nur ihren Spaß haben wollen. Beide seien nur zu einem Abenteuer bereit, um ihren Sexualtrieb zu befriedigen. Das 'Geschäft' sei dann effektiv, wenn beide einen Sexualpartner suchten, um durch den anderen Befriedigung zu erlangen. Wenn beide die Zeit sparen wollten, die sie benötigten, um für ein schnelles Abenteuer, welches nur der Befriedigung dienen solle, immer wieder einen neuen Partner zu finden, sei es effektiv, die Partnerschaft für längere Zeit einzugehen. Dabei falle natürlich die Abwechslung weg, die man habe, wenn man jedes Mal einen neuen Sexualpartner habe. Wenn man sich verliebe, messe man dem Geliebten natürlich eine größere Bedeutung zu als bei dem bisher geschilderten Verhalten den Sexualpartnern. Man wolle den anderen wirklich kennenlernen und mehr mit ihm anfangen, als nur Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben, auch wenn es oft nicht gelinge, das 'Verliebtsein' zur Liebe zu machen.

N. meint, es sei doch aber so, daß die Interessen der beiden Partner nicht immer gleich seien. Vielleicht sei sie schon verliebt, während er nur ein schnelles Abenteuer wolle. Wenn er es ihr sage, werde sie nicht mit ihm ins Bett gehen, also werde er etwas vortäuschen, werde sogar bereit sein, ihr für ein paar Tage den Verliebten vorzuspielen, wenn er meine, daß es sich für ihn lohne. Dann werde er sie vernaschen, und wenn er genug von ihr habe, werde er sie einfach fallenlassen. Oder sie verliebe sich in einen 'Geschäftsmann', es sei ihr vielleicht sogar klar, daß sie für ihn nie im Mittelpunkt stehen werde, dennoch gehe sie auf sein Angebot ein, weil sie vielleicht der Illusion erliege, sie könne ihn ändern, oder sie gehe darauf ein, weil sie ihn einfach brauche oder sonst leiden müsse. Oder sie verliebe sich in einen, der sie nur haben wolle, um ein gesellschaftliches Aushängeschild zu haben, weil man für eine bestimmte Position eben mit einer Frau angemessenen Aussehens verheiratet sei. So werde sie ausgenutzt, ohne etwas dafür zu bekommen.

Ich frage: Und wenn es umgekehrt sei, er sich verliebt habe, aber sie nicht? Oder wenn sie sich absichtlich und ohne sein Wissen von ihm schwängern lasse, obwohl er das nicht wolle, um ihn an sich zu binden.

N. erwidert: Letzteres sei in einer Beziehung auch umgekehrt möglich, er tausche die Pillen gegen Placebos aus, damit sie ein Kind bekomme und ihren Beruf aufgeben müsse, durch das Kind an ihn gebunden sei, weil sie vielleicht eine Abtreibung weniger verkraften könne als die vorübergehende Aufgabe des Berufes, was er dann zu einem Dauerzustand zu machen trachte, um sie von sich abhängig zu machen. Aber alles, was sie gesagt habe, könne man sicher auch sinngemäß umdrehen. Doch wenn man eine gewisse Distanz bewahre, könne man sich weitgehend vor allzu großen Enttäuschungen schützen, meint N..

M. wirft ein, dann könne man aber auch das alles nicht mit voller Intensität erleben, bei geringem Einsatz sei der mögliche Gewinn auch entsprechend kleiner, es laufe darauf hinaus, daß man nur seinen Sexualtrieb befriedige, doch so könne es keine Liebe geben, nur Sex, das könne sie nicht ertragen, sie könne sich nicht vorstellen, einfach so für diesen Trieb zu leben, nur diesem immer hungrigen Tier sein Futter zu liefern, ohne in aller Ruhe diese Lust auch genießen zu können, sie wolle auch Gefühle erleben, wolle Liebe. Ohne Liebe wolle sie keinen Sex, nach dem Orgasmus sei das dann doch nur frustrierend.

N. lacht: Die Traurigkeit nach dem Coitus? Sie wünsche M., daß ihre Wünsche erfüllt werden. Sie glaube ja, daß ich mich ernsthaft um M. bemühe, doch sei sie sich nicht sicher, daß es deshalb bei uns erheblich länger dauern sollte als bei anderen, vielleicht ein halbes Jahr, ein Jahr, zwei? Was passiere, wenn ich mit dem Studium fertig sei? Vielleicht würden wir ja sogar heiraten, Kinder kriegen, uns gegenseitig anschreien bis zur Scheidung, dann der Streit um die Kinder, überhaupt: Kinder haben in dieser Welt?

M. meint, wenn niemand mehr Kinder haben wollte, gebe es keine Zukunft, auch wenn sie jetzt noch keine Kinder wolle, sie könne sich nicht vorstellen, irgendwann alt zu sein und keine Kinder zu haben, mit denen es irgendwie weitergehe.

N. tut kund, sie sei noch von der Reise müde, wolle schon zu Bett gehen, außerdem werde P. morgen früh um 9 Uhr zum Frühstück kommen, sie müsse vorher noch Brötchen besorgen, fragt, wie viele wir wollten. Sie werde uns rechtzeitig wecken, wenn uns das recht sei? M. stimmt zu.

Ich bin dann der letzte, der ins Bad geht. Als ich in M.s Zimmer komme, liegt diese schon im Nachthemd im Bett. Sie mischt die Karten schon, ich sei doch einverstanden? Ich nicke, lege mich zu ihr ins Bett. Sie hält mir die Karten hin, ich ziehe, auch diesmal keinen Joker, ich lege die Karten weg, schalte das Licht aus, M. schmiegt sich an mich, unsere Zungenspitzen streichen über unsere Wangen, treffen sich vor unseren Mündern, spielen miteinander, unsere Lippen pressen sich aufeinander und unsere Zungenspitzen spielen in unseren Mündern ihr fröhliches, köstliches Spiel. Ich frage sie, ob sie bestimmt immer noch genau das Verfahren wolle, wenn der Joker komme, was sie festgelegt habe, ob sie nicht inzwischen lieber ein zärtliches und schönes Erlebnis als erstes Mal in Erinnerung behalten wolle, immerhin hätten wir in den letzten Tagen schon viele Zärtlichkeiten ausgetauscht und eine gewisse Vertrautheit mit den Reaktionen des anderen beginne sich auch allmählich einzustellen.

M. fragt erstaunt zurück: Die Entscheidung sei doch längst gefallen, ob ich jetzt nicht mehr zu ihr stünde?

Ich antworte, es werde passieren, was sie beschrieben habe, wenn sie das immer noch wolle, ich habe nur wissen wollen, ob sich inzwischen etwas an ihren Vorstellungen verändert habe, sie es nur nicht habe sagen wollen.

Sie verneint, es habe sich nichts an ihrer Vorstellung geändert, wenn dem so sei, werde sie es mir sicher nicht verschweigen. Zwar habe das ganze eine gewisse Bedeutung für sie, doch letztlich sei es nur ein Spiel, ich solle es nicht so ernst nehmen, es sei eine symbolische Handlung, nichts weiter. Vielleicht habe sie anfangs mehr darin gesehen, jetzt sei es nur noch ein Ritual, ein Ereignis in ihrem Leben, welches sie auf eine bestimmte Weise zelebrieren möchte. Tatsächlich, jetzt wo wir uns schon etwas kennengelernt hätten, wo sie mir schon so viel von sich anvertraut habe, habe es etwas an Bedeutung verloren, ich sei ihr schon vertraut geworden, was zu ihrem Vertrauen noch hinzukomme, daher sei es als eigentlicher Akt nicht mehr so wichtig, es trete mehr die symbolische Bedeutung, das Spiel mit Symbolen in den Vordergrund, ob ich das akzeptieren könne?

Ich erwidere: Ja, das sei noch eher zu akzeptieren als ihre erste Begründung, ein Spiel könne man mitspielen, ohne es ganz verstehen zu müssen, wenn sie mich darum bitte. Etwas, was für sie von elementarer Bedeutung sei, müsse ich auch ganz zu verstehen versuchen, wie das bei ihrer ersten Begründung der Fall gewesen sei. Damit ist sie zufrieden.

Sie meint zu dem Gespräch mit N., sie habe geahnt, daß N. P. nichts von ihren kleinen Affären nebenbei erzähle. Sie könne sich nicht vorstellen, einen anderen zu haben, solange sie mit mir zusammen sei, das könne sie nicht ertragen. Wie das Verschweigen einer Affäre zu bewerten sei, sei sie nicht sicher, einerseits erspare man dem anderen unnötiges Leiden, wenn es nur ein bedeutungsloses Abenteuer gewesen sei, andererseits störe das Abenteuer die Intimität der Beziehung und man habe das Vertrauen des anderen mißbraucht, das könne man nicht verschweigen, könne nicht einfach so tun, als ob nichts passiert sei, man müsse dem Partner doch mitteilen, was man getan habe, sonst sei die Beziehung durch das schlechte Gewissen belastet, ohne daß der Partner auch nur die Ursache dafür wisse.

Ich sage, ich könne sie mir nur schwer vorstellen als eifersüchtige Furie, wenn ich ihr erzählte, ich hätte den Reizen einer anderen nicht widerstehen können, hätte mit ihr Verkehr gehabt, obwohl ich auch nicht glaube, daß das passieren werde.

Sie lacht, sie hätte ja eigentlich keine Besitzansprüche auf mich, doch leiden würde sie schon. Wenn es für mich keine Bedeutung gehabt habe, werde sie das wohl schließlich hinnehmen, sie hätte jedoch Angst, das Vertrauen in mich zu verlieren. Was noch schlimmer sei, wenn sie irgendwie herausbekäme, daß ich ihr soetwas verschwiegen hätte, wie könnte sie mir da noch weiterhin vertrauen?

Ich versichere ihr, es werde nicht passieren.

Ihre Nasenspitze streicht sanft über mein Kinn aufwärts über meinen Mund, meine Nasenspitze und meinen Nasenrücken, über die Stirn hinauf zum Haaransatz, ich spüre den Luftzug ihrer Atmung auf meiner Haut. Zärtlich berühren ihre Lippen meine Stirn und wandern über die Schläfe zu meinem Ohr, ihre Zähne knabbern spielerisch am Ohrläppchen, während meine Hände ihren Rücken durch das Nachthemd massieren.

Sie möchte gerne von mir wissen, wie es für mich sei, was ich beim Orgasmus empfinde. Das sei etwas, was sie trotz der Versuche mit den anderen nicht herausgefunden habe und auch nicht zu fragen gewagt habe.

Ich antworte, das könne ich nicht in Worte fassen, ich könne zwar versuchen zu beschreiben, was passiere, doch eine Wiedergabe des eigentlichen Erlebnisses sei wohl kaum möglich. Vermutlich habe sie die profanen Fakten ja ohnehin bereits irgendwo gelesen: Beim Höhepunkt werde wohl dem Hirn einen Moment lang die Sauerstoffzufuhr abgedreht, dadurch setze offenbar für diesen Augenblick das Denken aus, was in ihrem Vokabular als die Vereinigung vom Ich mit der Welt bezeichnet werde, dabei sei es wohl so, daß durch die mangelnde Sauerstoffzufuhr das Ich-Bewußtsein einfach für ganz kurze Zeit aussetze. Außerdem würden im Hirn euphorisierende Stoffe während des Verkehrs freigesetzt, was zu einem milden, rauschartigen Zustand führen könne. Direkt nach der Ejakulation sei dann eine gewisse Erleichterung und je nach Intensität eine mehr oder weniger große Befriedigung spürbar.

Sie erwidert, ja, diese Beschreibung sage nur, was biochemisch und phänomenologisch vorgehe. Die Erklärung, daß das Einssein mit der Welt nur durch mangelnde Sauerstoffzufuhr des Hirns zustande komme, sei völlig desillusionierend und wieder eine von meinen frechen Provokationen, an die sie sich aber schon zu gewöhnen beginne. Das sei ja nicht, was ich erlebe, sondern nur was biochemisch vorgehe.

Ich meine, sie solle sich nur nicht provozieren lassen, doch wie solle ich beschreiben, was man nur erleben könne, wie aussprechen, was nur ein Moment des Erlebens sei. Während es passiere, könne man nicht denken und somit nicht beschreiben, was man erlebe, danach erlebe man es aber nicht mehr und könne so nicht mehr erzählen, was man erlebt habe, da es vorbei sei. Sie habe doch selbst gesagt, niemand könne erleben, wie es sei, sie zu sein, wie könne ich ihr dann mein Erlebnis meines Ichs während eines Orgasmus vermitteln? Wenn ich sie frage, wie es bei ihr sei, könne sie mir präzise sagen, was sie dabei erlebe?

Sie gibt zu, ihre Frage sei unüberlegt gewesen, zwar könne sie über die Reaktionen ihres Körpers berichten, das Wohlgefühl der Lust, die reichliche Schleimabsonderung in der Scheide bei Erregung, die Wärme oder Hitze ihres Unterleibes, später im Moment des Höhepunktes das rhythmische Pulsieren, ein rhythmisches Zusammenziehen der Scheidenmuskulatur, bei einer starken Stimulation, also bei dem letzten Mal, als sie so intensiv an mich gedacht habe, sei es sogar zu heftigen, unkontrollierten Bewegungen des Unterleibes gekommen, anschließend habe sich in ihr eine tiefe Zufriedenheit breitgemacht, doch eigentlich gebe sie zu, man könne es nur erleben, nicht beschreiben.

Ich meine, es sei doch aber immerhin möglich, wenn wir miteinander Geschlechtsverkehr hätten, den anderen zu erleben, wie er einen Höhepunkt habe, oder wenn es gelinge, wie wir gemeinsam einen Orgasmus hätten, dann sei es auch ein gemeinsames Erlebnis, und das Erleben der eigenen Lust mische sich mit dem Erleben der Lust des anderen.

Sie stimmt begeistert zu, das werde möglich sein, es werde wunderbar sein, es sei ganz richtig: erleben. Das ich sie darauf habe hinweisen müssen.

Ich füge hinzu, damit es gelinge, müßten wir natürlich von dem anderen wissen, was ihn besonders reize, was ihm besonders gefalle, müßten mit der Zeit den anderen auch in dieser Hinsicht durch Erleben kennenlernen.

Sie meint, das sei bei ihr sicher nicht schwierig, meine Anwesenheit, meine Zärtlichkeiten, Küsse seien allein für sie schon eine starke Stimulation. Sie glaube, wenn sie es zulasse, werde sie schon zu einem Höhepunkt kommen können, nur wenn ich sie streichele, ihre Lippen, ihre Brüste mit meiner Zungenspitze liebkose, doch spüre sie in sich auch eine tiefe Sehnsucht, ganz erfüllt von mir zu sein, ganz von mir ausgefüllt zu sein, mich in sich zu spüren. Sie habe bei sich anfangs nur Schwierigkeiten gehabt, weil sie nicht offen zu ihrem Körper, zu ihren Gefühlen gestanden habe, weil sie das alles nicht habe zulassen können, es bei sich selbst unterdrückt, bekämpft habe. Als sie sich angenommen habe, sich selbst geliebt habe und ich noch hinzugekommen sei, sei es ihr leicht gefallen, sich diesen Empfindungen nicht nur zu stellen, sondern sie vorbehaltlos zu genießen, sie nicht oberflächlich von sich abprallen zu lassen, sondern sie tief in sich zu spüren. Ihr Geist habe ihren Körper wiedergefunden, auch diese Trennung sei nun von ihr überwunden.

Am Donnerstag sei ihr eine starke Stimulation gelungen, indem sie zunächst bei ihren Brüsten begonnen habe, dann die Umgebung der Clitoris hinzugenommen habe, später auch den Eingang der Vagina. Und da sie dabei auch noch intensiv an mich gedacht habe, sich mit ihrer Phantasie ganz auf mich und ihren Körper konzentriert habe, hätten bereits leichte Reize in dieser Gegend zu heftigen Reaktionen geführt. Sie glaube, es hänge bei ihr stark davon ab, daß die innere Bereitschaft da sei, es zu erleben, dann folge auch die körperliche Bereitschaft und die Fähigkeit, es ganz zu genießen und zu erleben. Sie glaube nicht, daß es Probleme geben werde, weil sie diese Lust der Befriedigung mit mir wolle, sich mit ihrem ganzen Wesen danach sehne. Ich hätte ja auch schon erlebt, wie erregt sie schon durch unsere Spiele gewesen sei, wie sie mich dann habe bremsen müssen, um es nicht einfach schon vor dem vereinbarten Termin geschehen zu lassen.

Dabei führt sie eine meiner Hände mit der ihren über ihren Körper, unter ihr hochgestreiftes Nachthemd, zu ihren Brüsten, die ich sanft streichele, dann führt sie sie tiefer über ihren Bauchnabel und den Haaransatz hinab zwischen ihre leicht gespreizten Beine. Sie führt meinen Zeigefinger sanft um ihre Schamlippen herum, während deutlich zu spüren ist, wie ihre Erregung wächst und zu hören ist, wie sie die Worte mit Mühe hervorstößt. Sie läßt meinen Finger kurz über ihre Clitoris streifen und weiter zu ihrer Vagina, in die sie meinen Finger einführt und sogar kurz das Hymen fühlen läßt. Dann führt sie meine Hand jedoch schnell wieder von dort weg in die Gegend ihres Bauchnabels und hält sie dort auf ihrem sich schwer hebenden und senkenden Körper fest.

Sie macht eine kleine Pause, um sich etwas zu beruhigen, auch jetzt wäre es mit ein paar weiteren Berührungen möglich gewesen, doch sie wolle es jetzt ja noch nicht. Was unsere späteren Aktivitäten anbelange, könnten wir alles ausprobieren, verschiedene Stellungen und diverse Reize, sie wolle gerne viel ausprobieren, um zu sehen, was uns gefalle, und um uns kennenzulernen und auch einfach, um Spaß miteinander zu haben, prinzipiell habe sie keine Bedenken oder Hemmungen mehr, dann mit mir alles Mögliche zu probieren, doch für diese Nacht sollten wir still nebeneinander liegen, unsere Nähe genießen und irgendwann in den Armen des anderen einschlafen.

Lust verkürzt den Weg.

William Shakespeare

Je seltener das Angenehme, desto größer die Lust.

Epiktet

... man soll die Lust des Liebens nicht überstürzen, sondern allmählich nur locke sie langsam hervor.

Ovid

Man kann nicht lustvoll leben, ohne zugleich vernünftig zu leben, und umgekehrt nicht vernünftig, ohne lustvoll zu leben.

Epikur von Samos

(19) Samstag Morgen

N. weckt uns. Neugierig fragt sie, ob es diese Nacht passiert sei? M. antwortet, es sei nicht passiert; N. fragt erstaunt: Warum nicht? M. erwidert, das ob und wann und warum gehe zunächst eigentlich nur uns etwas an, doch wenn es passiert sei, werde sie es ihr mitteilen. N. hebt beschwichtigend die Hände, so ernst habe sie es ja gar nicht gemeint.

Doch was wichtiger sei, es sei leider schon spät, sie habe irgendwie verschlafen. Und wenn M. nicht schnell die Brötchen hole, während sie das Frühstück vorbereite, sei es nicht mehr bis zu P.s Erscheinen zu schaffen, und M. lege doch immer so großen Wert auf Zuverlässigkeit. M. schaut auf die Uhr, springt auf, läuft ins Bad und beschwert sich bei N., daß sie sich nie zusammenreißen könne und nie etwas richtig tue, fragt, wie viele Brötchen und ob sonst noch etwas zu besorgen sei, dann sind sie schon wieder im Zimmer, sie zieht sich hastig an, wirft mir das geschenkte Kettchen zu, stellt ihren Fuß auf die Bettkante, ich lege ihr das Kettchen ums Fußgelenk, während sie ihr Hemd zuknöpft, den Rock schließt, dann schlüpft sie in ihre Schuhe, gibt mir noch einen Kuß auf die Wange und ist schon durch die Tür draußen.

N. steht in aller Ruhe vor dem Bett, lächelt, eigentlich habe sie M. nur für ein paar Minuten loswerden wollen, um mit mir alleine sprechen zu können, das Frühstück sei so gut wie fertig, auch Tee und Kaffee werden bis 9 Uhr noch fertig werden. Als M. von mir erzählt habe, habe sie sie nach meinem Namen gefragt, doch sie habe nicht einmal meinen Nachnamen gekannt, habe nicht gewußt, wo ich wohne, gerade so, daß ich Physik studiere, doch nach Namen und Anschrift habe sie nicht gefragt, offenbar habe sie grenzenloses Vertrauen zu mir, denn sie habe auch nichts davon hören wollen, mich danach zu fragen, weil es bisher für sie nicht wichtig gewesen sei. Sie finde es aber wichtig, sie könne nicht zulassen, daß da einfach jemand von einem Tag zum anderen in M.s Leben trete und jederzeit die Gelegenheit habe, genauso wieder zu verschwinden, schließlich hätte sie sich dann mit M. herumzuärgern. Sie wolle Namen und Adresse wissen, um sie dann M. geben zu können, wenn sie plötzlich nichts mehr von mir hören sollte.

Ich lache, tatsächlich habe das bisher keine Rolle gespielt, ich hätte ihren Nachnamen auch nur vom Türschild erfahren. Bei mir seien wir bisher nicht gewesen, weil wir uns aus nicht geklärten Gründen bis heute immer hier getroffen hätten. Immerhin sei aber auch mein Bett nicht breiter als das ihre, allerdings sei diese Wohnung schöner und das Zimmer ebenfalls. Außerdem, wenn ich wirklich verschwunden wäre, hätte M. meine Adresse jederzeit über die gemeinsame Bekannte C. in Erfahrung bringen können.

Ich stehe auf, gehe zu meiner Jacke und suche eine meiner mit dem Computer und Drucker selbst gefertigten Visitenkarten hervor und gebe sie ihr zusammen mit meinem Ausweis, damit ist sie zufrieden, ich gehe ins Bad, durch die Tür unterhalten wir uns weiter. Sie meint in Anspielung auf die gestrige Begrüßung, wenn ich sie wirklich für ebenso attraktiv halte wie M., müßte sie mir doch auch gefallen, auch ich gefalle ihr und wenn ich wollte, ich müsse es nur sagen, würde sie mich gerne einmal vernaschen wollen, natürlich nur ein bedeutungsloses Abenteuer, einfach nur Spaß miteinander haben, da M. ja offenbar noch nicht soweit sei, sei das doch eine gute Möglichkeit für mich, ich müsse nur den Zeitpunkt nennen, einen geeigneten Ort, vielleicht bei mir, sie werde kommen, die Adresse hätte ich ihr ja schon gegeben.

Ich möchte von ihr wissen, ob sie testen möchte, ob ich für ihre Schwester geeignet sei, ob ich für sie ein guter Liebhaber sei, oder wolle sie nur in Erfahrung bringen, ob M. mir wirklich bedingungslos vertrauen könne. Unter anderen Umständen wäre ihr Angebot sicher sehr interessant gewesen, doch könne sie sich sicher vorstellen, welche Auswirkungen es für M. hätte, wenn sie herausbekäme, daß ihre Schwester und ihr Geliebter es miteinander getrieben hätten, sie würde doch das mühsam erlangte Vertrauen zu den Gefühlen anderer Menschen wieder völlig verlieren, das könne sie ihr nicht ernsthaft antun wollen und ich erst recht nicht.

Sie gibt zu, sie hätte bei mir als intelligentem Menschen damit rechnen müssen, daß ich mißtrauisch sei, doch sie habe auch wirklich Interesse an mir, hakt weiter nach, M. müsse es ja nicht erfahren, sie werde ihr bestimmt kein Wort davon sagen, wenn ich bei ihr auch noch ein ganz guter Liebhaber sei, sei sie wenigstens wegen M. völlig beruhigt.

Ich komme aus dem Bad, gehe amüsiert in M.s Zimmer, sie kommt mir nach, wir schauen uns in die Augen. Ich schaue ihr tief in die Augen und führe aus: Wenn M. herausbekäme, daß ihre Schwester ihrem Geliebten ernsthaft solche Angebote mache, würde das doch eine wirklich arge Enttäuschung für sie sein. Solange mich M. nicht davon überzeuge, daß sie es wolle, werde ich das Angebot nicht einmal in Erwägung ziehen. Sie streicht mit einer Hand über meinen Brustkorb, meint, mir werde etwas entgehen, ich fasse ihre Hand, halte sie fest, ergänze, man könne eben nicht alles haben. Ich ziehe mich an.

Sie meint, wenigstens habe sie nun den Eindruck, daß ich M. nicht hintergehen wolle, aber schade sei es doch. Dann aber grinst sie frech - es sei natürlich nur ein Witz, sie würde sich doch nicht am besten Stück ihrer Schwester vergreifen. Wir müssen beide lachen.

Dann hören wir auch schon jemanden die Treppe hocheilen, N. geht schnell in die Küche, M. schließt die Wohnungstür auf, geht mit den Brötchen in die Küche. Ich habe mich inzwischen angezogen und folge ihr.

Tatsächlich ist der Tisch bereits fertig gedeckt. N. stellt gerade den Tee über eine Kerze, auch der Kaffee ist bereits durch die Maschine gelaufen. Es fehlt nur noch P., der einen Moment später klingelt. N. öffnet über die Gegensprechanlage. Als er oben ist, werden wir einander kurz vorgestellt, und wir beginnen zu frühstücken.

Zwischen N. und P. geht es zunächst noch darum, was P. gestern noch gemacht habe, daß er etwa zuhause angerufen habe, daß er gut angekommen sei. Auch N. erzählt ihm, sie habe das getan.

Nach einer kleinen Pause sagt N. zu M., sie habe gestern Nachmittag von drei Gedichten erzählt, die ich für sie geschrieben hätte, sie seien aber nicht mehr dazu gekommen, sie zu lesen. M. steht daraufhin auf, eilt in ihr Zimmer und holt sie. Die ersten beiden liest sie vor, drückt dann N. die Zettel in die Hand und trägt das dritte frei und frech grinsend vor.

P. und N. tun fröhlich ihr Lob kund, M. meint jedoch, so billig komme N. nicht davon, die ersten beiden seien ja mehr episch, aber jetzt müsse sie das dritte auch interpretieren, wo sie schon so ausführlich danach verlangt habe, dabei grinst sie mich vergnügt an, damit der Autor sehen könne, ob man seine Gedichte auch verstehe.

N. überlegt einen Moment, sagt dann "also gut, Schulprüfung oder was, glaubst, daß ich nie aufgepaßt habe, was?", nimmt sich den Zettel mit dem Gedicht und beginnt: Was wolle uns der Autor damit sagen? Zunächst das Formale, es handele sich um ein Sonett, gereimt. Schon die Überschrift "Liebesgedicht für dich (oder alternativ alle anderen Frauen, die ich hätte lieben können)" deute darauf hin, daß es sich um ein Liebesgedicht handeln könne, wenngleich das in Klammern gesetzte schon mit einer gewissen Ironie erkennen lasse, daß der Autor, die klassische Form und das klassische Thema wählend, eben dieses nicht ganz ernst nehme, was auch daran zu erkennen sei, daß im zweiten Quartett das Reimschema nicht ganz stimme. Außerdem sei das Gedicht durch die Klammer sehr ökonomisch, sollte er bei dieser keinen Erfolg mit seiner Werbung haben, könne es bei anderen Gelegenheiten immer wieder verwendet werden, was die Angeredete auch als Mahnung verstehen könne, wenn sie nicht darauf eingehe, werde er es bei einer anderen probieren.

Die erste Zeile "Duuuuu meine Liebe!" höre sich beinahe so an wie "Du meine Güte!" ein Erschrecken oder Erstaunen über ein Ereignis. Andererseits sei aber die direkte Anrede vorhanden, wobei "mein" wohl nicht als Besitzanspruch gewertet werden könne, sondern eher beschreibe, wie Schreiber und Leserin zueinander in Beziehung stehen. Da in der nächsten Zeile etwas von "Glück" stehe, könne man schließen, daß es sich in der ersten Zeile mehr um Erstaunen als Erschrecken handele. Der Autor sei also von seinen Gefühlen, die er mit "meine Liebe" für sie zum Ausdruck bringe, erstaunt, das sei ihm wahrscheinlich nicht sehr vertraut, wenngleich er durchaus begeistert zu sein scheine, was man an den Ausrufezeichen erkennen könne.

Die zweite Zeile sei zunächst nur schwer zu interpretieren, was könne er mit Schlüsselbund meinen? Das einzige, was ihr einfalle, sei der Schlüssel zu seinem Herzen - das Herz als eine Metapher für seine Liebe.

Darauf wirft M. ein, dazu falle ihr ein anderes, sehr altes Gedicht mit unbekanntem Verfasser ein, welches sehr gut dazu passe:

Dû bist mîn

Dû bist mîn, ich bin dîn:
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist daz sluzzelîn:
dû muost immêr darinne sîn.

Sie trägt das so gekonnt vor, daß wir alle amüsiert lachen müssen. N. meint, das wiederum könne der Schlüssel zur Interpretation der Zeile sein. Wie der eingeklammerte Teil der Überschrift schon andeute, der Autor habe ein großes Herz mit vielen Kammern, deshalb auch der Schlüsselbund. Von der ersten Zeile wüßten wir, daß er die Angesprochene schon ins Herz geschlossen habe, wenn nun das Schlüsselbund zerspringe, gingen alle Schlüssel verloren, und er könne keine andere mehr einschließen, nur jene eine, die schon drin sei, müsse bleiben, es sei denn, sie breche ihm das Herz um aus ihm zu fliehen.

Mit der nächsten Zeile werde klar, daß es sich bei seiner Liebe nicht um die platonische handele, wenn er seine Triebe spüre und ihr das auch noch offen kundtue - dies betone er in der nächsten Zeile - so rede er nicht lange um den heißen Brei herum, was in einem Sonett auch kaum möglich sei, sondern bringe es mit diesen beiden Zeilen eigentlich schon auf den Punkt: Er wolle es mit ihr treiben. Durch diese direkte Aussprache wisse sie von Anfang an, woran sie mit ihm sei, die weiteren Strophen brächten aber noch mehr Details.

Platonische Liebe kommt mir vor wie ein ewiges Zielen und Niemals-Losdrücken.

Wilhelm Busch

In der nächsten Strophe erläutere er also sein Begehren genauer. Er wolle
'Ein(en) Regenbogen der Gefühle
Wie die Spektren der Moleküle',
diese beiden Zeilen deuteten eine deformation professionelle an, wenn man wisse, daß der Autor Physiker sei. Mit den Spektren der Moleküle sei er vertraut, hier stehe er auf festem Boden, während das Erstaunen über die Liebe, die in der ersten Zeile der ersten Strophe anklinge, andeute, daß er mit der Welt der Gefühle weit weniger vertraut sei.

Ich ergänze: Gewissermaßen sei ja auch der Regenbogen ein Spektrum, ein Spektrum der Sonnenstrahlung.

N. dankt für die Hintergrundinformation; hier versuche also der Autor, das Begehren zunächst mit den Vertrauten Verfahren einzuordnen, wobei mit dem Sonnenspektrum im Regenbogen ja auch auf die Metapher 'Sonne' für die angebetete Geliebte, die alles überstrahlende, Wärme oder sogar Hitze verbreitende verwiesen werde. Mit dem 'Regenbogen der Gefühle' komme jedoch vor allem zum Ausdruck, daß er mit ihr das ganze Spektrum ihrer Gefühle erleben möchte, von der Traurigkeit und dem Schmerz über den Streit und die Versöhnung bis zur Freude, Lust und zum Glück; er möchte ihre ganze Gefühlswelt kennenlernen, das könne aber mit einer kurzen, flüchtigen Affäre nicht erreicht werden, sie müsse sich also auf eine lange Beziehung einrichten, wenn sie sich mit ihm einlasse.

Weiter möchte er ihre "Augen-Blicke auffangen". Das sei ein mehrdeutiges Wortspiel, zunächst einmal möchte er offenbar die Blicke ihrer Augen, also ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken, möchte, daß sie ihm Augenblicke ihres Lebens schenke, doch könne man da noch mehr sehen, es müsse sich um bestimmte Augenblicke handeln, denn er wolle ja, wie zuvor festgestellt, eine lange Beziehung, keine kurze Affäre, also nicht nur ein paar Augenblicke, was er meine, seien eben doch ganz bestimmte Augenblicke, in diesem Zusammenhang könne es sich nur um die Momente ihrer höchsten Lust handeln, diese Höhepunkte wolle er! Das impliziere seine Bereitschaft, sich mit ihr viel Mühe zu geben, damit sie diese auch erreiche, so dürfe sie hoffen, daß er es nicht nur zu seiner Befriedigung mit ihr treiben wolle, sondern ebenso ihre Lust, ihre Befriedigung miterleben wolle, er diese Empfindungen ganz in sich aufnehmen wolle, sie "auffangen".

Mit der letzten Zeile begehre er auch ihren Kuß, das möge nach dem vorherigen wenig erscheinen, doch dürfe das nicht unterschätzt werden, habe doch der Kuß eine ganz besonders intime Bedeutung, die nicht nur den Sexualtrieb betreffe, sondern für den Austausch aller möglichen Zärtlichkeiten stehe, die gegenseitige starke Sympathie und Annahme, ein Ausdruck der Liebe eben.

In der dritten Strophe spreche er von ihren Grübchen beim Lachen, auch das möge zunächst wenig erscheinen, doch widme er dem immerhin eine ganze Strophe, denn das Lachen mit den Grübchen ist das unbefangene, offene Lachen, welches wieder Sympathie für das Gegenüber ausdrücke und Vertrautheit, es handele sich nicht um das Lachen des Auslachens oder das Lachen des Lächerlichmachens, das boshafte Lachen oder triumphierende Lachen, es handele sich um das Lachen der Annahme des Gegenübers, des Akzeptierens, so wie er sei. Und wenn er vom Zauber ihres Lächelns schwärme, nachdem es ihn begehre, gehe es genau darum, daß er ihre ganze Zuneigung und Liebe in diesem vertraulichen Lächeln erkennen möchte, was für ihn zum Zauber werde, weil er dann seine Gefühle in ihr wiedererkenne, er sehe: Seine Liebe werde erwidert, er dürfe sich angenommen fühlen, sein Werben sei erfolgreich gewesen, die Angesprochene werde nicht aus seinem Herzen fliehen können, wenn sie ihn so anlächele. Mit Grübchen auf der Wange werde sie nie in der Lage sein, sein Herz zu brechen.

In der letzten Strophe gehe es nun darum, wie sie sich entscheiden werde, darauf habe sich das ganze Gedicht nun zugespitzt. Habe er sich ihre Sympathie nur eingebildet - sei alles nur ein Traum? Dann möchte er nicht geweckt werden, sei es aber Realität, werde seine Liebe erwidert, so sei es kein Traum. So setze er sein Vertrauen ganz in sie, daß sie entweder gnädig sei und ihn weiterträumen lasse, wenn sie seine Liebe nicht erwidere, oder aber sie zeige ihm, daß sie seine Liebe erwidere, daß das kein Traum sei.

Doch wie solle sie das tun? Immerhin habe der sonst sicher mitten in der Realität stehende Physiker offenbar völlig abgehoben, wenn er nicht mehr wisse: 'Träum ich oder wach ich?' Hier könnten nur drastische Maßnahmen helfen. Erwidere sie seine Liebe nicht, dürfe sie nicht wie gefordert gnädig sein und ihn weiterträumen lassen, denn dann werde er nicht in sein wirkliches Leben zurückfinden, also bleibe ihr nichts anderes übrig, als sein Herz zu brechen und ihn so aus seinem Traum zu reißen.

Wenn sie ihn aber liebe - zu M. gewendet: Tue sie das? M. nickt entschieden - so müsse sie ihn überzeugen, daß er nicht träume, damit er wieder auf festem Boden stehe, denn sie wolle ihn ja so lieben, wie er sei, nicht wie er träume. Und wie das zu tun sei, darüber gebe das Gedicht Auskunft. Zunächst werde sie ihm ihre ganze Aufmerksamkeit schenken, und er werde die Blicke ihrer Augen auffangen.

N. macht eine Geste zu uns herüber, wir sollten das darstellen, so stehen wir auf und uns gegenüber, uns in die Augen blickend.

Dann habe sie ihm ihr Zauberlächeln, das nette mit den Grübchen zu schenken - auch das tut M. nun, ich lächele zurück - außerdem sei ja ihr Kuß Ziel seines Verlangens, also werde sie ihn umarmen und leidenschaftlich küssen, zum Beispiel zunächst einmal sein ganzes Gesicht mit ihren Küssen bedecken - auch das tun wir, wir umarmen uns, streichen mit den Händen über den Rücken des anderen, unsere Lippen pressen sich aufeinander und unsere Zungen beginnen ein kurzes, leidenschaftliches Spiel, M. küßt mich auf Wangen, Schläfen, Stirn und Nase, mit der Zungenspitze fährt sie um den Rand meines rechten Ohrs, dann warten wir die nächste Regieanweisung von N. ab - natürlich sei er als Physiker ein skeptischer Mensch, das sei also noch nicht alles, was sie tun müsse, immerhin könne das noch ein feuchter Traum sein, und sie müsse ihn davon überzeugen, daß sie viel besser sei als ein Traum je sein könne, dazu werde sie es mit ihm treiben, wild und leidenschaftlich und oft und in einer ihr ganz eigenen Weise, werde ihm viele Augenblicke schenken, ihre Höhepunkte der Lust, bis er nur noch schwer keuchend neben ihr liege und Schweißperlen seinen Körper bedeckten, und er so erschöpft und ausgepumpt sei, daß er keinen mehr hochkriege. Dann werde sie sich wieder an das Gedicht erinnern und feststellen, daß dort nicht gesagt sei, wo ihre Küsse ihn treffen sollen, doch jetzt werde sie wissen, es sei nicht nur sein Mund, seine Wangen, viel tiefer müsse sie jetzt küssen, und als Frau, die Saxophon und Flöte spielen könne, wisse sie, wie sie mit ihrem Mund umgehen müsse, sie werde sich so bemühen mit ihren Lippen, ihrer Zunge, bis er sich noch einmal aufrichte, dann werde sie ihn reiten, so daß sie ihm noch ein oder zwei ihrer Augenblicke schenke, bis auch er noch einmal komme, und es dann absolut nicht mehr gehe. Dann müsse er einsehen, so anstrengend könne auch kein feuchter Traum sein, so fordernd und geschickt keine Phantasie.

N. ermuntert uns mit Gesten, diesen Regieanweisungen zu folgen, während P. schon ziemlich rot im Gesicht geworden ist und seinen Blick in seine leere Tasse senkt. M. winkt amüsiert ab, letzteres würden wir später einmal alleine durchspielen, jetzt sollten wir uns mit ihrer plastischen Erzählung begnügen. N. tut ihre Enttäuschung kund, und M. schlägt vor, da wir inzwischen mit dem Frühstück fertig seien und sie mir eine kleine Jazz-Session versprochen habe, sollten sie und N. jetzt vorspielen, zumal so auch die Nachbarn mitbekämen, daß N. aus dem Urlaub zurück sei. N. ist einverstanden, das sei jetzt zum Ende des Urlaubs gerade das Richtige. Wir vier begeben uns in M.s Zimmer, N. und M. an die Instrumente, P. und ich auf zwei Stühle, die wir uns aus der Küche mitgebracht haben.

Sie beginnen zu spielen, und sie spielen wirklich gut, sie gehen herrlich aufeinander ein, verstehen sich ausgezeichnet, gemeinsames Spielen wechselt ab mit einigen Soli und dialogartigen Sequenzen, alles spontan und ohne größere Absprachen.

Anschließend wollen N. und P. noch in die Stadt bummeln gehen. Als sie weg sind, merke ich, daß M. etwas auf dem Herzen liegt, ich frage also, was los sei, und sie erwidert, sie habe es mir eigentlich schon gestern sagen wollen, doch irgendwie habe es dann nicht gepaßt, und jetzt passe es eigentlich auch nicht. Sie habe so viel zu tun, müsse unbedingt ihre Ruhe haben, um arbeiten zu können, wenn ich aber in der Nähe sei, könne sie sich garantiert nicht darauf konzentrieren, es falle ihr schwer, mich darum zu bitten, doch es gehe nicht anders, ob ich Sonntag Abend wiederkommen könne? Ich nicke, antworte ihr, das könne sie ruhig offen sagen, auch ich hätte gut zu tun mit der Vorbereitung eines Seminarvortrags, ich könne das gut verstehen, werde auch arbeiten und zwischendurch an sie denken. Wir umarmen uns, küssen uns noch einmal. Ich frage, wie spät Sonntag Abend, wir einigen uns auf 20 st, dann gehe ich, M. schaut mir noch die Treppe hinunter nach.

Ein Gedicht ist eine vollkommene sinnliche Rede.

Gotthold Ephraim Lessing

Dichten heißt verdichten.

Carl du Prel

Was ist schon ein Kuß? Ist es nicht der glühende Wunsch, einen Teil des Wesens, das man liebt, einzuatmen...

Giacomo Girolamo Casanova

Dein Wort ist süß, doch süßer ist der Kuß, den ich dir abgeküßt.

Heinrich Heine

(20) Samstag Morgen bis Sonntag Abend

Zunächst stöbere ich noch in der Stadt nach einem Geschenk für M., laufe noch eine ganze Weile durch die Stadt, was mir ganz gut tut, der Trubel und die Bewegung lenken mich ab. Dann fahre ich nach Hause. Dort angekommen, widme ich mich tatsächlich den ganzen restlichen Samstag und einen großen Teil des Sonntags der weiteren Vorbereitung meines Seminarvortrags. Gleichzeitig vermisse ich sie, denke an sie.

Aber auch N.s Angebot geht mir noch durch den Kopf, war das jetzt wirklich nur ein Witz oder hatte sie das doch ernst gemeint? Wollte sie mich damit prüfen? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß sie wirklich dermaßen auf mich abgefahren sein könnte, daß sie sich dazu hinreißen läßt. Und ich kann ja auch nicht einfach M. davon erzählen. So oder so hat N. mich damit verunsichert, das muß ich M. nicht auch noch antun. Sollte ich mich vor N. in acht nehmen? Oder war das nur ein Warnschuß vor den Bug, daß ich die Geschichte mit M. bloß nicht in den Sand setzen soll? Nach dem, was ich über sie weiß, ist ihr so oder so einiges zuzutrauen. Aber es kommt mir auch nicht allzu schlau von ihr vor, das in dieser Weise zu dem Zeitpunkt zu versuchen. Na gut, wann sonst, wenn sie ihre Schwester beschützen will? Aber um den Preis, daß ich es M. erzähle und damit alles durcheinander gerät? Das traue ich ihr dann doch nicht so recht zu. Also gehe ich von einer unüberlegten Aktion von ihr aus, um herauszufinden, wie ernst es mir mit M. ist. Ich sollte es wohl daher besser einfach vergessen. Wenn es sich nicht wiederholt, muß das wohl auch nicht mehr erwähnt werden.

Bemerkenswert und originell war natürlich auch N.s Gedichtinterpretation. Das hat mich wirklich verblüfft, ihr ist sehr viel dazu eingefallen und sie hatte Fachbegriffe präsent. Sie hatte wohl wirklich in der Schule aufgepaßt und viel mehr Interesse, als sie hat zeigen wollen. Immerhin, so wie das alles verlaufen ist und wie sie uns munter Regieanweisungen gegeben hat, glaube ich ja doch, daß sie mir zu vertrauen beginnt, daß ich mit M. keinen Unfug anstellen will. Sie ist schon sehr direkt, aber irgendwie scheint sie unter dieser offensiven Oberfläche einen sensiblen Kern zu verbergen. Vielleicht liegt das an dem gleichen Problem, welches M. mit ihren Eltern, besonders mit dem Vater hat, nur reagiert N. darauf ganz anders, ist einerseits sexuell sehr offen, verschließt aber ihre Innenwelt und läßt keine tieferen Gefühle zu oder verbirgt sie. Und das ändert sich offenbar nur sehr langsam, immerhin scheint sie mit P. eine etwas engere Verbindung einzugehen, sicher auch aufgrund des Gefühlsdefizit, was sie mit ihm halbwegs kompensieren kann.

Die Liebe allein versteht das Geheimnis andere zu beschenken, und dabei selbst reich zu werden.

Clemens Bretano

Auch der Geist kann eine erogene Zone sein.

Raquel Welsh

Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen.

Josephine Baker

Für mich sind die Männer die schönsten und gefährlichsten Raubtiere der Welt. Ich liebe sie, wie ein Dompteur seine Tiger liebt.

Eartha Kitt

(21) Sonntag Abend

Pünktlich um 20 st bin ich wieder bei M., wir umarmen uns, ich wirbele sie herum, sie drückt mich ganz fest an sich, ihre Wange gegen meine, kitzelt mich anschließend mit dem Ende ihres Zopfes an der Nase.

N. ist begeistert von meiner Pünktlichkeit, aber sie könne sich auch darauf verlassen, daß P. pünktlich um 20:15 komme, sie wollten ausgehen, um ihren Urlaub ausklingen zu lassen, wollten tanzen gehen. Immerhin, M. habe mich gut erzogen, meint sie, brav sei ich am Samstag gegangen, als M. es gesagt habe, und sei pünktlich zur verabredeten Zeit wieder zur Stelle, sie amüsiert sich, ebenso sei ich offenbar bereit, alle ihre Ideen mitzumachen, bedingungslos zu warten, bis sie so weit sei, Sex mit mir zu haben, ob mir das eigentlich gar nicht schwerfalle?

Ich gebe zurück, es müßten eben nicht alle alles und sofort haben, wie sie vielleicht denke, man müsse auch Geduld haben können, und wenn etwas nicht sofort in Erfüllung gehe, steigere das nicht noch das Verlangen, mache es dann das eigentliche Ereignis nicht noch viel intensiver, schöner? Werde es dadurch nicht noch mehr zu etwas besonderem hervorgehoben? Und es gehe ja nicht nur um Sex, sondern eben um Liebe, Geborgenheit, Zusammengehörigkeit, all das gehöre ja dazu. Da sei es doch nicht nur ganz normal, sondern auch sehr wichtig, aufeinander einzugehen, miteinander herauszufinden, wie man miteinander zurechtkomme.

Sie meint, vielleicht traute ich mich nur nicht, meine Meinung durchzusetzen? Oder sei ich bereit, M. alles entscheiden zu lassen, weil ich mich nicht traue, meine Auffassungen durchzusetzen? Würde ich alles tun, was M. von mir verlange?

Ich sage: Wenn ich alles täte, was M. möchte, wenn ich mich ganz nach ihr richten würde, um ihr möglichst gut zu entsprechen, verlöre ich da nicht meine Persönlichkeit? Aber ohne Persönlichkeit könnte ich sie nicht mehr lieben. Also nein, alles würde ich sicher nicht tun, aber es sei mir natürlich wichtig, was M. denke und wünsche.

Es sei aber auch so, daß ich oft zu speziellen, komplexen Themen keine fertige Meinung parat hätte, dann hätte ich im Bedarfsfalle meine und ihre Meinungen oder auch andere zu prüfen. Wenn eine Meinung meiner Prüfung standhielte, sei es möglich, sie zu akzeptieren oder sogar als eigene anzunehmen. Doch in Bezug auf die Beziehung mit M. sei es natürlich wichtig, daß wir beide unsere Ansichten prüften und versuchten zu verstehen, um so eine akzeptable Meinung annehmen zu können oder zumindest die des anderen tolerieren zu können.

N. bohrt nach, ich sei also auch nicht bereit, ihr blind zu vertrauen? Wenn sie sage: Vertraue mir und tue das! würde ich es tun?

Ich erwidere, solange ich keine echte Gefahr für jemanden darin sehe, würde ich es wahrscheinlich tun, sonst müßte ich auf jeden Fall nach einer Begründung fragen, wenigstens eine kurze Begründung, selbst wenn es eile und sie deswegen nicht lange diskutieren könne, doch entscheiden müsse ich auch dann immer noch selbst von Fall zu Fall. Letztlich sei ja jeder immer für das verantwortlich, was er tue, müsse also auch selbst entscheiden, ob er den Wünschen und Vorstellungen von anderen folge - oder eben auch nicht, wenn es falsch sei.

Also sei das gar kein richtiges Vertrauen, was ich zu ihr hätte? stellt N. ihre nächste Fangfrage, ich spielte ihr nur den gehorsamen Mann vor?

Ich antworte ironisch lächelnd, ich sei selbst mir gegenüber immer mißtrauisch. M.s Auffassungen gegenüber sei ich aber sicher nicht einfach so mißtrauisch, sondern weil ich wisse, wie leicht man aus einer falschen Einschätzung einer Situation heraus zweifelhafte Schlüsse ziehen könne. Wo sie nicht möglich seien, könne ich auch keine einfachen Lösungen akzeptieren. Bei vielen Dingen seien aber keine großen Komplikationen zu befürchten, so daß hier Vertrauen problemlos möglich sei.

N. meint zu uns beiden, da hätten sich ja zwei Denker gefunden, konstruktive Diskussionen statt leidenschaftlicher, rücksichtsloser Streit, immer den Konsens im Auge, ohne jedoch zu faulen Kompromissen bereit zu sein, eigentlich paßten wir sehr gut zusammen, allmählich müsse sie nun doch an ein Schicksal glauben, daß uns zusammengeführt habe, doch schon um sich nicht zu sehr ihrem Vater anzunähern und irgendetwas von einem gütigen Gott zu erzählen, ziehe sie die Bezeichnung glücklicher Zufall eindeutig vor.

Sie lächelt, M. legt den Arm um meine Hüfte, ich um ihre Schulter. N. gibt mir zwei Schlüssel, sie habe sie noch am Samstag machen lassen, nachdem sie darüber gestern noch mit M. gesprochen habe und diese einverstanden gewesen sei. Da ich ja nun quasi zur Familie gehörte, gehörten auch die beiden Hausschlüssel dazu, ebenso wie mehr Verantwortung. Ich sei damit etwas selbständiger und unabhängiger.

Tatsächlich läutet P. pünktlich, N. geht gleich zu ihm hinunter, sagt zuvor noch, sie werde diese Nacht bei P. bleiben, irgendwie hänge sie doch ziemlich an ihm, verstehen könne sie das selbst nicht, warum er sie so anziehe, daß sie sich so an ihn habe gewöhnen können, daß sie diese Nacht schon wieder mit ihm verbringen möchte. Sie verabschiedet sich und wir sind allein.

Ich frage M. nach ihrer Arbeit, die sie habe machen wollen, ob sie damit fertig geworden sei? M. erzählt eine Weile darüber, sie sei ganz zufrieden mit dem, was sie bis jetzt erreicht habe, fragt mich nach dem, was ich mir für das Wochenende vorgenommen hatte, und ich erzähle nun meinerseits darüber eine Weile.

Ich gebe M. mein Geschenk: "The lamb lies down on broadway" von Genesis. Wir hören uns die Musik an, lesen die Texte, es gefällt ihr zu meiner Freude. Wir diskutieren eine Weile über die Geschichte und M. erläutert auch etwas darüber, was sie alles in der Musik gehört habe.

Später möchte M. zu Bett gehen. Schon im Bett liegend fragt sie mich dann: Wenn N. recht habe und unsere Gespräche, das Kennenlernen durch diesen Austausch von Ansichten für uns so wesentlich seien, was sei dann, wenn uns irgendwann die Themen ausgingen? Was, wenn wir uns eines Tages nichts mehr zu sagen hätten?

Ich bin erstaunt, sie habe doch immer vom Erleben gesprochen und davon, daß es kein Zurück mehr gebe, wie könne sie da jetzt zweifeln? Und Themen werde es doch immer geben, der Alltag sei voll von Themen und Anknüpfungspunkten. Wir müßten doch nicht jeden Tag einen tiefsinnigen philosophischen Diskurs führen. Notfalls könnten wir dann Zärtlichkeiten statt Worte austauschen, außerdem gebe es Bücher, Filme und immer neue Ereignisse und Erlebnisse und Fragen, die diskutiert werden müßten. Es gebe schon mehr interessante Bücher als wir im Leben je lesen könnten, es gebe auch gute Filme, Musik, wie könnten uns da jemals die Themen zum Nachdenken, zum Reden ausgehen? So viele interessante Themen, Geschichten warteten nur darauf, von uns diskutiert zu werden, erst so würden die Geschichten zu leben beginnen, erst wenn wir uns damit beschäftigten. Ich lächele sie an, und wenn dies eine Geschichte wäre, sei sie allerdings genau dann zuende, wenn alles Wichtige gesagt sei!

Sie gibt mir die Karten zum Mischen, für gestern und für heute, erinnert sie mich, sie sei zuerst dran, ich schaue mir die Karten kurz an, mische, halte sie ihr hin, sie zieht ohne Zögern, schaut sich die gezogene Karte an und strahlt mich glücklich an, sie scheint erleichtert, ruft: "Der Joker!", zeigt mir die Karte, es ist der Joker, sie springt auf, gibt mir einen Kuß auf die Wange, flüstert in mein Ohr, jetzt sei es endlich soweit! Sie zieht sich aus, kniet sich aufs Bett, schiebt das Kissen in die richtige Position, legt dann ihre Schulter auf das Bettlaken, spreizt ihre Beine etwas, ihre Hände vergräbt sie über dem Kopf im Laken. Sie verharrt in dieser rituellen Stellung. Sie ist fest entschlossen.

Ich habe mich ebenfalls ausgezogen, streiche mit einem Zeigefinger über ihr Rückgrat, sie ist ganz ruhig und entspannt, in Anbetracht des Bevorstehenden wächst meine Erregung mit den Berührungen ihres Rückens. Ich knie mich hinter sie, fahre mit den Händen sanft über ihre Beine, bringe sie in die richtige Stellung für mich, beuge mich etwas über sie in die richtige Position, meine Hände streichen über ihren Po zu ihren Hüften und halten sich dort fest. Sie schaut zu mir auf, lacht mir zu, sie sieht glücklich aus, was mich sehr beruhigt, also alles in Ordnung mit ihr, keine Angst, alles gut. Ich stimuliere mich noch etwas mit einer Hand, beuge mich dann etwas weiter über sie, bringe meinen Penis mit der Hand an ihre Schamlippen, finde schnell die richtige Stelle und spüre mit den Fingern, der Spitze des Gliedes ihren heißen, feuchten Leib. Ich liebkose sie währenddessen noch mit der Hand, bis ich spüre, sie ist bereit. Ich Muskeln sind jetzt locker, nicht angespannt, zum Glück keinerlei Verkrampfung vor Angst oder Ungewißheit. Ich will sie nicht durch längeres Zögern unnötig quälen. Ich halte ihre Hüften mit beiden Händen, mein Penis dringt ganz vorsichtig in sie ein, bis ich den Widerstand ihres Hymens spüre, ich zögere einen Moment. Sie flüstert: "Jetzt?" Ich antworte: "Ja" ...

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